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GEFANGEN

Tanzabend von Hans Henning Paar

Musik von Erik Satie, Franck Angelis, Mauricio Kagel u.a.
  • Maria Bayarri Pérez, Jason Franklin — © Oliver Berg
    Maria Bayarri Pérez, Jason Franklin
    © Oliver Berg
  • Pauline Stöhr, Priscilla Fiuza, Elizabeth Towles, Ako Nakanome — © Oliver Berg
    Pauline Stöhr, Priscilla Fiuza, Elizabeth Towles, Ako Nakanome
    © Oliver Berg
  • Priscilla Fiuza, Alessio Sanna, Jason Franklin, Adam Dembczynski — © Oliver Berg
    Priscilla Fiuza, Alessio Sanna, Jason Franklin, Adam Dembczynski
    © Oliver Berg
  • Pauline Stöhr — © Oliver Berg
    Pauline Stöhr
    © Oliver Berg
  • Ensemble — © Oliver Berg
    Ensemble
    © Oliver Berg
  • Thanh Pham — © Oliver Berg
    Thanh Pham
    © Oliver Berg
  • Adam Dembczynski, Ako Nakanome — © Oliver Berg
    Adam Dembczynski, Ako Nakanome
    © Oliver Berg
  • Jason Franklin, Etienne Aweh, Alessio Sanna — © Oliver Berg
    Jason Franklin, Etienne Aweh, Alessio Sanna
    © Oliver Berg
  • Ako Nakanome, Adam Dembczynski — © Oliver Berg
    Ako Nakanome, Adam Dembczynski
    © Oliver Berg
  • Maria Bayarri Pérez — © Oliver Berg
    Maria Bayarri Pérez
    © Oliver Berg
  • Jason Franklin, Maria Bayarri Pérez — © Oliver Berg
    Jason Franklin, Maria Bayarri Pérez
    © Oliver Berg
  • Ensemble — © Oliver Berg
    Ensemble
    © Oliver Berg
  • Maria Bayarri Pérez, Jason Franklin — © Oliver Berg
    Maria Bayarri Pérez, Jason Franklin
    © Oliver Berg

Man lebt im eigenen Kopf. Sonst nirgends.

Matinée
So, 11. Oktober 2015
11.30 · Kleines Haus

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

Die Gefangenenliteratur verfügt über eine bedeutende Tradition: Schriftsteller wie François Villon, Marquis de Sade, Paul Verlaine, Jean Genet, Oscar Wilde, Ezra Pound und Maxim Gorki – um nur einige Wenige zu nennen – haben eine gewisse Zeit ihres Lebens im Gefängnis verbracht. Teilweise ging der Haft eine gewalttätige Kindheit mit Heimaufenthalten oder Obdachlosigkeit und einem allmählichen Abgleiten ins kriminelle Milieu voraus, die meisten Autoren wurden jedoch wegen ihres kritischen literarischen Engagements verfolgt und inhaftiert. Die Erfahrungen, die sie während der Haftstrafe gemacht haben, spiegeln sich in ihrem literarischen Schaffen wider.

Gefangen in alltäglichen Ritualen, Machtstrukturen und Moralvorstellungen, gilt es, das Spiel der vorherrschenden Regeln zu durchschauen. Das Schreiben dient zur Flucht vor einer unerträglichen Situation. Häufig wird in den teils fiktionalen, teils autobiografischen Texten und Romanen die Philosophie des Außenseiters zelebriert. Inspiriert von der poetischen, sehr bildhaften Sprache, zeigt Hans Henning Paar einen subversiven Mikrokosmos immer wiederkehrender Charaktere und Motive: Randexistenzen, gefangen im Netz von Gewalt, Sexualität, Sehnsüchten und menschlichen Fantasien. Sie alle befinden sich auf der steten Suche nach Erlösung jeglicher Art.

Aufführungsdauer ca. 80 Minuten, keine Pause

Info

Die Gefangenenliteratur verfügt über eine bedeutende Tradition: Schriftsteller wie François Villon, Marquis de Sade, Paul Verlaine, Jean Genet, Oscar Wilde, Ezra Pound und Maxim Gorki – um nur einige Wenige zu nennen – haben eine gewisse Zeit ihres Lebens im Gefängnis verbracht. Teilweise ging der Haft eine gewalttätige Kindheit mit Heimaufenthalten oder Obdachlosigkeit und einem allmählichen Abgleiten ins kriminelle Milieu voraus, die meisten Autoren wurden jedoch wegen ihres kritischen literarischen Engagements verfolgt und inhaftiert. Die Erfahrungen, die sie während der Haftstrafe gemacht haben, spiegeln sich in ihrem literarischen Schaffen wider.

Gefangen in alltäglichen Ritualen, Machtstrukturen und Moralvorstellungen, gilt es, das Spiel der vorherrschenden Regeln zu durchschauen. Das Schreiben dient zur Flucht vor einer unerträglichen Situation. Häufig wird in den teils fiktionalen, teils autobiografischen Texten und Romanen die Philosophie des Außenseiters zelebriert. Inspiriert von der poetischen, sehr bildhaften Sprache, zeigt Hans Henning Paar einen subversiven Mikrokosmos immer wiederkehrender Charaktere und Motive: Randexistenzen, gefangen im Netz von Gewalt, Sexualität, Sehnsüchten und menschlichen Fantasien. Sie alle befinden sich auf der steten Suche nach Erlösung jeglicher Art.

Aufführungsdauer ca. 80 Minuten, keine Pause

Im neuen Tanztheaterabend „Gefangen“ von Hans Henning Paar wird jeder Anflug von Glück zerstört. Auch buntes Treiben in der Stadt mündet in Brutalität. Der Held, der sich zu Beginn in scheinbarer Freiheit austanzt, gerät schon bald in die Mühlen einer Erziehungsanstalt, in der zwei kafkaeske Spinnenwesen die Jugendlichen in sportlichen Exerzitien knechten. Und am Ende ist es das richtige Gefängnis, in das einer hineingeworfen wird, während die andere sich mit dem Blutgericht konfrontiert sieht.

Münsters Tanztheaterchef hat sich für seine neue Produktion im Kleinen Haus von Gefangenenliteratur in­spirieren lassen, von Dichtern wie Jean Genet oder Marquis de Sade. Dennoch lässt sich der Abend nicht bloß als getanzte Autorenbiografie erleben, sondern hebt das Thema durch Szenen, die außerhalb von Anstalt oder Knast spielen, auf die allgemeine Ebene von Verbrechen und Bestrafung – zwischen denen kein Kausalzusammenhang bestehen muss. Er, der Held (Jason Franklin zu Beginn ein Ausbund an Kraft), wird Opfer, aber auch erschütterter Beobachter. Mit der Eleganz von Tänzern wie Thanh Pham kann Paar zeigen, wie menschliche Schönheit in unmenschlichen Verhältnissen zerstört wird. Und die Schlussszenen, in denen ein flatterndes Roben-Untier den geifernden Blutrichter gibt (Agnes Girard), während sich die Verurteilte (Maria Bayarri Pérez) in das Gehenktwerden ergibt, lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Live-Musik von Marko Kassl geht unter die Haut. Nach 80 Minuten großer Applaus.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 19. Oktober 2015

 

Haft, Gewalt und Einengung thematisiert das Tanztheaterstück GEFANGEN, vom Ensemble durch verzweifelte, suchende und dramatische Gesten ausdrucksstark umgesetzt. Die Premiere im Theater Münster wurde mit langanhaltendem Beifall bedacht.

[...] Ein Tänzer windet sich unter schwarzen Flocken, die aus einem Eimer über ihn ausgeschüttet werden. Die Qual des Mannes wirkt durch seine anmutigen Zeitlupenbewegungen noch intensiver: Er wird geteert und gefedert. Die Erfahrung von Schriftstellern mit Haft und ihre literarische Verarbeitung haben Choreograf Hans Henning Paar zu einem spannenden Tanztheaterstück inspiriert.

GEFANGEN ist ein Kaleidoskop aus Szenen der Erniedrigung, des Gefangenseins in Moralvorstellungen und hierachischen Strukturen. Dafür stehen unter anderem schwarze Kästen in der Größe von Telefonzellen auf der Bühne des Kleinen Hauses bereit. Sie dienen den Tänzern als Dreh- und Angelpunkte, gegen die sie von innen verzweifelt ihre Köpfe schlagen und die sie immer wieder in Gruppen mechanisch über die Bühne schieben. Die Befreiung, die Entlastung ist das Ziel - von Haft, Gewalt, Einengung, unliebsamen Gedanken. Bestrebungen, die das Ensemble in verzweifelte, suchende Gesten umsetzt. Im Tanz windet es sich, greift nach etwas, wehrt Dinge ab.

Musikalisch begleitet wird die Aufführung von Marko Kassl am Akkordeon. Er sitzt am Bühnenrand und interpretiert Musik von Erik Satie, Franck Angelis oder auch Bach. Für Marko Kassl gibt es am Ende viel Anerkennung vom Publikum.

Andrea Kutzendörfer, Die Glocke, 19. Oktober 2015

 

Am Kleinen Haus des Theaters Münster hat Hans Henning Paar einen Tanzabend mit starken Bildern um das Thema GEFANGEN choreographiert. Erfreulich uneitel von Marko Kassl live mit dem Akkordeon kommentiert, beginnen die elf Szenen mit einer Gefangennahme, beleuchten verschiedene Situationen der Unfreiheit und enden bedrückend mit einem Todesurteil.

Um die Tanzfläche bilden düstere Ein-Personen-Käfige einen Halbkreis (Bühne und Kostüme: Isabel Kork). Sie können ein Gefängnistrakt sein, können aber von dem 14-köpfigen Ensemble auch zwanglos zu einer Straßenzeile mit schmalen Häusern und offenen Türen verschoben werden.
Am Anfang nimmt Paar die sentimentale Perspektive der notorisch unschuldigen Gefangenen ein. Ein namenloser „Er“ in kurzen Hosen (Jason Franklin) hat eben noch in warmem Licht bei munterem Vogelgezwitscher in weit ausladenden Bewegungen auf einem mitgebrachten Rasenfleck verspielt die Freiheit genossen, da wird er ohne ersichtlichen Grund gefasst und gewaltsam in eine Zelle gesteckt.

Das Zellenareal beherrschen spinnenarmige, kafkaeske Figuren (Valentin Braun, Agnès Girard) mit Spitzbart und schwarzem Anzug. Wenn sie die Insassen zu einem anonymen Pulk zusammentreiben, sie in Reih und Glied antreten und mechanisch gleichförmige Bewegungen ausführen lassen, changiert die Szene zwischen militärischer Grundausbildung, Hofgang im Knast und Schule als Drillanstalt.

[...] Großer Beifall für Ensemble und Akkordeonspieler nach achtzig pausenlosen Minuten bildkräftigen Tanzes.

Hanns Butterhoff, Recklinghäuser Zeitung, 4. November 2015

Presse

Im neuen Tanztheaterabend „Gefangen“ von Hans Henning Paar wird jeder Anflug von Glück zerstört. Auch buntes Treiben in der Stadt mündet in Brutalität. Der Held, der sich zu Beginn in scheinbarer Freiheit austanzt, gerät schon bald in die Mühlen einer Erziehungsanstalt, in der zwei kafkaeske Spinnenwesen die Jugendlichen in sportlichen Exerzitien knechten. Und am Ende ist es das richtige Gefängnis, in das einer hineingeworfen wird, während die andere sich mit dem Blutgericht konfrontiert sieht.

Münsters Tanztheaterchef hat sich für seine neue Produktion im Kleinen Haus von Gefangenenliteratur in­spirieren lassen, von Dichtern wie Jean Genet oder Marquis de Sade. Dennoch lässt sich der Abend nicht bloß als getanzte Autorenbiografie erleben, sondern hebt das Thema durch Szenen, die außerhalb von Anstalt oder Knast spielen, auf die allgemeine Ebene von Verbrechen und Bestrafung – zwischen denen kein Kausalzusammenhang bestehen muss. Er, der Held (Jason Franklin zu Beginn ein Ausbund an Kraft), wird Opfer, aber auch erschütterter Beobachter. Mit der Eleganz von Tänzern wie Thanh Pham kann Paar zeigen, wie menschliche Schönheit in unmenschlichen Verhältnissen zerstört wird. Und die Schlussszenen, in denen ein flatterndes Roben-Untier den geifernden Blutrichter gibt (Agnes Girard), während sich die Verurteilte (Maria Bayarri Pérez) in das Gehenktwerden ergibt, lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Live-Musik von Marko Kassl geht unter die Haut. Nach 80 Minuten großer Applaus.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 19. Oktober 2015

 

Haft, Gewalt und Einengung thematisiert das Tanztheaterstück GEFANGEN, vom Ensemble durch verzweifelte, suchende und dramatische Gesten ausdrucksstark umgesetzt. Die Premiere im Theater Münster wurde mit langanhaltendem Beifall bedacht.

[...] Ein Tänzer windet sich unter schwarzen Flocken, die aus einem Eimer über ihn ausgeschüttet werden. Die Qual des Mannes wirkt durch seine anmutigen Zeitlupenbewegungen noch intensiver: Er wird geteert und gefedert. Die Erfahrung von Schriftstellern mit Haft und ihre literarische Verarbeitung haben Choreograf Hans Henning Paar zu einem spannenden Tanztheaterstück inspiriert.

GEFANGEN ist ein Kaleidoskop aus Szenen der Erniedrigung, des Gefangenseins in Moralvorstellungen und hierachischen Strukturen. Dafür stehen unter anderem schwarze Kästen in der Größe von Telefonzellen auf der Bühne des Kleinen Hauses bereit. Sie dienen den Tänzern als Dreh- und Angelpunkte, gegen die sie von innen verzweifelt ihre Köpfe schlagen und die sie immer wieder in Gruppen mechanisch über die Bühne schieben. Die Befreiung, die Entlastung ist das Ziel - von Haft, Gewalt, Einengung, unliebsamen Gedanken. Bestrebungen, die das Ensemble in verzweifelte, suchende Gesten umsetzt. Im Tanz windet es sich, greift nach etwas, wehrt Dinge ab.

Musikalisch begleitet wird die Aufführung von Marko Kassl am Akkordeon. Er sitzt am Bühnenrand und interpretiert Musik von Erik Satie, Franck Angelis oder auch Bach. Für Marko Kassl gibt es am Ende viel Anerkennung vom Publikum.

Andrea Kutzendörfer, Die Glocke, 19. Oktober 2015

 

Am Kleinen Haus des Theaters Münster hat Hans Henning Paar einen Tanzabend mit starken Bildern um das Thema GEFANGEN choreographiert. Erfreulich uneitel von Marko Kassl live mit dem Akkordeon kommentiert, beginnen die elf Szenen mit einer Gefangennahme, beleuchten verschiedene Situationen der Unfreiheit und enden bedrückend mit einem Todesurteil.

Um die Tanzfläche bilden düstere Ein-Personen-Käfige einen Halbkreis (Bühne und Kostüme: Isabel Kork). Sie können ein Gefängnistrakt sein, können aber von dem 14-köpfigen Ensemble auch zwanglos zu einer Straßenzeile mit schmalen Häusern und offenen Türen verschoben werden.
Am Anfang nimmt Paar die sentimentale Perspektive der notorisch unschuldigen Gefangenen ein. Ein namenloser „Er“ in kurzen Hosen (Jason Franklin) hat eben noch in warmem Licht bei munterem Vogelgezwitscher in weit ausladenden Bewegungen auf einem mitgebrachten Rasenfleck verspielt die Freiheit genossen, da wird er ohne ersichtlichen Grund gefasst und gewaltsam in eine Zelle gesteckt.

Das Zellenareal beherrschen spinnenarmige, kafkaeske Figuren (Valentin Braun, Agnès Girard) mit Spitzbart und schwarzem Anzug. Wenn sie die Insassen zu einem anonymen Pulk zusammentreiben, sie in Reih und Glied antreten und mechanisch gleichförmige Bewegungen ausführen lassen, changiert die Szene zwischen militärischer Grundausbildung, Hofgang im Knast und Schule als Drillanstalt.

[...] Großer Beifall für Ensemble und Akkordeonspieler nach achtzig pausenlosen Minuten bildkräftigen Tanzes.

Hanns Butterhoff, Recklinghäuser Zeitung, 4. November 2015


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So, 11. Oktober 2015
11.30 Uhr · Kleines Haus

Leider keine weiteren Termine geplant.

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