Sonderveranstaltung

Diversität im Kinder-
und Jugendtheater

Ein Fachsymposium
Soraya Abtahi, Amelie Barth / © Sinje Hasheider

Tagung der AG Diversitätsorientierte Deutschdidaktik und der AG Theater_Performance im Symposion Deutschdidaktik in Kooperation mit dem Jungen Theater Münster

 

Fr 1.3.2024, 14 - 19 Uhr & Sa 2.3.2024, 9 - 14 Uhr

Organisation / Tagungsleitung: Kristina Krieger

 

  • Wie kann Diversität auf der Bühne thematisch verhandelt werden?
     
  • Was bedeutet es für ein Kinder- und Jugendtheater, einen diversitätssensiblen Spielplan zu gestalten?
     
  • Welche Bedeutung hat es, das Thema trans*gender auf die Bühne zu bringen?
     
  • Wie arbeiten hörende und Taube Menschen im Kinder- und Jugendtheater zusammen?
     
  • Welche Rolle spielt Rassismuskritik im Theater für junge Menschen?
     
  • Wie kann Kinder- und Jugendtheater mit heterogenen Lerngruppen rezipiert werden?

 

Diesen und weiteren Fragen möchten wir mit Theaterschaffenden, Deutsch- und Theaterdidaktiker*innen sowie Pädagog*innen gemeinsam in Form von vielfältigen Diskursformaten, praktischen Workshops und einem Vorstellungsbesuch von Der Katze ist es ganz egal nachgehen. 

Es erwarten Sie u. a. ein Impuls von Dr. Özlem Canyürek zum Thema "Was genau ist Diversität? Diversifizierungsprozesse in der Kinder- und Jugendtheaterfestivalszene" sowie ein Vortrag von Céline Bartholomaeus zu Rassismus(kritik) im Theater für Junges Publikum. Darüber hinaus wird Anne Abrahams (Gender-)Zuschreibungen praktisch erfahrbar machen und das Team von Leute wie die wird Einblicke in Taube Dramaturgie geben. Das vollständige Programm werden wir auf dieser Seite kurz vor der Tagung veröffentlichen.

 

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei, ein Ticket für die Vorstellung am Samstagmorgen um 9.30 Uhr kostet 12 €. Bitte geben Sie bei der Anmeldung verbindlich an, ob Sie an dem Vorstellungsbesuch teilnehmen möchten.

 

Stückempfehlungen zum Thema: 

DER KATZE IST ES GANZ EGAL

IMPERIUM DER ILLUSIONEN

ICH WILL DAS SO!

 

ANMELDUNG bis 20. Februar 2024 an:

jungestheater@stadt-muenster.de oder 

kkrieger@em.uni-frankfurt.de 

Was ist Diversität?

Impulsvortrag von Dr. Özlem Canyürek

 

Was genau ist Diversität? Diversifizierungsprozesse in der Kinder- und Jugendtheaterfestivalszene

 

Der Impulsvortrag gibt einen kurzen Einblick in das von Dr. Özlem Canyürek durchgeführte Forschungsprojekt, in dessen Rahmen Archivmaterial des KJTZ und Interviews analysiert wurden. Die Untersuchung fokussiert verschiedene Dimensionen von Diversität und konzentriert sich dabei auf die Festivals Schöne Aussicht, WESTWIND, Hart am Wind, panoptikum, WILDWECHSEL, KUSS sowie AUGENBLICK MAL! und SPURENSUCHE. Ausgewählte Ergebnisse werden im Hinblick auf die Leitfrage beleuchtet, was genau Diversität ist.

 

 

Dr. phil. Özlem Canyürek ist freiberufliche Kulturpolitik-Forscherin und Dozentin. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Aufgabe und Rolle der Kulturpolitik, um eine faire und zugängliche Szene der darstellenden Künste für alle zu erreichen. Nach ihrem M. A. in Soziologie an der Istanbul Bilgi Universität zum Thema Kulturmanagement und Kulturpolitik promovierte sie an der Universität Hildesheim am Institut für Kulturpolitik. In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit der mangelnden kulturellen Vielfalt in der deutschen Theaterlandschaft. Sie schlägt Rahmenbedingungen einer rezeptiven Kulturpolitik vor, um kulturelle Vielfalt in Bewegung zu setzen für die Produktion und Verbreitung der Diversität von Gedanken, Erfahrungen, Wissen, Ästhetik und Weltanschauungen einer interkulturellen Gesellschaft.

Rassismuskritik

Vortrag und Diskussion mit Céline Bartholomaeus

 

Diversität auf Bühnen des Theaters für Junges Publikum: Rassismuskritik

 

Rassismuskritik als Querschnittsthema wurde in den letzten Jahren immer weiter in den Fokus der bundesdeutschen Theaterwelt gerückt. Welche Rolle kann sie im Theater für Junges Publikum spielen, warum tut sie das an vielen Stellen zu wenig, und wissen wir überhaupt, was genau Rassismus(kritik) ist? Mithilfe von Fallbeispiele werfen wir einen Blick in dieses wichtige, doch leider zu oft unzureichend mit wissenschaftlichen Erkenntnissen unterfütterte Thema. 

 

 

Céline Bartholomaeus (sie/ihr) (*1988) studierte „Kunst in Aktion“ & „Kunstwissenschaften“ an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. 

Nach ihrem langjährigen Engagement am Staatstheater Braunschweig arbeitet sie aktuell als freiberufliche Theatermacherin, Dramaturgin und Bildungsreferentin und realisiert Projekte mit dem Fokus auf Empowerment, Rassismuskritik und politische Bildung. 

Als Mitgründerin und Vorsitzende vom Amo-Braunschweig Postkolonial e.V. sowie als Teil vom AB_____ (Aktionsbündnis_____) verbindet sie ihre künstlerische Praxis mit rassismus- und machtkritischen Diskursen. 

(Gender-)Zuschreibungen

Workshop mit Anne Abrahams

 

Wie kann es eigentlich sein, dass man sich wie das Gegenteil von dem fühlt, was man äußerlich zu sein scheint?

 

In diesem Workshop setzen wir uns mit Zuschreibungen von außen auseinander. Mann? Frau? Arm? Reich? Welche Eigenschaften sprechen mir Menschen zu und was bedeutet das für mich? Außerdem fragen wir uns: Welche Vorurteile sind in meinem Kopf verankert und wie projiziere ich diese auf mein Gegenüber?   

Am Beispiel der Inszenierung Der Katze ist es ganz egal setzen wir uns aktiv und spielerisch mit Zuschreibungen auseinander. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie man theatrale und rezeptionsfokussierte Übungen nutzbar machen kann, um mit Kindern und Jugendlichen über Zuschreibungen ins Gespräch zu kommen und sie gleichermaßen erfahrbar machen kann. 

 

Anne Abrahams hat in Bayreuth und Hildesheim Theater, Medien, Theaterdidaktik und Inszenierung der Künste studiert. Während ihres Studiums arbeitete sie als Dramaturgie- und Regieassistentin. 2022 realisierte sie als Nachwuchskünstlerin des Coming Out Förderprogramms die Stückentwicklung Aufruhr hinterm Venushügel am Staatstheater Hannover. Im Wintersemester 2023/24 lehrt Abrahams außerdem als Dozentin für Physical Theatre an der Universität Bayreuth. Seit der Spielzeit 2022/23 ist sie Theaterpädagogin und Dramaturgin am Theater Münster.

 

Taube Dramaturgie

Workshop mit Leute wie die

 

Taube Dramaturgie - Wie Theater für taube UND hörende Menschen interessant wird

 

In den gemeinsamen Arbeiten von Pia Katharina Jendreizik (Schauspielerin, taub) und Wera Mahne (Regisseurin, hörend) mit ihrer Performancegruppe Leute wie die sind Gebärdensprache und Lautsprache gleichberechtigt. Sie kreieren Theatererlebnisse, in denen die Sprachen künstlerisch verzahnt werden und taube und hörende Menschen als Publikum gemeinsam die Arbeiten besuchen können.

Auf der Bühne wird dafür nicht von der einen Sprache in die andere übersetzt, um Zugänglichkeit zu ermöglichen, sondern es werden Herangehensweisen gesucht, wie die Sprachen und Spieler*innen miteinander agieren können. Ein künstlerisches Miteinander kann entstehen.

Dieses Vorgehen bestimmt auch den gesamten künstlerischen Prozess und verändert damit bekannte, hörende Produktions- und Probenprozesse, die Materialsuche und die Art des Erzählens. Es entsteht eine spezifische Ästhetik der Ergebnisse, nach dem Prinzip der aesthetics of access.

In ihrem Workshop werden sie anhand ihrer Inszenierung Ich will das so! einen Einblick in ihre Arbeit geben und darüber sprechen, welche Herausforderungen, kreative Potentiale und Möglichkeiten diese Arbeitsweise bietet.

The t* and the media

Vortrag und Diskussion mit Mine Pleasure Bouvar Wenzel

 

The t* and the media - Darstellungsweisen von Trans*Geschlechtlichkeit in den populären Medien

 

Anhand von filmischer Repräsentation wird nachvollzogen, wie trans*feindliche Bilder popkulturell produziert werden. Auf welche Weisen wurden trans*Personen filmisch sichtbar gemacht oder im Gegenteil ihrer Repräsentation beraubt? Welche Kontinuitäten im Zusammenspiel miteinander verwobener Formen der Unterdrückung lassen sich daran ablesen? Was lässt sich daran ableiten für eine verantwortungsbewusste künstlerische Darstellung und Thematisierung von trans*Lebenswelten? Dabei ist die Frage nach den materiellen Auswirkungen künstlerischer Repräsentation zentral.

 

 

Mine Pleasure Bouvar (sie*/they) studierte irgendwas mit Kulturwissenschaften in Hildesheim, arbeitete in der queeren Gesundheitsberatung, ist DJ* und freiberuflich als machtkritische, politische Bildner*in tätig. Ihre* Schwerpunktthemen sind trans*Feindlichkeit, trans*Misogynie und Faschismusstudien. Als queer-kommunistische AKtivist*in graswurzelt sie außerdem daran, das Cistem zu unterwandern.

Theater umdenken

Workshop mit Christina Schelhas mit Unterstützung der Performerinnen Corinna Wolters, Samira Lüke und Assistenzhündin Hilda

 

Theater umdenken: Wie können barrierefreie Maßnahmen Teil einer Inszenierung werden?

 

Was bedeutet Theatermachen für ein diverses Publikum? Der Workshop bietet einen Überblick über verschiedene barrierefreie Maßnahmen für ein Kinder- und Jugendtheater mit Beeinträchtigungen. Was braucht es aus Zuschauendenperspektive, um eine Inszenierungen oder Installationen zugänglich zu machen? Durch den Fokus auf Kleingruppenarbeit haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, barrierefreie Maßnahmen detailliert zu erkunden und zu verstehen, welche Herausforderungen und Lösungen es gibt, um Theater für alle erlebbar zu machen. Darunter fallen Maßnahmen wie Einführungen und Nachgespräche, Gebärdensprachübersetzungen, Über- und Untertitel, Relaxed Performances, Audiodeskription und Leichte Sprache. Thematisiert wird, wie Barrierefreiheit strukturiert geplant und umgesetzt werden kann und wie und ob sie als ästhetisches Stilmittel (Aesthetics of Access) von Beginn an in den Entstehungsprozess integriert und Teil der Inszenierung werden kann.

 

 

Christina Schelhas studierte Szenische Künste an der Universität Hildesheim und Regie an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg. Als DAAD-Stipendiatin schloss sie den Masterstudiengang Text and Performance an der Royal Academy of Dramatic Arts in London ab. Seit 2015 ist sie als freischaffende Regisseurin, Performerin und Kuratorin tätig. Schelhas inszenierte unter anderem am Theater Bonn, Stadttheater Ingolstadt, Theater Marabu, Schaubude Berlin und Theater Münster. Ihre Inszenierungen wurden für das Spielarten Festival in Nordrhein-Westfalen, für die Reihe Junges Theater des NRW Kultursekretariats ausgewählt und zum Favoriten Festival 2022 eingeladen. Seit 2021 ist sie als Projektleiterin und Kuratorin für die inklusiven Theaterfestivals (NO LIMITS, Grenzenlos Kultur, Mittenmang, Alles Muss Raus! und boulevART) der Lebenshilfe Kunst und Kultur gGmbH tätig.

Zugänglichkeit

Die Veranstaltung wird von Gebärdensprachdolmetscher*innen begleitet. Eine FM-Anlage ist vorhanden und Assistenzhunde sind willkommen. Es sind rollstuhlgerechte WC-Möglichkeiten und Zugänge vorhanden. Die Theatervorstellung in unserem Studio (Sa 2.3.2024, 9.30 Uhr) ist derzeit leider nur über Stufen erreichbar. Es findet parallel ein Angebot in barrierefreien Räumlichkeiten statt.

Gefördert im Rahmen von NEUE WEGE vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit dem KULTURsekretariat.