Generation Gap
AUFFÜHRUNGSDAUER
ca. 1 Stunde 20 Minuten, ohne Pause
Generation Gap
Tanz·abend in 3 Teilen
Die meisten Paare sind etwa 27 Jahre alt,
wenn sie ihr erstes Kind bekommen.
Das Kind gehört zur neuen Generation.
Die Eltern gehören zur alten Generation.
Der Titel Generation Gap ist Englisch.
Man spricht den Titel so aus: Dschä-nä-rä-schen Gäp.
Generation Gap bedeutet ungefähr:
Alte Menschen haben andere Erfahrungen als junge Menschen.
Deshalb kommt es zu Problemen zwischen den Generationen.
Der Tanz·abend zeigt 3 Stücke
Die Stücke sind von 3 Choreo·grafen und Choreo·grafinnen.
Die Choreo·grafen und Choreo·grafinnen kommen aus 3 Generationen.
Das erste Tanz·stück ist von Fabien Prioville
Fabien Prioville kommt aus Frankreich.
Man spricht seinen Namen so aus: Fa-bi-än Prio-will.
Sein Tanzstück heißt 2Sides Short.
Das ist Englisch.
Man spricht es so aus: Tu ßeids Schort.
Der Titel bedeutet: Das ist die kurze Fassung von dem Stück 2 Seiten.
Das Stück ist nach der Corona-Zeit entstanden.
Viele Künstler und Künstlerinnen konnten in der Corona-Zeit
nicht auf der echten Bühne auf·treten.
Die Künstler und Künstlerinnen haben dann
viel mit sozialen Medien gemacht.
Zum Beispiel mit Facebook und Instagram.
2Sides Short zeigt diese 2 Seiten:
· Die Live-Aufführungen vor Publikum
· und die Arbeit mit den sozialen Medien.
Einen Teil von 2Sides Short kann man bei jeder Vorstellung
auf dem Instagram-Kanal von Tanz Münster sehen.
Das zweite Tanz·stück ist von Johana Malédon
Ihr Name ist Französisch
Man spricht ihn so aus: Johana Ma-le-do.
Sie ist die jüngste Choreo·grafin von dem Tanz·abend.
Ihr Tanzstück heißt: À Bientôt.
Man spricht das so aus: A bi-en-too.
Es bedeutet: bis bald.
À Bientôt hat das Thema Abschied und Neu·anfang.
5 Tänzer und Tänzerinnen machen mit.
Sie zeigen Gefühle mit großen und kleinen Bewegungen.
Zum Beispiel: Trauer, Abschied und Freude über Neues.
Die Tänzer und Tänzerinnen sind einzeln oder als Gruppe mal stark.
Und mal verletzlich.
Das dritte Tanz·stück ist von Yoshiko Waki
Yoshiko Waki ist Japanerin.
Sie ist die älteste Choreo·grafin.
Man spricht ihren Namen so aus: Jo-schi-ko Wa-ki.
Ihr Tanz·stück heißt: GLÜCK.
Das Tanz·stück erzählt von einem armen Dorf.
Es gibt Krieg.
Die Menschen in dem Dorf wissen:
Ihre Kinder werden später Soldaten und Soldaten·frauen.
Ihre Kinder werden mit dem Feind kämpfen müssen.
Das wollen die Eltern nicht.
Deshalb treffen sie eine schreckliche Entscheidung.
Übersetzung in Leichte Sprache: Büro für Leichte Sprache – Niederrhein
Prüferinnen: Claudia Schürmann, Sabine Vogt, Anja Wiegand
Das 2023 von der Fabien Prioville Dance Company kreierte Werk 2Sides entstand aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie und der Frage, was ‚Lebendigkeit‘ in der darstellenden Kunst bedeutet. Das Stück untersucht Streaming-Formate und Zuschauerverhalten und geht dabei weit über die rein funktionale Nutzung von Plattformen wie Zoom oder YouTube hinaus. 2Sides schafft einen experimentellen Raum, in dem die physische Performance und ihre digitale Entsprechung nicht einfach nebeneinander existieren, sondern in einen Dialog treten – manchmal verbindend, manchmal kollidierend.
Im Rahmen von GENERATION GAP wird eine komprimierte Version des Werks unter dem Titel 2Sides (Short) präsentiert. Hier wird die technische Komplexität des Originals reduziert, wobei der Fokus auf sozialen Medien als einzige Streaming-Plattform liegt. Diese Vereinfachung betont die Zugänglichkeit und Unmittelbarkeit, während die grundlegende Idee der Verbindung von physischer und digitaler Sphäre erhalten bleibt.
À Bientôt ist ein getanztes Quintett von Johana Malédon, das den Übergang zwischen Abschied und Neuanfang thematisiert. Der Werktitel vermittelt das Gefühl, alles aufs Spiel zu setzen, während man zugleich das Vergangene bewahrt, um Platz für eine neue Geschichte zu schaffen. Die Choreografie geht auf Bifneem Sheli (dt. Mein Inneres) zurück, ein Solo, das nach einer Reise durch Israel (2018) entstand. Das Konzept ist von der Idee geprägt, dass jeder Moment sowohl Anfang als auch Ende eines Prozesses sein kann. Innerhalb des Programms PATCHWORK PARCOURS #3 der Spielzeit 2024/25 konnte man bereits einen Vorgeschmack auf À Bientôt am Theater Münster erleben.
Im Zentrum der Kreation steht der Körper, der zwischen nach außen wirkender Rüstung und verletzbarem, zarten Fleisch nach innen oszilliert und sich immer wieder verändert. Die Bewegung wird zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Inneren und zur Selbstbeobachtung, die die Grenzen des Sichtbaren hinterfragt. Hier begegnen sich Instinkt und Brutalität, Körper und Geist finden Antworten auf Fragen, die oft im Unscheinbaren verborgen liegen.
Mit kraftvollem und kontrastreichem Tanz begeben sich die fünf Tänzer*innen auf eine Reise, die sowohl körperlich als auch emotional herausfordert. Ihre Bewegungen fordern das Publikum auf, seinen Horizont zu erweitern und den Blick auf das Wesentliche zu schärfen: Körper, Raum, Erinnerungen und Geschichten. À Bientôt ist eine Einladung, die Vielschichtigkeit einer menschlichen Lebensreise zu erkennen – in all ihren Formen und Facetten.
Die mit ihrer Company bodytalk seit zehn Jahren im Münsteraner Pumpenhaus residierende Choreografin Yoshiko Waki präsentiert im letzten Teil das für Tanz Münster adaptierte Tanztheaterstück GLÜCK, das 2017 beim Kaunas International Dance Festival (Litauen) unter dem Originaltitel GLÜCK / LAIMĖ \ СЧАСТЬЕ uraufgeführt wurde. Damals handelte es sich um eine Koproduktion zwischen bodytalk mit dem Kaunas Dance Theater AURA in Litauen und dem Theater im Pumpenhaus, welche durch die Bezirksregierung Münster sowie das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördert wurde.
Das Tanztheaterstück erzählt von einem abgelegenen, ärmlichen Dorf, dessen Bewohner*innen beschlossen haben, ihre Neugeborenen im Teich zu ertränken, um ihnen das Schicksal zu ersparen, später als Soldaten oder Soldatenbräute für die feindliche Macht zu kämpfen, die das Dorf seit Jahren umzingelt hält. Der performative Akt des ‚Aus-Sterbens‘ wird regelrecht zelebriert und gleicht einem Spiel. Doch die Dorfbewohner wissen nicht, dass der Feind im Dorfweiher ein unterirdisches Hauptquartier eingerichtet hat, die Babys heimlich rettet und aufzieht.
Jahre später, als eben diese Kinder erwachsen sind, erfahren sie um ihre Herkunft. So beschließen sie, das Dorf zu besetzen und das Unrecht zu beenden. Doch weder Eltern noch Kinder erkennen einander…
Part 1: 2SIDES (Short) von Fabien Prioville
Ton
- Geräuschkulisse (Stimmen, Klänge)
- plötzliche laute Geräusche
- bedrohliche Atmosphäre
Beleuchtung
- Einsatz von Laser
- Blendendes Gegenlicht
Part 2: À Bientot von Johana Malédon
Ton
- Lautstärke und Intensität der Musik (Vibration, Verzerrung)
- Geräuschkulisse (Stimmen, Klänge)
- plötzliche laute Geräusche
- bedrohliche Atmosphäre
Beleuchtung
- Dunkelheit
- Blendendes Licht (D-Block)
- Buntes Licht (rot, bedrohliche Atmosphäre)
Part 3: GLÜCK von Yoshiko Waki
Ton
- Alarmsirenen (Krieg)
- Lautstärke und Intensität der Musik
- Schreie
- plötzliche laute Geräusche
- bedrohliche Atmosphäre
- Lautstärke des Gesangs
Beleuchtung
- Dunkelheit
- Plötzliche Lichtwechsel
In GLÜCK werden die Themen Krieg und die damit einhergehende Gewalt eindrücklich inszeniert.
Dies betrifft insbesondere…
- das Singen eines nationalistischen Lieds auf der Melodie der Deutschen Nationalhymne
- das Ertönen einer Alarmsirene
- die Verwendung von Kriegsrhetorik
- die direkte Erwähnung aktueller (Angriffs-)Kriege in Einspielern
- die tänzerische Imitation von physischer Gewalt (Kampf) und Waffen (Maschinengewehr)
- sowie das metaphorisch aufgeladene Essen von Brotlaiben, die Kinder darstellen.