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September 2014

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PLATONOW

Komödie von Anton Tschechow

aus dem Russischen von Ulrike Zemme
  • Dennis Laubenthal — © Marion Bührle
    Dennis Laubenthal
    © Marion Bührle
  • Daniel Rothaug, Claudia Hübschmann — © Marion Bührle
    Daniel Rothaug, Claudia Hübschmann
    © Marion Bührle
  • Maike Jüttendonk, Gerhard Mohr, Marlena Keil, Claudia Hübschmann, Dennis Laubenthal, Piotr Rangno, Maximilian Scheidt, Ilja Harjes, Daniel Rothaug — © Marion Bührle
    Maike Jüttendonk, Gerhard Mohr, Marlena Keil, Claudia Hübschmann, Dennis Laubenthal, Piotr Rangno, Maximilian Scheidt, Ilja Harjes, Daniel Rothaug
    © Marion Bührle
  • Ilja Harjes, Julia Stefanie Möller, Dennis Laubenthal — © Marion Bührle
    Ilja Harjes, Julia Stefanie Möller, Dennis Laubenthal
    © Marion Bührle
  • Maike Jüttendonk, Dennis Laubenthal — © Marion Bührle
    Maike Jüttendonk, Dennis Laubenthal
    © Marion Bührle
  • Gerhard Mohr — © Marion Bührle
    Gerhard Mohr
    © Marion Bührle
  • Ilja Harjes, Frank-Peter Dettmann, Julia Stefanie Möller — © Marion Bührle
    Ilja Harjes, Frank-Peter Dettmann, Julia Stefanie Möller
    © Marion Bührle
  • Dennis Laubenthal, Mark Oliver Bögel, Daniel Rothaug — © Marion Bührle
    Dennis Laubenthal, Mark Oliver Bögel, Daniel Rothaug
    © Marion Bührle
  • Maike Jüttendonk, Maximilian Scheidt, Daniel Rothaug — © Marion Bührle
    Maike Jüttendonk, Maximilian Scheidt, Daniel Rothaug
    © Marion Bührle
  • Dennis Laubenthal, Daniel Rothaug, Maximilian Scheidt — © Marion Bührle
    Dennis Laubenthal, Daniel Rothaug, Maximilian Scheidt
    © Marion Bührle
  • Aurel Bereuter, Dennis Laubenthal — © Marion Bührle
    Aurel Bereuter, Dennis Laubenthal
    © Marion Bührle
  • Claudia Hübschmann, Dennis Laubenthal — © Marion Bührle
    Claudia Hübschmann, Dennis Laubenthal
    © Marion Bührle
  • Maximilian Scheidt, Maike Jüttendonk, Marlena Keil — © Marion Bührle
    Maximilian Scheidt, Maike Jüttendonk, Marlena Keil
    © Marion Bührle
  • Maike Jüttendonk, Maximilian Scheidt — © Marion Bührle
    Maike Jüttendonk, Maximilian Scheidt
    © Marion Bührle

Jetzt erst erkenne ich Sie. Wie Sie sich verändert haben!

Fr, 26. September 2014
19.30 · Großes Haus
Freitag 2 Abo Gr. Haus

19.00 Einführung im Foyer Gr. Haus

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

Anton Tschechows furioses, kraftvolles Jugendstück (entstanden in den 1870ern) ist ein schillernder Prototyp für seine späteren Meisterwerke und das hochaktuelle Panorama einer übersättigten Gesellschaft, die nach Visionen sucht. Wildheit und Energie, böse Komik und leise Melancholie prägen dieses große Ensemblestück, in dem alle geliebten Figuren der späteren Dramen die Bühne betreten: Die fordernden jungen Frauen, die desillusionierten Studenten, die müden Revolutionäre, die hellsichtigen Außenseiter und der resignierte Liebhaber, der Projektionsfläche für die Sehnsüchte aller ist.

Auf dem heruntergekommenen Landgut der bankrotten Generalswitwe kommen sie alle zusammen, um mit viel Alkohol zu feiern: Ein verzweifelt zerstörerisches Fest, das schließlich in die Katastrophe treibt, nach der sich alle irgendwie gesehnt haben. Im Zentrum dieser Gesellschaft aus Zynikern, falschen Freunden und parasitären Nachbarn steht der ehemals so ehrgeizige Idealist und jetzige Dorfschullehrer Platonow. Er legt sich mit allen an, beleidigt die Männer und zündelt bei den Frauen, verursacht Alpträume und Gefühlsverirrungen – und kapituliert schließlich vor den Folgen seiner Skandale und Affären. In seiner depressiven Erschöpfung und seinem Selbsthass wird er zum Spiegel der Gesellschaft, die ihn feiert.

Aufführungsdauer ca. 180 Minuten, eine Pause

Info

Anton Tschechows furioses, kraftvolles Jugendstück (entstanden in den 1870ern) ist ein schillernder Prototyp für seine späteren Meisterwerke und das hochaktuelle Panorama einer übersättigten Gesellschaft, die nach Visionen sucht. Wildheit und Energie, böse Komik und leise Melancholie prägen dieses große Ensemblestück, in dem alle geliebten Figuren der späteren Dramen die Bühne betreten: Die fordernden jungen Frauen, die desillusionierten Studenten, die müden Revolutionäre, die hellsichtigen Außenseiter und der resignierte Liebhaber, der Projektionsfläche für die Sehnsüchte aller ist.

Auf dem heruntergekommenen Landgut der bankrotten Generalswitwe kommen sie alle zusammen, um mit viel Alkohol zu feiern: Ein verzweifelt zerstörerisches Fest, das schließlich in die Katastrophe treibt, nach der sich alle irgendwie gesehnt haben. Im Zentrum dieser Gesellschaft aus Zynikern, falschen Freunden und parasitären Nachbarn steht der ehemals so ehrgeizige Idealist und jetzige Dorfschullehrer Platonow. Er legt sich mit allen an, beleidigt die Männer und zündelt bei den Frauen, verursacht Alpträume und Gefühlsverirrungen – und kapituliert schließlich vor den Folgen seiner Skandale und Affären. In seiner depressiven Erschöpfung und seinem Selbsthass wird er zum Spiegel der Gesellschaft, die ihn feiert.

Aufführungsdauer ca. 180 Minuten, eine Pause

Leitung

Inszenierung Frank Behnke

Bühne und Kostüme Günter Hellweg

Musik Michael Barfuß

Dramaturgie Kathrin Mädler


Besetzung

Anna Wojnizewa, junge Generalswitwe Claudia Hübschmann

Sergej Wojnizew Maximilian Scheidt

Sofja Jegorowna Maike Jüttendonk

Iwan Trilezkij, Oberst im Ruhestand Frank-Peter Dettmann

Nikolaj Trilezkij, ein junger Arzt Ilja Harjes

Michail Platonow, Dorfschullehrer Dennis Laubenthal

Sascha, Platonows Frau Julia Stefanie Möller

Timofej Bugrow, Kneipenbesitzer Gerhard Mohr

Marja Grekowa, Studentin Marlena Keil

Porfirij Glagoljew, Gutsbesitzer Mark Oliver Bögel

Kirill Glagoljew Daniel Rothaug

Ossip, Pferdedieb Aurel Bereuter

Live-Musiker Piotr Rangno

Besetzung

Leitung

Inszenierung Frank Behnke

Bühne und Kostüme Günter Hellweg

Musik Michael Barfuß

Dramaturgie Kathrin Mädler


Besetzung

Anna Wojnizewa, junge Generalswitwe Claudia Hübschmann

Sergej Wojnizew Maximilian Scheidt

Sofja Jegorowna Maike Jüttendonk

Iwan Trilezkij, Oberst im Ruhestand Frank-Peter Dettmann

Nikolaj Trilezkij, ein junger Arzt Ilja Harjes

Michail Platonow, Dorfschullehrer Dennis Laubenthal

Sascha, Platonows Frau Julia Stefanie Möller

Timofej Bugrow, Kneipenbesitzer Gerhard Mohr

Marja Grekowa, Studentin Marlena Keil

Porfirij Glagoljew, Gutsbesitzer Mark Oliver Bögel

Kirill Glagoljew Daniel Rothaug

Ossip, Pferdedieb Aurel Bereuter

Live-Musiker Piotr Rangno


Orgie, Thriller, Konzert – Frank Behnke inszeniert Anton Tschechows Jugendstück „Platonow“ im Großen Haus als überbordenden Wodka-Rausch und bleibt dabei doch streng und konzentriert. Das Publikum feierte die Premiere am Samstag zu Recht mit Jubel und Standing Ovations. [...]

Tschechows mit breitestem Pinsel gemaltes Sittenbild aus dem zaristischen Russland erscheint uns auf den ersten Blick sehr fern. Diese Gesellschaft leidet nicht an „Burn-out“, sondern an „Bore-out“: Sie ist ermattet vor Faulheit, Langeweile, Suff und Entscheidungsschwäche. Meilenweit entfernt von der hyperaktiven neoliberalen Leistungsgesellschaft von heute. Und doch ist man verblüfft, wie gut Regisseur Behnke diese Geschichte drei Stunden lang in die Gegenwart transportiert.

Zu Beginn gönnt er sich ein paar konventionelle Minuten mit einer Bühne voller Stühle und Schauspielern, die ständig mit dem Finger auf einander zeigen: Das ist nötig, um dem Publikum die zwölf Charaktere vorzustellen. Doch dann werden die Stühle weggeräumt und ein gewaltiger runder Glitzervorhang schwebt von der Decke wie eine Tortenhaube. Im Inneren dieses Glitzerraumes tobt die Party mit wummernden Techno-Bässen. Die erhitzten Gäste treten immer wieder aus dem Rondell und verlieren am Rand der Drehbühne Halt und Fassung.

Im Lauf der Nacht löst sich diese Szene immer mehr auf, wird zum Edgar-Wallace-Horror aus Trockennebel und schließlich zu einem surrealen Bild des Todes aus tausend leeren Wodka-Flaschen. Ausstatter Günter Hellweg hat eindrucksvoll gearbeitet.

Was verbindet nun diese Menschen mit der Gegenwart? Es ist die Unfähigkeit, zufrieden zu sein. In Tschechows Party-Ensemble gibt es für jeden Pott einen Deckel und für jedes Problem eine Lösung, aber niemand greift zu. Die Dorfbewohner wollen lieber in Paris den Liebesgott spielen. Eine Bande träger Halbtalente, die auf ihre Entdeckung bei „Russland sucht den Superstar“ wartet und dabei so gemein zueinander ist wie die Kandidaten im Dschungelcamp.

Das trifft vor allem auf Platonow zu, den Dennis Laubenthal trefflich als passiven Don Juan spielt. Sogar das Fremdgehen ist ihm zu anstrengend, obwohl er seine aufrichtig liebende Frau Sascha (stark und geradlinig: Julia Stefanie Möller) wegen ihrer vermeintlichen Dummheit verachtet. Seine Gegenspielerin, die lüstern-lustige Witwe Anna, verkörpert Claudia Hübschmann mit grandiosem Diva-Charme. Sie ist der Mittelpunkt der Aufführung und übertönt die Klangkulisse aus Sound-Einspielern und melancholischer Akkordeon-Musik von Piotr Rangno souverän wie eine Opernsängerin.

Maximilian Scheidt spielt Platonows Freund Sergej als liebenswerten Verlierer-Schnösel, seiner zickigen Frau Sofja bleibt Maike Jüttendonk keine Facette schuldig. Toll die beiden Neuen im Team: Marlena Keil ist als verspottete Marja gleichzeitig Mobbing-Opfer und erotischer Vulkan, und Daniel Rothaug wirkt als intriganter Gutsbesitzer-Sohn Kirill so fies, dass es eine Freude ist.

Manuel Jennen, Münstersche Zeitung, 22. September 2014



Regisseur Frank Behnke legt seiner Inszenierung eine dreistündige Fassung (einschließlich Pause) zugrunde, die Tschechows ausuferndes Frühwerk strafft, ohne ihm seine Fülle zu nehmen; auch das sofort angeschlagene Thema der Langeweile (der Figuren!) kommt zu seinem Recht. Und Ulrike Zemmes Übersetzung mit Formulierungen wie „Es kotzt mich an“ klingt aktualisiert, aber nicht unpassend für das Tschechow-Personal.

Behnke muss sich gar nicht um eine besonders originelle Deutung des Stückes bemühen, weil er mit gleich zwei Pfunden wuchern kann – und es virtuos tut. Da ist zum einen das fabelhafte Ensemble: Dennis Laubenthal verkörpert die Titelfigur, die sich in ihrem Beziehungsgeflecht verstrickt und kein wirklich aktiver Held ist, mit solch lässiger Souveränität, dass man es kaum noch als „Schauspiel“ wahrnimmt. Mit Claudia Hübschmann als Witwe Anna Petrowna und Maike Jüttendonk als Sofja hat er hochkarätige Gegenspielerinnen: Wie die Witwe ihn umgarnt und anlässlich seiner Unentschlossenheit schnippisch wird, ist ebenso amüsant zu sehen, wie einen die abschließenden Weinkrämpfe Sofjas, die schließlich zum Revolver greift, berühren. Maximilian Scheidt als naiver junger Ehemann, Ilja Harjes als desillusionierter Arzt, Gerhard Mohr als finanzkräftiger Fiesling, Julia Stefanie Möller als betrogene Frau: Das sind lauter stimmige Rollenporträts, wie sie auch Mark Oliver Bögel und Aurel Bereuter sowie die neuen Kräfte Marlena Keil und Daniel Rothaug bieten.

Zweites Pfund ist die Ausstattung Günter Hellwegs. Über der Drehbühne senkt sich eine zylindrische Vorhang-Konstruktion aus silbernen Fäden herab, in deren Mitte die Gesellschaft ihr Fest feiert und aus der die Einzelnen rasch heraustreten können. Im zweiten Akt findet dort ein spektakuläres Feuerwerk statt, und wenn aus dem Inneren Kegelkugeln Richtung Orchestergraben rollen, ist das nur eines von vielen hinreißenden Bildern, die zugleich den Zustand dieser Gesellschaft illustrieren. In der einzigen Naturszene vor der Pause wabert stimmungsvoll beleuchtet der Nebel, nachher ist die Drehbühne mit Wodka(?)-Flaschen vollgestellt: Die Nacht hat Spuren hinterlassen! Am Ende ist der Glitzervorhang so heruntergekommen wie das Gut und seine Bewohner. Das ist er, der mitreißende, hier allerdings auch tödliche Tschechow-Blues, für den es berechtigte Jubelstürme gibt.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 22. September 2014

Presse

Orgie, Thriller, Konzert – Frank Behnke inszeniert Anton Tschechows Jugendstück „Platonow“ im Großen Haus als überbordenden Wodka-Rausch und bleibt dabei doch streng und konzentriert. Das Publikum feierte die Premiere am Samstag zu Recht mit Jubel und Standing Ovations. [...]

Tschechows mit breitestem Pinsel gemaltes Sittenbild aus dem zaristischen Russland erscheint uns auf den ersten Blick sehr fern. Diese Gesellschaft leidet nicht an „Burn-out“, sondern an „Bore-out“: Sie ist ermattet vor Faulheit, Langeweile, Suff und Entscheidungsschwäche. Meilenweit entfernt von der hyperaktiven neoliberalen Leistungsgesellschaft von heute. Und doch ist man verblüfft, wie gut Regisseur Behnke diese Geschichte drei Stunden lang in die Gegenwart transportiert.

Zu Beginn gönnt er sich ein paar konventionelle Minuten mit einer Bühne voller Stühle und Schauspielern, die ständig mit dem Finger auf einander zeigen: Das ist nötig, um dem Publikum die zwölf Charaktere vorzustellen. Doch dann werden die Stühle weggeräumt und ein gewaltiger runder Glitzervorhang schwebt von der Decke wie eine Tortenhaube. Im Inneren dieses Glitzerraumes tobt die Party mit wummernden Techno-Bässen. Die erhitzten Gäste treten immer wieder aus dem Rondell und verlieren am Rand der Drehbühne Halt und Fassung.

Im Lauf der Nacht löst sich diese Szene immer mehr auf, wird zum Edgar-Wallace-Horror aus Trockennebel und schließlich zu einem surrealen Bild des Todes aus tausend leeren Wodka-Flaschen. Ausstatter Günter Hellweg hat eindrucksvoll gearbeitet.

Was verbindet nun diese Menschen mit der Gegenwart? Es ist die Unfähigkeit, zufrieden zu sein. In Tschechows Party-Ensemble gibt es für jeden Pott einen Deckel und für jedes Problem eine Lösung, aber niemand greift zu. Die Dorfbewohner wollen lieber in Paris den Liebesgott spielen. Eine Bande träger Halbtalente, die auf ihre Entdeckung bei „Russland sucht den Superstar“ wartet und dabei so gemein zueinander ist wie die Kandidaten im Dschungelcamp.

Das trifft vor allem auf Platonow zu, den Dennis Laubenthal trefflich als passiven Don Juan spielt. Sogar das Fremdgehen ist ihm zu anstrengend, obwohl er seine aufrichtig liebende Frau Sascha (stark und geradlinig: Julia Stefanie Möller) wegen ihrer vermeintlichen Dummheit verachtet. Seine Gegenspielerin, die lüstern-lustige Witwe Anna, verkörpert Claudia Hübschmann mit grandiosem Diva-Charme. Sie ist der Mittelpunkt der Aufführung und übertönt die Klangkulisse aus Sound-Einspielern und melancholischer Akkordeon-Musik von Piotr Rangno souverän wie eine Opernsängerin.

Maximilian Scheidt spielt Platonows Freund Sergej als liebenswerten Verlierer-Schnösel, seiner zickigen Frau Sofja bleibt Maike Jüttendonk keine Facette schuldig. Toll die beiden Neuen im Team: Marlena Keil ist als verspottete Marja gleichzeitig Mobbing-Opfer und erotischer Vulkan, und Daniel Rothaug wirkt als intriganter Gutsbesitzer-Sohn Kirill so fies, dass es eine Freude ist.

Manuel Jennen, Münstersche Zeitung, 22. September 2014



Regisseur Frank Behnke legt seiner Inszenierung eine dreistündige Fassung (einschließlich Pause) zugrunde, die Tschechows ausuferndes Frühwerk strafft, ohne ihm seine Fülle zu nehmen; auch das sofort angeschlagene Thema der Langeweile (der Figuren!) kommt zu seinem Recht. Und Ulrike Zemmes Übersetzung mit Formulierungen wie „Es kotzt mich an“ klingt aktualisiert, aber nicht unpassend für das Tschechow-Personal.

Behnke muss sich gar nicht um eine besonders originelle Deutung des Stückes bemühen, weil er mit gleich zwei Pfunden wuchern kann – und es virtuos tut. Da ist zum einen das fabelhafte Ensemble: Dennis Laubenthal verkörpert die Titelfigur, die sich in ihrem Beziehungsgeflecht verstrickt und kein wirklich aktiver Held ist, mit solch lässiger Souveränität, dass man es kaum noch als „Schauspiel“ wahrnimmt. Mit Claudia Hübschmann als Witwe Anna Petrowna und Maike Jüttendonk als Sofja hat er hochkarätige Gegenspielerinnen: Wie die Witwe ihn umgarnt und anlässlich seiner Unentschlossenheit schnippisch wird, ist ebenso amüsant zu sehen, wie einen die abschließenden Weinkrämpfe Sofjas, die schließlich zum Revolver greift, berühren. Maximilian Scheidt als naiver junger Ehemann, Ilja Harjes als desillusionierter Arzt, Gerhard Mohr als finanzkräftiger Fiesling, Julia Stefanie Möller als betrogene Frau: Das sind lauter stimmige Rollenporträts, wie sie auch Mark Oliver Bögel und Aurel Bereuter sowie die neuen Kräfte Marlena Keil und Daniel Rothaug bieten.

Zweites Pfund ist die Ausstattung Günter Hellwegs. Über der Drehbühne senkt sich eine zylindrische Vorhang-Konstruktion aus silbernen Fäden herab, in deren Mitte die Gesellschaft ihr Fest feiert und aus der die Einzelnen rasch heraustreten können. Im zweiten Akt findet dort ein spektakuläres Feuerwerk statt, und wenn aus dem Inneren Kegelkugeln Richtung Orchestergraben rollen, ist das nur eines von vielen hinreißenden Bildern, die zugleich den Zustand dieser Gesellschaft illustrieren. In der einzigen Naturszene vor der Pause wabert stimmungsvoll beleuchtet der Nebel, nachher ist die Drehbühne mit Wodka(?)-Flaschen vollgestellt: Die Nacht hat Spuren hinterlassen! Am Ende ist der Glitzervorhang so heruntergekommen wie das Gut und seine Bewohner. Das ist er, der mitreißende, hier allerdings auch tödliche Tschechow-Blues, für den es berechtigte Jubelstürme gibt.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 22. September 2014


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Fr, 26. September 2014
19.30 Uhr · Großes Haus
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19.00 Einführung im Foyer Gr. Haus

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