zum Sinfonieorchester zum Online-Ticket-Shop
Mai 2021

Mo

Di

Mi

Do

Fr

Sa

So

1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30
31            

HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN

Phantastische Oper von Jacques Offenbach

in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
  • Adrian Xhema, Lisa Wedekind — © Oliver Berg
    Adrian Xhema, Lisa Wedekind
    © Oliver Berg
  • Youn-Seong Shim. Adrian Xhema, Lisa Wedekind, Plamen Hidjov, Opernchor, Extrachor — © Oliver Berg
    Youn-Seong Shim. Adrian Xhema, Lisa Wedekind, Plamen Hidjov, Opernchor, Extrachor
    © Oliver Berg
  • Frank Göbel, Plamen Hidjov, Youn-Seong Shim, Opernchor — © Oliver Berg
    Frank Göbel, Plamen Hidjov, Youn-Seong Shim, Opernchor
    © Oliver Berg
  • Young-Seong Shim, Boris Leisenheimer, Opernchor, Extrachor — © Oliver Berg
    Young-Seong Shim, Boris Leisenheimer, Opernchor, Extrachor
    © Oliver Berg
  • Lisa Wedekind, Adrian Xhema, Antje Bitterlich, Youn-Seong Shim, Opernchor, Extrachor — © Oliver Berg
    Lisa Wedekind, Adrian Xhema, Antje Bitterlich, Youn-Seong Shim, Opernchor, Extrachor
    © Oliver Berg
  • Adrian Xhema, Antje Bitterlich, Opernchor, Extrachor — © Oliver Berg
    Adrian Xhema, Antje Bitterlich, Opernchor, Extrachor
    © Oliver Berg
  • Gregor Dalal, Adrian Xhema — © Oliver Berg
    Gregor Dalal, Adrian Xhema
    © Oliver Berg
  • Netta Or, Lisa Wedekind, Suzanne McLeod, Gregor Dalal — © Oliver Berg
    Netta Or, Lisa Wedekind, Suzanne McLeod, Gregor Dalal
    © Oliver Berg
  • Netta Or, Gregor Dalal — © Oliver Berg
    Netta Or, Gregor Dalal
    © Oliver Berg
  • Gregor Dalal, Netta Or, Suzanne McLeod — © Oliver Berg
    Gregor Dalal, Netta Or, Suzanne McLeod
    © Oliver Berg
  • Boris Leisenheimer, Sara Rossi Daldoss, Gregor Dalal, Adrian Xhema, Opernchor, Extrachor — © Oliver Berg
    Boris Leisenheimer, Sara Rossi Daldoss, Gregor Dalal, Adrian Xhema, Opernchor, Extrachor
    © Oliver Berg
  • Lisa Wedekind, Adrian Xhema, Sara Rossi Daldoss — © Oliver Berg
    Lisa Wedekind, Adrian Xhema, Sara Rossi Daldoss
    © Oliver Berg
  • Sara Rossi Daldoss, Gregor Dalal — © Oliver Berg
    Sara Rossi Daldoss, Gregor Dalal
    © Oliver Berg

Albträume eines Dichters – skurril, phantastisch, dämonisch

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

Das faszinierende Werk E.T.A. Hoffmanns, des großen Dichters der deutschen Romantik, inspirierte den Komponisten zu bizarren Schlaglichtern auf die Stellung des Künstlers in der Gesellschaft: Der Opern-Hoffmann improvisiert in drei Erzählungen die Geschichte seines Konflikts zwischen dem Wunsch nach erotischer Erfüllung, materiell abgesicherter Bürgerlichkeit und künstlerischer Selbstverwirklichung.

Das Motiv des Gegensatzes zwischen philiströser Wirklichkeit und der Phantasie des Künstlers verschränkt sich dabei in der Figur des Stadtrats Lindorf. Er, der Hoffmanns Geliebte, den Gesangsstar Stella, besitzen möchte, macht mehrere Metamorphosen durch. Sein männliches Machtstreben inkarniert in Hoffmanns Phantasie als geldgeiler Coppélius, als dämonischer Miracle und als vernichtender Dapertutto. Stella erscheint in den Zerrbildern des Automaten Olympia, der virtuosen Antonia sowie in der selbstsüchtigen Sinnlichkeit der Kurtisane Giulietta. Begleitet wird Hoffmann dabei von der Muse, die, um eingreifen zu können, die Gestalt des Studenten Nicklausse annimmt. Sie führt den Dichter schlussendlich seiner eigentlichen Bestimmung zu.

Die Uraufführung von Offenbachs (1819–1880) packender Oper fand 1881 an der Pariser Opéra-Comique statt. Die gleichzeitig effektvolle wie dramatisch-bewegende Komposition machte HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN – neben Bizets CARMEN – zur populärsten Oper des französischen Repertoires.

Aufführungsdauer ca. 190 Minuten, eine Pause

Info

Das faszinierende Werk E.T.A. Hoffmanns, des großen Dichters der deutschen Romantik, inspirierte den Komponisten zu bizarren Schlaglichtern auf die Stellung des Künstlers in der Gesellschaft: Der Opern-Hoffmann improvisiert in drei Erzählungen die Geschichte seines Konflikts zwischen dem Wunsch nach erotischer Erfüllung, materiell abgesicherter Bürgerlichkeit und künstlerischer Selbstverwirklichung.

Das Motiv des Gegensatzes zwischen philiströser Wirklichkeit und der Phantasie des Künstlers verschränkt sich dabei in der Figur des Stadtrats Lindorf. Er, der Hoffmanns Geliebte, den Gesangsstar Stella, besitzen möchte, macht mehrere Metamorphosen durch. Sein männliches Machtstreben inkarniert in Hoffmanns Phantasie als geldgeiler Coppélius, als dämonischer Miracle und als vernichtender Dapertutto. Stella erscheint in den Zerrbildern des Automaten Olympia, der virtuosen Antonia sowie in der selbstsüchtigen Sinnlichkeit der Kurtisane Giulietta. Begleitet wird Hoffmann dabei von der Muse, die, um eingreifen zu können, die Gestalt des Studenten Nicklausse annimmt. Sie führt den Dichter schlussendlich seiner eigentlichen Bestimmung zu.

Die Uraufführung von Offenbachs (1819–1880) packender Oper fand 1881 an der Pariser Opéra-Comique statt. Die gleichzeitig effektvolle wie dramatisch-bewegende Komposition machte HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN – neben Bizets CARMEN – zur populärsten Oper des französischen Repertoires.

Aufführungsdauer ca. 190 Minuten, eine Pause

Leitung

Musikalische Leitung Stefan Veselka

Inszenierung Ulrich Peters

Bühnenbild Bernd Franke

Kostüme Götz Lanzelot Fischer

Choreinstudierung Inna Batyuk

Dramaturgie Margrit Poremba (†)


Besetzung

Olympia Antje Bitterlich

Antonia Netta Or

Giulietta Sara Rossi Daldoss

Andreas / Cochenille / Pitichinaccio / Franz Boris Leisenheimer

Lindorf / Coppelius / Dapertutto / Mirakel Gregor Dalal

Niklaus (Muse) Lisa Wedekind

Stimme der Mutter Suzanne McLeod

Hoffmann Adrian Xhema

Spalanzani / Nathanael / Wolfram Youn-Seong Shim

Luther / Crespel Plamen Hidjov

Schlehmihl / Hermann / Wilhelm Frank Göbel

Opernchor des Theaters Münster

Extrachor des Theaters Münster

Sinfonieorchester Münster

Besetzung

Leitung

Musikalische Leitung Stefan Veselka

Inszenierung Ulrich Peters

Bühnenbild Bernd Franke

Kostüme Götz Lanzelot Fischer

Choreinstudierung Inna Batyuk

Dramaturgie Margrit Poremba (†)


Besetzung

Olympia Antje Bitterlich

Antonia Netta Or

Giulietta Sara Rossi Daldoss

Andreas / Cochenille / Pitichinaccio / Franz Boris Leisenheimer

Lindorf / Coppelius / Dapertutto / Mirakel Gregor Dalal

Niklaus (Muse) Lisa Wedekind

Stimme der Mutter Suzanne McLeod

Hoffmann Adrian Xhema

Spalanzani / Nathanael / Wolfram Youn-Seong Shim

Luther / Crespel Plamen Hidjov

Schlehmihl / Hermann / Wilhelm Frank Göbel

Opernchor des Theaters Münster

Extrachor des Theaters Münster

Sinfonieorchester Münster


Ausgerechnet Offenbach hat sich am Ende seines Lebens der großen Oper zugewandt, und Münsters Intendant Dr. Ulrich Peters greift die Gelegenheit beim Schopf, zur Saisoneröffnung mit HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN aus dem Vollen zu schöpfen (französisch mit deutschen Übertiteln). Gemeinsam mit Kostümbildner Götz Lanzelot Fischer bringt er stilvoll ausstaffierte Verbindungsstudenten und festlich aufgebrezelte Madames auf die Bühne. Deren Gestalter Bernd Franke lässt sich ebenfalls nicht lumpen: Die Kneipe, in der die Rahmen-Akte spielen, ist mit historischen Filmplakaten ausgestattet, und in den drei Mittelakten erzählen Projektionen im vergrößerten Raum von der Welt, die Hoffmanns Erzählungen beschreiben – von Spalanzanis Automatenwelt etwa oder von Venedig. [...]

Münsters Hoffmann ist Adrian Xhema – ein Tenorheld, der sich mächtig reinhängt und jeden Spitzenton gerne mitnimmt. Imposant, wie er die Rolle gestaltet – wobei er im fünften Akt ruhig etwas betrunkener wirken dürfte. Seine Mezzo-Begleiterin Lisa Wedekind als Muse hat in der gewählten üppigen Fassung in jedem Akt große Momente und ist ihm so ebenbürtig wie Bariton-Bösewicht Gregor Dalal: Der glänzt mit markantem Nachdruck, ist eher ein bassiger Kraftprotz als ein eleganter Dämon. Auch Boris Leisenheimer verdient sich in den kuriosen Tenorrollen großen Applaus. Und die drei Frauen in den Erzählungen verbreiten Premierenglanz: Antje Bitterlich singt herrliche (auch: herrlich schräge) Automaten-Koloraturen, Netta Or bietet als todgeweihte Antonia lyrische Emphase, und Sara Rossi Daldoss vereint als Giulietta beide Qualitäten.

Inna Batyuks Chöre machen wieder einmal glauben, sie seien viel größer, als sie eigentlich sind – Regisseur Peters bietet ihnen aber auch die besten Möglichkeiten auf der Bühne. Sie, die Solisten und das [...] Orchester sind bei Dirigent Stefan Veselka in besten Händen: Er hält in Ensembles und Getümmel stets die Übersicht und liefert klingend jene Kulinarik, die auch szenisch dominiert. Großer Applaus – und eine Riesen-Torte sowie ein Ständchen für den Künstler, der am Premierenabend seinen 60. Geburtstag feierte: Intendant Ulrich Peters.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 31. August 2015

 

Die Frauenfiguren für die Liebesabenteuer in den drei mittleren Akten - auch sie Spielarten der vergötterten, stummen Diva - werden von drei verschiedenen Sängerinnen übernommen. Antje Bitterlich ist eine bravouröse, mit langem Atem, lupenreinen Koloraturen und wunderbar mechanischem Gebärdenspiel ausgestattete Olympia. Netta Or übernimmt für die im Programmheft angekündigte Henrike Jacob die Rolle der Antonia. Mit hell timbriertem, klangvollem, schlanken Sopran und leichtem Vibrato wünscht sie ihre Liebe herbei - anrührend auch das Liebesduett mit Adrian Xhema „C’est une chanson d’amour“. Auch Sara Rossi Daldoss schillert in der Rolle der Giulietta mit kühl glühendem Stimmklang. Ebenso überzeugt Tenor Adrian Xhema in der Rolle des Hoffmann. Mal kultiviert im Stimmklang, mal farbenreich vermag er die seelische Vielfalt des Protagonisten nuanciert dazustellen.

Bühnenbildner Bernd Franke nutzt auch die Möglichkeiten der Projektion, um die kontrastreichen Schauplätze atmosphärisch, mit interpretatorischen Hinweisen zu füllen. Im dritten Akt bspw. lockt die prunkvolle Opéra Garnier, im vierten Akt glitzert der Vollmond auf dem Meer und halbnackte Nymphen laden ein. Schließlich verweist ein Medusenantlitz auf die tödliche Verzahnung von Eros und Thanatos in der Barcarole-Szene. Den Rahmen bildet eine enge, mit Tisch und zahlreichen Plakaten ausgestattete, typisch altdeutsche Schenke, in der ein zündender Männerchor aus Verbindungsstudenten den Refrain der Ballade von Klein-Zack anstimmt, während Adrian Xhema mit lyrisch gefärbtem Stimmklang als fulminanter, betrunkener Hoffmann auf dem Tisch stehend, derb und grob in Szene gesetzt erscheint. Götz Lancelot Fischers fantasievolle Kostüme unterstreichen den Aspekt von Künstlichkeit und verlorener Individualität und erinnern oftmals an gespenstische, grotesk pittoreske Gestalten der Stummfilmära.

[...] Die musikalisch-atmosphärische Vielfalt und ihre sinnfällige Gestaltung des Sinfonieorchester Münster beseelen die Inszenierung. Anrührend sind die leise glitzernden Chorpartien aus dem Off im vierten Akt und die abschließende Szene des Epilogs gestaltet, in der Hoffmann von der Muse geküsst endlich wieder am Schreibtisch sitzt, während aus dem Off  „Des cendres de ton coeur réchauffe ton génie“ als Chor erklingt.

Ursula Decker-Bönniger, onlinemusikmagazin, 2. September 2015

 

Wie sich der kleine Raum in den Dampfschwaden des servierten Punsches zur großen Bühne weitet, ist ein kleines Meisterwerk von Bernd Franke. Robust scheinen die kommenden Räume mit ihren Mauern zu sein, doch immer wieder finden sich kleine oder größere Öffnungen darin – und sei es nur, damit mit den Projektionen dahinter jede Normalität ausgetrieben wird. So opulent hat es in Münster schon lange keine Oper mehr gegeben. Denn auch die Kostüme von Götz Lanzelot Fischer bedienen vom schäbigen Anzug über die klassische Robe bis zum futuristischen Star-Trek-Look alles.

[...] Wie sich aus der Sicht Hoffmanns Erlebtes und Gefühltes mischen, wird richtig stark herausgearbeitet. Dazu passend ist Titelfigur mit Adrian Xhema besetzt. [...] Mit dem Hoffman ersingt sich Xhema eine weitere Tenortrophäe in seiner Zeit am Theater Münster, wo er bislang nie enttäuscht hat und so auch dieses Mal nicht. Der Muse, die ihren Dichter zu seinem Schmerz führen möchte, gibt Lisa Wedekind starkes Profil. Sie bedient sich dafür der vier diabolischen Gestalten, die von – ja, von wem auch sonst? – Gregor Dalal verkörpert werden. Seine Stimme steigt wie der Teufel aus der Tiefe seines Resonanzkörpers empor, und er hinterlässt darstellerisch und auch vokal einen sehr guten Eindruck. Der großartige Boris Leisenheimer ist der Mann fürs skurrile Element.

[...] Ein Extralob muss den Herren für ihren ausgelassen Studentenchor im Prolog ausgesprochen werden. Es ist einer der wenigen Momente, in denen Stefan Veselka mal richtig Gas gibt. Ansonsten – und das ist das Schöne an dieser Interpretation – lässt er der Musik von Offenbach Zeit, sich zu entwickeln. Das Sinfonieorchester muss nicht durch die Partitur rasen, sondern darf zeigen, wie schön atmosphärisch es spielen kann. Da schweben die Instrumentengruppen im Antonia-Akt wie feine Nebelschwaden ineinander. Die Forte-Ausbrüche bekommen ihre Wirkung dadurch, dass sie sehr dezent eingesetzt werden – aber dann auch mit Nachdruck.

Christoph Broermann, opernnetz.de, 10. September 2015

Presse

Ausgerechnet Offenbach hat sich am Ende seines Lebens der großen Oper zugewandt, und Münsters Intendant Dr. Ulrich Peters greift die Gelegenheit beim Schopf, zur Saisoneröffnung mit HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN aus dem Vollen zu schöpfen (französisch mit deutschen Übertiteln). Gemeinsam mit Kostümbildner Götz Lanzelot Fischer bringt er stilvoll ausstaffierte Verbindungsstudenten und festlich aufgebrezelte Madames auf die Bühne. Deren Gestalter Bernd Franke lässt sich ebenfalls nicht lumpen: Die Kneipe, in der die Rahmen-Akte spielen, ist mit historischen Filmplakaten ausgestattet, und in den drei Mittelakten erzählen Projektionen im vergrößerten Raum von der Welt, die Hoffmanns Erzählungen beschreiben – von Spalanzanis Automatenwelt etwa oder von Venedig. [...]

Münsters Hoffmann ist Adrian Xhema – ein Tenorheld, der sich mächtig reinhängt und jeden Spitzenton gerne mitnimmt. Imposant, wie er die Rolle gestaltet – wobei er im fünften Akt ruhig etwas betrunkener wirken dürfte. Seine Mezzo-Begleiterin Lisa Wedekind als Muse hat in der gewählten üppigen Fassung in jedem Akt große Momente und ist ihm so ebenbürtig wie Bariton-Bösewicht Gregor Dalal: Der glänzt mit markantem Nachdruck, ist eher ein bassiger Kraftprotz als ein eleganter Dämon. Auch Boris Leisenheimer verdient sich in den kuriosen Tenorrollen großen Applaus. Und die drei Frauen in den Erzählungen verbreiten Premierenglanz: Antje Bitterlich singt herrliche (auch: herrlich schräge) Automaten-Koloraturen, Netta Or bietet als todgeweihte Antonia lyrische Emphase, und Sara Rossi Daldoss vereint als Giulietta beide Qualitäten.

Inna Batyuks Chöre machen wieder einmal glauben, sie seien viel größer, als sie eigentlich sind – Regisseur Peters bietet ihnen aber auch die besten Möglichkeiten auf der Bühne. Sie, die Solisten und das [...] Orchester sind bei Dirigent Stefan Veselka in besten Händen: Er hält in Ensembles und Getümmel stets die Übersicht und liefert klingend jene Kulinarik, die auch szenisch dominiert. Großer Applaus – und eine Riesen-Torte sowie ein Ständchen für den Künstler, der am Premierenabend seinen 60. Geburtstag feierte: Intendant Ulrich Peters.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 31. August 2015

 

Die Frauenfiguren für die Liebesabenteuer in den drei mittleren Akten - auch sie Spielarten der vergötterten, stummen Diva - werden von drei verschiedenen Sängerinnen übernommen. Antje Bitterlich ist eine bravouröse, mit langem Atem, lupenreinen Koloraturen und wunderbar mechanischem Gebärdenspiel ausgestattete Olympia. Netta Or übernimmt für die im Programmheft angekündigte Henrike Jacob die Rolle der Antonia. Mit hell timbriertem, klangvollem, schlanken Sopran und leichtem Vibrato wünscht sie ihre Liebe herbei - anrührend auch das Liebesduett mit Adrian Xhema „C’est une chanson d’amour“. Auch Sara Rossi Daldoss schillert in der Rolle der Giulietta mit kühl glühendem Stimmklang. Ebenso überzeugt Tenor Adrian Xhema in der Rolle des Hoffmann. Mal kultiviert im Stimmklang, mal farbenreich vermag er die seelische Vielfalt des Protagonisten nuanciert dazustellen.

Bühnenbildner Bernd Franke nutzt auch die Möglichkeiten der Projektion, um die kontrastreichen Schauplätze atmosphärisch, mit interpretatorischen Hinweisen zu füllen. Im dritten Akt bspw. lockt die prunkvolle Opéra Garnier, im vierten Akt glitzert der Vollmond auf dem Meer und halbnackte Nymphen laden ein. Schließlich verweist ein Medusenantlitz auf die tödliche Verzahnung von Eros und Thanatos in der Barcarole-Szene. Den Rahmen bildet eine enge, mit Tisch und zahlreichen Plakaten ausgestattete, typisch altdeutsche Schenke, in der ein zündender Männerchor aus Verbindungsstudenten den Refrain der Ballade von Klein-Zack anstimmt, während Adrian Xhema mit lyrisch gefärbtem Stimmklang als fulminanter, betrunkener Hoffmann auf dem Tisch stehend, derb und grob in Szene gesetzt erscheint. Götz Lancelot Fischers fantasievolle Kostüme unterstreichen den Aspekt von Künstlichkeit und verlorener Individualität und erinnern oftmals an gespenstische, grotesk pittoreske Gestalten der Stummfilmära.

[...] Die musikalisch-atmosphärische Vielfalt und ihre sinnfällige Gestaltung des Sinfonieorchester Münster beseelen die Inszenierung. Anrührend sind die leise glitzernden Chorpartien aus dem Off im vierten Akt und die abschließende Szene des Epilogs gestaltet, in der Hoffmann von der Muse geküsst endlich wieder am Schreibtisch sitzt, während aus dem Off  „Des cendres de ton coeur réchauffe ton génie“ als Chor erklingt.

Ursula Decker-Bönniger, onlinemusikmagazin, 2. September 2015

 

Wie sich der kleine Raum in den Dampfschwaden des servierten Punsches zur großen Bühne weitet, ist ein kleines Meisterwerk von Bernd Franke. Robust scheinen die kommenden Räume mit ihren Mauern zu sein, doch immer wieder finden sich kleine oder größere Öffnungen darin – und sei es nur, damit mit den Projektionen dahinter jede Normalität ausgetrieben wird. So opulent hat es in Münster schon lange keine Oper mehr gegeben. Denn auch die Kostüme von Götz Lanzelot Fischer bedienen vom schäbigen Anzug über die klassische Robe bis zum futuristischen Star-Trek-Look alles.

[...] Wie sich aus der Sicht Hoffmanns Erlebtes und Gefühltes mischen, wird richtig stark herausgearbeitet. Dazu passend ist Titelfigur mit Adrian Xhema besetzt. [...] Mit dem Hoffman ersingt sich Xhema eine weitere Tenortrophäe in seiner Zeit am Theater Münster, wo er bislang nie enttäuscht hat und so auch dieses Mal nicht. Der Muse, die ihren Dichter zu seinem Schmerz führen möchte, gibt Lisa Wedekind starkes Profil. Sie bedient sich dafür der vier diabolischen Gestalten, die von – ja, von wem auch sonst? – Gregor Dalal verkörpert werden. Seine Stimme steigt wie der Teufel aus der Tiefe seines Resonanzkörpers empor, und er hinterlässt darstellerisch und auch vokal einen sehr guten Eindruck. Der großartige Boris Leisenheimer ist der Mann fürs skurrile Element.

[...] Ein Extralob muss den Herren für ihren ausgelassen Studentenchor im Prolog ausgesprochen werden. Es ist einer der wenigen Momente, in denen Stefan Veselka mal richtig Gas gibt. Ansonsten – und das ist das Schöne an dieser Interpretation – lässt er der Musik von Offenbach Zeit, sich zu entwickeln. Das Sinfonieorchester muss nicht durch die Partitur rasen, sondern darf zeigen, wie schön atmosphärisch es spielen kann. Da schweben die Instrumentengruppen im Antonia-Akt wie feine Nebelschwaden ineinander. Die Forte-Ausbrüche bekommen ihre Wirkung dadurch, dass sie sehr dezent eingesetzt werden – aber dann auch mit Nachdruck.

Christoph Broermann, opernnetz.de, 10. September 2015


Video

nach oben

Leider keine weiteren Termine geplant.

nach oben