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FRÄULEIN HALLO UND DER BAUERNKAISER

von Liao Yiwu

Uraufführung
  • Julia Stefanie Möller, Dennis Laubenthal, Gerhard Mohr, Florian Steffens, Carolin Wirth — © Oliver Berg
    Julia Stefanie Möller, Dennis Laubenthal, Gerhard Mohr, Florian Steffens, Carolin Wirth
    © Oliver Berg
  • Dennis Laubenthal, Gerhard Mohr, Julia Stefanie Möller — © Oliver Berg
    Dennis Laubenthal, Gerhard Mohr, Julia Stefanie Möller
    © Oliver Berg
  • Dennis Laubenthal, Florian Steffens, Carolin Wirth — © Oliver Berg
    Dennis Laubenthal, Florian Steffens, Carolin Wirth
    © Oliver Berg
  • Julia Stefanie Möller — © Oliver Berg
    Julia Stefanie Möller
    © Oliver Berg
  • Carolin Wirth — © Oliver Berg
    Carolin Wirth
    © Oliver Berg
  • Julia Stefanie Möller — © Oliver Berg
    Julia Stefanie Möller
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  • Gerhard Mohr, Dennis Laubenthal — © Oliver Berg
    Gerhard Mohr, Dennis Laubenthal
    © Oliver Berg
  • Florian Steffens — © Oliver Berg
    Florian Steffens
    © Oliver Berg
  • Carolin Wirth, Julia Stefanie Möller — © Oliver Berg
    Carolin Wirth, Julia Stefanie Möller
    © Oliver Berg
  • Gerhard Mohr — © Oliver Berg
    Gerhard Mohr
    © Oliver Berg
Premiere
Fr, 11. April 2014
19.30 · Kleines Haus · Preise D
Premierenabo Kl. Haus

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

Erstmals kommen die Texte des berühmten chinesischen Exil-Autors Liao Yiwu auf eine Bühne: China – ein Land, das rasend schnelle Veränderungen im Aufstieg zur globalisierten Weltmacht durchmacht. China – ein Land, das in Tradition und Mythos verhaftet ist und in einer schuldhaften politischen Kultur der Unterdrückung. Der chinesische Exil- Autor Liao Yiwu entwirft über ebenso einfühlsame, wie absurde Gespräche mit den Unangepassten und Vergessenen ein aufregendes und berührendes Gesellschaftspanorama seiner Heimat:  Der alternde Manager einer öffentlichen Toilette, ein Totenrufer aus einem alten Märchen-China, das hippe Girlie, das an den „neuen Menschen“ glaubt, zwei traumatisierte Opfer der Bodenreform, ein Ausbrecherkönig, ein Konterrevolutionär, die Eltern eines Opfers vom Platz des Himmlischen Friedens und ein Fräulein mit Dreifachservice… Das sind nur einige der zutiefst verwirrten und verlorenen Gestalten, die im Strudel von Aufbruch und Wandel, angesichts der Anforderungen eines neuen Raubtierkapitalismus mit Phantasie, Witz und Kampfgeist versuchen, ihr Leben neu zu organisieren. Yiwus Gesprächspartner werden auf der Bühne zu Figuren eines China-Panoramas, das uns in eine fremde, höchst komplexe Welt und Zeitgeschichte führt und unsere Vorstellungen und Bilder vom Riesen China durcheinander wirbelt. Überdies werfen die Erzählungen und Lebensberichte ganz existentielle Fragen an unsere globalisierte Welt auf: Wie wird Geschichte gemacht und welche Rolle spielt der einzelne kleine Mensch darin? Wie gehen wir als Gemeinschaften mit Erinnerungen, mit Trauer und schuldhaften Verstrickungen um? Was wissen wir vom Anderen? 

Liao Yiwu setzt sich in all seinen Schriften höchst kritisch mit dem jetzigen und vergangenen Regimen Chinas auseinander - wie auch mit dem Westen, der durch Investitionen und Beschwichtigung „gemeinsame Sache mit den Henkern“ mache. Er wurde aufgrund seiner Texte in seiner Heimat verfolgt, inhaftiert und misshandelt, FRÄULEIN HALLO UND DER BAUERNKAISER wurde in China verboten. 2011 gelang dem Autor die Ausreise nach Deutschland, er lebt in Berlin, 2011 wurde ihm der Geschwister-Scholl-Preis verliehen, 2012 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Mit seinem neuesten Buch DIE DONGDONG-TÄNZERIN UND DER SICHUAN-KOCH werden die „Geschichten aus der chinesischen Wirklichkeit“ fortgeführt.

Aufführungsdauer ca. 150 Minuten, eine Pause

 

AUS DER PRESSE:

In Münster wurde nun „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“ als Dramatisierung uraufgeführt. Rauschender Premieren-Applaus war nach zweieinhalb Stunden der Lohn für eine stimmige Inszenierung (Max Claessen) und ein emotional auftrumpfendes Ensemble. Diese Geschichtsstunde war lang und lehrreich, oft auch quälend. Und wenn bewusst alberne Einsprengsel dem Publikum mal eine Atempause verschafften, fuhr die Grausamkeit danach umso mehr ins Mark.

(…) Liao Yiwu erzählt all das von unten – durch Geschichten von Menschen, die er teils im Gefängnis kennenlernte. Thematisch verbunden sind zwei, die „durch die Scheiße“ mussten. Einer ganz wörtlich, als Knast-Ausbrecher (explosiv: Florian Steffens). Ein anderer, der Toiletten-Wart, fabuliert von den alten Zeiten, als Exkrement noch wertvoller Dünger war und bewacht werden musste. Und das „Fräulein Hallo“? Carolin Wirth spielt es grandios als schaurige Girlie-Karikatur, deren Seele im Konsumwahn verlorenging.

Arndt Zinkant, Westfälische Nachrichten, 14. April 2014

 

Ein Meer weißer Stühle bevölkert den Raum. Stumm aufgereiht wie eine Armee, gleichförmig, kühl und funktional füllen sie in schier unendlichen Reihen die Bühne für die Uraufführung von „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“. Am Freitag feierte das Stück eine umjubelte Premiere im Kleinen Haus des Theaters Münster. (…)

Der zweite Teil führt in das moderne China. Die Stühle, vormals aufgehäuft zu einem riesigen Scheiterhaufen, stehen nun ordentlich aufgestapelt nebeneinander (Bühne und Kostüme: Mirjam Benkner).
Es ist zweifellos einer der Höhepunkte des Abends, als Steffens in immer absurder werdender Gestik seine Flucht durch die Kloake eines Gefängnisses beschreibt. Nicht minder präsent aber agiert Wirth in der titelgebenden Rolle eines Mädchens, das im Sekundentakt Worte und Blicke zu elektronischen Tanzrhythmen flirren lässt und gleichzeitig unsäglich verloren erscheint. „Die nächste Generation wird es besser haben“, prognostiziert Möller als Dirne und scheint sich an diesem letzten bisschen Hoffnung aufzurichten. Dies seien die Auswüchse einer „alten Gesellschaft“, lautet das verzweifelte Credo, „mit den bitteren Erfahrungen und dem Hass im Herzen“.

Edda Klepp, Münstersche Zeitung, 14. April 2014

 

Der chinesische Autor Liao Yiwu ist ein Geschichtensammler. Er hört den Leuten zu, die in den staatlich gelenkten Medien keinen Platz haben. Den Totenrufern und Klomännern, den Prostituierten und den Kleinhändlern. Ihre Erzählungen schreibt er auf und verdichtet sie, ein kritischer Chronist. Der Regisseur Max Claessen hat nun eine Spielfassung für fünf Schauspieler erstellt. Im ersten Teil zitiert er viele Chinaklischees. Ein Papierdrache steht im Hintergrund, die Schauspieler haben sich die Gesichter im asiatischen Stil geschminkt. Die Bühne steht voll mit billigen, weißen Gartenstühlen, in Reih und Glied wie eine Armee aus Terrakotta-Kriegern. Die Schauspieler zitieren die Mao-Bibel und berichten vom Massaker am Tiananmen-Platz und anderen Katastrophen der jüngeren Geschichte.

Der erste Teil der Aufführung gerät ein bisschen zäh, anderthalb Stunden Unterricht in chinesischer Zeitgeschichte, interessant, aber anstrengend. Nach der Pause wird es unterhaltsamer. Da kommen die stärksten Geschichten, zum Beispiel die des von Carolin Wirth faszinierend kantig verkörpertem Fräulein Hallo. Gleichfalls großartig und mit artistischer Körperbeherrschung spielt Florian Steffens einen Dieb, der sich durch die Toilette und den Abwasserkanal eines Gefängnisses in die Freiheit kämpft. Eine Geschichte mit Tarantino-Format, derb, witzig und von wilder Freiheitssehnsucht durchglüht. Das Theater Münster zeigt China als Gesellschaft im Umbruch, in der jeder für sich selbst kämpft und keiner dem anderen zuhört

Stefan Keim, Die Deutsche Bühne, 14. April 2014

Info

Erstmals kommen die Texte des berühmten chinesischen Exil-Autors Liao Yiwu auf eine Bühne: China – ein Land, das rasend schnelle Veränderungen im Aufstieg zur globalisierten Weltmacht durchmacht. China – ein Land, das in Tradition und Mythos verhaftet ist und in einer schuldhaften politischen Kultur der Unterdrückung. Der chinesische Exil- Autor Liao Yiwu entwirft über ebenso einfühlsame, wie absurde Gespräche mit den Unangepassten und Vergessenen ein aufregendes und berührendes Gesellschaftspanorama seiner Heimat:  Der alternde Manager einer öffentlichen Toilette, ein Totenrufer aus einem alten Märchen-China, das hippe Girlie, das an den „neuen Menschen“ glaubt, zwei traumatisierte Opfer der Bodenreform, ein Ausbrecherkönig, ein Konterrevolutionär, die Eltern eines Opfers vom Platz des Himmlischen Friedens und ein Fräulein mit Dreifachservice… Das sind nur einige der zutiefst verwirrten und verlorenen Gestalten, die im Strudel von Aufbruch und Wandel, angesichts der Anforderungen eines neuen Raubtierkapitalismus mit Phantasie, Witz und Kampfgeist versuchen, ihr Leben neu zu organisieren. Yiwus Gesprächspartner werden auf der Bühne zu Figuren eines China-Panoramas, das uns in eine fremde, höchst komplexe Welt und Zeitgeschichte führt und unsere Vorstellungen und Bilder vom Riesen China durcheinander wirbelt. Überdies werfen die Erzählungen und Lebensberichte ganz existentielle Fragen an unsere globalisierte Welt auf: Wie wird Geschichte gemacht und welche Rolle spielt der einzelne kleine Mensch darin? Wie gehen wir als Gemeinschaften mit Erinnerungen, mit Trauer und schuldhaften Verstrickungen um? Was wissen wir vom Anderen? 

Liao Yiwu setzt sich in all seinen Schriften höchst kritisch mit dem jetzigen und vergangenen Regimen Chinas auseinander - wie auch mit dem Westen, der durch Investitionen und Beschwichtigung „gemeinsame Sache mit den Henkern“ mache. Er wurde aufgrund seiner Texte in seiner Heimat verfolgt, inhaftiert und misshandelt, FRÄULEIN HALLO UND DER BAUERNKAISER wurde in China verboten. 2011 gelang dem Autor die Ausreise nach Deutschland, er lebt in Berlin, 2011 wurde ihm der Geschwister-Scholl-Preis verliehen, 2012 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Mit seinem neuesten Buch DIE DONGDONG-TÄNZERIN UND DER SICHUAN-KOCH werden die „Geschichten aus der chinesischen Wirklichkeit“ fortgeführt.

Aufführungsdauer ca. 150 Minuten, eine Pause

 

AUS DER PRESSE:

In Münster wurde nun „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“ als Dramatisierung uraufgeführt. Rauschender Premieren-Applaus war nach zweieinhalb Stunden der Lohn für eine stimmige Inszenierung (Max Claessen) und ein emotional auftrumpfendes Ensemble. Diese Geschichtsstunde war lang und lehrreich, oft auch quälend. Und wenn bewusst alberne Einsprengsel dem Publikum mal eine Atempause verschafften, fuhr die Grausamkeit danach umso mehr ins Mark.

(…) Liao Yiwu erzählt all das von unten – durch Geschichten von Menschen, die er teils im Gefängnis kennenlernte. Thematisch verbunden sind zwei, die „durch die Scheiße“ mussten. Einer ganz wörtlich, als Knast-Ausbrecher (explosiv: Florian Steffens). Ein anderer, der Toiletten-Wart, fabuliert von den alten Zeiten, als Exkrement noch wertvoller Dünger war und bewacht werden musste. Und das „Fräulein Hallo“? Carolin Wirth spielt es grandios als schaurige Girlie-Karikatur, deren Seele im Konsumwahn verlorenging.

Arndt Zinkant, Westfälische Nachrichten, 14. April 2014

 

Ein Meer weißer Stühle bevölkert den Raum. Stumm aufgereiht wie eine Armee, gleichförmig, kühl und funktional füllen sie in schier unendlichen Reihen die Bühne für die Uraufführung von „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“. Am Freitag feierte das Stück eine umjubelte Premiere im Kleinen Haus des Theaters Münster. (…)

Der zweite Teil führt in das moderne China. Die Stühle, vormals aufgehäuft zu einem riesigen Scheiterhaufen, stehen nun ordentlich aufgestapelt nebeneinander (Bühne und Kostüme: Mirjam Benkner).
Es ist zweifellos einer der Höhepunkte des Abends, als Steffens in immer absurder werdender Gestik seine Flucht durch die Kloake eines Gefängnisses beschreibt. Nicht minder präsent aber agiert Wirth in der titelgebenden Rolle eines Mädchens, das im Sekundentakt Worte und Blicke zu elektronischen Tanzrhythmen flirren lässt und gleichzeitig unsäglich verloren erscheint. „Die nächste Generation wird es besser haben“, prognostiziert Möller als Dirne und scheint sich an diesem letzten bisschen Hoffnung aufzurichten. Dies seien die Auswüchse einer „alten Gesellschaft“, lautet das verzweifelte Credo, „mit den bitteren Erfahrungen und dem Hass im Herzen“.

Edda Klepp, Münstersche Zeitung, 14. April 2014

 

Der chinesische Autor Liao Yiwu ist ein Geschichtensammler. Er hört den Leuten zu, die in den staatlich gelenkten Medien keinen Platz haben. Den Totenrufern und Klomännern, den Prostituierten und den Kleinhändlern. Ihre Erzählungen schreibt er auf und verdichtet sie, ein kritischer Chronist. Der Regisseur Max Claessen hat nun eine Spielfassung für fünf Schauspieler erstellt. Im ersten Teil zitiert er viele Chinaklischees. Ein Papierdrache steht im Hintergrund, die Schauspieler haben sich die Gesichter im asiatischen Stil geschminkt. Die Bühne steht voll mit billigen, weißen Gartenstühlen, in Reih und Glied wie eine Armee aus Terrakotta-Kriegern. Die Schauspieler zitieren die Mao-Bibel und berichten vom Massaker am Tiananmen-Platz und anderen Katastrophen der jüngeren Geschichte.

Der erste Teil der Aufführung gerät ein bisschen zäh, anderthalb Stunden Unterricht in chinesischer Zeitgeschichte, interessant, aber anstrengend. Nach der Pause wird es unterhaltsamer. Da kommen die stärksten Geschichten, zum Beispiel die des von Carolin Wirth faszinierend kantig verkörpertem Fräulein Hallo. Gleichfalls großartig und mit artistischer Körperbeherrschung spielt Florian Steffens einen Dieb, der sich durch die Toilette und den Abwasserkanal eines Gefängnisses in die Freiheit kämpft. Eine Geschichte mit Tarantino-Format, derb, witzig und von wilder Freiheitssehnsucht durchglüht. Das Theater Münster zeigt China als Gesellschaft im Umbruch, in der jeder für sich selbst kämpft und keiner dem anderen zuhört

Stefan Keim, Die Deutsche Bühne, 14. April 2014

Leitung

Inszenierung Max Claessen

Bühne und Kostüme Mirjam Benkner

Musik Michael Barfuß

Dramaturgie Kathrin Mädler


Besetzung

Mit: Carolin Wirth

Julia Stefanie Möller

Dennis Laubenthal

Gerhard Mohr

Florian Steffens

Besetzung

Leitung

Inszenierung Max Claessen

Bühne und Kostüme Mirjam Benkner

Musik Michael Barfuß

Dramaturgie Kathrin Mädler


Besetzung

Mit: Carolin Wirth

Julia Stefanie Möller

Dennis Laubenthal

Gerhard Mohr

Florian Steffens



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Fr, 11. April 2014
19.30 Uhr · Kleines Haus · Preise D
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