Konzert

»Paulus«

Eröffnungskonzert MUSICA SACRA 2026
22
Mai
19.00 Uhr
St. Paulus Dom
»Paulus« Musica Sacra
Eröffnungskonzert MUSICA SACRA 2026
  • Konzert
  • Musica Sacra

Programm

FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY (1809–1847)
»Paulus«
Oratorium für Soli, Chor und Orchester op. 36

Mendelssohns Paulus erzählt nicht nur eine biblische Geschichte, sondern macht einen Umbruch hörbar: Saulus, der Verfolger, wird zu Paulus, dem Verkünder. Das Festivalmotto »Visionen« trifft hier den Kern, denn entscheidend ist nicht ein vager Traum, sondern ein konkreter Moment, der Wahrnehmung und Richtung verändert. Aus einer festen Überzeugung wird eine neue Sicht auf die Welt, und aus dieser neuen Sicht folgen Konsequenzen: Bruch mit dem bisherigen Leben, Konflikt, Verantwortung, Auftrag. Das Oratorium in zwei Teilen, dessen Text Mendelssohn gemeinsam mit Julius Schubring aus biblischen Passagen zusammenstellte, führte schon bei seiner Uraufführung 1836 in Düsseldorf vor, wie unmittelbar geistliche Themen musikalisch erzählt werden können und dadurch Bedeutung erlangen.
Das Werk spannt den Bogen von der Steinigung des Stephanus über die Bekehrung bis zu den Reisen und Auseinandersetzungen des frühen Christentums. Mendelssohn gestaltet diese Stationen als musikalisches Drama, das nicht nur berichtet, sondern deutet: Choräle und Chorszenen kommentieren das Geschehen wie eine Gemeinschaft, die mitfragt, mitbetet und widerspricht. Musikalisch greift Mendelssohn sowohl Bachs kontrapunktische Dichte als auch Händels Sinn für klare dramatische Anlage und wirkungsvolle Chöre auf und verbindet beides mit romantischer Klangfarbe und lyrischem Ausdruck. Gerade diese Mischung macht Paulus so eindringlich: strenge, konzentrierte Chorsätze stehen neben sehr persönlichen Arien und Ensembles. So wird »Vision« hier konkret: als Wechsel der Perspektive, der Handeln erzwingt – und als Prüfstein dafür, was ein Mensch bereit ist zu riskieren, wenn er glaubt, etwas erkannt zu haben.