Sinfonieorchester Münster
Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebes Konzertpublikum,
unsere Zeit verlangt uns Bekenntnisse ab, und wir sehen uns aufgefordert, uns zu Fragen zu positionieren, die als »wichtig« deklariert werden und deswegen kein Ausweichen dulden. Auch von uns Künstlerinnen und Künstlern wird heutzutage erwartet, dass wir Stellung zum Zeitgeschehen beziehen. Gilt das auch für ein Städtisches Sinfonieorchester? Wie ermittelt man denn die Haltung eines vielköpfigen Klangkörpers zu Fragen der Weltpolitik, des gesellschaftlichen oder klimatischen Wandels? Durch eine Mehrheitsentscheidung? Oder muss ein Orchester einfach nur die Meinung seines Chefdirigenten vertreten? Gibt der Arbeitgeber die künstlerisch zu vertretende politische Meinung vor?
Zum Glück nicht.
Im Privaten vertreten wir unsere Meinungen, wir streiten und ringen mit Recht um eine Haltung zu den
aktuellen Entwicklungen. Aber als künstlerische Institution sollten wir uns darauf konzentrieren, »Licht in die Tiefe des menschlichen Herzens« zu senden. So formulierte Robert Schumann »des Künstlers Beruf«, und so positionieren sich weltweit Musiker wie beispielsweise Daniel Barenboim. Es ist unser Auftrag, jenseits politischer, ideologischer oder religiöser Interessen den Menschen im Blick zu behalten, sein Glück und sein Leid. Wenn wir aufgefordert werden, uns zum Zeitgeschehen zu äußern, dann kann es uns nur darum gehen, daran zu erinnern, dass es bei allem und immer um den Menschen gehen muss!
Indem unsere Musik mitfühlt und inspiriert, vergessen und träumen lässt, aber auch Mut macht und beflügelt, bezieht sie Stellung: für die Menschen! Und darüber müssen wir nicht abstimmen, denn es ist das Wesen unseres Berufes.
Wir laden Sie also ein, uns in die Welt der Musik zu folgen, begnadeten und hochtalentierten Solisten zu lauschen und sich von den Meisterwerken der Konzertliteratur begeistern und auch trösten zu lassen.
Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Golo Berg
Generalmusikdirektor