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MARIA STUART

Tragödie von Friedrich Schiller

  • Claudia Hübschmann; im Hintergrund: Mark Oliver Bögel, Florian Steffens <br />© Oliver Berg
    Claudia Hübschmann; im Hintergrund: Mark Oliver Bögel, Florian Steffens
    © Oliver Berg
  • Frank-Peter Dettmann, Maike Jüttendonk <br />© Oliver Berg
    Frank-Peter Dettmann, Maike Jüttendonk
    © Oliver Berg
  • Maike Jüttendonk, Frank-Peter Dettmann <br />© Oliver Berg
    Maike Jüttendonk, Frank-Peter Dettmann
    © Oliver Berg
  • Maximilian Scheidt, Claudia Hübschmann <br />© Oliver Berg
    Maximilian Scheidt, Claudia Hübschmann
    © Oliver Berg
  • Claudia Hübschmann, Florian Steffens <br />© Oliver Berg
    Claudia Hübschmann, Florian Steffens
    © Oliver Berg
  • Männer-Bürgerchor <br />© Oliver Berg
    Männer-Bürgerchor
    © Oliver Berg
  • Maximilian Scheidt, Maike Jüttendonk <br />© Oliver Berg
    Maximilian Scheidt, Maike Jüttendonk
    © Oliver Berg
  • Claudia Hübschmann, Ilja Harjes <br />© Oliver Berg
    Claudia Hübschmann, Ilja Harjes
    © Oliver Berg
  • Maximilian Scheidt, Maike Jüttendonk <br />© Oliver Berg
    Maximilian Scheidt, Maike Jüttendonk
    © Oliver Berg
  • Maike Jüttendonk <br />© Oliver Berg
    Maike Jüttendonk
    © Oliver Berg
  • Claudia Hübschmann, Gerhard Mohr <br />© Oliver Berg
    Claudia Hübschmann, Gerhard Mohr
    © Oliver Berg

O der ist noch nicht König, der der Welt gefallen muss!

Premiere
Sa, 15. November 2014
19.30 Uhr · Großes Haus
Premierenabo Gr. Haus

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

Maria Stuart, die Königin von Schottland, sucht Schutz bei ihrer Verwandten Elisabeth, der Königin von England. Diese fürchtet jedoch, die Schottin könne ihre rechtlichen Ansprüche auf den englischen Thron geltend machen und lässt sie verhaften. Schillers Geschichtsdrama setzt wenige Tage vor Marias Hinrichtung ein, deren Befehl noch nicht unterzeichnet ist. Lässt Elisabeth Maria am Leben, gefährdet diese ihre Herrschaft, lässt sie sie hinrichten, steht sie vor ihrem Volk als grausam, hysterisch, vielleicht sogar eifersüchtig da. Sehr genau beschreibt Schiller diesen Abgrund der mächtigen Frau zwischen Gefühl und Staatsräson, zwischen menschlicher Verletzlichkeit und Härte der Politik.

Das 1800 uraufgeführte Drama stellt einen Höhepunkt der klassischen Phase in Schillers Werk dar. Es ist inhaltlich wie auch formal ein Modellstück. Die fragwürdige Fähigkeit des Menschen zu Macht und Gerechtigkeit ist sein zentrales Motiv. Ein im wahrsten Sinne des Wortes klassischer Stoff, zeitlos aktuell, der die Frage stellt nach einer idealen Politik mit authentischen Führungspersönlichkeiten, die Entscheidungen im Sinne des Volkes jenseits persönlicher Eitelkeit, Ängstlichkeit und Machthunger zu treffen vermögen, die politisch Position beziehen können ohne sich selbst und ihre Ideale darüber zu verraten.

Aufführungsdauer ca. 180 Minuten, eine Pause

Info

Maria Stuart, die Königin von Schottland, sucht Schutz bei ihrer Verwandten Elisabeth, der Königin von England. Diese fürchtet jedoch, die Schottin könne ihre rechtlichen Ansprüche auf den englischen Thron geltend machen und lässt sie verhaften. Schillers Geschichtsdrama setzt wenige Tage vor Marias Hinrichtung ein, deren Befehl noch nicht unterzeichnet ist. Lässt Elisabeth Maria am Leben, gefährdet diese ihre Herrschaft, lässt sie sie hinrichten, steht sie vor ihrem Volk als grausam, hysterisch, vielleicht sogar eifersüchtig da. Sehr genau beschreibt Schiller diesen Abgrund der mächtigen Frau zwischen Gefühl und Staatsräson, zwischen menschlicher Verletzlichkeit und Härte der Politik.

Das 1800 uraufgeführte Drama stellt einen Höhepunkt der klassischen Phase in Schillers Werk dar. Es ist inhaltlich wie auch formal ein Modellstück. Die fragwürdige Fähigkeit des Menschen zu Macht und Gerechtigkeit ist sein zentrales Motiv. Ein im wahrsten Sinne des Wortes klassischer Stoff, zeitlos aktuell, der die Frage stellt nach einer idealen Politik mit authentischen Führungspersönlichkeiten, die Entscheidungen im Sinne des Volkes jenseits persönlicher Eitelkeit, Ängstlichkeit und Machthunger zu treffen vermögen, die politisch Position beziehen können ohne sich selbst und ihre Ideale darüber zu verraten.

Aufführungsdauer ca. 180 Minuten, eine Pause

Leitung

Inszenierung Martin Schulze

Bühne & Kostüme Ulrich Leitner

Musik & Choreinstudierung Dirk Raulf

Dramaturgie Friederike Engel


Besetzung

Elisabeth, Königin von England Claudia Hübschmann

Maria Stuart, Königin von Schottland Maike Jüttendonk

Robert Dudley, Graf von Leicester Florian Steffens

Georg Talbot, Graf von Shrewsbury Gerhard Mohr

Wilhelm Cecil, Baron von Burleigh Mark Oliver Bögel

Wilhelm Davison, Staatssekretär Ilja Harjes

Amias Paulet, Ritter, Hüter der Maria Frank-Peter Dettmann

Mortimer, Paulets Neffe Maximilian Scheidt

Männer-Bürgerchor

Besetzung

Leitung

Inszenierung Martin Schulze

Bühne & Kostüme Ulrich Leitner

Musik & Choreinstudierung Dirk Raulf

Dramaturgie Friederike Engel


Besetzung

Elisabeth, Königin von England Claudia Hübschmann

Maria Stuart, Königin von Schottland Maike Jüttendonk

Robert Dudley, Graf von Leicester Florian Steffens

Georg Talbot, Graf von Shrewsbury Gerhard Mohr

Wilhelm Cecil, Baron von Burleigh Mark Oliver Bögel

Wilhelm Davison, Staatssekretär Ilja Harjes

Amias Paulet, Ritter, Hüter der Maria Frank-Peter Dettmann

Mortimer, Paulets Neffe Maximilian Scheidt

Männer-Bürgerchor


Schillers Königinnendrama „Maria Stuart“ ist ein packender Gerichts- und Politkrimi. Am Großen Haus des Theaters Münster zeigt Martin Schulze den Kampf zwischen Maria Stuart und Elisabeth I. als das Ringen um die Deutungshoheit über ihr Leben. Nur vordergründig geht es um den rechtswidrigen Hochverratsprozess, mit dem sich die englische Königin Elisabeth ihrer Rivalin um den Thron, Maria Stuart, entledigen will. Dahinter stellt sich für beide die moralisch existenzielle Frage, wie sie sich mit ihrem Leben versöhnen im Angesichts des Todes.

Auf der nur von kantigen Säulen nach hinten begrenzten, requisitenlosen Spielfläche (Ausstattung: Ulrich Leitner) bieten die Schauspieler bei  minimalistisch reduzierter Bühnenhandlung ein außerordentlich fesselndes Sprechtheater. Maike Jüttendonk als Maria Stuart nimmt umstandslos für sich ein. Der zarten blonden Frau im bürgerlichen kleinen Schwarzen steht der Tod wegen angeblichen Hochverrats bevor. Brillant verteidigt sie sich gegen das ihr angetane Unrecht, wobei sie auch sehr laut, sehr bestimmt werden kann. In einer ergreifenden Beichte legt sie über ihr auch schuldbeladenes Leben Rechenschaft ab – die vielleicht doch nur bedenklich auf die Wirkung bei der Nachwelt berechnet ist.

Hanns Butterhof, Recklinghäuser Zeitung, 18. November 2014



Martin Schulze inszeniert am Theater Münster eine abstrakte, schlüssig zugespitzte Version von „Maria Stuart“. Er dampft Schillers Drama ein und streicht die Nebenrollen. Wo deren Text unverzichtbar ist, setzt Schulze einen Bühnenchor ein. Sein Fokus liegt auf acht Figuren, auf dem Kontrast zweier herausragender Frauengestalten und auf dem Ränkespiel am Hof, das Maria retten soll, aber ihren Tod besiegelt.

Die Konstellation der Figuren folgt einer strengen Geometrie. Wie Schachfiguren bewegen sie sich in abgemessenen Bahnen, kreuzen und überschneiden sich, interagieren aber nur selten wirklich miteinander. Es ist ein isolierendes Treiben dort am Hof. Leicester bleibt in seinem Doppelspiel, Burleigh in seinem Ehrgeiz und Mortimer in seiner triebhaften Schwärmerei gefangen.

[...] Eine großartige Präsenz zeigt Claudia Hübschmann als Elisabeth. Jeder Zoll eine Königin, so beansprucht sie den Bühnenraum für sich. Ihr Monolog erzwingt Aufmerksamkeit, ihr Gesicht spiegelt jede noch so kleine Regung, vom selbstgefälligen Lippenkräuseln bis zu den lauernden Augenwinkeln. [...] Florian Steffens als Leicester laviert überzeugend zwischen seiner halbgaren Liebe für Maria, seinen listigen Schmeicheleien gegenüber Elisabeth und dem stoischem Ausdruck des am Ende Gebrochenen. [...] Eindrucksvoll demonstriert Gerhard Mohr, welche Figur ihre Handlungsfreiheit behält: Der integre Shrewsbury hat das letzte Wort, mit dem er Elisabeth ihrer Alleinherrschaft überlässt.

Anke Schwarze, Westfälischer Anzeiger, 18. November 2014

 

Die kleine blonde Frau im riesigen schwarzen Bühnenraum: Welch ein Bild für den ersten Auftritt der gefangenen Schotten-Königin Maria Stuart! Kurze Zeit später wird ihre Gegenspielerin Elisabeth einen vergleichbaren Auftritt haben. Doch der Kon­trast ist groß: Im Glitzerglanz ihrer Roben beherrscht Englands Herrscherin den Raum. Hier steht die Macht.

Für ihre Inszenierung von Schillers „Maria Stuart“ haben Regisseur Martin Schulze und Ausstatter Ulrich Leitner das sonst so üppige Stück auf ein Kammerspiel im Großen Haus reduziert. Abstrakte Räume, ein Chor, der Nebenfiguren ersetzt, und Protagonisten, die einander Schillers Verse an der Rampe entgegenschleudern, um den Tücken der Akustik zu begegnen: Das könnte zu edler Langeweile führen. Hier aber wird es zum Drama um Menschenmacht und Staatsräson, das man gebannter verfolgt als manche aktuelle Debatte.

Die Rollen scheinen klar verteilt: Maria ist das arme Opfer, Elisabeth die böse Täterin. Maike Jüttendonks Maria, die zierliche Frau in moderner Kleidung, zieht das Mitgefühl ebenso an wie die Bewunderung der Männer. Claudia Hübschmanns Elisabeth hingegen sieht wie eine Statue aus, eine Königin aus dem Historienfilm, deren Oberkörper reglos auf dem Reifrock thront: Nur ihr Mienenspiel verrät, dass sich in der Maske ein Mensch verbirgt.

Aber die Verhältnisse sind komplexer, wie man auch bei Stefan Zweig nachlesen kann, aus dessen Maria-Stuart-Buch Programmheft und Sterbeszene zitieren: Maria wechselt die Strategien, beruft sich auf englisches Recht, gibt sich im Rede-Duell unterwürfig und kann doch nicht verhehlen, dass sie sich für die wahre Herrscherin hält: „Denn – ich – bin – euer – König!“, schreit Maike Jüttendonk. Wie diese Schauspielerin zwischen Zynismus und Zorn, Trotz und Verzweiflung die Gefühle der Figur wechseln lässt, ist atemberaubend. In den eineinhalb Stunden vor der Pause sorgt sie für Hochspannung, danach ist sie als Resignierende im blutroten Kleid ebenso überzeugend.

Allein im dritten Akt führt Schiller die Rivalinnen zusammen: Claudia Hübschmann schafft es hier, ihre Elisabeth nach den heftigen Anschuldigungen noch weiter erstarren zu lassen, bevor sie abrauscht. In den großen Königinnen-Szenen weckt sie aber auch Verständnis für eine Figur, die moderner ist, als es der Anschein zeigt, die „des Volkes Wohlfahrt“ notfalls mit Blut erzwingt und doch an der „Sklaverei des Volksdienstes“ leidet. Wenn sie zornbebend das Urteil unterschreibt, wirkt das wie ein Dolchstoß. In der List aber, mit der sie sich der Verantwortung für die Hinrichtung entzieht, gelingt ihr eine buffoneske Szene, fabelhaft unterstützt von „Staatssekretär“ Ilja Harjes.

Die Männer um die großartigen Rivalinnen sind punktgenau besetzt: So liefern sich Florian Steffens als Leicester und Maximilian Scheidt als Mortimer ein furioses, nie lautes Streitgespräch. Gerhard Mohr und Mark Oliver Bögel verkörpern die widerstreitenden Kräfte, Frank-Peter Dettmann ist ein zurückhaltender Hüter. Die Bühne von Ulrich Leitner lässt durch eckige Röhren goldenes Licht ins Dunkel fallen und breitet der blonden Schotten-Königin einen farblich passenden Boden aus, der ihr mit dem Todesurteil unter den Füßen weggezogen wird. Grandios.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 17. November 2014

Presse

Schillers Königinnendrama „Maria Stuart“ ist ein packender Gerichts- und Politkrimi. Am Großen Haus des Theaters Münster zeigt Martin Schulze den Kampf zwischen Maria Stuart und Elisabeth I. als das Ringen um die Deutungshoheit über ihr Leben. Nur vordergründig geht es um den rechtswidrigen Hochverratsprozess, mit dem sich die englische Königin Elisabeth ihrer Rivalin um den Thron, Maria Stuart, entledigen will. Dahinter stellt sich für beide die moralisch existenzielle Frage, wie sie sich mit ihrem Leben versöhnen im Angesichts des Todes.

Auf der nur von kantigen Säulen nach hinten begrenzten, requisitenlosen Spielfläche (Ausstattung: Ulrich Leitner) bieten die Schauspieler bei  minimalistisch reduzierter Bühnenhandlung ein außerordentlich fesselndes Sprechtheater. Maike Jüttendonk als Maria Stuart nimmt umstandslos für sich ein. Der zarten blonden Frau im bürgerlichen kleinen Schwarzen steht der Tod wegen angeblichen Hochverrats bevor. Brillant verteidigt sie sich gegen das ihr angetane Unrecht, wobei sie auch sehr laut, sehr bestimmt werden kann. In einer ergreifenden Beichte legt sie über ihr auch schuldbeladenes Leben Rechenschaft ab – die vielleicht doch nur bedenklich auf die Wirkung bei der Nachwelt berechnet ist.

Hanns Butterhof, Recklinghäuser Zeitung, 18. November 2014



Martin Schulze inszeniert am Theater Münster eine abstrakte, schlüssig zugespitzte Version von „Maria Stuart“. Er dampft Schillers Drama ein und streicht die Nebenrollen. Wo deren Text unverzichtbar ist, setzt Schulze einen Bühnenchor ein. Sein Fokus liegt auf acht Figuren, auf dem Kontrast zweier herausragender Frauengestalten und auf dem Ränkespiel am Hof, das Maria retten soll, aber ihren Tod besiegelt.

Die Konstellation der Figuren folgt einer strengen Geometrie. Wie Schachfiguren bewegen sie sich in abgemessenen Bahnen, kreuzen und überschneiden sich, interagieren aber nur selten wirklich miteinander. Es ist ein isolierendes Treiben dort am Hof. Leicester bleibt in seinem Doppelspiel, Burleigh in seinem Ehrgeiz und Mortimer in seiner triebhaften Schwärmerei gefangen.

[...] Eine großartige Präsenz zeigt Claudia Hübschmann als Elisabeth. Jeder Zoll eine Königin, so beansprucht sie den Bühnenraum für sich. Ihr Monolog erzwingt Aufmerksamkeit, ihr Gesicht spiegelt jede noch so kleine Regung, vom selbstgefälligen Lippenkräuseln bis zu den lauernden Augenwinkeln. [...] Florian Steffens als Leicester laviert überzeugend zwischen seiner halbgaren Liebe für Maria, seinen listigen Schmeicheleien gegenüber Elisabeth und dem stoischem Ausdruck des am Ende Gebrochenen. [...] Eindrucksvoll demonstriert Gerhard Mohr, welche Figur ihre Handlungsfreiheit behält: Der integre Shrewsbury hat das letzte Wort, mit dem er Elisabeth ihrer Alleinherrschaft überlässt.

Anke Schwarze, Westfälischer Anzeiger, 18. November 2014

 

Die kleine blonde Frau im riesigen schwarzen Bühnenraum: Welch ein Bild für den ersten Auftritt der gefangenen Schotten-Königin Maria Stuart! Kurze Zeit später wird ihre Gegenspielerin Elisabeth einen vergleichbaren Auftritt haben. Doch der Kon­trast ist groß: Im Glitzerglanz ihrer Roben beherrscht Englands Herrscherin den Raum. Hier steht die Macht.

Für ihre Inszenierung von Schillers „Maria Stuart“ haben Regisseur Martin Schulze und Ausstatter Ulrich Leitner das sonst so üppige Stück auf ein Kammerspiel im Großen Haus reduziert. Abstrakte Räume, ein Chor, der Nebenfiguren ersetzt, und Protagonisten, die einander Schillers Verse an der Rampe entgegenschleudern, um den Tücken der Akustik zu begegnen: Das könnte zu edler Langeweile führen. Hier aber wird es zum Drama um Menschenmacht und Staatsräson, das man gebannter verfolgt als manche aktuelle Debatte.

Die Rollen scheinen klar verteilt: Maria ist das arme Opfer, Elisabeth die böse Täterin. Maike Jüttendonks Maria, die zierliche Frau in moderner Kleidung, zieht das Mitgefühl ebenso an wie die Bewunderung der Männer. Claudia Hübschmanns Elisabeth hingegen sieht wie eine Statue aus, eine Königin aus dem Historienfilm, deren Oberkörper reglos auf dem Reifrock thront: Nur ihr Mienenspiel verrät, dass sich in der Maske ein Mensch verbirgt.

Aber die Verhältnisse sind komplexer, wie man auch bei Stefan Zweig nachlesen kann, aus dessen Maria-Stuart-Buch Programmheft und Sterbeszene zitieren: Maria wechselt die Strategien, beruft sich auf englisches Recht, gibt sich im Rede-Duell unterwürfig und kann doch nicht verhehlen, dass sie sich für die wahre Herrscherin hält: „Denn – ich – bin – euer – König!“, schreit Maike Jüttendonk. Wie diese Schauspielerin zwischen Zynismus und Zorn, Trotz und Verzweiflung die Gefühle der Figur wechseln lässt, ist atemberaubend. In den eineinhalb Stunden vor der Pause sorgt sie für Hochspannung, danach ist sie als Resignierende im blutroten Kleid ebenso überzeugend.

Allein im dritten Akt führt Schiller die Rivalinnen zusammen: Claudia Hübschmann schafft es hier, ihre Elisabeth nach den heftigen Anschuldigungen noch weiter erstarren zu lassen, bevor sie abrauscht. In den großen Königinnen-Szenen weckt sie aber auch Verständnis für eine Figur, die moderner ist, als es der Anschein zeigt, die „des Volkes Wohlfahrt“ notfalls mit Blut erzwingt und doch an der „Sklaverei des Volksdienstes“ leidet. Wenn sie zornbebend das Urteil unterschreibt, wirkt das wie ein Dolchstoß. In der List aber, mit der sie sich der Verantwortung für die Hinrichtung entzieht, gelingt ihr eine buffoneske Szene, fabelhaft unterstützt von „Staatssekretär“ Ilja Harjes.

Die Männer um die großartigen Rivalinnen sind punktgenau besetzt: So liefern sich Florian Steffens als Leicester und Maximilian Scheidt als Mortimer ein furioses, nie lautes Streitgespräch. Gerhard Mohr und Mark Oliver Bögel verkörpern die widerstreitenden Kräfte, Frank-Peter Dettmann ist ein zurückhaltender Hüter. Die Bühne von Ulrich Leitner lässt durch eckige Röhren goldenes Licht ins Dunkel fallen und breitet der blonden Schotten-Königin einen farblich passenden Boden aus, der ihr mit dem Todesurteil unter den Füßen weggezogen wird. Grandios.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 17. November 2014


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Premiere
Sa, 15. November 2014
19.30 Uhr · Großes Haus
Premierenabo Gr. Haus

Leider keine weiteren Termine geplant.

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