Schauspiel

Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui

Die große historische Gangstershow von Bertolt Brecht
PREMIERE
25. September 2026
AUFFÜHRUNGSDAUER
1 Stunde 50 Minuten, keine Pause
  • Okt
  • So. 11.10.
    19.00
  • Mi. 14.10.
    19.30
  • So. 18.10.
    19.00
  • Fr. 23.10.
    19.30
  • Nov
  • Sa. 7.11.
    19.30
  • Fr. 13.11.
    19.30
  • So. 22.11.
    19.00
  • Dez
  • Di. 15.12.
    19.30
  • Di. 22.12.
    19.30
  • Di. 29.12.
    19.30
  • Jan
  • Do. 14.1.
    19.30
  • Feb
  • So. 14.2.
    19.00

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“, beendet Bertolt Brecht unheimlich und vorhersehend seine Parabel über den rasanten Aufstieg eines faschistischen Gangsters. Arturo Ui ist Anführer einer Verbrecherbande und nutzt die wirtschaftliche Krise eines Blumenkohl-Trusts aus, um sich als Retter anzubieten. Durch Einschüchterung, Mord und Manipulation der Justiz schaltet er seine Gegner aus, bis er scheinbar unaufhaltsam zur Macht gelangt. Bertolt Brecht beschreibt, wie vergangene und zukünftige Diktator*innen mithilfe von Angst und Korruption, aber auch durch das Wegsehen einer Gesellschaft möglich werden: „Wir brauchen Leute hier, nicht nur bereit / Für uns zu schweigen, sondern auch für uns / Zu reden, und das laut!“

Inszenierungsfotos

  • Daryna Mavlenko, Pascal Riedel, Christian Bo Salle, Luise Zieger, Agnes Lampkin / (c) Hans Jürgen Landes
  • Agnes Lampkin, Daryna Mavlenko, Clara Kroneck, Pascal Riedel / (c) Hans Jürgen Landes
  • Christian Bo Salle, Clara Kroneck / (c) Hans Jürgen Landes
  • Christian Bo Salle, Clara Kroneck, Pascal Riedel, Daryna Mavlenko, Agnes Lampkin / (c) Hans Jürgen Landes
  • Pascal Riedel, Clara Kroneck, Agnes Lampkin / (c) Hans Jürgen Landes
  • Agnes Lampkin, Pascal Riedel, Daryna Mavlenko, Luise Zieger, Clara Kroneck / (c) Hans Jürgen Landes
  • Agnes Lampkin, Daryna Mavlenko, Pascal Riedel, Christian Bo Salle, Luise Zieger / (c) Hans Jürgen Landes

Pressezitate

  • Aktueller Brecht ohne Holzhammer - Robin Gerke (in: Westfälische Nachrichten, vom 28. September 2026)

    Clara Kroneck spielt den titelgebenden Verbrecher mit einer raubtierhaften Gemeinheit. Ihr Arturo Ui schleicht sich aus dem Hintergrund an, schmiert Honig um Mäuler, schüchtert ein und treibt die Justiz vor sich her. Die plötzlichen Ausbrüche verbaler und physischer Gewalt gehen mal ins Grotesk-Humoreske, mal fühlt man sich geradezu persönlich angegriffen.

     

    Das Unbehagen ist hier einkalkuliert. Pascal Riedel (unter anderem Givola, lies: Goebbels) ist im Ensemble eine Geheimwaffe, wenn es darum geht, die Zuschauer beklommen auf den Stühlen umherrutschen zu lassen.

  • Ein Ui für alle Zeiten - Sascha Westphal (in: nachtkritik.de, vom 29. September 2026)

    Die stilisierten, mit teils absurden Details versehenen Anzüge, die die Kostümbildnerin Shayenne Di Martino für Uis Weggefährten wie für die Chicagoer Geschäftsleute entworfen hat, und die von kleinen Karfiol-Hüten gekrönten blonden Turmfrisur-Perücken, die alle außer Ui tragen, deuten zwar die 1930er Jahre an. Zugleich entreißen sie die Figuren aber auch jeder klaren zeitlichen Verortung.

    In Ruth Mensahs Inszenierung ist Geschichte eher ein zeitloser Zustand. Dazu passt auch das kühle, stark formalisierte Spiel von Agnes Lampkin, Daryna Mavlenko, Pascal Riedel, Christian Bo Salle und Luise Zieger. Sie verkörpern zwar Figuren, die alle klar erkennbare historische Vorbilder haben. Aber statt sie in Gesten und im Duktus der Sprache zu imitieren, verwandeln sie Brechts Karikaturen auf die NS-Spitzen und andere Protagonistinnen und Protagonisten dieser Epoche in Typen. Entsprechend modelliert wirkt das Spiel der Fünf. Es gibt keine individuelle Psychologie, nur Verhaltensmuster, die sich ähneln und wiederholen.

    Clara Kroneck spielt ihn nicht wie einst Martin Wuttke als kaum zu kontrollierenden Bluthund und auch nicht als chaplineske Parodie. Ihr Ui ist und bleibt ein Außenseiter. Kroneck ist ständig in Bewegung und beobachtet alle mit einer Mischung aus Misstrauen und Verachtung. Dieser Ui ist ohne Frage ein Wiedergänger von Richard III., nur scheint für Kroneck der Winter des Missvergnügens nie zu enden.

    Letzten Endes sind die Vertreter der Wirtschaft und die Repräsentanten des Faschismus austauschbar. Das mag jetzt erst einmal recht plakativ klingen. Ruth Mensahs Zugriff auf Brechts Satire ist jedoch weitaus weniger plakativ als das Stück selbst. 

  • Nazis werden bei Brecht zu Gangstern - Andrea Kutzendörfer (in: Die Glocke, vom 28. September 2026)

    Wie Clara Kroneck als Gangsterboss, den Kopf gesenkt, die Hände in den Taschen vergraben, aus dem Hintergrund die Geschäftsleute belauert und auf ihren „Einsatz“ wartet, ist schon tolles Schauspiel.

     

    Am Ende fröstelt es einen, wenn die Protagonisten unter einem roten Kasten, der sich auf die Bühne herabsenkt, hervorlugen mit Brechts berühmtem Zitat: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

  • Gangster unter Kohlköpfen - Ralf Stiftel (in: Westfälischer Anzeiger, vom 29. September 2026)

    Bei Clara Kroneck hört man den Grundton des Populismus widerhallen, den Brecht schon vor gut 80 Jahren erlauschte.

    Mensah setzt darauf, die Mechanismen sichtbar zu machen, das Umdeuten von Fakten, das Erpressen, das Spalten, die Gewalt. „Ein Prolet gegen die da oben“

     

    Da steht dann Luise Zieger als Angeklagter im Speicherbrandprozess lange Minuten weit zurückgebeugt, eine physische Anstrengung, bei der schon das Anschauen schmerzt. Oder Pascal Riedel schlägt mit einem Hemd immer und immer wieder auf den Boden, nur ein Kleidungsstück, aber je länger die Tortur dauert, desto präsenter wird das Bild sinnloser, unkontrollierter Gewalt.

     

    Agnes Lampkin vereint im Gangsterleutnant Roma biedere Gefühligkeit mit unvermittelter Brutalität. Sie setzt sich ans Klavier und spielt mit ansteigender Inbrunst ein „Heimat“- Lied. Zugleich gelingt es ihr, mit einem Paar Handschuhe als Browning die ganze Truppe in Schach zu halten.

     

    Eine sorgsame, texttreue Inszenierung, die auf plakative Effekte verzichtet und doch Wirkung entfaltet. Großer Beifall.

Trailer