Inside/Out
Was bedeutet es, räumliche Grenzen zu überschreiten, die Wechselwirkungen mit dem Publikum neu zu definieren oder dem White Cube eines Kunstmuseums zuzuwenden? All das erforscht Tanz Münster gemeinsam mit dem LWLMuseum für Kunst und Kultur. INSIDE / OUT ist eine Kooperation, die den Begriff des Theatralen erweitert und ihn mit demjenigen des Museums verschränkt: von der ‚Black Box‘ hin zum ‚White Cube‘. Denn sowohl das Theater als auch das Museum sind Orte, an denen Geschichte und Gegenwart tradiert, gelebt und durch zwischenmenschliche Begegnungen weitererzählt werden. Choreografin Anouk van Dijk verlässt mit ihrem Werk aus der Tanzproduktion MEMORY die Theaterbühne und macht es im Rahmen der Ausstellung Performance People im Lichthof des LWL-Museums neu erlebbar.
Beleuchtung
- Schnell flackerndes Licht (Lichtinstallation im Rundgang)
- Farbiges Licht
Ton
- Lautstärke und Intensität der Musik
- Geräuschkulisse (Echo, sich überlagernde Geräusche)
Vermittlungsformate
Zusätzlich zu den Tanzvorstellungen werden zahlreiche Vermittlungsaktivitäten und Begegnungen für unterschiedliche Altergruppen angeboten. Ein Dokumentarfilm wird die von der Kunststiftung NRW geförderte Produktion begleiten, die Ausstellung ergänzen und letztlich Teil des Skulptur Projekte Archivs werden.
- Tanz
- Tanz
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Anmerkungen der Choreografin
Während meiner gesamten Laufbahn habe ich sowohl in der kontrollierten Umgebung des Theaters als auch in den unkalkulierbaren Umgebungen von Außen - und ortsspezifischen Räumen gearbeitet. Ich habe es immer genossen - und fühlte mich sowohl herausgefordert als auch besonders fasziniert davon -, wie tiefgreifend sich die Bedeutung von Bewegung verändert, wenn sie mit verschiedenen Räumen und Zusammenhängen interagiert, und was dies über die menschliche Verfassung offenbart.
In jeder meiner ortsspezifischen Arbeiten habe ich diese Grundgedanken in einer neuen Umgebung erforscht und dabei unerwartete Ebenen, einander zu verstehen und zu verbinden entdeckt. […]
Diese Nachforschungen führten mich zu meinem aktuellen Projekt im Lichthof des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster, einem geschichtsträchtigen und bedeutungsvollen Raum. An diesem Ort wird das Publikum die Aufführung bei Tageslicht und von vier Seiten betrachten, in einer Umgebung, die eine andere Art von Aufmerksamkeit erfordert als das Theater. Im Gegensatz zum Theater, wo die Zeit dicht gedrängt ist und die Erfahrung des Publikums sorgfältig geformt und kontrolliert wird, gestattet das Museum ein offeneres und vielschichtigeres Zeitempfinden; […]. Hier verschieben sich die Erwartungen: Die Besucher*innen […] begegnen der Aufführung aktiv, als Teil eines größeren Gesprächs mit dem Raum und seiner Vergangenheit, dessen Ende offenbleibt.
In An Attachment Piece – to a Museum verkörpern die Tänzer*innen das Spannungsfeld zwischen gegenseitiger Abhängigkeit und Individualität. Auch untersuchen sie, wie unsere (im)materiellen Bindungen - an Menschen, Objekte und Orte - uns zu dem machen, was wir sind und wie wir uns in eine Gruppe oder Gesellschaft einfügen. Maßgeblich wird die Beziehung zwischen Materialien, Menschen und Umwelt. Denn Dan Grahams Oktagon und der Lichthof selbst werden zu aktiven Partnern in meiner Kreation. Nach einer ersten Fassung für das Theater - Attachment Piece im Rahmen des dreiteiligen Tanzprogramms MEMORY - eröffnet diese Adaption eine neue Art, sowohl das Tanzschaffen als auch die Zeit und das Thema ‚attachment‘ (dt. Bindung, Zugehörigkeit) zu erleben. Hier wird die Kreation selbst Teil eines ständigen Wechselspiels mit allem und jedem um uns herum - eine Meta - Version von ‚attachment‘ an sich.
ANOUK VAN DIJK