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DRAMENLABOR 2021

Beim DRAMENLABOR 2021 präsentierten Maria Milisavljevic, Malte Abraham, Lars Werner, Svenja Viola Bungarten und Katja Brunner neue Texte, gemeinsam mit Regisseur*innen und dem Ensemble des Schauspiels.

 

Das DRAMENLABOR 2021 wurde ermöglicht durch die Förderung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, »Neue Wege«.

          

 

 

 

Zu den Formaten

NACHTTAG

»Hier, auf dieser Seite des Meeres stehe ich. / Hier, auf dieser Seite des Meeres stehe ich. / Dort drüben auf der anderen Seite des Meeres stehen wir. / Und wir sehen zu uns herüber.«

Die Hoffnung wurde auf den Wagen geschnallt und gen Westen geschickt. Was bleibt ist eine Idee: von Zusammenhalt, dem Davor und jenen denkbaren und doch so unerreichbar scheinenden Möglichkeiten. NACHTTAG ist die von Gerüchen und Erinnerungen getragene Erzählung zweier Liebender, die ihre Heimat verlassen und in die neue Welt aufbrechen. Die Inszenierung lädt ein zu einer Begegnung in dieser neuen Welt – zu einem intimen gemeinsamen akustischen und visuellen Erlebnis in all unseren Küchen.

 

VERBINDLICH IN LOSEN VERBÄNDEN

»kannst du die erschütterungen spüren. die risse im asphalt. wie die vibrationen der rollen in die achsen übergehen. von den achsen in das holz und durch die schuhe in deine füße, von den zehen bis in die kopfhaut. die ganze stadt geht durch deinen körper.«

Die Innenstädte sterben aus. Sind wie ausgetauscht. Wo einst der Einzelhandel war sind heute die immer gleichen großen Ketten. Doch auch die Flagshipstores stehen leer. Ausgehöhlt vom Onlinehandel. Der öffentliche Raum liegt brach und niemand wagt sich noch vor die Tür. Zu ähnlich sehen die Innenstädte aus. Zu groß die Angst darin verloren zu gehen. Kann man sich doch nur noch am Dialekt der Obdachlosen orientieren. Sie sind als einzige geblieben. Sie und ein paar Kids, die sich auf ihren Skateboards den öffentlichen Raum zurückerobern.

Autor und Regisseur Malte Abraham bringt in seiner Arbeit VERBINDLICH IN LOSEN VERBÄNDEN diese Welten zusammen. Gemeinsam mit dem Filmemacher Manuel Schamberger und dem Komponisten Sebastian Jurchen erarbeitet er einen Kurzfilm, der vom Aufstieg einer Gegenkultur und der Geschichte eines sozialen Abstiegs erzählt.

 

HOFFNUNG / KIM KARDASHIAN

»Ich habe die Polarlichter im Abisko-Nationalpark in Schweden gesehen.

Und wollte nicht sterben. Ich habe eine Mantis-Sammlung angelegt. Die Mantis-Shrimps sehen mit ihren gaze-artigen Augen eine Million Farben mehr als wir. Sie können mit ihren Scheren einen Unterdruck erzeugen, der Glaswände sprengen kann. Ich habe meine Mantis gegeneinander kämpfen lassen und ich möchte nicht sterben.

Ich saß in zarten Ultraleichtflugzeugen, gelassen schwebend über reichen Farmland. Lag auf einer Luxus-Yacht, habe ein Funkwellenradio gebaut und auf allen Frequenzen geflüstert: Ich möchte nicht sterben. Ich stehe am Rand des Brando-Ressorts, schaue in die Wellen und brülle: Ich möchte nicht sterben.«

Zu ihrem 40. Geburtstag lud Kim Kardashian, Unternehmerin und Reality-TV-Star, auf eine private Insel zu einer mehrtägigen Feier. Die eingeladenen 40 Gäste hatten vorher strenge Auflagen. Sie mussten sich zwei Wochen lang isolieren und durften keine Personen sehen. Nur mit negativen Covid-Tests war es ihnen erlaubt die Boeing zu besteigen, die sie auf eine kleine Insel im Pazifik flog. Ziel war es, so Kim, zu feiern »wie früher«.

HOFFNUNG ist ein Stück über diese Insel und ihre Möglichkeiten. Es ist ein Stück über den Unwillen zu sterben und den Willen wieder zu leben wie früher – also in der Zukunft.

 

BERMUDA

Du wachst auf. Dein Schädel brummt. Du weißt nicht wo du bist. Dann fällt dir der gestrige Abend wieder ein. Deine 13 Gastgeber*innen sind verschwunden. Das Haus der Antagonist:innen ist leer. Du wandelst verkatert durch seine dreizehn Zimmer. Du weißt nicht, wonach du suchst und du weißt nicht, was deine Aufgabe ist. Du hörst dem Haus und den Geschichten, die du findest, zu. Du wandelst durch trippy Flure, sprichst mit Badezimmerspiegeln und hoffst auf eine Antwort. Du versuchst dich zu erinnern. Warum hat DER STAR dir eine E-Zigarette in den Mundwinkel gedrückt und gesagt: Lass uns verschwinden! Was meinte DIE FELS*IN als sie dir ins Ohr geflüstert hat: »Der Glitch ist kein Fehler, sondern die Korrektur eines Systems!«. Was steht auf der To-Do-Liste der HENKER*IN und warum schreibt DIE KOMPLIZ*IN seit über zehn Jahren Fanpost an Jeff Bezos? Umso tiefer du ins Videospiel eintauchst, desto unklarer wird, ob du das Game spielst oder das Game dich. Wer bist du in diesem Spiel?

 

DAS GERÄUSCH SICH WEITENDER PUPILLEN

»So bin ich, und warte und weiß nicht, ob ich es aushalte, da hinausgeboren zu werden.«

Kassandras Baby versucht, sich vorzustellen, wer wir alle hätten sein können, wenn wir alle schon mal alles gewesen wären. Versucht, den Ort zu finden, an welchem wir alle wissender sind, als wir es gerne hätten. DAS GERÄUSCH SICH WEITENDER PUPILLEN seziert den Kassandramythos, indem es die normative Kraft von Elternschaft befragt. Was ist mit denen und wie geschieht jenen, die mehr sehen können – und die Verantwortung darüber – entgegen des Kassandrafluchs – zu tragen versuchen?

Hier folgt ein Avantgarde Hörstück, ein Bilderrausch mit Handlung, ein Theatertext, der Natur respektiert, natürliche Gegebenheiten nicht zu Kolonisierbarkeiten degradiert, sondern sie vielleicht zu schätzen versucht? Von sprechenden Föten, irrlichternden Vorahnungen und der Frage nach ethischen Handlungsmöglichkeiten bei akuter Seherinnengabe. 

Ein Ritt durch das Bewusstsein von Kassandras Baby, ein Ritt durch die Unwägbarkeiten des Vorhersehens, ein Ritt durch transgenerationelles Gewebe aus dem sie alle wachsen.


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