Schauspiel

Leonce und Lena und Lenz

Georg Büchner
PREMIERE
01. Juni 2024





Büchners Lustspiel Leonce und Lena ist eines der melancholischsten, merkwürdigsten und traumwandlerischsten Stücke des Dramenkanons. Es ist politische Satire und Verwechslungskomödie zugleich: Der vom Leben und der Macht gelangweilte Kronprinz Leonce flüchtet vor der arrangierten Ehe mit der Prinzessin Lena ins Ausland. „Mein Kopf ist ein leerer Tanzsaal, einige verwelkte Rosen und zerknitterte Bänder auf dem Boden, die letzten Tänzer haben die Masken abgenommen und sehen mit todmüden Augen einander an.“ Über Irrungen und Wirrungen hinweg heiraten Leonce und Lena doch – nicht ohne sich auf ihrer Reise als Automaten verkleidet und sich damit der Weltfremdheit ihrer Klasse erneut anheim gegeben zu haben. Der Welt und der Wirklichkeit abhanden zu kommen, droht auch Lenz in Büchners gleichnamiger Erzählung über den Dramatiker Jakob Michael Reinhold Lenz, die wie eine Komplementärfarbe zu Leonce und Lena wirkt. Die einen entfliehen den Zumutungen der wirklichen Welt in Wortwitz und märchenhafte Absurdität, der andere ins nächtlich Abgründige. Elsa-Sophie Jach wird beide Texte zu einer Bühnenerzählung zusammenfügen.

Inszenierungsfotos

  • c: Sandra Then
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Pressestimmen

  • Leonce und Lena und Lenz - Theater Münster: Spiel der Häutungen

    Gestern hatte am Theater Münster ein Büchner-Abend Premiere, der den Zwiebel-Vergleich in vielfältiger Weise aufgenommen hat und immer wieder neue Häutungen und Schichten zeigte. […] Das Wechselspiel gelingt beeindruckend gut. […] Insgesamt führt das In- und Miteinander von "Lenz" und "Leonce und Lena" zu produktiven Reibungen und dazu, dass sich beide Texte gegenseitig kommentieren. […] Der eigentliche Star des Abends ist nämlich nicht Jachs Textkollage, sondern Bettina Pommers Bühne. Die gerundete wie schräge Spiegelwand erlaubt permanent neue und vor allem gleichzeitig mehrere Perspektiven auf die Darsteller:innen. […] Die Bühne wird so zum Ausdruck der kaleidoskophaften Persönlichkeiten von Lenz. Gleichzeitig bringt sie Büchners Changieren zwischen romantischer Idylle und Gesellschaftssatire in "Leonce und Lena" auf beeindruckende Weise zum Ausdruck. So überzeugend also die Textschichten sind, die Jachs zwiebelhafte Inszenierung anhäuft und miteinander verbindet: Ihr Kern ist das Spiegelspiel auf der Bühne.

     

     

     

    Kai Bremer, nachtkritik, 2.6.2024

  • Nur scheinbare Gegensätze

    Elsa-Sophie Jach hat sie trotzdem gekreuzt. Und siehe da, es funktioniert. Am Samstag hatte ihre Inszenierung „Leonce und Lena und Lenz“ im Großen Haus des Theaters Münster Premiere. […] Jach verzahnt die Handlungsstränge zunehmend kleinteiliger, bis sie beinahe parallel ablaufen, sodass die Verwirrung der Protagonisten auf die Zuschauer überzugreifen droht. Als Austragungsort hat Bettina Pommer eine fast schon geniale Bühne gebaut. Sie erinnert an einen großen Trichter, auf dessen steil abfallender Ebene die Akteure ständig abrutschen und sich wieder hocharbeiten müssen. Nadine Quittner überzeugt als Diener Valerio, der seinen Herrn immer wieder zur Räson bringen muss. Julius Janosch Schulte als Leonce und Clara Kroneck als Lena verleihen ihren Figuren das passende Maß an melancholischem Müßiggang, während Katharina Brenner sowohl als König wie auch als Gouvernante für Komik sorgt. Gemeinsam sind sie auch Lenz, dessen tragische Geschichte sie vielstimmig und als Kontrast zur Komödie nicht nur erzählen, sondern auch szenisch umsetzen. Eine gelungene Inszenierung und Zusammenführung zweier scheinbar so gegensätzlicher Texte.

     

     

     

    Helmut Jasny, Westfälische Nachrichten, 3.6.2024

  • Lenz geht ins Gebirge – Leonce und Lena suchen sich nicht, finden einander aber doch

    Da ist dieser kongeniale Trichter, der vom Hintergrund der Bühne sich zum Vordergrund neigt. Der wirkt wie ein inverser Berggipfel. Und mit ihm bereitet Bettina Pommer den Figuren deutlich Probleme. Sie rutschen herunter, versuchen sich zu halten, sind um Standfestigkeit bemüht. Manchmal gelingt es ihnen, sich zu halten, manchmal werden sie Opfer der Gravitation. Es ist eine Freude zu sehen, wie Seelenzustände auch ganz handfest versinnbildlicht werden können. […] Das setzen Regisseurin und Ensemble in einer Gesamtleistung um mit einem fast beängstigenden Perfektionismus. […] Glänzend zeigt sich das Ensemble. […] Das Publikum erlebt ein in sich völlig geschlossenes Regiekonzept, das bis zum Ende ohne Bruch durchgehalten wird. […] ein sehr lohnender Theaterabend wurde da in Münster aus der Taufe gehoben und offene Fragen sind schließlich dazu da, dass man ihnen nachgeht.

     

     

     

    Thomas Hilgemeier, theaterpur.net, 4.6.2024

  • Stadttheater Münster bietet Büchner gleich im Doppelpack

    […] Und so wirft sich Georg Büchner (Aline Serrano) im münsterschen Theater seine Protagonisten kurzerhand selbst über die Schulter und schleppt sie auf die Bühne. […] Regisseurin Jach gelingt es, die beiden thematisch ähnlichen Erzählungen in sich abwechselnden Sequenzen auf die Bühne zu bringen – mit vier Schauspielern, die traumwandlerisch sicher ihre Rollen (und das Stück) tauschen. […] Das I-Tüpfelchen auf dem gelungenen Abend ist aber Aline Serrano, die als Büchner ausdrucksstark durch die Aufführung tanzt und dessen Gedankenwelt so noch einmal untermauert.

     

     

     

    Andrea Kutzendörfer, Die Glocke, 3.6.2024

  • Weltabkehr im Wahn

    Im Grunde ist ein Kammerspiel für vier Schauspieler entstanden, das gut ins Kleine Haus passen würde. Allerdings wird auf der ganz großen Bühne gespielt, auf einer Arena aus Spiegeln. Das bezieht sich auf eine Zeile Lenas aus dem Schluss des Schauspiels, die fordert, das Land mit Brennspiegeln zu umstellen, dass dort immer warmes Wetter sei. Jach und Bühnenbildnerin Bettina Pommer nutzen die Idee, um ein Vexierspiel mit Perspektiven zu treiben. […]  Das kleine Ensemble springt versiert von der Novelle in die Spielszenen und zurück. […] Schön die Idee, den beiden Träumern überdimensionierte Gazeköpfe auf -zusetzen, um sie als lebensferne Luftköpfe zu markieren.

     

     

     

    Edda Breski, Westfälischer Anzeiger, 4.6.2024

Trailer