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JOSEPH SÜSS

Oper von Detlev Glanert

in Kooperation mit dem Staatstheater am Gärtnerplatz München und dem Theater Erfurt
Münstersche Erstaufführung
  • Gary Martin, Henrike Jacob — © Oliver Berg
    Gary Martin, Henrike Jacob
    © Oliver Berg
  • Youn-Seong Shim, Gregor Dalal, Lisa Wedekind, Opernchor — © Oliver Berg
    Youn-Seong Shim, Gregor Dalal, Lisa Wedekind, Opernchor
    © Oliver Berg
  • Eva Bauchmüller, Gregor Dalal — © Oliver Berg
    Eva Bauchmüller, Gregor Dalal
    © Oliver Berg
  • Gregor Dalal, Eva Bauchmüller, Youn-Seong Shim, Opernchor — © Oliver Berg
    Gregor Dalal, Eva Bauchmüller, Youn-Seong Shim, Opernchor
    © Oliver Berg
  • Gary Martin, Juan Fernando Gutiérrez, Opernchor — © Oliver Berg
    Gary Martin, Juan Fernando Gutiérrez, Opernchor
    © Oliver Berg
  • Gary Martin, Youn-Seong Shim, Gregor Dalal, Eva Bauchmüller — © Oliver Berg
    Gary Martin, Youn-Seong Shim, Gregor Dalal, Eva Bauchmüller
    © Oliver Berg
  • Youn-Seong Shim, Gregor Dalal, Eva Bauchmüller, Opernchor — © Oliver Berg
    Youn-Seong Shim, Gregor Dalal, Eva Bauchmüller, Opernchor
    © Oliver Berg
  • Gary Martin, Henrike Jacob, Helge Salnikau, Opernchor — © Oliver Berg
    Gary Martin, Henrike Jacob, Helge Salnikau, Opernchor
    © Oliver Berg
  • Gregor Dalal, Gary Martin — © Oliver Berg
    Gregor Dalal, Gary Martin
    © Oliver Berg
  • Lisa Wedekind, Juan Fernando Gutiérrez — © Oliver Berg
    Lisa Wedekind, Juan Fernando Gutiérrez
    © Oliver Berg
  • Helge Salnikau, Henrike Jacob, Gary Martin, Youn-Seong Shim, Opernchor — © Oliver Berg
    Helge Salnikau, Henrike Jacob, Gary Martin, Youn-Seong Shim, Opernchor
    © Oliver Berg

Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen?

Premiere
Sa, 07. Februar 2015
19.30 · Großes Haus · Preise A
Premierenabo Gr. Haus

19.00 Einführung im Theatertreff

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

1916 stieß der Schriftsteller Lion Feuchtwanger auf die Biographie eines jüdischen Finanzmannes des 18. Jahrhunderts, Joseph Süß, der zunächst zum Geheimen Finanzrat des Herzogs Karl Alexander von Württemberg aufstieg und nach dessen plötzlichem Tod ins Bodenlose stürzte. Für seine repressive Wirtschaftsreform, mit der Joseph Süß den verschwenderischen Lebensstil des Herzogs ermöglicht hatte, wurde er in einem beispiellosen Schauprozess verurteilt und ohne Urteilsbegründung hingerichtet. Feuchtwangers 1925 erschienener Roman JUD SÜSS wurde 1933 von den Nationalsozialisten verboten, dann aber als stoffliche Vorlage für den gleichnamigen antisemitischen Propagandafilm von Veit Harlan missbraucht. Dieser verkehrte Feuchtwangers Intentionen ins Gegenteil. Detlev Glanert rollt in seiner packenden, 1999 uraufgeführten Oper den historischen Fall noch einmal neu auf. Das Stück zeigt Joseph Süß im Kerker, vor seiner Hinrichtung. Alptraumhafte Visionen in den letzten Stunden seines Lebens ziehen als Erinnerungsbilder an ihm vorbei. In ungeheuer intensiven Szenen lässt die Oper an dem Schicksal Joseph Süß’ Anteil nehmen und in die Abgründe eines mörderischen Rassismus blicken.

Aufführungsdauer ca. 90 Minuten, keine Pause

 

Info

1916 stieß der Schriftsteller Lion Feuchtwanger auf die Biographie eines jüdischen Finanzmannes des 18. Jahrhunderts, Joseph Süß, der zunächst zum Geheimen Finanzrat des Herzogs Karl Alexander von Württemberg aufstieg und nach dessen plötzlichem Tod ins Bodenlose stürzte. Für seine repressive Wirtschaftsreform, mit der Joseph Süß den verschwenderischen Lebensstil des Herzogs ermöglicht hatte, wurde er in einem beispiellosen Schauprozess verurteilt und ohne Urteilsbegründung hingerichtet. Feuchtwangers 1925 erschienener Roman JUD SÜSS wurde 1933 von den Nationalsozialisten verboten, dann aber als stoffliche Vorlage für den gleichnamigen antisemitischen Propagandafilm von Veit Harlan missbraucht. Dieser verkehrte Feuchtwangers Intentionen ins Gegenteil. Detlev Glanert rollt in seiner packenden, 1999 uraufgeführten Oper den historischen Fall noch einmal neu auf. Das Stück zeigt Joseph Süß im Kerker, vor seiner Hinrichtung. Alptraumhafte Visionen in den letzten Stunden seines Lebens ziehen als Erinnerungsbilder an ihm vorbei. In ungeheuer intensiven Szenen lässt die Oper an dem Schicksal Joseph Süß’ Anteil nehmen und in die Abgründe eines mörderischen Rassismus blicken.

Aufführungsdauer ca. 90 Minuten, keine Pause

 

Leitung

Musikalische Leitung Thorsten Schmid-Kapfenburg

Inszenierung Guy Montavon

Szenische Einstudierung Ferdinand Hofmann

Bühne und Kostüme Peter Sykora

Ausstattungsanpassung Norman Heinrich

Choreinstudierung Inna Batyuk

Dramaturgie Jens Ponath


Besetzung

Joseph Süß Oppenheimer Gary Martin

Karl Alexander, Herzog von Württemberg Gregor Dalal

Magus, Rabbiner Juan Fernando Gutiérrez

Naemi, Tochter von Joseph Süß Lisa Wedekind

Graziella, italienische Opernsängerin Eva Bauchmüller

Magdalena, Tochter von Weissensee Henrike Jacob

Weissensee, Sprecher der Landstände Youn-Seong Shim

Henker Helge Salnikau

Haushofmeister Frank Göbel

Opernchor des Theaters Münster

Extrachor des Theaters Münster

Sinfonieorchester Münster

Besetzung

Leitung

Musikalische Leitung Thorsten Schmid-Kapfenburg

Inszenierung Guy Montavon

Szenische Einstudierung Ferdinand Hofmann

Bühne und Kostüme Peter Sykora

Ausstattungsanpassung Norman Heinrich

Choreinstudierung Inna Batyuk

Dramaturgie Jens Ponath


Besetzung

Joseph Süß Oppenheimer Gary Martin

Karl Alexander, Herzog von Württemberg Gregor Dalal

Magus, Rabbiner Juan Fernando Gutiérrez

Naemi, Tochter von Joseph Süß Lisa Wedekind

Graziella, italienische Opernsängerin Eva Bauchmüller

Magdalena, Tochter von Weissensee Henrike Jacob

Weissensee, Sprecher der Landstände Youn-Seong Shim

Henker Helge Salnikau

Haushofmeister Frank Göbel

Opernchor des Theaters Münster

Extrachor des Theaters Münster

Sinfonieorchester Münster


Die Geschichte ist historisch verbürgt und endet 1738 in Stuttgart, wo eine frenetisch johlende Menge das Todesurteil bejubelt. Hier setzt Glanerts Oper ein – sie wirft den Blick zurück auf die Mechanismen von Macht und Verrat, auf fiese, egoistische Gestalten, die letztendlich für das Schicksal von Joseph Süß verantwortlich sind. Es ist ein retrospektiver Blick aus Süß’ Gefängniszelle mit Wänden, die aus Goldbarren gebaut sind – Signum für den, so das Klischee, geldgierigen und beständig Reichtum anhäufenden Juden. In dreizehn Szenen bebildern Detlev Glanert und mit ihm Regisseur Guy Montavon, wie es zu Aufstieg und Fall des Finanzrates Süß am Hofe Karl Alexanders zu Württemberg kommen konnte. Ein toller Stoff für eine Oper, die an Dramatik nichts zu wünschen übrig lässt.

Das Personal steckt in barocken Kostümen, agiert aber vor einer silbern verspiegelten, kühlen und zeitlosen Kulisse. Wunderbar wird dabei der Gegensatz von weiß-gesichtsloser Hofschranzenmasse und dem ganz in Rot gekleidetem Außenseiter Süß deutlich. So schlagen Montavon und sein Ausstatter Peter Sykora eine Brücke vom Damals ins Heute. Und Transparente mit der Aufschrift „Juden sind in unsern deutschen Wäldern nicht erwünscht“ sowie grottige Judenwitze ganz zu Beginn der Oper thematisieren das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. [...]

Glanert kleidet die dreizehn Szenen seiner rund 90-minütigen Oper in plastisch erfahrbare Klänge, die mitunter regelrecht körperlich spürbar werden und große Emotionen wecken – was vor allem dem superb vorbereiteten Sinfonieorchester Münster zu verdanken ist. Dirigent Thorsten Schmid-Kapfenburg, seit etlichen Jahren eng vertraut mit Glanert und seiner Musik, lässt irisierende Farben entstehen, eine weite Spanne Couleurs von bedrohlicher Dunkelheit bis hin zu gleißender Schärfe, die vom ausgezeichnet singenden und sich auf der Bühne perfekt bewegenden Chor samt Extrachor noch forciert wird. Das lässt am Premierenabend mehr als nur einmal das Blut in den Adern gefrieren.

Sängerisch kann das Theater Münster mit einem Ensemble punkten, dass sich mit Haut und Haaren in Montavons Inszenierung hinein versenkt. Gary Martin ist ein markanter Joseph Süß, der sich mit großem Selbstbewusstsein in sein Schicksal fügt bis hin zum bewegenden Schluss-Lamento. Gregor Dalal verkörpert zutiefst glaubwürdig den Herzog Karl Alexander: egomanisch, aggressiv, despotisch, protzig. Die Rolle des fiesen Magistralrats Weissensee, Joseph Süß’ größtem Widersacher bei Hofe, füllt Youn-Seong Shim mit seinem hellen, quirligen Tenor überzeugend aus. Henrike Jacob ist eine gefühlvolle Magdalena, Weissensees Tochter und Süß-Geliebte, vom Herzog missbraucht. Lisa Wedekind als Süß-Tochter Naemi ist zwar wenig gefordert, doch wo sie zu singen hat, tut sie dies mit lyrischem Balsam, während Eva Bauchmüller als Opernsängerin Graziella das tut, was man am Hof von ihr verlangt: schwindelerregende Koloraturen zu zwitschern. Auch auf Juan Fernando Gutiérrez als Rabbiner Magus ist stimmlich wie darstellerisch absolut Verlass. Der Henker schließlich, eine anspruchsvolle Sprechrolle, ist bei dem musikalisch ausgezeichnet deklamierenden Helge Salnikau in besten Händen.

Mit Glanerts „Joseph Süß“ feiert nicht nur das Regie-Team einen großen Erfolg – auch die Musiktheater-Sparte in Münsters Haus bietet mit dieser Produktion ganz klar ein Highlight in der aktuellen nordrhein-westfälischen Opernszene. Jetzt bleibt zu hoffen, dass – wie so oft in Münster – die Mund-Propaganda anläuft und Wirkung zeigt. Das Premierenpublikum jedenfalls war schwerstens beeindruckt von 90 intensiven Minuten, deren Qualität sich schleunigst herumsprechen sollte.

Christoph Schulte im Walde, theaterpur.net, 9. Februar 2015



„Jud Süß“ heißen der berühmte Roman von Lion Feuchtwanger und der berüchtigte Film von Veit Harlan, die die historische Figur des Finanzrats Joseph Süß Oppenheimer aus dem 18. Jahrhundert ins Zentrum stellen. Kann man aus diesem Stoff nach 1945 noch eine Oper machen? Glanert, der Schüler Hans Werner Henzes, und seine Librettisten Werner Fritsch und Uta Ackermann beweisen, wie das möglich ist. Indem sie den Antisemitismus thematisieren, ohne dabei auf den Nationalsozialismus verweisen zu müssen.

Der 90-minütige Opernkrimi, den Erfurts Intendant Guy Montavon jetzt in Münsters Großem Haus inszeniert hat, spielt im Kerker des todgeweihten Süß. Die Kerkermauern sind Goldbarren: Süß, der geschickte Geldbeschaffer, hatte schon früh Neid auf sich gezogen, und der einflussreiche Weissensee spricht es aus: „Ein Jud als Finanzrat! Wie ein Vampir als Arzt!“ Diese Szenen aus Süß’ Leben sind als Rückblenden gestaltet, dazu ändert die Drehbühne jeweils das Bild (Ausstattung: Peter Sykora), und Süß zieht sein rotes Gewand über, das ihn vom weißen Chor und den grauen Antagonisten abhebt. Die Stilmittel der Regie treffen genau den Kern des Werks: Gezeigt wird zwar ein historischer Stoff, doch das farbliche Abstrahieren lässt ihn durchaus zeitlos erscheinen.

Süß (elegant in Gesang und Gestaltung: Gary Martin) ist als Jude der Außenseiter und Sündenbock, daran lässt das Stück mit seinem höhnischen Chor-Volk keine Zweifel. Interessanterweise nimmt er die Gelegenheiten nicht wahr, als Konvertit oder als unehelicher Sohn eines Christen Rettung zu suchen. Was eher eine Frage der Verblendung als des Glaubens ist: Den guten Rat des orthodoxen Magus (Juan Fernando Gutiérrez) schlägt er aus, und in der Verzweiflungsrede vor seiner Hinrichtung will er den Regenbogen des Herrn zerbrechen.

Glanerts Partitur enthält subtile Schreckensgeräusche wie das bedrohliche Tropfen, wuchtige, von Chor und Orchester grandios gestaltete Volksszenen und eine Mischung aus Sprechgesang und kantablen Passagen: Die Gesänge der Tochter Naemi etwa sind lyrisch-traumschön (Lisa Wedekind) und unterscheiden sich von den markanteren Gesangslinien der Geliebten Magdalena (Henrike Jacob) und den eitlen Koloraturen der Primadonna Graziella (Eva Bauchmüller). Der zynische Henker (Helge Salnikau) darf nur sprechen: „Süß dein Genick! Wie geschaffen für den Strick!“ Die fein verästelte Musik ist von großer Theaterwirksamkeit, ganz extrem am Schluss, wenn eine furchterregende Steigerung jäh abbricht und einen Klangschatten zurücklässt. In vielen Übergängen malt sie feine Stimmungen: Wie Dirigent Thorsten Schmid-Kapfenburg dies alles koordiniert, das ist fabelhaft.

Gregor Dalal als Herzog und Youn-Seong Shim als Weissensee sind auch stimmlich ideale Widersacher des Helden, der wie Rigoletto die geliebte Tochter verliert und am Ende einem Willkür-Urteil unterworfen wird, das sich aus antisemitischen Vorurteilen nährt. Ein packender Opernstoff – vorzüglich umgesetzt.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 9. Februar 2015

Presse

Die Geschichte ist historisch verbürgt und endet 1738 in Stuttgart, wo eine frenetisch johlende Menge das Todesurteil bejubelt. Hier setzt Glanerts Oper ein – sie wirft den Blick zurück auf die Mechanismen von Macht und Verrat, auf fiese, egoistische Gestalten, die letztendlich für das Schicksal von Joseph Süß verantwortlich sind. Es ist ein retrospektiver Blick aus Süß’ Gefängniszelle mit Wänden, die aus Goldbarren gebaut sind – Signum für den, so das Klischee, geldgierigen und beständig Reichtum anhäufenden Juden. In dreizehn Szenen bebildern Detlev Glanert und mit ihm Regisseur Guy Montavon, wie es zu Aufstieg und Fall des Finanzrates Süß am Hofe Karl Alexanders zu Württemberg kommen konnte. Ein toller Stoff für eine Oper, die an Dramatik nichts zu wünschen übrig lässt.

Das Personal steckt in barocken Kostümen, agiert aber vor einer silbern verspiegelten, kühlen und zeitlosen Kulisse. Wunderbar wird dabei der Gegensatz von weiß-gesichtsloser Hofschranzenmasse und dem ganz in Rot gekleidetem Außenseiter Süß deutlich. So schlagen Montavon und sein Ausstatter Peter Sykora eine Brücke vom Damals ins Heute. Und Transparente mit der Aufschrift „Juden sind in unsern deutschen Wäldern nicht erwünscht“ sowie grottige Judenwitze ganz zu Beginn der Oper thematisieren das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. [...]

Glanert kleidet die dreizehn Szenen seiner rund 90-minütigen Oper in plastisch erfahrbare Klänge, die mitunter regelrecht körperlich spürbar werden und große Emotionen wecken – was vor allem dem superb vorbereiteten Sinfonieorchester Münster zu verdanken ist. Dirigent Thorsten Schmid-Kapfenburg, seit etlichen Jahren eng vertraut mit Glanert und seiner Musik, lässt irisierende Farben entstehen, eine weite Spanne Couleurs von bedrohlicher Dunkelheit bis hin zu gleißender Schärfe, die vom ausgezeichnet singenden und sich auf der Bühne perfekt bewegenden Chor samt Extrachor noch forciert wird. Das lässt am Premierenabend mehr als nur einmal das Blut in den Adern gefrieren.

Sängerisch kann das Theater Münster mit einem Ensemble punkten, dass sich mit Haut und Haaren in Montavons Inszenierung hinein versenkt. Gary Martin ist ein markanter Joseph Süß, der sich mit großem Selbstbewusstsein in sein Schicksal fügt bis hin zum bewegenden Schluss-Lamento. Gregor Dalal verkörpert zutiefst glaubwürdig den Herzog Karl Alexander: egomanisch, aggressiv, despotisch, protzig. Die Rolle des fiesen Magistralrats Weissensee, Joseph Süß’ größtem Widersacher bei Hofe, füllt Youn-Seong Shim mit seinem hellen, quirligen Tenor überzeugend aus. Henrike Jacob ist eine gefühlvolle Magdalena, Weissensees Tochter und Süß-Geliebte, vom Herzog missbraucht. Lisa Wedekind als Süß-Tochter Naemi ist zwar wenig gefordert, doch wo sie zu singen hat, tut sie dies mit lyrischem Balsam, während Eva Bauchmüller als Opernsängerin Graziella das tut, was man am Hof von ihr verlangt: schwindelerregende Koloraturen zu zwitschern. Auch auf Juan Fernando Gutiérrez als Rabbiner Magus ist stimmlich wie darstellerisch absolut Verlass. Der Henker schließlich, eine anspruchsvolle Sprechrolle, ist bei dem musikalisch ausgezeichnet deklamierenden Helge Salnikau in besten Händen.

Mit Glanerts „Joseph Süß“ feiert nicht nur das Regie-Team einen großen Erfolg – auch die Musiktheater-Sparte in Münsters Haus bietet mit dieser Produktion ganz klar ein Highlight in der aktuellen nordrhein-westfälischen Opernszene. Jetzt bleibt zu hoffen, dass – wie so oft in Münster – die Mund-Propaganda anläuft und Wirkung zeigt. Das Premierenpublikum jedenfalls war schwerstens beeindruckt von 90 intensiven Minuten, deren Qualität sich schleunigst herumsprechen sollte.

Christoph Schulte im Walde, theaterpur.net, 9. Februar 2015



„Jud Süß“ heißen der berühmte Roman von Lion Feuchtwanger und der berüchtigte Film von Veit Harlan, die die historische Figur des Finanzrats Joseph Süß Oppenheimer aus dem 18. Jahrhundert ins Zentrum stellen. Kann man aus diesem Stoff nach 1945 noch eine Oper machen? Glanert, der Schüler Hans Werner Henzes, und seine Librettisten Werner Fritsch und Uta Ackermann beweisen, wie das möglich ist. Indem sie den Antisemitismus thematisieren, ohne dabei auf den Nationalsozialismus verweisen zu müssen.

Der 90-minütige Opernkrimi, den Erfurts Intendant Guy Montavon jetzt in Münsters Großem Haus inszeniert hat, spielt im Kerker des todgeweihten Süß. Die Kerkermauern sind Goldbarren: Süß, der geschickte Geldbeschaffer, hatte schon früh Neid auf sich gezogen, und der einflussreiche Weissensee spricht es aus: „Ein Jud als Finanzrat! Wie ein Vampir als Arzt!“ Diese Szenen aus Süß’ Leben sind als Rückblenden gestaltet, dazu ändert die Drehbühne jeweils das Bild (Ausstattung: Peter Sykora), und Süß zieht sein rotes Gewand über, das ihn vom weißen Chor und den grauen Antagonisten abhebt. Die Stilmittel der Regie treffen genau den Kern des Werks: Gezeigt wird zwar ein historischer Stoff, doch das farbliche Abstrahieren lässt ihn durchaus zeitlos erscheinen.

Süß (elegant in Gesang und Gestaltung: Gary Martin) ist als Jude der Außenseiter und Sündenbock, daran lässt das Stück mit seinem höhnischen Chor-Volk keine Zweifel. Interessanterweise nimmt er die Gelegenheiten nicht wahr, als Konvertit oder als unehelicher Sohn eines Christen Rettung zu suchen. Was eher eine Frage der Verblendung als des Glaubens ist: Den guten Rat des orthodoxen Magus (Juan Fernando Gutiérrez) schlägt er aus, und in der Verzweiflungsrede vor seiner Hinrichtung will er den Regenbogen des Herrn zerbrechen.

Glanerts Partitur enthält subtile Schreckensgeräusche wie das bedrohliche Tropfen, wuchtige, von Chor und Orchester grandios gestaltete Volksszenen und eine Mischung aus Sprechgesang und kantablen Passagen: Die Gesänge der Tochter Naemi etwa sind lyrisch-traumschön (Lisa Wedekind) und unterscheiden sich von den markanteren Gesangslinien der Geliebten Magdalena (Henrike Jacob) und den eitlen Koloraturen der Primadonna Graziella (Eva Bauchmüller). Der zynische Henker (Helge Salnikau) darf nur sprechen: „Süß dein Genick! Wie geschaffen für den Strick!“ Die fein verästelte Musik ist von großer Theaterwirksamkeit, ganz extrem am Schluss, wenn eine furchterregende Steigerung jäh abbricht und einen Klangschatten zurücklässt. In vielen Übergängen malt sie feine Stimmungen: Wie Dirigent Thorsten Schmid-Kapfenburg dies alles koordiniert, das ist fabelhaft.

Gregor Dalal als Herzog und Youn-Seong Shim als Weissensee sind auch stimmlich ideale Widersacher des Helden, der wie Rigoletto die geliebte Tochter verliert und am Ende einem Willkür-Urteil unterworfen wird, das sich aus antisemitischen Vorurteilen nährt. Ein packender Opernstoff – vorzüglich umgesetzt.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 9. Februar 2015


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Premiere
Sa, 07. Februar 2015
19.30 Uhr · Großes Haus · Preise A
Premierenabo Gr. Haus

19.00 Einführung im Theatertreff

Leider keine weiteren Termine geplant.

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