Schauspiel

Liebes Arschloch

Virginie Despentes
PREMIERE
13. September 2024
Deutsche Erstaufführung
Aus dem Französischen von Ina Kronenberger und Tatjana Michaelis / Nach dem gleichnamigen Roman für die Bühne bearbeitet von Victoria Weich

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

Spieldauer : 1 Stunde 25 Minuten, keine Pause

Es gibt eine wichtige französische Schrift·stellerin.

Ihr Name wird so aus·gesprochen:

            Wür-dschinie De-pa

  Ihr Name wird so geschrieben:

            Virginie Despentes

 

Ein Roman von der Schrift·stellerin heißt:

            Liebes Arschloch

Aus dem Roman ist ein Theater·stück entstanden.

Das Theater·stück heißt auch Liebes Arschloch.

 

 

Das passiert im Theater·stück Liebes Arschloch

Oscar ist Schrift·steller.

Er schreibt Krimis.

Oscar ist berühmt.

Trotzdem ist er unzufrieden.

 

Oscar belästigt eine Frau.

Die Frau erzählt davon im Internet.

 

 

Auf Instagram beschimpfen jetzt viele Leute Oscar

Oscar findet:

            Die Leute sind gemein zu ihm.

Oscar tut sich selbst sehr leid.

 

Dann sieht Oscar eine alte Bekannte auf der Straße

Die Bekannte ist Schauspielerin.

Die Bekannte heißt Rebecca.

 

Oscar schreibt auf Instagram:

            Rebecca ist alt geworden.

            Rebecca ist hässlich.

            Rebecca ist eine Schlampe.

 

Rebecca schreibt Oscar eine E-Mail:

            Liebes Arschloch,

            ich habe deine Sätze auf Instagram gelesen.

            Du bist wie eine Taube,

            die mir auf die Schulter kackt.

 

Oscar antwortet auf die E-Mail.

 

Dann schreibt Rebecca wieder eine E-Mail an Oscar

Sie schreibt über ihre Einsamkeit.

Sie schreibt über das Älter·werden.

Sie schreibt über ihre Sucht.

Und sie schreibt über ihre Erfahrungen.

 

Oscar und Rebecca schreiben weiter E-Mails.

Sie beleidigen sich nicht mehr.

Sie schreiben:

            So geht es mir.

            Wie geht es Dir?

 

Oscar und Rebecca werden Freunde.

 

 

 

Übersetzung in Leichte Sprache: Büro für Leichte Sprache – Niederrhein

Prüferinnen:  Claudia Möller, Claudia Schürmann, Sabine Vogt, Anja Wiegand

leichte-sprache@lebenshilfe-krefeld.de

Trailer

Inszenierungsfotos

  • (c) Sandra Then
  • (c) Sandra Then
  • (c) Sandra Then
  • (c) Sandra Then
  • (c) Sandra Then
  • (c) Sandra Then
  • (c) Sandra Then
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  • (c) Sandra Then
  • (c) Sandra Then
  • (c) Sandra Then
  • (c) Sandra Then
  • (c) Sandra Then
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Pressestimmen

  • „Die menschliche Nähe“, Martina Jacobi, Die Deutsche Bühne

    Mit „Liebes Arschloch“ nach Virginie Despentes‘ Roman inszeniert Ran Chai Bar-zvi am Theater Münster eine sprachlich starke Vorlage über MeToo auf einer sehr menschlichen Ebene. Die zwei Schauspieler*innen, Agnes Lampkin und Raphael Rubino, sorgen auf der Bühne für nahbare und unangenehme Nähe.

    Die gegenseitige Begegnung auf der Bühne ist Dreh- und Angelpunkt, das Unwohlsein der ersten Wahrnehmung in Fleisch und Blut dehnt Bar-zvi minutenlang ohne Worte aus. Das ist witzig, bringt Identifikation mit den Figuren im Publikum.

    Vor der weißen Bühne sind wir erstmal alle zu gleichen Teilen Opfer und Täter, Richter*innen und Verurteilte, zumindest in Bar-zvis Erzählweise menschlich. Der Abend entlässt innerlich zwiegespalten und nachdenklich. Ohne Schablone für den „guten“ oder „schlechten“ Menschen. Never meet your inner hero, oder eben doch, und dann vielleicht sich anfreunden.

  • „Ein furchtbar netter Täter“, Harald Suerland, Westfälische Nachrichten

    Aus dem Roman „Liebes Arschloch“ von Virginie Despentes macht das Theater Münsters einen spannungsvoll-knappen Theaterabend.

    Dramaturgin Victoria Weich hat den mitunter ausschweifenden Roman nicht nur behutsam gekürzt – sie hat ihn eher zur dramatischen Novelle konzentriert und viele Handlungsstränge wie die Auswirkungen des Corona-Lockdowns oder die Irrwege der sozialen Netzwerke weitgehend gestrichen. Wodurch sich in spannungsvollen eineinhalb Stunden die Entwicklung einer seltsamen Freundschaft vollzieht, die stets vom Thema des Übergriffs, aber auch des Schicksals einer älter werdenden Frau grundiert wird.

    Einen grandiosen Höhepunkt erfindet der Regisseur mit der Kaffeeszene: Nach einem Streit, der den Mail-Austausch fast abreißen lässt, finden Rebecca und Oscar in einem langen stummen Dialog wieder zueinander und nehmen optisch den möglichen Schluss vorweg. Was zugleich eine tolle Darbietung der beiden Schauspieler Agnes Lampkin und Raphael Rubino ist, die sich ansonsten kongenial in die langen Textpassagen einfühlen und glaubwürdige Typen verkörpern.