Musiktheater

Der Schmied von Gent

Große Zauberoper in 3 Akten von Franz Schreker
PREMIERE
21. Oktober 2023
Spieldauer: 2 Stunden, 40 Minuten, eine Pause

In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Inhalt

Der Schmied Smee muss aus Not dem Teufel seine Seele verkaufen und durchlebt wechselhafte Zeiten zwischen Himmel und Hölle, Geusen und Spaniern mitten im Unabhängigkeitskrieg der Niederländer gegen die Spanischen Habsburger. Märchenhafter Stoff, groteske Komik und eine klare Klangsprache mit einzelnen Ausflügen in die funkelnden Orchesterfarben früherer Werke machen Franz Schrekers letzter Oper zu einem einzigartigen Werk. 1932 uraufgeführt bietet die Oper großartige sängerische und spielerische Aufgaben für das gesamte Musiktheaterensemble, Chor und Sinfonieorchester. Die Produktion entstand im Rahmen des Festprogramms zum 375-jährigen Jubiläum des Westfälischen Friedens der Stadt Münster.

Trailer

Inszenierungsfotos

  • Wioletta Hebrowska, Alik Abdukayumov / © Martina Pipprich
  • Alik Abdukayumov / © Martina Pipprich
  • Alik Abdukayumov, Chor / © Martina Pipprich
  • Youn-Seong Shim, Alik Abdukayamov / © Martina Pipprich
  • Alik Abdukayamov, Benjamin Park, Garrie Davislim / © Martina Pipprich
  • Alik Abdukayumov, Chor / © Martina Pipprich
  • Robyn Allegra Parton, Alik Abdukayamov / © Martina Pipprich
  • Garrie Davislim, Alik Abdukayumov / © Martina Pipprich
  • Alik Abdukayumov, Wioletta Hebrowska / © Martina Pipprich
  • Robyn Allegra parton, Alik Abdukayamov, Youn-Seong Shim, Chor / © Martina Pipprich

Pressestimmen

  • Rezension Deutschlandfunk kultur heute

    Sehr originell gemacht. Es wird keine Sekunde langweilig. […] der Himmel ist eine sehr martialische Angelegenheit. Sie [Magdalena Fuchsberger] kommt auf die sehr gute Idee, dass sich selbst der liebe Gott aus dem Staub macht und gar nicht so gerne in dieses Paradies will, das nämlich bevölkert wird von irgendwelchen Diktatoren, auch von Nazis, Menschen mit Hakenkreuzbinden, […], was vorher sehr geschickt, sehr subtil und originell ist. Gesungen hat u.a. Alik Abdukayamov. Er, der Smee-Sänger, ist hervorragend, ganz großartig, sehr witzig, dann auch sehr verzweifelt. Er hat einen gerissenen, etwas zwielichtigen Widersacher, Slimbroek, Garrie Davislim, auch klasse. Astarte, Robyn Allegra Parton, das ist die verführerische Teufelin, die so einen flirrenden Ton reinbringt, großartig, man versteht jedes Wort. Hervorhebenswert alle, unter der Leitung von Henning Ehlert, der ist Kapellmeister am Theater Münster, auch das Sinfonieorchester Münster macht seine Sache sehr gut. [… ] eine großartige Aufführung.

     

     

    Deutschlandfunk kultur heute, Uwe Friedrich, 23. Oktober 2023

     

  • Ein Pakt für sieben fette Jahre

    So ist die Münstersche Produktion, gewissermaßen in der Linie von Kreneks „Leben des Orest“ der vergangenen Spielzeit, zuvörderst historisch interessant. Der starke Premierenapplaus galt gewiss der imposanten Hingabe all der beteiligten Musiker auf der Bühne und im Orchestergraben: Dort hielt Dirigent Henning Ehlert alle Fäden souverän in der Hand und wurde der orchestralen Kleinteiligkeit des Stücks mit Liebe zum Detail gerecht - fabelhaft etwa gelangen die kuriosen Fugato-Passagen. [...] Das ebenso große wie gute Ensemble wird angeführt von Alik Abdikayamov, der die gewaltige Baritonpartie des Titelhelden nicht nur unermüdlich und zudem mit spielerischem Engagement beherrscht, sondern auch in den feinen, ariosen Momenten wie „Schön Bäum“ überzeugt.

     

    Westfälische Nachrichten, Harald Suerland, 23. Oktober 2023

  • Himmlische Hölle, höllischer Himmel

    Musikalisch beweist Franz Schrekers letzte Oper Großformat – dank des Sensoriums von Kapellmeister Henning Ehlert und des Sinfonieorchesters Münster für Schrekers Selbstparodien seines früheren Stils.

    Regisseurin Magdalena Fuchsberger jedenfalls dünkt die Hölle einigermaßen unverdächtig. […] Und selbst nachdem er Astarte in den Sack gesteckt, sie erpresst und die Urkunde mit dem Satanspakt zurückerlangt und zerfetzt hat, will ihm die Teufelin nicht wirklich übel. Wenn später der inzwischen verblichene Smee auf seinem Weg zum Himmelstor an der Hölle vorbei muss, heißt deren Chefin ihre Entourage ihn lediglich der Form halber und mit harmlosen Geschossen attackieren. […] Musikalisch beweist Schrekers letzte Oper in Münster Großformat. Anton Tremmels Chor und Extrachor des Hauses stellen sich der monumentalen Aufgabe und bewegen sich der Effekte sicher durch das Klangspektrum vom gleißnerischen Locken der Hölle bis zu des Himmels Jubelhymnen. Wie das Schmiedehandwerk der Titelfigur gebietet, überwiegen in der Partitur deftiges Blech und heftige Perkussion. Henning Ehlert entlässt diese mit dem Sinfonieorchester Münster unter vernehmlichem Augenzwinkern aus dem Graben. […] Anton Tremmels Chor und Extrachor des Hauses stellen sich der monumentalen Aufgabe. Durchschlagskräftig, viril und begabt für die vielen grotesken Facetten seiner Rolle, wächst Alik Abdukayumov zum überragenden Gestalter der Titelpartie auf. Abdukayumovs Smee ist eine Wucht an Vitalität und Schalkheit. Stimmlich und spielerisch kongenial verkörpert Wioletta Hebrowska raumgreifend und immer das melodische Potential ihrer Rolle ausreizend seine Frau. Robyn Allegra Parton singt sich silberglänzend und höchst beweglich in des Schmiedes Herz. Auch alle weiteren Partien im großen Ensemble sind trefflich besetzt. […] Durchschlagskräftig, viril und begabt für die vielen grotesken Facetten seiner Rolle, wächst Alik Abdukayumov zum überragenden Gestalter der Titelpartie auf. Abdukayumovs Smee ist eine Wucht an Vitalität und Schalkheit. Stimmlich und spielerisch kongenial verkörpert Wioletta Hebrowska raumgreifend und immer das melodische Potential ihrer Rolle ausreizend seine Frau. Robyn Allegra Parton singt sich silberglänzend und höchst beweglich in des Schmiedes Herz. Auch alle weiteren Partien im großen Ensemble sind trefflich besetzt.

     

    concerti.de, Michael Kaminski, 23.10.2023

  • Nüchterner Zauber

    Wer die Gelegenheit in Münster nutzen möchte, kann dort eine musikalisch sehr gelungene Produktion erleben. Das Orchester wird unter der Leitung von Henning Ehlert der anspruchsvollen Partitur voll gerecht. Viele sehr offen liegende Passagen etwa der Holzbläser kommen sehr gut zur Geltung. Und auch Chor und Solistenensemble machen eine gute Figur. Alle Beteiligten artikulieren den Text besonders klar verständlich und scheinen ohne Mühe über das Orchester zu kommen. Der Bariton Alik Abdukayumov klingt in der großen Titelpartie sehr natürlich, Wioletta Hebrowska (Smees offenbar namenlose Ehefrau) lässt bereits gleich am Anfang in einem Gebet aufhorchen. Neben diesen beiden größten Rollen wäre besonders die Sopranistin Robyn Allegra Parton hervorzuheben, eine stimmlich ganz bezaubernde Teufelin Astarte.

     

    Klassik.com, Dr. Jan Kampmeier, 23.10.2023

  • Lebensbilanz eines Schlitzohrs „Der Schmied von Gent“: Münster reagiert auf 375 Jahre Westfälischer Friede

    Eine schöne Fügung, wenn so ein Thema dazu führt, dass es etwas zu entdecken gibt. Am Großen Haus in Münster wird „Der Schmied von Gent“ von Franz Schreker (1932) gespielt, ein selten zu erlebendes Werk. Regisseurin Magdalena Fuchsberger verortet es zwischen Schelmenstück und politischer Mahnung. […] Die Akte zwei und drei verbinden Märchenmotive mit schwarzem Humor und Parodie. Die Münsteraner Sinfoniker unter Henning Ehlert setzen die Wendungen zwischen großem dramatischen Opernton und bissiger Ironie schön um. Das Ensemble steht nicht zurück. Der Opernchor (einstudiert von Anton Tremmel) macht höllisch Spaß als Teufelstrupp aus der Unterwelt, der palmenschwingend im Tonfall großer Historienschinkenmusik auf Smee einsingt, sich doch auf den Pakt einzulassen. […] mit gelassener Würde etwa Gregor Dalal als spanischer Aristokrat und als Petrus an der Himmelspforte. Als Smees Rivale Slimbroek torkelt Garrie Davislim, Schnapsflasche in der Hand, durch seine Szenen und klingt stets leicht und ironisch. Robyn Allegra Parton glitzert als Oberteufelin Astarte. Alik Abdukayumov gibt die Titelrolle als versierten Pfiffikus mit schwarzem Seelenkern, der ihn zu immer neuen Taten und Prahlereien treibt. Er ist bestens gekoppelt mit Wioletta Hebrowska als seine Frau, der eine schöne Fusion von großem Drama und Listigkeit gelingt. […] Regisseurin Magdalena Fuchsberger gibt den beiden schöne Steilvorlagen, etwa wenn das Paar, vom Wohlstand zu grotesken Kugeln aufgepolstert, durch den zweiten Akt rollt. Sie zeigt ein wohlanständiges Bürgerpaar, das wie Fett auf der Suppe immer oben schwimmt.

     

     

    Westfälischer Anzeiger, Edda Breski, 24.10.2023

  • Knapp gerettet

    Die Musik ist flott, durchaus eingängig, ohne banal zu sein, im besten Sinne volkstümlich, dabei bezugsreich und komplex und doch einfach und „gegenständlich“ tönend. Sie pulsiert und drängt, schlendert und marschiert, tänzelt und trällert – zwei Stunden Musik ohne Langeweile. Bewundernswert ist die delikate Instrumentation der Partitur. […] dieses musikalische Feuerwerk kompositorischer Virtuosität versteht das Sinfonieorchester Münster unter der Leitung von Henning Ehlert zu einem gleichermaßen transparenten wie glitzernden Klangfluss zu gestalten. Vor allem die Bläsergruppen und das vielbeschäftigte Schlagwerk brillieren mit solistischen Bravourstücken.

    Zu dem sehr überzeugenden Klangbild aus dem Orchestergraben und dem engagiert singenden und spielenden Opernchor (Einstudierung: Anton Tremmel) passt die durchweg erfreuliche darstellerische und musikalische Leistung des Sängerensembles.

    Die Titelrolle singt und gestaltet Alik Abdukayumov mit einem differenziert geführten Bariton, der alle Facetten der Bühnenfigur zum Klingen bringt. Wioletta Hebrowska ist seine selbstbewusste Handwerkergattin, die mit Abdukayumov wunderbar harmoniert und ihre Rolle in Rezitativen, im Parlando und in den klangvollen Duetten und Soli gleichermaßen bravourös gestaltet. Die Charakterrollen der Handwerker, Adligen, des höllischen wie des himmlischen Personals sind durchweg überzeugend besetzt, vor allem Robyn Allegra Parton in der Rolle der höllischen Verführerin Astarte bezirzt den Schmied und das Publikum mit ihrem hellleuchtenden Sopran und ihrer aparten Darstellung einer attraktiven Teufelin. 

     

     

    Opern.news, Oliver Class, 23.10.2023

  • Die Himmelfahrt eines trickreichen Wein-Liebhabers

    Wie er den fatalen Vertrag bricht und späterhin als kühner Verstorbener vor der Himmelspforte eine Weinschenke eröffnet, das ist so märchenhaft unwahrscheinlich wie irrwitzig frech ausgedacht – man sollte diesen trickreichen Triumph im Theater Münster selbst erleben.

    Alexander Reuter, Die Glocke, 24.10.2023

Eine Produktion im Rahmen des Jubiläums 375 Jahre Westfälischer Frieden