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August 2021

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Grußwort von Generalmusikdirektor Golo Berg

  • © Oliver Berg

    © Oliver Berg

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebes Konzertpublikum,

dies schreibe ich Ihnen im Mai 2021, zu einem Zeitpunkt also, zu dem das Abflachen der Pandemie (zumindest bei uns in Deutschland) spürbar wird und ihr Ende absehbar scheint. Mit Vorfreude schauen wir auf die kommende Saison, wollen nun aber auch innehalten und zurückblicken. Wir denken mit Mitgefühl an diejenigen, die leiden mussten, die Verluste beklagen und deren Leben sich unwiderruflich verändert hat.

Für uns stand nie in Frage, dass die Einschränkungen des öffentlichen Lebens notwendig waren, um die Gemeinschaft zu schützen - auch diejenigen Einschränkungen, die uns als Sinfonieorchester direkt betrafen. Dennoch haben wir heute Anlass, diese Zeit kritisch, auch selbstkritisch zu betrachten. Es geht um Relevanz, um Prioritäten bei der schrittweisen Rückkehr zur Normalität, um die Bedeutung der einen Aspekte sozialen Miteinanders im Vergleich zu anderen. Wir sahen unsere Sinfoniekonzerte auf den Rang bloßer (und damit entbehrlicher) Freizeitaktivitäten reduziert und ärgerten uns darüber, führten vergeblich all jene Argumente an, die zugunsten der Musik und ihrer Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sprechen. Heute müssen wir deshalb gemeinsam darüber nachdenken, wie es dazu kommen konnte, dass Musik, besonders klassische bzw. sinfonische Musik, in zunehmendem Maße als nicht relevant angesehen wird! Wie konnte es passieren, dass das was wir tun und lieben (nämlich nichts weniger als die Pflege des höchsten Ausdrucks menschlicher Kulturleistung überhaupt), in der Wahrnehmung bestimmter Menschen als unbedeutend oder sogar als den sozialen Zusammenhalt gefährdend wahrgenommen wird?

Ganz sicher hat dies nichts mit der Musik selbst zu tun: so revolutionär beispielsweise Beethovens »Eroica« zu ihrer Zeit war, ging von ihr weder damals eine Gefahr aus, noch bedroht sie heute den gesellschaftlichen Frieden. Es ist wohl vielmehr so, dass Sinfoniekonzerte von Menschen, die keine musische Vorprägung erfuhren, immer mehr als ein Vergnügen weniger Privilegierter wahrgenommen werden, als Attribute erwünschter sozialer Abgrenzung. Es spielt dabei keine Rolle, dass wir, das Sinfonieorchester, uns nicht im Geringsten in diesem Sinne verstehen, war doch für uns seit jeher vor allem die Musik selbst und ihre Wirkung auf das Publikum wichtig. Aber wir müssen beginnen, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir außerhalb unserer Kreise wahrgenommen werden.
Es kann uns nur gelingen, unsere Relevanz unter Beweis zu stellen, wenn wir unserer Überzeugung folgen, dass Musik den Menschen besser macht, emphatischer und offener für andere Perspektiven, wenn wir als Sinfonieorchester glaubhaft vermitteln, dass wir unsere Musik allen Menschen anbieten, unabhängig von ihrem Bildungsstand und ihrer sozialen Herkunft und Zugehörigkeit! Ich bitte Sie, unser erprobtes Konzertpublikum, uns dabei zu helfen, indem Sie offen für Neues bleiben und für uns und unsere Konzerte werben – ganz besonders bei solchen Menschen, für die die klassische Musik eine noch unbekannte Welt ist.

Wenn wir Ihnen mit diesem Programm einige der besten Solisten vorstellen können, die weltweit agieren, wenn wir einige der beeindruckendsten Werke des klassisch-romantischen Repertoires ins Programm nehmen und gleichzeitig auch Neues wagen, dann in der Hoffnung, dass die Erfahrung von Kunst in solch hoher Vollendung und Originalität Sie bereichern möge. Wir wünschen uns, dass unsere Konzerte deswegen besucht werden, weil sie unsere Zuhörerinnen und Zuhörer ergreifen, berühren, begeistern, sie nachdenklich machen und Ihnen Kraft geben. Uns, den Musikerinnen und Musikern Ihres Sinfonieorchesters, geht es bei jedem Konzert so.

Zu guter Letzt noch der Hinweis auf etwas, das Sie vermutlich längst bemerkt haben. Wie Sie sehen, werben wir ab dieser Saison für uns und unsere Aktivitäten mit einem neuen Bildkonzept - mit Naturphänomenen, die uns auf eine ganz ähnliche, unmittelbare Weise überwältigen, wie Musik es auch vermag. In dieser Spielzeit werden es Polarlichter sein, die uns begleiten; sie lassen ebenso wie manche Künstler und ihre Musik immer wieder ehrfürchtig staunen. Dieser Bildwelt werden Sie auch auf www.wowmomente.ms begegnen, unserer neuen Präsenz im Internet, die zum Beginn der Spielzeit online gehen soll.

Wir freuen uns, Ihnen endlich wieder persönlich begegnen zu können. Was haben wir Sie vermisst!

Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Golo Berg
Generalmusikdirektor

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