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LULU - EINE MONSTRETRAGÖDIE

Tanztheater von Hans Henning Paar frei nach Frank Wedekind

Musik von Friedrich Cerha, Viktor Ullmann, Kurt Weill, u.a.
Uraufführung
  • Elizabeth Towles — © Oliver Berg
    Elizabeth Towles
    © Oliver Berg
  • Tommaso Balbo, Maria Bayarri Pérez, Adam Dembczynski — © Oliver Berg
    Tommaso Balbo, Maria Bayarri Pérez, Adam Dembczynski
    © Oliver Berg
  • Maria Bayarri Pérez — © Oliver Berg
    Maria Bayarri Pérez
    © Oliver Berg
  • Priscilla Fiuza, Keelan Whitmore — © Oliver Berg
    Priscilla Fiuza, Keelan Whitmore
    © Oliver Berg
  • Elizabeth Towles, Vladimir de Freitas Rosa — © Oliver Berg
    Elizabeth Towles, Vladimir de Freitas Rosa
    © Oliver Berg
  • Adam Demczynski, Elizabeth Towles — © Oliver Berg
    Adam Demczynski, Elizabeth Towles
    © Oliver Berg
  • Ako Nakanome, Elizabeth Towles — © Oliver Berg
    Ako Nakanome, Elizabeth Towles
    © Oliver Berg
  • Agnès Girard, Elizabeth Towles — © Oliver Berg
    Agnès Girard, Elizabeth Towles
    © Oliver Berg
  • Ensemble — © Oliver Berg
    Ensemble
    © Oliver Berg
  • Jason Franklin, Ensemble — © Oliver Berg
    Jason Franklin, Ensemble
    © Oliver Berg
  • Anna Caviezel, Ensemble — © Oliver Berg
    Anna Caviezel, Ensemble
    © Oliver Berg
  • Erik Constantin, Jason Franklin — © Oliver Berg
    Erik Constantin, Jason Franklin
    © Oliver Berg
  • Erik Constantin, Anna Caviezel — © Oliver Berg
    Erik Constantin, Anna Caviezel
    © Oliver Berg
  • Tommaso Balbo, Anna Caviezel — © Oliver Berg
    Tommaso Balbo, Anna Caviezel
    © Oliver Berg

Ich mich verstellen? Wie kommen sie nur darauf. Das hatte ich niemals nötig.

Weitere Termine

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1913 fasste Frank Wedekind (1864–1918) die beiden Bühnenwerke DER ERDGEIST und DIE BÜCHSE DER PANDORA zu einer Tragödie in fünf Akten zusammen: LULU. Ein Stück über Sexualität und die Doppelmoral der bürgerlichen Gesellschaft.

Lulu wird als Zwölfjährige von Chefredakteur Dr. Schön von der Straße aufgelesen. Er sorgt für ihre Erziehung, macht sie zu seiner Mätresse und arrangiert, als er vorhat, sich standesgemäß zu verheiraten, eine Heirat Lulus mit Medizinalrat Dr. Goll. Als dieser herausfindet, dass Lulu ihn mit dem Maler Schwarz betrügt, trifft ihn der Schlag. Lulu wird daraufhin die Ehefrau des Künstlers, setzt jedoch heimlich ihr Verhältnis mit Dr. Schön fort. Als Schwarz von der Untreue seiner Frau erfährt, begeht er Selbstmord. Letztlich überzeugt Lulu Dr. Schön davon, sich mit ihr zu vermählen. Daneben hat sie Affären mit zahlreichen Verehrern, u. a. mit Dr. Schöns Sohn Alwa, der Gräfin Geschwitz und dem Athleten Rodrigo. Sie alle sind Lulu, der femme fatale, verfallen. Doch auch Lulu zahlt ihren Preis.

In expressiven Bildern zeigt Hans Henning Paar den Aufstieg und Niedergang Lulus und ihre verzweifelte Suche nach Liebe. Klaglos spielt sie die Rollen, die ihre Partner in ihr sehen wollen. Letztlich zerbricht Lulu daran, dass sie von allen nur als Objekt der Begierde wahrgenommen wird, jedoch sind Schuld und Unschuld, Täter- und Opferrolle in Wedekinds Tragödie nicht klar voneinander zu trennen.

Aufführungsdauer ca. 100 Minuten, eine Pause

Info

1913 fasste Frank Wedekind (1864–1918) die beiden Bühnenwerke DER ERDGEIST und DIE BÜCHSE DER PANDORA zu einer Tragödie in fünf Akten zusammen: LULU. Ein Stück über Sexualität und die Doppelmoral der bürgerlichen Gesellschaft.

Lulu wird als Zwölfjährige von Chefredakteur Dr. Schön von der Straße aufgelesen. Er sorgt für ihre Erziehung, macht sie zu seiner Mätresse und arrangiert, als er vorhat, sich standesgemäß zu verheiraten, eine Heirat Lulus mit Medizinalrat Dr. Goll. Als dieser herausfindet, dass Lulu ihn mit dem Maler Schwarz betrügt, trifft ihn der Schlag. Lulu wird daraufhin die Ehefrau des Künstlers, setzt jedoch heimlich ihr Verhältnis mit Dr. Schön fort. Als Schwarz von der Untreue seiner Frau erfährt, begeht er Selbstmord. Letztlich überzeugt Lulu Dr. Schön davon, sich mit ihr zu vermählen. Daneben hat sie Affären mit zahlreichen Verehrern, u. a. mit Dr. Schöns Sohn Alwa, der Gräfin Geschwitz und dem Athleten Rodrigo. Sie alle sind Lulu, der femme fatale, verfallen. Doch auch Lulu zahlt ihren Preis.

In expressiven Bildern zeigt Hans Henning Paar den Aufstieg und Niedergang Lulus und ihre verzweifelte Suche nach Liebe. Klaglos spielt sie die Rollen, die ihre Partner in ihr sehen wollen. Letztlich zerbricht Lulu daran, dass sie von allen nur als Objekt der Begierde wahrgenommen wird, jedoch sind Schuld und Unschuld, Täter- und Opferrolle in Wedekinds Tragödie nicht klar voneinander zu trennen.

Aufführungsdauer ca. 100 Minuten, eine Pause

Leitung

Inszenierung & Choreografie Hans Henning Paar

Musikalische Leitung Thorsten Schmid-Kapfenburg

Bühne und Kostüme Kristopher Kempf

Dramaturgie Esther von der Fuhr

Choreografische Assistenz László Nyakas


Besetzung

Lulu (Mignon) María Bayarri Pérez

Lulu (Nelli) Priscilla Fiuza

Lulu (Eva) Elizabeth D. Towles**

Lulu Anna Caviezel

Schigolch, Lulus angeblicher Vater Erik Constantin

Dr. Schön, Chefredakteur Adam Dembczynski

Gräfin Geschwitz Agnès Girard / Ako Nakanome

Alwa, Dr. Schön's Sohn Jason Franklin

Schwarz, Künstler Keelan Whitmore

Rodrigo Quast Vladimir de Freitas Rosa

Dr. Schön's Braut Violeta Wulff Mena

Hugenberg, Student Alexander Bolk

Jack the Ripper Tommaso Balbo, Tommaso Balbo / Adam Dembczynski

Sinfonieorchester Münster

Besetzung

Leitung

Inszenierung & Choreografie Hans Henning Paar

Musikalische Leitung Thorsten Schmid-Kapfenburg

Bühne und Kostüme Kristopher Kempf

Dramaturgie Esther von der Fuhr

Choreografische Assistenz László Nyakas


Besetzung

Lulu (Mignon) María Bayarri Pérez

Lulu (Nelli) Priscilla Fiuza

Lulu (Eva) Elizabeth D. Towles**

Lulu Anna Caviezel

Schigolch, Lulus angeblicher Vater Erik Constantin

Dr. Schön, Chefredakteur Adam Dembczynski

Gräfin Geschwitz Agnès Girard / Ako Nakanome

Alwa, Dr. Schön's Sohn Jason Franklin

Schwarz, Künstler Keelan Whitmore

Rodrigo Quast Vladimir de Freitas Rosa

Dr. Schön's Braut Violeta Wulff Mena

Hugenberg, Student Alexander Bolk

Jack the Ripper Tommaso Balbo, Tommaso Balbo / Adam Dembczynski

Sinfonieorchester Münster


Nach "Macbeth" und "Das Schloss" widmet sich Hans Henning Paar in seinem neuen literarischen Tanzstück einer Frauenfigur, Frank Wedekinds skandalöser femme fatale "Lulu". Ihm gelingt damit ein ungemein spannendes Tanzdrama. Denn er gibt der 100-jährigen "Monstretragödie", anders als vor rund zehn Jahren Christian Spuck in Stuttgart mit seiner genialen Chanson-Revue, ein aktuelles, überraschend schlüssiges Profil [...].

Großartige Ensembleszenen, Pas de deux und Solos faszinieren gleichermaßen durch die überragende darstellerische Kraft der 14 Tänzer und dank Paars origineller Körpersprache, die jedem einzelnen durchaus Spielraum für eigene technische Prägungen lässt, was dem choreografischen Colorit sehr gut tut. Vier neue Mitglieder bereichern die Vielseitigkeit der Truppe: die ausdrucksstarke Elizabeth Towles, der absichtsvoll lethargische Jason Franklin, der hinreißend elegante, mit geschmeidigem neoklassischen Duktus tanzende Keelan Whitmore und die hochgewachsene, zarte Agnès Girard als zauberhaft jugendstilhafte lesbische Gräfin. Als glänzender Verwandlungskünstler erwies sich bei der Premiere Tommaso Balbo (Dr. Goll, Jack the Ripper). Ein grandios widerliches Konterfei verleiht der junge Holländer Erik Constantin dem kahlköpfigen, dickwanstigen Schigolch.

Kostüme und Requisiten von Kristopher Kempf auf der fast leeren Bühne unterstreichen Ambiente und Charaktere durchaus wirkungsvoll. Getanzt wird bis ganz vorn an die Rampe auf dem verdeckten Orchestergraben. Das fantastisch spielende Sinfonieorchester Münster unter Thorsten Schmid-Kapfenburg und Klaviervirtuosin Elda Laro sitzen auf der Hinterbühne und unterstreichen das weltstädtische Flair vor allem in den Berliner und Pariser Szenen. Die Musikwahl trägt maßgeblich zum sensationellen Gelingen dieses Tanzdramas bei. [...]

Paar überzeugt in Münster immer mehr durch die Bandbreite seines technischen Ausdrucks, insbesondere in seinen zeitgemäßen Interpretationen literarischer Stoffe. In seinen Choreografien ist nicht die eine, unverwechselbare "Handschrift" zu erkennen, sondern er überrascht immer wieder durch neues Vokabular und entwickelt sich geradezu zum virtuosen Erzähler.

Marieluise Jeitschko, tanznetz.de, 12. Oktober 2014

 

Schlechte Zeiten für die Liebe am Theater Münster: Nachdem es in Anton Tschechows „Platonow“ schon nicht zwischen Männern und Frauen geklappt hat, setzt Tanztheater-Chef Hans Henning Paar jetzt noch einen drauf: Seine „Lulu“-Choreografie ist ein düsterer, mitreißender, am Ende zutiefst schockierender Kampf der Geschlechter.

Frank Wedekinds Tragödie um die unglückliche Verführerin ist wohl Paars bisher stärkste Literatur-Interpretation in Münster. [...] Paars Stück ist ein Reigen von Begegnungen zwischen Lulu und ihren Liebhaber(inne)n, in denen um Macht gekämpft wird. Im Lauf des Abends treten dabei vier verschiedene Lulus auf. Sie spiegeln die Entwicklung der Hauptperson wider, sind oft aber auch gleichzeitig auf der Bühne und verkörpern inneren Widerstreit und Erinnerungen.

Das Sinfonieorchester unter Thorsten Schmid-Kapfenburg sitzt hinter den Tänzern auf der Bühne und beschwört mit Musik von Kurt Weill und Paul Dessau finster-schön den Totentanz der Weimarer Republik. Zum schrecklichen Finale gibt es dann aber doch noch einen Hinweis auf Alban Bergs großartige „Lulu“-Oper. Allerdings ohne Alban Berg. Stattdessen kommt Komponist Friedrich Cerha zu Wort, der Bergs unvollendeten letzten Akt komplettierte. Nun darf er auch hier mit seinen „Impulsen für Orchester“ infernalisch den Auftritt des Mörders Jack the Ripper illustrieren.

Diese Szene, die in der Oper oft weggelassen oder schamhaft drangeklatscht wird, ist bei Hans Hennig Paar die Essenz der Geschichte. Tommaso Balbo spielt den Mörder wie einen Hund, einen tödlich-eleganten Dobermann, der sein Opfer beschnüffelt. Er zerrt Lulu hinter einen Paravent, erdolcht sie und erscheint als Schattenriss wie Murnaus Vampirfürst Nosferatu. Ein entsetzliches Bild.

Manuel Jennen, Münstersche Zeitung, 13. Oktober 2014



Frank Wedekinds „Monstretragödie“ um die todbringende Lulu, die selbst Opfer ist und schließlich ermordet wird, ist jetzt in Münster als Tanzstück zu bestaunen. Und bietet vor allem im ersten Teil, bis zum Tod des Dr. Schön, faszinierend-spannendes Theater.

[...] Die Idee, für das Mädchen (Maria Bayarri Perez), die junge Frau (Priscilla Fiuza), die selbstbewusste Verführerin (Elizabeth Towles) und das Opfer (Anna Caviezel) vier Tänzerinnen einzusetzen, wirkt ebenso überzeugend wie Paars Strategie, sie in Kombinationen auftreten zu lassen: In der Figur Lulu sind stets mehrere Aspekte präsent.

Was den Tanzabend ebenfalls bezwingend macht, ist [...] die Musik. Kurt Weills mitreißende zweite Sinfonie und das Klavierkonzert von Viktor Ullmann werden vom Sinfonieorchester Münster im Bühnenhintergrund gespielt – souverän gesteuert von Thorsten Schmid-Kapfenburg und in den Rachmaninow-Wogen des Klavierkonzerts hinreißend gespielt von Elda Laro, die in der Gefängnisszene des zweiten Teils noch ein Dessau-Stück glitzern lässt. Besonders aber im ersten Teil sind Tanz und Musik so eng verwoben, dass man den Wunsch kaum auszusprechen wagt, diese Werke auch mal im Konzert zu hören.

Interessant, dass Hans Henning Paar dem ernsten Stoff auch humoristische Momente abgewinnt. Dazu gehören neben eher schlichten Witzen wie der Bettelei des Schigolch die karikierenden Rollenporträts von Vladimir de Freitas Rosa als eitler Muskelmann und Alexander Bolk als verklemmter Student. Die lesbische Liebende Gräfin Geschwitz mit ihren verzweifelten Verrenkungen hingegen und Schöns Sohn Alwa (Agnès Girard und Jason Franklin) lassen die Tragik der Nebenfiguren Gestalt werden. Dass der Frauenmörder Jack the Ripper (Tommaso Balbo) einen Nosferatu-Schatten wirft, ist ein hübscher-gruseliger Rand-Aspekt.

Hans Henning Paars Tanzabend bietet die Gelegenheit, ein bekanntes, aber nicht zu oft gespieltes Stück neu zu entdecken. Und das abschließende Orchesterstück von Friedrich Cerha, der einst Bergs „Lulu“-Oper“ vollendet hat, ist auch großartig.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 13. Oktober 2014

Presse

Nach "Macbeth" und "Das Schloss" widmet sich Hans Henning Paar in seinem neuen literarischen Tanzstück einer Frauenfigur, Frank Wedekinds skandalöser femme fatale "Lulu". Ihm gelingt damit ein ungemein spannendes Tanzdrama. Denn er gibt der 100-jährigen "Monstretragödie", anders als vor rund zehn Jahren Christian Spuck in Stuttgart mit seiner genialen Chanson-Revue, ein aktuelles, überraschend schlüssiges Profil [...].

Großartige Ensembleszenen, Pas de deux und Solos faszinieren gleichermaßen durch die überragende darstellerische Kraft der 14 Tänzer und dank Paars origineller Körpersprache, die jedem einzelnen durchaus Spielraum für eigene technische Prägungen lässt, was dem choreografischen Colorit sehr gut tut. Vier neue Mitglieder bereichern die Vielseitigkeit der Truppe: die ausdrucksstarke Elizabeth Towles, der absichtsvoll lethargische Jason Franklin, der hinreißend elegante, mit geschmeidigem neoklassischen Duktus tanzende Keelan Whitmore und die hochgewachsene, zarte Agnès Girard als zauberhaft jugendstilhafte lesbische Gräfin. Als glänzender Verwandlungskünstler erwies sich bei der Premiere Tommaso Balbo (Dr. Goll, Jack the Ripper). Ein grandios widerliches Konterfei verleiht der junge Holländer Erik Constantin dem kahlköpfigen, dickwanstigen Schigolch.

Kostüme und Requisiten von Kristopher Kempf auf der fast leeren Bühne unterstreichen Ambiente und Charaktere durchaus wirkungsvoll. Getanzt wird bis ganz vorn an die Rampe auf dem verdeckten Orchestergraben. Das fantastisch spielende Sinfonieorchester Münster unter Thorsten Schmid-Kapfenburg und Klaviervirtuosin Elda Laro sitzen auf der Hinterbühne und unterstreichen das weltstädtische Flair vor allem in den Berliner und Pariser Szenen. Die Musikwahl trägt maßgeblich zum sensationellen Gelingen dieses Tanzdramas bei. [...]

Paar überzeugt in Münster immer mehr durch die Bandbreite seines technischen Ausdrucks, insbesondere in seinen zeitgemäßen Interpretationen literarischer Stoffe. In seinen Choreografien ist nicht die eine, unverwechselbare "Handschrift" zu erkennen, sondern er überrascht immer wieder durch neues Vokabular und entwickelt sich geradezu zum virtuosen Erzähler.

Marieluise Jeitschko, tanznetz.de, 12. Oktober 2014

 

Schlechte Zeiten für die Liebe am Theater Münster: Nachdem es in Anton Tschechows „Platonow“ schon nicht zwischen Männern und Frauen geklappt hat, setzt Tanztheater-Chef Hans Henning Paar jetzt noch einen drauf: Seine „Lulu“-Choreografie ist ein düsterer, mitreißender, am Ende zutiefst schockierender Kampf der Geschlechter.

Frank Wedekinds Tragödie um die unglückliche Verführerin ist wohl Paars bisher stärkste Literatur-Interpretation in Münster. [...] Paars Stück ist ein Reigen von Begegnungen zwischen Lulu und ihren Liebhaber(inne)n, in denen um Macht gekämpft wird. Im Lauf des Abends treten dabei vier verschiedene Lulus auf. Sie spiegeln die Entwicklung der Hauptperson wider, sind oft aber auch gleichzeitig auf der Bühne und verkörpern inneren Widerstreit und Erinnerungen.

Das Sinfonieorchester unter Thorsten Schmid-Kapfenburg sitzt hinter den Tänzern auf der Bühne und beschwört mit Musik von Kurt Weill und Paul Dessau finster-schön den Totentanz der Weimarer Republik. Zum schrecklichen Finale gibt es dann aber doch noch einen Hinweis auf Alban Bergs großartige „Lulu“-Oper. Allerdings ohne Alban Berg. Stattdessen kommt Komponist Friedrich Cerha zu Wort, der Bergs unvollendeten letzten Akt komplettierte. Nun darf er auch hier mit seinen „Impulsen für Orchester“ infernalisch den Auftritt des Mörders Jack the Ripper illustrieren.

Diese Szene, die in der Oper oft weggelassen oder schamhaft drangeklatscht wird, ist bei Hans Hennig Paar die Essenz der Geschichte. Tommaso Balbo spielt den Mörder wie einen Hund, einen tödlich-eleganten Dobermann, der sein Opfer beschnüffelt. Er zerrt Lulu hinter einen Paravent, erdolcht sie und erscheint als Schattenriss wie Murnaus Vampirfürst Nosferatu. Ein entsetzliches Bild.

Manuel Jennen, Münstersche Zeitung, 13. Oktober 2014



Frank Wedekinds „Monstretragödie“ um die todbringende Lulu, die selbst Opfer ist und schließlich ermordet wird, ist jetzt in Münster als Tanzstück zu bestaunen. Und bietet vor allem im ersten Teil, bis zum Tod des Dr. Schön, faszinierend-spannendes Theater.

[...] Die Idee, für das Mädchen (Maria Bayarri Perez), die junge Frau (Priscilla Fiuza), die selbstbewusste Verführerin (Elizabeth Towles) und das Opfer (Anna Caviezel) vier Tänzerinnen einzusetzen, wirkt ebenso überzeugend wie Paars Strategie, sie in Kombinationen auftreten zu lassen: In der Figur Lulu sind stets mehrere Aspekte präsent.

Was den Tanzabend ebenfalls bezwingend macht, ist [...] die Musik. Kurt Weills mitreißende zweite Sinfonie und das Klavierkonzert von Viktor Ullmann werden vom Sinfonieorchester Münster im Bühnenhintergrund gespielt – souverän gesteuert von Thorsten Schmid-Kapfenburg und in den Rachmaninow-Wogen des Klavierkonzerts hinreißend gespielt von Elda Laro, die in der Gefängnisszene des zweiten Teils noch ein Dessau-Stück glitzern lässt. Besonders aber im ersten Teil sind Tanz und Musik so eng verwoben, dass man den Wunsch kaum auszusprechen wagt, diese Werke auch mal im Konzert zu hören.

Interessant, dass Hans Henning Paar dem ernsten Stoff auch humoristische Momente abgewinnt. Dazu gehören neben eher schlichten Witzen wie der Bettelei des Schigolch die karikierenden Rollenporträts von Vladimir de Freitas Rosa als eitler Muskelmann und Alexander Bolk als verklemmter Student. Die lesbische Liebende Gräfin Geschwitz mit ihren verzweifelten Verrenkungen hingegen und Schöns Sohn Alwa (Agnès Girard und Jason Franklin) lassen die Tragik der Nebenfiguren Gestalt werden. Dass der Frauenmörder Jack the Ripper (Tommaso Balbo) einen Nosferatu-Schatten wirft, ist ein hübscher-gruseliger Rand-Aspekt.

Hans Henning Paars Tanzabend bietet die Gelegenheit, ein bekanntes, aber nicht zu oft gespieltes Stück neu zu entdecken. Und das abschließende Orchesterstück von Friedrich Cerha, der einst Bergs „Lulu“-Oper“ vollendet hat, ist auch großartig.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 13. Oktober 2014


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