Musiktheater

Leben des Orest

Oper von Ernst Krenek
PREMIERE
01. Oktober 2022
Große Oper in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln
Spieldauer: 2 Stunden 35 Minuten, inkl. Pause



Orest muss lange wandern und viel erleben, bis der Familienfluch ihn entlässt. Opulent und unterhaltsam schildert die Oper Leben des Orest die antike Geschichte mit ungeahnten neuen Wendungen. 1930 wurde sie mit großem Erfolg uraufgeführt. Ihr Komponist Ernst Křenek wurde 1933 von den Nationalsozialisten mit einem Aufführungsverbot belegt, sodass das Werk heute kaum noch bekannt ist. Dabei gelang ihm mit allen Mitteln der großen Oper des 19. Jahrhunderts, Jazz­Idiomen und volks­tümlicher Wiener Vorstadtmusik ein eingängiges Stück über die Suche des Orest nach seinem eigenen Weg aus der Tragödienfamilie der antiken Orestie. Leben des Orest ist Teil unserer Orestie­-Reihe zusammen mit Orestie im Schauspiel, Furien im Tanz und Elektra von Richard Strauss.

  • Mai
  • Sa. 20.5.
    19.30
  • Di. 23.5.
    19.30
  • Jun
  • Do. 15.6.
    19.30

Trailer

  • Arno Lücker, Opernwelt, November 2022

    Kreneks «Leben des Orest» – in Münster nun als früher Favorit in Sachen «Wiederentdeckung des Jahres» ausgebuddelt – ist ein Meisterwerk. […] So tragisch das Ganze dünkt, so lebendig und humorvoll disponiert Krenek seine Partitur. […] Wohl durchweg wurde hier aus dem Ensemble besetzt! Das führt nicht nur zu einer sehr hohen Spielfreudigkeit, daraus resultiert auch eine musikalische Gesamtleistung, die auf bestechend tollem Niveau abschnurrt und keine Ausfälle oder überhaupt irgendwelche Ärgernisse kennt. Golo Berg und sein fulminantes Orchester haben hörbar Spaß an der verrückten Partitur […]. Anspielungsreich winkt Wagner wattig aus den Untiefen des Rheins; Instrumentenkombinationen des Grauens verweisen auf Gleichzeitigkeit von Ernst und Spaß bei Krenek. Am Ende gibt es zahlreiche «Bravo»-Rufe, viele Vorhänge – für eine erstaunliche, originelle Regiearbeit, für eine sängerisch wie instrumental schneidend präzise wie kompetente Darbietung. Und für einen selten herrlich von Alexander Novikov choreografierten Chor (Einstudierung: Anton Tremmel), der diesen Abend durch witzigste Nummern – (ab)winkend, schalkhafte Abschiedszeremonien vollziehend – auf zünftigen Schwingen hinfort trägt. Größtes Lob!

  • Der eine Körper des Königs - Kühner Intendanzbeginn in Münster: „Leben des Orest“ von Ernst Krenek

    Der darstellungstechnische Begriff für dieses Gegenteil und funktionale Äquivalent des Tragischen als Mittel zur dramatischen Verkettung ist Slapstick. Ausdrücklich schreibt Krenek in seinem Libretto Bewegungen in diesem Stil der amerikanischen Stummfilme vor […]. Der Tenor Brad Cooper macht in Münster aus der Befolgung dieser Anweisung einen Triumph überwältigender Werktreue. […] Nicht nur die Schlagermelodien des Chores, auch die Anklänge an Zeitgenossen und Vorgänger im Opernfach hören sich in der Gesamtwirkung parodistisch an. […] Die Probe auf die Bühnentauglichkeit von „Leben des Orest“, mit der Katharina Kost-Tolmein als neue Intendantin am Theater Münster ihre erste Spielzeit eröffnet, glückt dank der Ensembleleistung. […] Krenek hat den lauernden Habitus des Intriganten Ägisth in plastische Figuren des Hinhaltens übersetzt, und der Tenor Garrie Davislim kann seine Stimme genauso wie seine Gestalt in die Länge ziehen und um Ecken führen. […] Der Personalstil der Amme, in Münster mit Wärme verkörpert von Helena Köhne, ist der innige Schwung des Belcanto […]. Mit Enthusiasmus widmet sich das Sinfonieorchester Münster unter Golo Berg einer Musik, die keine Scheu hat, verständlich zu wirken. […] Im heutigen Theaterbetrieb ist der Teppich ausgebreitet für diese königliche Spieloper im höheren wie niederen Sinne.

    Patrick Bahners, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6.10.2022

  • Machthungriger Vater, wütender Sohn

    Musikalisch ist dieser Beginn der neuen Intendanz spannend. Zum Beispiel, weil der sowohl agierende als auch kommentierende Chor (Einstudierung Anton Tremmel) in all seinen Auftritten glänzt. Generalmusikdirektor Golo Berg hat, wie es scheint, großes Vergnügen daran, die stilistische Vielfalt Kreneks auszubreiten: Da kommen fein spätromantisch getönte Klänge des Sinfonieorchesters aus dem Graben, dann geht es wieder schmissig Richtung angejazzter Unterhaltungsmusik. Dass Krenek seinen Richard Strauss (mit der „Elektra“) kannte, ist hörbar, gegen Ende scheint er aber auch ein wenig „Arabella“ vorwegzunehmen.

    Titelheld Orest kommt in dieser Oper eher spät ins Spiel, hat aber dann immer markantere Auftritte: Für seine heroischen Gesten weist Johan Hyunbong Choi die passend dunklen Baritonfarben auf, überzeugt aber ebenso, wenn sich der weit gereiste Orest im dritten Akt sehnsuchtsvoll an die griechische Heimat erinnert. Das große Ensemble dieser Oper präsentiert neben den wohlvertrauten Garrie Davislim und Gregor Dalal lauter Neulinge für Münsters Opernpublikum, die sich hier mit unbekannten Partien vorstellen. Gleichwohl sind das viele erfreuliche Begegnungen, sei es Brad Cooper mit prägnanter Tenorhöhe als Agamemnon, sei es Wioletta Hebrowska, die die Klytaemnestra-Partie an der Schwelle zum Hochdramatischen gestaltet. Gespannt darf man auf Margarita Vilsone sein: Sie fasziniert an diesem Premierenabend als Elektra, wird aber in der gleichnamigen Strauss-Oper im Dezember – stimmlich passend – deren Schwester Chrysothemis singen.

    Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 3.10.2022

  • Die Schicksalsshow – Ernst Krenek: Leben des Orest

    Was Komponisten von Gluck über Strauss bis Trojahnsozusagen episodenweise veropert haben, gibt es bei Krenek als eine eigene Version im Ganzen. Wirklich verloren gehen kann der Zuschauer dabei jedenfalls nicht. […] Denn nach der Pause legen sowohl Krenekund sein musikalischer Sachwalter am Pult des Sinfonieorchesters Münster, GMD Golo Berg, als auch Regisseurin Magdalena Fuchsberger und das durchweg fabelhafte Protagonisten-Ensemble deutlich zu. Alle zusammen sorgen dafür, dass sich der Anflug von Verständnis für die Darmstädter Proteste von ehedem ins Nichts verflüchtigt. […] Interessant ist, dass die keinen König aus der Familie eines Herrschers wollen, der bereit war, seine Kinder für den Krieg zu opfern. Ein Volk mit Gedächtnis – das gibts auch nicht oft auf der Opernbühne (Den Chor hat Anton Tremmel bestens einstudiert!). […] Der Produktion gelingt damit ein Finale bei dem ein beindruckendes musikalisches und ein klug eingefädeltes szenisches Crescendo zusammentreffen!

     

    Joachim Lange, Die Deutsche Bühne, 2. Oktober 2022

  • Leben des Orest – Theater Münster gräbt Ernst Kreneks vergessene Oper aus

    Magdalena Fuchsbergers Interpretation von Kreneks „Orestie-Version“ ist eine mögliche Lesart, sie lässt ein wenig den psychologischen Sprengstoff außen vor. Abgeleitet hat die österreichische Regisseurin ihren Ansatz aus dem disparaten Stilmix von Kreneks Oper. Der Komponist springt ungeniert zwischen U- und E-Musik seiner Zeit hin und her, vom Moritathaften Ton des Brecht-Weill-Theaters bis zu Wagner- oder Strauss-Anklängen.

    Magdalena Fuchsberger inszeniert Kreneks „Orest“ als Theater auf dem Theater. Sie erlaubt den Blick hinter die Kulissen. Vor Beginn ist der Bühnenvorhang schon einen Spalt offen, wir sehen permanent Bühnenarbeiter, die auf und abbauen. Szenenwechsel werden u. a. mit gefilmten antiken Stätten oder mit Meeresambiente auf einer Leinwand an der Bühnenrückwand gezeigt. […]

    Sängerisch war die Produktion exzellent besetzt. Dem ausdrucksstarken lyrischen Bariton von Johan Hyunbong Choi als Orest hörte man gern zu, ebenso den beiden Tenören Brad Cooper und Garrie Davislim als Bösewichter Agamemnon und Ägisth, Margarita Vilsone hatte die nötige Dramatik für Elektra in ihrer Stimme. Den Chor des Theaters Münster hatte Anton Trimmel exzellent einstudiert, und das Sinfonieorchester Münster wechselte unter der Leitung von Golo Berg gekonnt zwischen den musikalischen Stilwelten. Ernst Kreneks „Leben des Orest“ wäre auch für andere Opernhäuser in seiner Vielseitigkeit und Aktualität eine lohnende Produktion.

    Elisabeth Richter, Deutschlandfunk Musikjournal, 3.10.2022

  • Neue Intendanz, unbekannte Oper. Premiere

    Unter den zahlreichen Gesangssolisten sei zuerst Johan Hyunbong Choi in der Titelpartie gelobt. Bei guter Textverständlichkeit drang sein ausdrucksstarker Bariton über starke Orchesterklänge hinweg, auch leise Töne und kantable Gesangslinien (einmal ohne Orchester) gelangen ihm, dies alles besonders, wo er im fünften Bild sein bisheriges Wanderleben – Franz Schubert läßt grüssen –  als nutzlos empfindet und angeregt durch den Gesang eines Hirten sich zur Rückkehr in die Heimat entschließt. Auch diesen Hirten sang in gewohnt grosser Form Gregor Dalal, mußte dabei aber ganz unsinnig einen Plastikstuhl reinigen. Grossartig gelang Choi auch der Verteidigungsgesang des Orest vor dem Vorhang in direkter Ansprache an das Publikum.

    Sigi Brockmann, Online-Merker, 3.10.2022

  • Stefan Schmöe, Online Musik Magazin, 5.10.2022

    Großformatige Videosequenzen im Hintergrund (Aron Kitzig) blenden ins heutige Griechenland über, zeigen aber auch selbstreflexiv das Münsteraner Theater. Manches Detail ließe sich sicher noch schärfen, aber insgesamt hält die Regie die von Krenek intendierte Schwebe zwischen Ernst und Unterhaltung recht gut. […] Das Ensemble kann durchweg überzeugen und mitunter auch glänzen. Johan Hyungbong Choi, neu im Ensemble, ist mit jugendlichem Bariton ein zuverlässiger, etwas braver Orest, Margarita Vilsone eine furios auftrumpfende Elektra, Katharina Sahmland mit leichtem Sopran eine mädchenhaft klangschöne Iphigenie. Brad Cooper gibt den Machtmenschen Agamemnon mit markantem Tenor, Garrie Davislim einen überzeugend schmierigen Gegenspieler Aegisth und Wioletta Hebrowska eine solide Klytaemnestra. Gregor Dalal imponiert als stimmgewaltiger Richter und Hirt, Robyn Allegra Parton singt eine intensive nordländische Prinzessin Thamar […], Helena Köhne steuert eine präsente Amme Anastasia bei. Der ausgezeichnet singende und sehr spielfreudige Chor und Extrachor (Einstudierung: Anton Tremmel) legt wirkungsvoll manche Revueeinlage hin und klingt auch in reduzierter Besetzung als Straßenmädchen, Älteste und in den erzählenden Passagen, die Krenek an den Anfang einiger Bilder gestellt hat, ausgesprochen homogen. Chefdirigent Golo Berg leitet das gute Sinfonieorchester Münster, ergänzt um Banjo und Harmonium, umsichtig und mit viel Sinn für die ungewöhnlichen Klangfarben […].