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HOMO SACER / SACRE

Tanzabend von Hans Henning Paar

Musik von Einojuhani Rautavaara, Lepo Sumera und Igor Strawinsky
Uraufführung
  • Ensemble — © Oliver Berg
    Ensemble
    © Oliver Berg
  • Ako Nakanome, Keelan Whitmore — © Oliver Berg
    Ako Nakanome, Keelan Whitmore
    © Oliver Berg
  • Mirko De Campi, Elizabeth Towles, Jason Franklin — © Oliver Berg
    Mirko De Campi, Elizabeth Towles, Jason Franklin
    © Oliver Berg
  • Maria Bayrri Pérez, Thanh Pham — © Oliver Berg
    Maria Bayrri Pérez, Thanh Pham
    © Oliver Berg
  • Maria Bayarri Pérez, Agnès Girard — © Oliver Berg
    Maria Bayarri Pérez, Agnès Girard
    © Oliver Berg
  • Agnès Girard, Adam Dembczynski — © Oliver Berg
    Agnès Girard, Adam Dembczynski
    © Oliver Berg
  • Ensemble — © Oliver Berg
    Ensemble
    © Oliver Berg
  • Adam Dembczynski, Priscilla Fiuza — © Oliver Berg
    Adam Dembczynski, Priscilla Fiuza
    © Oliver Berg
  • Ensemble — © Oliver Berg
    Ensemble
    © Oliver Berg
  • Agnès Girard, Ensemble — © Oliver Berg
    Agnès Girard, Ensemble
    © Oliver Berg
  • Jason Franklin, Ensemble — © Oliver Berg
    Jason Franklin, Ensemble
    © Oliver Berg

Im Zeitalter des Menschen erfanden wir das Opfer.

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

Angesichts der Naturgewalten war es in den archaischen Kulturen selbstverständlich, einem höheren Wesen, einer Gottheit, Opfer darzubringen. Die Erscheinungsform des Opfers veränderte sich im Laufe der Zeit, variierte von Kultur zu Kultur, von Individuum zu Individuum, ebenso wie sich der Schwerpunkt vom Sinn des Opfers wandelte. Es fand eine Entwicklung von symbolischen Opferhandlungen, vom kollektiven äußerlich verstandenen Opfer zu einem persönlichen innerseelischen Opfer des Menschen statt. Heutzutage ist die Bedeutung von Opfer häufig mit negativen Vorstellungen verbunden. Jedoch zwingen uns die Herausforderungen unserer Zeit zu neuem Nachdenken über das, was ein Opfer für uns heute noch, oder wieder sein kann.

In einem zweiteiligen Abend widmet sich Hans Henning Paar den emotionalen Tiefen der menschlichen Existenz in ihren Widersprüchen. HOMO SACER (lat. heiliger Mensch) zeigt den göttlichen Aspekt, den ein Jeder in sich trägt, die Möglichkeit Gutes zu tun und Schönes zu erschaffen. Neben dieser hingebenden Liebe ist der Mensch jedoch auch zu bestialischen Gedanken und brutalen Handlungen fähig. Diese andere, dunkle Seite von elementarer Kraft und  zerstörerischer Energie spiegelt sich choreografisch in Igor Strawinskys (1882–1971) musikalischem Meisterwerk LE SACRE DU PRINTEMPS wider.

 Predigt zur Inszenierung von Pfarrerin Dr. Rüter (Apostelkirche Münster) (PDF, 0.1 MB)

Aufführungsdauer ca. 100 Minuten, eine Pause

Info

Angesichts der Naturgewalten war es in den archaischen Kulturen selbstverständlich, einem höheren Wesen, einer Gottheit, Opfer darzubringen. Die Erscheinungsform des Opfers veränderte sich im Laufe der Zeit, variierte von Kultur zu Kultur, von Individuum zu Individuum, ebenso wie sich der Schwerpunkt vom Sinn des Opfers wandelte. Es fand eine Entwicklung von symbolischen Opferhandlungen, vom kollektiven äußerlich verstandenen Opfer zu einem persönlichen innerseelischen Opfer des Menschen statt. Heutzutage ist die Bedeutung von Opfer häufig mit negativen Vorstellungen verbunden. Jedoch zwingen uns die Herausforderungen unserer Zeit zu neuem Nachdenken über das, was ein Opfer für uns heute noch, oder wieder sein kann.

In einem zweiteiligen Abend widmet sich Hans Henning Paar den emotionalen Tiefen der menschlichen Existenz in ihren Widersprüchen. HOMO SACER (lat. heiliger Mensch) zeigt den göttlichen Aspekt, den ein Jeder in sich trägt, die Möglichkeit Gutes zu tun und Schönes zu erschaffen. Neben dieser hingebenden Liebe ist der Mensch jedoch auch zu bestialischen Gedanken und brutalen Handlungen fähig. Diese andere, dunkle Seite von elementarer Kraft und  zerstörerischer Energie spiegelt sich choreografisch in Igor Strawinskys (1882–1971) musikalischem Meisterwerk LE SACRE DU PRINTEMPS wider.

 Predigt zur Inszenierung von Pfarrerin Dr. Rüter (Apostelkirche Münster) (PDF, 0.1 MB)

Aufführungsdauer ca. 100 Minuten, eine Pause

Heilig ist der Mensch, wenn er nackt und bloß auf die Welt kommt. Heil ist er (meist), ja göttlich vollkommen sogar, meinte man früher, am Anfang des Lebensweges. Dieser ‚homo sacer’ steht im ersten Teil des Programms auf der Bühne: ein Dutzend Tänzerinnen und Tänzer in fleischfarbenen Trikots bilden ein regloses Tableau inmitten des Weltalls. Drei schwebende Ringe deuten das Firmament an. Einojuhani Rautavaaras ätherisch schöner, getragener Satz »Come un sogno« (Wie ein Traum) aus der 7. Sinfonie »Angel of Light« bildet die kongeniale musikalische Untermalung zu den folgenden Tanzszenen, die vorwiegend im Zeitlupentempo wie in Trance getanzt werden. Hohe technische Qualitäten zeigen Mirko De Campi, Jason Franklin und Elizabeth Towles in einem langen Pas de trois zu Ausschnitten aus Lepo Sumeras Sinfonie für Schlagwerk und Streicher. Da erinnern Paukenschläge schon an die tickende Uhr in der Zeitbombe ... Vorzüglich tanzen danach die Japanerin Ako Nakanome und der dunkelhäutige Keelan Whitmore ein Duett in diffusem Nebel auf Rautavaaras »Notturno«. Auch in dem abschließenden Ensemble zu Sumeras »Musica profana« macht sich der elegante Amerikaner vorteilhaft bemerkbar. Das Stück »Homo sacer«, das Münsters Tanzchef in Zusammenarbeit mit dem Ensemble choreografierte, besticht durch Bilder voller Harmonie und Reinheit, wird zum Genuss nicht zuletzt durch bisher nie gewagte Modern Dance Technik.

Auch Paars »Sacre« profitiert davon und schließt doch viel mehr an seine bisherigen Stücke an, die sich meist kritisch bis drastisch im Heute bewegen. Der versierte Musik- oder Tanzliebhaber sollte sich also tunlichst von dem heidnischen russischen Märchen vom »Frühlingsopfer« verabschieden, das Vaslav Nijinsky für die Ballets Russes auf Igor Strawinskys Libretto und Komposition in der skandalträchtigen Pariser Uraufführung 1913 choreografierte. [...]

Das Sinfonieorchester Münster wächst unter der Leitung seines Ersten Kapellmeisters Stefan Veselka über sich hinaus.

Keine Frage: Hans Henning Paars Wechsel mit Intendant Ulrich Peters von München nach Münster hat sich gelohnt - für das Publikum allemal. Es dankte bei der Premiere mit minutenlangen stehenden Ovationen.

Marieluise Jeitschko, tanznetz.de, 24. Januar 2016

 

Paar beschäftigt sich generell oft mit der Verortung des Menschen in seinem Körper und dessen Umfeld, ein Erfühlen mit Haut und Zehen. Eine getanzte Verführung etwa zeigt Körper, in Wellen umeinander fließend. Eine Flucht ist eine Explosion in den Raum.

In »Homo sacer« findet Paars Stil einen vorläufigen Höhepunkt, und, das muss betont werden: Die Company war wahrscheinlich nie so gut. Die Leistung des Ensembles hat sich gesteigert, aber auch einzeln scheinen alle eine Schippe draufgelegt zu haben, was Kraft, Geschwindigkeit und Dehnung betrifft.

Das brauchen sie auch für »Homo sacer« mit seinen rasanten Sequenzen in Paars Marken-Stil: kraftverschwendender, glamouröser, sexy Modern Dance, der individuellem Ausdruck Raum gibt.

Edda Breski, Westfälischer Anzeiger, 25. Januar 2016

 

Hans Henning Paar formt im ersten Teil seines neuen Tanzabends Bilder von großer Harmonie, verweist aber schon im Titel (und den Erklärungen im Programmheft) darauf, dass der »Homo Sacer«, der »heilige Mensch«, auch ein gefährdeter ist. So gibt es in dieser vierteiligen Tanzkomposition auch »kältere« Abschnitte, wird die familiäre Dreierkonstellation zur Musik von Lepo Sumera auch von äußeren und inneren Konflikten bedroht. Dennoch: Schönheit ist das große Thema dieser ersten knappen Dreiviertelstunde – sei es im zärtlich-facettenreichen Paartanz, sei es im Solo von Keelan Whitmore, der einen Narziss, ein Insekt, einen Vogel darstellen könnte. Dazu die suggestive Musik des Esten Sumera und des Finnen Einojuhani Rautavaara: Der Jubel, den das Premierenpublikum spontan nach diesem ersten Teil anstimmte, spricht Bände.

Der Abend hat allerdings einen Januskopf, getreu dem zitierten Rilke-Satz: »Das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang«. Ihn löst Hans Henning Paar im zweiten Teil ein. Igor Strawinskys Ballett-Klassiker »Le Sacre du Printemps« bietet hier nämlich keine archaisch-brutalen »Bilder aus dem heidnischen Russland«, die man mit wohligem Schauer genießen kann. Sondern illustriert gnadenlos die Geschichte einer Zivilisation, die sich selbst zerstört (deshalb wohl heißt dieser Teil nur noch »Sacre«).

Nun kommen die Lichter über den Tänzern nicht mehr von imaginierten Himmelskörpern (Ausstattung: Isabel Kork), sondern von Scheinwerfern, und sie beleuchten eine spaßwütige Partygesellschaft, die gern auch über die Musik hinwegkichert. Machos posieren, Frauen ergehen sich in Eitelkeiten, und alle gemeinsam tanzen nicht nur am Abgrund entlang, sondern geraten in einen Strudel, der am furchtbaren Ende lauter geschundene Leiber zurücklässt. Rauch und Silberregen auf der Bühne lassen vielerlei Assoziationen zwischen Hiroshima, Agent Orange und den heutigen Katastrophen zu, auf die Hans Henning Paar in seiner beklemmend-intensiven Choreographie abzielt.

Das Schöne und das Schreckliche fügen sich spannungsvoll zu einem Tanzabend, der nach einigen Momenten der Erschütterung mit großem Beifall bedacht wurde. Entscheidenden Anteil daran hatte auch das Sinfonieorchester Münster unter Stefan Veselka, der die unbekannten Stücke des ersten Teils klangsinnlich inszenierte und den alten Strawinsky-Schocker mit aller Wucht aus dem Graben hämmerte. Ein außergewöhnlicher Abend.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 25. Januar 2016

Presse

Heilig ist der Mensch, wenn er nackt und bloß auf die Welt kommt. Heil ist er (meist), ja göttlich vollkommen sogar, meinte man früher, am Anfang des Lebensweges. Dieser ‚homo sacer’ steht im ersten Teil des Programms auf der Bühne: ein Dutzend Tänzerinnen und Tänzer in fleischfarbenen Trikots bilden ein regloses Tableau inmitten des Weltalls. Drei schwebende Ringe deuten das Firmament an. Einojuhani Rautavaaras ätherisch schöner, getragener Satz »Come un sogno« (Wie ein Traum) aus der 7. Sinfonie »Angel of Light« bildet die kongeniale musikalische Untermalung zu den folgenden Tanzszenen, die vorwiegend im Zeitlupentempo wie in Trance getanzt werden. Hohe technische Qualitäten zeigen Mirko De Campi, Jason Franklin und Elizabeth Towles in einem langen Pas de trois zu Ausschnitten aus Lepo Sumeras Sinfonie für Schlagwerk und Streicher. Da erinnern Paukenschläge schon an die tickende Uhr in der Zeitbombe ... Vorzüglich tanzen danach die Japanerin Ako Nakanome und der dunkelhäutige Keelan Whitmore ein Duett in diffusem Nebel auf Rautavaaras »Notturno«. Auch in dem abschließenden Ensemble zu Sumeras »Musica profana« macht sich der elegante Amerikaner vorteilhaft bemerkbar. Das Stück »Homo sacer«, das Münsters Tanzchef in Zusammenarbeit mit dem Ensemble choreografierte, besticht durch Bilder voller Harmonie und Reinheit, wird zum Genuss nicht zuletzt durch bisher nie gewagte Modern Dance Technik.

Auch Paars »Sacre« profitiert davon und schließt doch viel mehr an seine bisherigen Stücke an, die sich meist kritisch bis drastisch im Heute bewegen. Der versierte Musik- oder Tanzliebhaber sollte sich also tunlichst von dem heidnischen russischen Märchen vom »Frühlingsopfer« verabschieden, das Vaslav Nijinsky für die Ballets Russes auf Igor Strawinskys Libretto und Komposition in der skandalträchtigen Pariser Uraufführung 1913 choreografierte. [...]

Das Sinfonieorchester Münster wächst unter der Leitung seines Ersten Kapellmeisters Stefan Veselka über sich hinaus.

Keine Frage: Hans Henning Paars Wechsel mit Intendant Ulrich Peters von München nach Münster hat sich gelohnt - für das Publikum allemal. Es dankte bei der Premiere mit minutenlangen stehenden Ovationen.

Marieluise Jeitschko, tanznetz.de, 24. Januar 2016

 

Paar beschäftigt sich generell oft mit der Verortung des Menschen in seinem Körper und dessen Umfeld, ein Erfühlen mit Haut und Zehen. Eine getanzte Verführung etwa zeigt Körper, in Wellen umeinander fließend. Eine Flucht ist eine Explosion in den Raum.

In »Homo sacer« findet Paars Stil einen vorläufigen Höhepunkt, und, das muss betont werden: Die Company war wahrscheinlich nie so gut. Die Leistung des Ensembles hat sich gesteigert, aber auch einzeln scheinen alle eine Schippe draufgelegt zu haben, was Kraft, Geschwindigkeit und Dehnung betrifft.

Das brauchen sie auch für »Homo sacer« mit seinen rasanten Sequenzen in Paars Marken-Stil: kraftverschwendender, glamouröser, sexy Modern Dance, der individuellem Ausdruck Raum gibt.

Edda Breski, Westfälischer Anzeiger, 25. Januar 2016

 

Hans Henning Paar formt im ersten Teil seines neuen Tanzabends Bilder von großer Harmonie, verweist aber schon im Titel (und den Erklärungen im Programmheft) darauf, dass der »Homo Sacer«, der »heilige Mensch«, auch ein gefährdeter ist. So gibt es in dieser vierteiligen Tanzkomposition auch »kältere« Abschnitte, wird die familiäre Dreierkonstellation zur Musik von Lepo Sumera auch von äußeren und inneren Konflikten bedroht. Dennoch: Schönheit ist das große Thema dieser ersten knappen Dreiviertelstunde – sei es im zärtlich-facettenreichen Paartanz, sei es im Solo von Keelan Whitmore, der einen Narziss, ein Insekt, einen Vogel darstellen könnte. Dazu die suggestive Musik des Esten Sumera und des Finnen Einojuhani Rautavaara: Der Jubel, den das Premierenpublikum spontan nach diesem ersten Teil anstimmte, spricht Bände.

Der Abend hat allerdings einen Januskopf, getreu dem zitierten Rilke-Satz: »Das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang«. Ihn löst Hans Henning Paar im zweiten Teil ein. Igor Strawinskys Ballett-Klassiker »Le Sacre du Printemps« bietet hier nämlich keine archaisch-brutalen »Bilder aus dem heidnischen Russland«, die man mit wohligem Schauer genießen kann. Sondern illustriert gnadenlos die Geschichte einer Zivilisation, die sich selbst zerstört (deshalb wohl heißt dieser Teil nur noch »Sacre«).

Nun kommen die Lichter über den Tänzern nicht mehr von imaginierten Himmelskörpern (Ausstattung: Isabel Kork), sondern von Scheinwerfern, und sie beleuchten eine spaßwütige Partygesellschaft, die gern auch über die Musik hinwegkichert. Machos posieren, Frauen ergehen sich in Eitelkeiten, und alle gemeinsam tanzen nicht nur am Abgrund entlang, sondern geraten in einen Strudel, der am furchtbaren Ende lauter geschundene Leiber zurücklässt. Rauch und Silberregen auf der Bühne lassen vielerlei Assoziationen zwischen Hiroshima, Agent Orange und den heutigen Katastrophen zu, auf die Hans Henning Paar in seiner beklemmend-intensiven Choreographie abzielt.

Das Schöne und das Schreckliche fügen sich spannungsvoll zu einem Tanzabend, der nach einigen Momenten der Erschütterung mit großem Beifall bedacht wurde. Entscheidenden Anteil daran hatte auch das Sinfonieorchester Münster unter Stefan Veselka, der die unbekannten Stücke des ersten Teils klangsinnlich inszenierte und den alten Strawinsky-Schocker mit aller Wucht aus dem Graben hämmerte. Ein außergewöhnlicher Abend.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 25. Januar 2016


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