(c) Hans Jürgen Landes
Schauspiel

Der Idiot

Milena Michalek nach Fjodor Michailowitsch Dostojewski
und einem Text von Clara Kroneck

Erstaufführung
PREMIERE
11. Oktober 2025
AUFFÜHRUNGSDAUER
3 Stunden 40 Minuten, eine Pause: eine Stunde und 45 Minuten

Fürst Myschkin wird in der Petersburger Gesellschaft immer wieder als „Idiot“ bezeichnet. Nur so lässt sich erklären, dass er zu keiner Lüge imstande ist. Auf der Rückreise von einem Sanatoriumsaufenthalt lernt der Fürst im Zug Rogoschin kennen, der von seiner Leidenschaft zur „beängstigend schönen“ Nastassja Filippowna erzählt. Rogoschin zieht den Fürsten in ein dunkles Beziehungsgeflecht, vor dem ihn auch seine Verwandten um die resolute Generalin Lisaweta Prokowjewna und deren kluger Tochter Aglaja nicht bewahren können. Für alle bleibt er ein gutmütiger „Idiot“, ein heiliger Narr in Christo, der in die moderne Gesellschaft nicht passt, weil er ihr den Spiegel vorhält. Der Idiot ist Dostojewskijs zweite „große Romantragödie“, die die Autorin und Regisseurin Milena Michalek neu bearbeitet und für unsere heutige Zeit erschließt.

Inszenierungsfotos

  • Clara Kroneck, Ansgar Sauren / © Hans Jürgen Landes
  • Ensemble / © Hans Jürgen Landes
  • Christian Bo Salle, Clara Kroneck, Katharina Brenner, Julius Janosch Schulte / © Hans Jürgen Landes
  • Clara Kroneck / (c) Hans Jürgen Landes
  • Katharina Brenner, Clara Kroneck / © Hans Jürgen Landes
  • © Hans Jürgen Landes
  • © Hans Jürgen Landes
  • © Hans Jürgen Landes
  • © Hans Jürgen Landes
  • © Hans Jürgen Landes
  • © Hans Jürgen Landes
  • Alaaeldin Dyab, Clara Kroneck, Julius Janosch Schult / © Hans Jürgen Landes
  • Ensemble / © Hans Jürgen Landes
  • Clara Kroneck / © Hans Jürgen Landes
  • Christian Bo Salle, Pascal Riedel, Carola von Seckendorff, Ansgar Sauren / © Hans Jürgen Landes

Trailer

Audioeinführung

Pressezitate

  • Achim Lettmann – Leichtes Spiel um Menschenliebe, in: Westfälischer Anzeiger (14.10.25)

    Clara Kroneck stellt die Figur auf die weite Bühne des Großen Hauses: wach, aufrichtig, klar und nachdenklich. So schlicht wie sie auftritt, so gewissenhaft gibt sie Antworten, bringt sich ein und bleibt doch immer ein bisschen „allein auf der Welt".

    Es zählt der Moment und der ist schon kompliziert genug. Regisseurin Milena Michalek beatmet Dostojewskis viel schichtiges Figurentableau. Die skurrilen Typen erfreuen mit ihrer starken Bühnenpräsenz.

    In Münster weiß Grigory Shklyar, wie die Bildtechnik das Theaterspiel bereichert.

    Milena Michalek, die auch die Spielfassung für Münster schrieb und sprachlich aktualisierte, liefert keine Textflächen, sondern inszeniert Begegnungen.

    „Der Idiot" wird von einem spielfreudigen Ensemble und einem Pop- Soundtrack getragen, […].

    In Münster setzen Regisseurin Milena Michalek und ihr queeres Bühnenpersonal vor allem ein humanes Statement für Toleranz. „Alle sind erlaubt" resümiert Alaaeldin Dyab, […], und „was für eine Herrlichkeit". Das Premierenpublikum jubelt und applaudiert.

  • Robin Gerke – Dostojewski mit Witz und Wucht, in: Westfälische Nachrichten (13.10.25)

    Der Humor rangiert in Facetten des Slapstickshaften und Absurden zwischen Monty Python und Loriot [...]

    Die Filmsequenzen öffnen nicht nur neue Räume, sie führen auch nah heran an die Gesichter, was die Schrauben von Intensität und Intimität noch ein paar Umdrehungen anzieht. Insbesondere das tragische Liebespaar Nastassja (Elzemarieke des Vos) und Rogoschin (Pascal Riedel) sticht in dieser Hinsicht heraus.

    Trotz Witz, visueller Kniffen und großzügiger Aussparungen verwandelt Michalek den „Idioten" nicht in leichtbekömmliche Abendunterhaltung. […] ein Stück dieser Größe ist und bleibt ein Kraftakt. Einer, den das Ensemble bravourös meistert. Und so verlassen die meisten das Große Haus in Münster nicht nur erschöpft, sondern auch bereichert. Auch als bessere Menschen? Zumindest haben alle in den Spiegel geblickt.

  • Andrea Kutzendörfer – Dostojewskis „Der Idiot" ins Heute gehoben, in: Die Glocke (14.10.25)

    Regisseurin Milena Michalek hebt den opulenten Roman Dostojewksis (1821–1881) als schwungvolles Schauspiel ins Heute.

    Dabei gibt es aber auch amüsante Momente: etwa wenn General Jepantschin für Myschkin die Verwandtschaftsverhältnisse seiner neuen Freunde aufdröselt. Drollig auch die „Jugendbande“ in ihrem Versuch, den Lauten zu machen – allen voran Carola von Seckendorff als aufmüpfige Anführerin. Eine tolle Ensembleleistung [...].

     

  • Günter Moseler – Im Ego-Taumel, in: ULTIMO Nr.23-24/25

    Die Premiere im Großen Haus präsentierte eine Theaterversion als furiose Inszenierungsgroteske (Fassung und Regie: Milena Michalek) aktuellster Art. 

    Literatur-Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft überlagerten sich, als würden sie im nächsten Augenblick zur Hölle fahren - oder in ein besseres Dasein abheben.                                 

    Das Publikum konnte sich so selbstvergessen durch multiple Gefühlsuniversen zappen. Eine Tour de Force absoluter Schauspielkunst und -lust! Jede Figur spielte und lebte selbstreferentiell, ironisch, introvertiert  und auffahrend, irgendwann fiel dann der Satz: "Ich habe das Gefühl, dass früher alles erster genommen wurde". Grandioses Chaos-Spektakeltheater!