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IN EREMO

Tanzabend von Hans Henning Paar

Uraufführung
  • Erik Constantin, Ensemble — © Oliver Berg
    Erik Constantin, Ensemble
    © Oliver Berg
  • Ako Nakanome, Keelan Whitmore, Vladimir De Freitas Rosa — © Oliver Berg
    Ako Nakanome, Keelan Whitmore, Vladimir De Freitas Rosa
    © Oliver Berg
  • Ensemble — © Oliver Berg
    Ensemble
    © Oliver Berg
  • Ako Nakanome, Keelan Whitmore, Agnès Girard, Ensemble — © Oliver Berg
    Ako Nakanome, Keelan Whitmore, Agnès Girard, Ensemble
    © Oliver Berg
  • Agnès Girard — © Oliver Berg
    Agnès Girard
    © Oliver Berg
  • Jason Franklin, Ensemble — © Oliver Berg
    Jason Franklin, Ensemble
    © Oliver Berg
  • Keelan Whitmore — © Oliver Berg
    Keelan Whitmore
    © Oliver Berg
  • Tommaso Balbo, Keelan Whitmore — © Oliver Berg
    Tommaso Balbo, Keelan Whitmore
    © Oliver Berg
  • Elizabeth Towles — © Oliver Berg
    Elizabeth Towles
    © Oliver Berg
  • Ensemble — © Oliver Berg
    Ensemble
    © Oliver Berg
  • Erik Constanin, Agnés Girard — © Oliver Berg
    Erik Constanin, Agnés Girard
    © Oliver Berg
  • Ako Nakanome, Ensemble — © Oliver Berg
    Ako Nakanome, Ensemble
    © Oliver Berg
  • Maria Bayarri Pérez — © Oliver Berg
    Maria Bayarri Pérez
    © Oliver Berg
  • Priscilla Fiuza, Ensemble — © Oliver Berg
    Priscilla Fiuza, Ensemble
    © Oliver Berg
  • Priscilla Fiuza, Adam Dembczynski — © Oliver Berg
    Priscilla Fiuza, Adam Dembczynski
    © Oliver Berg
  • Jonas Nondorf, Andronik Yegiazaryan — © Oliver Berg
    Jonas Nondorf, Andronik Yegiazaryan
    © Oliver Berg

Immerhin: wo es leer ist, dort herrscht Ordnung.

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

Die Wüste als Landschaft der Extreme, die den Menschen an seine Grenzen führt.

Einerseits sind es Einsamkeit und Stille, die Konfrontation des Eigenen mit dem Fremden und die Reduktion aller zivilisatorischer Gegebenheiten, die als existenzielle Erfahrungen die Wahrnehmung prägen: die Wüste als Ort der Meditation, des Gebets, als Ort göttlicher Erfahrung und der Freiheit.

Andererseits kann man die Wüste auch als Ort der Verunsicherung und Orientierungslosigkeit deuten. Sie wird somit zum Sinnbild für die immer weiter voranschreitende moralische Verwüstung der menschlichen Zivilisation: die Großstadt als Wüste, in der die Anonymität und Einsamkeit inmitten der geschäftigen Betriebsamkeit der Menschenmassen nur noch umso stärker hervortritt. Immer mehr Menschen empfinden die scheinbare Fülle und das Überangebot der Möglichkeiten unseres heutigen Lebens zunehmend als Leere.

»Die Geschichte der Wüste bestand immer aus einer Mischung von materiellen und spirituellen Realitäten, einem ständigen Hin und Her zwischen Geografischem und Symbolischem, Imaginärem und Ökonomischen, Sozialem und Ideologischem.« Jacques Le Goff

Inspiriert von der Deutungsvielfalt des Wüstenbegriffs inszeniert Hans Henning Paar ein Spiel der Gegensätze zwischen Einsamkeit, Vielsamkeit, Imagination und Wirklichkeit. Eine Suche nach der Wüste, die ein jeder in sich trägt.

Aufführungsdauer ca. 85 Minuten, keine Pause

Info

Die Wüste als Landschaft der Extreme, die den Menschen an seine Grenzen führt.

Einerseits sind es Einsamkeit und Stille, die Konfrontation des Eigenen mit dem Fremden und die Reduktion aller zivilisatorischer Gegebenheiten, die als existenzielle Erfahrungen die Wahrnehmung prägen: die Wüste als Ort der Meditation, des Gebets, als Ort göttlicher Erfahrung und der Freiheit.

Andererseits kann man die Wüste auch als Ort der Verunsicherung und Orientierungslosigkeit deuten. Sie wird somit zum Sinnbild für die immer weiter voranschreitende moralische Verwüstung der menschlichen Zivilisation: die Großstadt als Wüste, in der die Anonymität und Einsamkeit inmitten der geschäftigen Betriebsamkeit der Menschenmassen nur noch umso stärker hervortritt. Immer mehr Menschen empfinden die scheinbare Fülle und das Überangebot der Möglichkeiten unseres heutigen Lebens zunehmend als Leere.

»Die Geschichte der Wüste bestand immer aus einer Mischung von materiellen und spirituellen Realitäten, einem ständigen Hin und Her zwischen Geografischem und Symbolischem, Imaginärem und Ökonomischen, Sozialem und Ideologischem.« Jacques Le Goff

Inspiriert von der Deutungsvielfalt des Wüstenbegriffs inszeniert Hans Henning Paar ein Spiel der Gegensätze zwischen Einsamkeit, Vielsamkeit, Imagination und Wirklichkeit. Eine Suche nach der Wüste, die ein jeder in sich trägt.

Aufführungsdauer ca. 85 Minuten, keine Pause

Leitung

Choreografie Hans Henning Paar

Bühnenbild Isabel Kork / Hans Henning Paar

Kostüme Isabel Kork

Musik Jonas Nondorf / Andronik Yegiazaryan

Dramaturgie Esther von der Fuhr

Choreografische Assistenz László Nyakas


Besetzung

Tommaso Balbo

María Bayarri Pérez

Erik Constantin

Vladimir de Freitas Rosa

Adam Dembczynski

Luana Filardi

Priscilla Fiuza

Jason Franklin

Agnès Girard

Ako Nakanome

Elizabeth D. Towles**

Keelan Whitmore

Besetzung

Leitung

Choreografie Hans Henning Paar

Bühnenbild Isabel Kork / Hans Henning Paar

Kostüme Isabel Kork

Musik Jonas Nondorf / Andronik Yegiazaryan

Dramaturgie Esther von der Fuhr

Choreografische Assistenz László Nyakas


Besetzung

Tommaso Balbo

María Bayarri Pérez

Erik Constantin

Vladimir de Freitas Rosa

Adam Dembczynski

Luana Filardi

Priscilla Fiuza

Jason Franklin

Agnès Girard

Ako Nakanome

Elizabeth D. Towles**

Keelan Whitmore


Wohin man blickt, alles ist Weiß: Der mit Blättern bedeckte Bühnenboden, die papierenen Fransenvorhänge an den Seiten, eine ins Nichts führende, schräge Rampe – sogar die Haut der Tänzer ist weiß gepudert. Wie surreale Wesen scheinen sie sich mit ihrer schlichten Umwelt zu vereinen: Mal stehen sie vereinzelt und starr, mal bewegen sie sich gemeinsam – gesichtslose Figuren, organisch miteinander verbunden zu einer fließenden Masse.

„In Eremo“ (in der Wüste) ist der Titel der Choreografie von Hans Henning Paar, die im Kleinen Haus uraufgeführt wurde. Inspiriert von den Extremen der Landschaft, versetzt er sein Publikum in eine afrikanische Wüste. Im Zusammenspiel mit Isabel Korks strenger Bühnenästhetik und einer stimmungsvollen Musik, die Andronik Yegiazaryan und Jonas Nondorf eigens für dieses Stück komponiert haben (herausragend: das selbst gebaute Wüsten-Cello), gelingen Szenen, die Stille und Ruhe vermitteln. Sogar Tierfiguren finden hier Platz: Witzige Erdmännchen treten auf und ein graziles Spinnentier – griffige Bilder, die in Kontrast stehen zu einer sich langatmig entwickelnden Choreografie. Als habe ihn selbst die Monotonie der Wüste erfasst, setzt Paar auf Wiederholung. Gruppen-Choreografien erschöpfen sich in elegischem Tanz ähnlicher Bewegungsmuster, mit schwingenden Armen, hohen Beinen und weichen Oberkörpern.

Dagegen stehen Szenen, die sich mit Geschichten füllen lassen. Etwa wenn der ausdrucksstarke Keelan Whitmore auftritt wie ein Prophet in der Wüste oder Tommaso Balbo als hinterhältiger Dämon erscheint. Und es kommt noch schlimmer: Die moderne Gesellschaft bricht ein in diese rohe Wüsten-Schönheit. Techno-Klänge dröhnen durch den Raum, Individuen laufen vor und zurück, mit ihren verzerrten Gesichtern wirken sie wie Zombies. Am Schluss türmen die Tänzer Papier auf und ein riesiger Eisbär erscheint: Klima-Katastrophe als Gipfel moderner Zivilisationssünden. Was zunächst als surreale Naturstudie erschien, entpuppt sich als handfeste Gesellschaftskritik.

Isabell Steinböck, Westfälische Nachrichten, 4. Mai 2015



Nachdem Hans Henning Paar die Spielzeit mit der Uraufführung seines Handlungsballettes Lulu nach Frank Wedekind eröffnet hat, präsentiert er nun im Kleinen Haus einen wesentlich abstrakteren Tanztheaterabend und unterstreicht damit die ganze Bandbreite der Tanzsparte in Münster. Zur Inspiration ist Paar im vergangenen Jahr extra in die Wüste gereist und hat von dort Ideen für seine neue Choreographie mit dem Titel In Eremo mitgebracht. Dabei gab es allerdings vor Probenbeginn weder eine feststehende Dramaturgie noch Musik. Das ganze Stück entwickelte sich erst während des Probenprozesses, indem die Tänzerinnen und Tänzer ihre Assoziationen zum Thema "Wüste und Einsamkeit" mit einbrachten, so dass Paar das Ensemble im Programmheft als Mitchoreograph des Abends ausweist. Die Vielzahl der unterschiedlichen Szenen, die die Tänzerinnen und Tänzer in Improvisationen entwickelten, mussten nur noch in eine dramaturgisch sinnvolle Reihenfolge gebracht werden. Auch die Musik ist von Jonas Nondorf und Andronik Yegiazaryan eigens für diesen Tanzabend konzipiert und wird von den beiden Musikern auch live auf zahlreichen Instrumenten begleitet. [...]

Neben den elektronischen Klängen musizieren Nondorf und Yegiazaryan auch auf ethnischen Instrumenten wie der armenischen Duduk und der arabischen Darbuka und erzeugen damit beeindruckende lautmalerische Momente, die auf die Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer genau abgestimmt sind. Die Improvisationen auf dem Klavier begleiten die harmonischeren Momente des Abends. Die Tänzerinnen und Tänzer finden zu einer modernen Körpersprache, die die Unterschiede zwischen positiv und negativ empfundener Einsamkeit eindringlich vermitteln und mit den Tierdarstellungen auch für komische Momente an diesem Abend sorgen. So vergeht der Abend wie im Flug, und das Publikum wird in die verschiedenen Wüstenbilder dank des intensiven Bewegungsapparates des Ensembles und der passend konzipierten Musik regelrecht eingesogen, und es gibt am Ende großen und lang anhaltenden Applaus für alle Beteiligten.

Hans Henning Paar und seinem Ensemble gelingen beeindruckende Bilder, die mit einer trefflich konzipierten Musik Wüste und Einsamkeit auf vielschichtige Art und Weise darstellen.

Thomas Molke, onlinemusikmagazin, 4. Mai 2015

 

Die Wüste ist so unendlich, dass sie sich nur einfach darstellen lässt: ein Strich, eine Palme darauf, fertig. Münsters Tanzchef Hans Henning Paar versucht an einem Tanzabend, das Konzept der großen Leere mit griffigen Tanz-Bildern zu füllen. Entstanden ist ein Gleichnis zwischen Wüste und menschlichem Leben. Damit bewegt sich Paar auf einem bereits vielseitig beackerten Feld; mit „In Eremo“ schafft er eine kluge, oft unterhaltsame Reflexion.

Mit dem Tanztheater Münster hat er sich in den vergangenen Spielzeiten den Grenzbereichen menschlicher Erfahrung gewidmet. Existenzen am Rand der Gesellschaft wie die Prostituierte Lulu, die sich im gleichnamigen Tanzstück unter Monstern bewegt, oder Gestalten aus Gothic und Schauerromantik präsentierte er im gesellschaftlichen Umfeld und in ihrem ganz persönlichen Wahn. Damit zeigte er, dass Schrecken in der subjektiven Wahrnehmung ein Schlüssel zur Erkenntnis sein kann. „In Eremo“ bearbeitet sein Thema aus einer anderen Richtung. Die Grenzerfahrung wird in einen der großen Sehnsuchtsorte der Menschen verlegt. Denn eine Wüste ist leer, ist also die perfekte Projektionsfläche. „In Eremo“ bedeutet „in der Einsiedelei“. Paar erinnert damit an die großen Wüsten-Erfahrer von Jesus bis Lawrence von Arabien.

[...] In Paars Wüste tauchen seltsame Lebensformen auf, der wirkliche Zoo aber, so Paar, sind wir Menschen in diesem seltsamen Konstrukt, das wir Gesellschaft nennen, und das nichts weiter ist als ein Set willkürlicher Regeln, das Wilde bändigt. [...] An anderen Stellen ist das Stück sehr unterhaltsam, etwa wenn er Ideen von Wüste wie Kulissen verschiebt und einen Eisbären auftauchen lässt. Bekannte Gestaltungselemente – das Papier auf dem Boden oder die Spinnenfigur – setzt er in kreative Spannung. Das Ganze befeuert er mit skurrilem Humor.

Einmal schickt er Keelan Whitmore mit langen, gedehnten Gesten auf Sinnsuche. Eine Fata Morgana erscheint: Tommaso Balbo, der mit seinem leicht weltfremden, starrenden Blick in Münster auf die besonders skurrilen Figuren abonniert ist, umkreist ihn in einer Damenrobe, so weiß wie die Wüste um ihn herum, verwirrt ihm die Sinne und verkriecht sich unfindbar im weißen Papier. Wer in die Wüste geht, kann darin auch umkommen.

Amüsante Reflektion über die Leere im menschlichen Dasein und die kuriosen Versuche, diesem Zustand zu entgehen.

Edda Breski, Westfälischer Anzeiger, 4. Mai 2015

Presse

Wohin man blickt, alles ist Weiß: Der mit Blättern bedeckte Bühnenboden, die papierenen Fransenvorhänge an den Seiten, eine ins Nichts führende, schräge Rampe – sogar die Haut der Tänzer ist weiß gepudert. Wie surreale Wesen scheinen sie sich mit ihrer schlichten Umwelt zu vereinen: Mal stehen sie vereinzelt und starr, mal bewegen sie sich gemeinsam – gesichtslose Figuren, organisch miteinander verbunden zu einer fließenden Masse.

„In Eremo“ (in der Wüste) ist der Titel der Choreografie von Hans Henning Paar, die im Kleinen Haus uraufgeführt wurde. Inspiriert von den Extremen der Landschaft, versetzt er sein Publikum in eine afrikanische Wüste. Im Zusammenspiel mit Isabel Korks strenger Bühnenästhetik und einer stimmungsvollen Musik, die Andronik Yegiazaryan und Jonas Nondorf eigens für dieses Stück komponiert haben (herausragend: das selbst gebaute Wüsten-Cello), gelingen Szenen, die Stille und Ruhe vermitteln. Sogar Tierfiguren finden hier Platz: Witzige Erdmännchen treten auf und ein graziles Spinnentier – griffige Bilder, die in Kontrast stehen zu einer sich langatmig entwickelnden Choreografie. Als habe ihn selbst die Monotonie der Wüste erfasst, setzt Paar auf Wiederholung. Gruppen-Choreografien erschöpfen sich in elegischem Tanz ähnlicher Bewegungsmuster, mit schwingenden Armen, hohen Beinen und weichen Oberkörpern.

Dagegen stehen Szenen, die sich mit Geschichten füllen lassen. Etwa wenn der ausdrucksstarke Keelan Whitmore auftritt wie ein Prophet in der Wüste oder Tommaso Balbo als hinterhältiger Dämon erscheint. Und es kommt noch schlimmer: Die moderne Gesellschaft bricht ein in diese rohe Wüsten-Schönheit. Techno-Klänge dröhnen durch den Raum, Individuen laufen vor und zurück, mit ihren verzerrten Gesichtern wirken sie wie Zombies. Am Schluss türmen die Tänzer Papier auf und ein riesiger Eisbär erscheint: Klima-Katastrophe als Gipfel moderner Zivilisationssünden. Was zunächst als surreale Naturstudie erschien, entpuppt sich als handfeste Gesellschaftskritik.

Isabell Steinböck, Westfälische Nachrichten, 4. Mai 2015



Nachdem Hans Henning Paar die Spielzeit mit der Uraufführung seines Handlungsballettes Lulu nach Frank Wedekind eröffnet hat, präsentiert er nun im Kleinen Haus einen wesentlich abstrakteren Tanztheaterabend und unterstreicht damit die ganze Bandbreite der Tanzsparte in Münster. Zur Inspiration ist Paar im vergangenen Jahr extra in die Wüste gereist und hat von dort Ideen für seine neue Choreographie mit dem Titel In Eremo mitgebracht. Dabei gab es allerdings vor Probenbeginn weder eine feststehende Dramaturgie noch Musik. Das ganze Stück entwickelte sich erst während des Probenprozesses, indem die Tänzerinnen und Tänzer ihre Assoziationen zum Thema "Wüste und Einsamkeit" mit einbrachten, so dass Paar das Ensemble im Programmheft als Mitchoreograph des Abends ausweist. Die Vielzahl der unterschiedlichen Szenen, die die Tänzerinnen und Tänzer in Improvisationen entwickelten, mussten nur noch in eine dramaturgisch sinnvolle Reihenfolge gebracht werden. Auch die Musik ist von Jonas Nondorf und Andronik Yegiazaryan eigens für diesen Tanzabend konzipiert und wird von den beiden Musikern auch live auf zahlreichen Instrumenten begleitet. [...]

Neben den elektronischen Klängen musizieren Nondorf und Yegiazaryan auch auf ethnischen Instrumenten wie der armenischen Duduk und der arabischen Darbuka und erzeugen damit beeindruckende lautmalerische Momente, die auf die Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer genau abgestimmt sind. Die Improvisationen auf dem Klavier begleiten die harmonischeren Momente des Abends. Die Tänzerinnen und Tänzer finden zu einer modernen Körpersprache, die die Unterschiede zwischen positiv und negativ empfundener Einsamkeit eindringlich vermitteln und mit den Tierdarstellungen auch für komische Momente an diesem Abend sorgen. So vergeht der Abend wie im Flug, und das Publikum wird in die verschiedenen Wüstenbilder dank des intensiven Bewegungsapparates des Ensembles und der passend konzipierten Musik regelrecht eingesogen, und es gibt am Ende großen und lang anhaltenden Applaus für alle Beteiligten.

Hans Henning Paar und seinem Ensemble gelingen beeindruckende Bilder, die mit einer trefflich konzipierten Musik Wüste und Einsamkeit auf vielschichtige Art und Weise darstellen.

Thomas Molke, onlinemusikmagazin, 4. Mai 2015

 

Die Wüste ist so unendlich, dass sie sich nur einfach darstellen lässt: ein Strich, eine Palme darauf, fertig. Münsters Tanzchef Hans Henning Paar versucht an einem Tanzabend, das Konzept der großen Leere mit griffigen Tanz-Bildern zu füllen. Entstanden ist ein Gleichnis zwischen Wüste und menschlichem Leben. Damit bewegt sich Paar auf einem bereits vielseitig beackerten Feld; mit „In Eremo“ schafft er eine kluge, oft unterhaltsame Reflexion.

Mit dem Tanztheater Münster hat er sich in den vergangenen Spielzeiten den Grenzbereichen menschlicher Erfahrung gewidmet. Existenzen am Rand der Gesellschaft wie die Prostituierte Lulu, die sich im gleichnamigen Tanzstück unter Monstern bewegt, oder Gestalten aus Gothic und Schauerromantik präsentierte er im gesellschaftlichen Umfeld und in ihrem ganz persönlichen Wahn. Damit zeigte er, dass Schrecken in der subjektiven Wahrnehmung ein Schlüssel zur Erkenntnis sein kann. „In Eremo“ bearbeitet sein Thema aus einer anderen Richtung. Die Grenzerfahrung wird in einen der großen Sehnsuchtsorte der Menschen verlegt. Denn eine Wüste ist leer, ist also die perfekte Projektionsfläche. „In Eremo“ bedeutet „in der Einsiedelei“. Paar erinnert damit an die großen Wüsten-Erfahrer von Jesus bis Lawrence von Arabien.

[...] In Paars Wüste tauchen seltsame Lebensformen auf, der wirkliche Zoo aber, so Paar, sind wir Menschen in diesem seltsamen Konstrukt, das wir Gesellschaft nennen, und das nichts weiter ist als ein Set willkürlicher Regeln, das Wilde bändigt. [...] An anderen Stellen ist das Stück sehr unterhaltsam, etwa wenn er Ideen von Wüste wie Kulissen verschiebt und einen Eisbären auftauchen lässt. Bekannte Gestaltungselemente – das Papier auf dem Boden oder die Spinnenfigur – setzt er in kreative Spannung. Das Ganze befeuert er mit skurrilem Humor.

Einmal schickt er Keelan Whitmore mit langen, gedehnten Gesten auf Sinnsuche. Eine Fata Morgana erscheint: Tommaso Balbo, der mit seinem leicht weltfremden, starrenden Blick in Münster auf die besonders skurrilen Figuren abonniert ist, umkreist ihn in einer Damenrobe, so weiß wie die Wüste um ihn herum, verwirrt ihm die Sinne und verkriecht sich unfindbar im weißen Papier. Wer in die Wüste geht, kann darin auch umkommen.

Amüsante Reflektion über die Leere im menschlichen Dasein und die kuriosen Versuche, diesem Zustand zu entgehen.

Edda Breski, Westfälischer Anzeiger, 4. Mai 2015


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