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DIE EREIGNISSE

Schauspiel von David Greig

Deutsche Erstaufführung
  • Regine Andratschke, Chor, Bàlint Tòth — © Oliver Berg
    Regine Andratschke, Chor, Bàlint Tòth
    © Oliver Berg
  • Regine Andratschke, Bàlint Tòth — © Oliver Berg
    Regine Andratschke, Bàlint Tòth
    © Oliver Berg
  • Regine Andratschke — © Oliver Berg
    Regine Andratschke
    © Oliver Berg
  • Regine Andratschke, Bàlint Tòth — © Oliver Berg
    Regine Andratschke, Bàlint Tòth
    © Oliver Berg
  • Bàlint Tòth — © Oliver Berg
    Bàlint Tòth
    © Oliver Berg
  • Regine Andratschke, Bàlint Tòth — © Oliver Berg
    Regine Andratschke, Bàlint Tòth
    © Oliver Berg
  • Regine Andratschke, Chor — © Oliver Berg
    Regine Andratschke, Chor
    © Oliver Berg
  • Regine Andratschke, Chor — © Oliver Berg
    Regine Andratschke, Chor
    © Oliver Berg
  • Regine Andratschke, Bàlint Tòth — © Oliver Berg
    Regine Andratschke, Bàlint Tòth
    © Oliver Berg
  • Regine Andratschke — © Oliver Berg
    Regine Andratschke
    © Oliver Berg
  • Bàlint Tòth — © Oliver Berg
    Bàlint Tòth
    © Oliver Berg
  • Regine Andratschke — © Oliver Berg
    Regine Andratschke
    © Oliver Berg

Ich würde doch denken, dass ich unter den gegebenen Umständen Anspruch auf göttlichen Besuch hätte.

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

Claire hat einen Chor geleitet, einen Chor mit Menschen der verschiedensten Hautfarben und Herkunftsorte, eine multikulturelle Gemeinschaft. Claires Chor existiert nicht mehr: Ein jugendlicher Amokläufer hat ihn ausgelöscht. Claire überlebt. Wie aber soll sie weiter leben mit ihren Schuldgefühlen, dem Einbruch des Bösen in ihre Welt? Immer wieder durchlebt sie den Tag des Anschlags, geradezu besessen versucht die gläubige Christin Claire zu begreifen, was den Jungen angetrieben hat, unbedingt will sie vergeben können. Doch alle Menschen, mit denen sie spricht, nehmen die Gestalt des Jungen an, quälerisch geistert er durch ihre Phantasie. Eine Zukunft scheint für Claire kaum denkbar, so monströs ist die Tat, so unbegreiflich die fundamentale Ablehnung einer liberalen, offenen Gesellschaft …

Der schottische Autor David Greig nahm den Amoklauf von Anders Breivik in Norwegen zum Anlass, ein berührendes Stück für eine Schauspielerin und einen Schauspieler zu schreiben – und für einen Chor. In jeder Aufführung wird ein Münsteraner Chor auf der Bühne stehen und damit für die Utopie einer Gemeinschaft, die mit der Kraft der Musik Unterschiede, Aggressionen und Vorurteile aufzulösen vermag. DIE EREIGNISSE ist angesichts zunehmenden Rechtspopulismus’ in Zeiten von Flüchtlingsnot und Ressentiments gegen die Vielfältigkeit unserer Gesellschaft von beklemmender Aktualität.

Aufführungsdauer ca. 90 Minuten, keine Pause

Info

Claire hat einen Chor geleitet, einen Chor mit Menschen der verschiedensten Hautfarben und Herkunftsorte, eine multikulturelle Gemeinschaft. Claires Chor existiert nicht mehr: Ein jugendlicher Amokläufer hat ihn ausgelöscht. Claire überlebt. Wie aber soll sie weiter leben mit ihren Schuldgefühlen, dem Einbruch des Bösen in ihre Welt? Immer wieder durchlebt sie den Tag des Anschlags, geradezu besessen versucht die gläubige Christin Claire zu begreifen, was den Jungen angetrieben hat, unbedingt will sie vergeben können. Doch alle Menschen, mit denen sie spricht, nehmen die Gestalt des Jungen an, quälerisch geistert er durch ihre Phantasie. Eine Zukunft scheint für Claire kaum denkbar, so monströs ist die Tat, so unbegreiflich die fundamentale Ablehnung einer liberalen, offenen Gesellschaft …

Der schottische Autor David Greig nahm den Amoklauf von Anders Breivik in Norwegen zum Anlass, ein berührendes Stück für eine Schauspielerin und einen Schauspieler zu schreiben – und für einen Chor. In jeder Aufführung wird ein Münsteraner Chor auf der Bühne stehen und damit für die Utopie einer Gemeinschaft, die mit der Kraft der Musik Unterschiede, Aggressionen und Vorurteile aufzulösen vermag. DIE EREIGNISSE ist angesichts zunehmenden Rechtspopulismus’ in Zeiten von Flüchtlingsnot und Ressentiments gegen die Vielfältigkeit unserer Gesellschaft von beklemmender Aktualität.

Aufführungsdauer ca. 90 Minuten, keine Pause

Leitung

Inszenierung Frederik Tidén

Bühne & Kostüme Claudia Irro

Dramaturgie Michael Letmathe


Besetzung

Claire Regine Andratschke

Der Junge Bálint Tóth

In jeder Vorstellung tritt ein Chor aus Münster auf:
4.9.
Never Complete Again / Alien Riders
11.9. Pauluschor
19.9. Kirchenchöre Tecklenburg / Lengerich
8.10. JOY Jugendchor
23.10. Swinging Voices of bad Girls
5.11. Projektchor Heilig Kreuz
29.11. ChorZeit
2.12. Swinging Voices / Pauluschor

Besetzung

Leitung

Inszenierung Frederik Tidén

Bühne & Kostüme Claudia Irro

Dramaturgie Michael Letmathe


Besetzung

Claire Regine Andratschke

Der Junge Bálint Tóth


In jeder Vorstellung tritt ein Chor aus Münster auf:
4.9.
Never Complete Again / Alien Riders
11.9. Pauluschor
19.9. Kirchenchöre Tecklenburg / Lengerich
8.10. JOY Jugendchor
23.10. Swinging Voices of bad Girls
5.11. Projektchor Heilig Kreuz
29.11. ChorZeit
2.12. Swinging Voices / Pauluschor

David Greigs "Die Ereignisse", vor knapp zwei Jahren am Wiener Schauspielhaus erstmals auf Deutsch aufgeführt und im letzten Jahr immerhin mit dem Nestroy-Preis für das beste neue Stück ausgezeichnet, hat das Publikum in Münster begeistert. Greigs Wunsch entsprechend, wird der Chor wechselnd besetzt werden, so dass jeder Abend neu akzentuiert sein wird. Der Chor bei der Premiere (im Kern der Hobby-Chor Alien Riders) hatte offensichtlich viele Freunde mitgebracht, so dass die Begeisterung nicht wirklich überraschte. Doch auch Regisseur Frederik Tidén und Claudia Irro (Bühne und Kostüme) erhielten viel Applaus – und vor allem Regine Andratschke als Claire und Bálint Tóth (als Claires jeweiliger Gesprächspartner).

[...] Andratschke dekliniert die psychische Versehrtheit der durch den Amoklauf verstörten Claire regelrecht durch. Das vermag sie, indem ihr verschiedene Figuren gegenübergestellt werden, was ihr die Möglichkeit gibt, ganz unterschiedliche Facetten von Claires Innerem zu zeigen. Tóth unterstützt sie dabei, indem er durch leichte Veränderungen in der Körperhaltung oder der Sprache von Figur zu Figur wechselt.

[...] nicht nur das Spiel der beiden Schauspieler überzeugt, sondern auch das Bühnenbild. Irro hat zwei silbern gestrichene Wände aufstellen lassen, die nach hinten aufeinander zulaufen und nur noch einen schmalen Ausgang bieten. An den Wänden befestigt sind unzählige Grablichter, Teddybären, Blumensträuße in Folie und leere Bilderrahmen – kein Friedhof der Kuscheltiere, sondern eine Erinnerung an die Vorplätze von Orten, an denen sich Amokläufe ereignet haben und an denen die Angehörigen und Nahestehenden hilflos versuchen, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen.

Kai Bremer, nachtkritik.de, 5. September 2015

 

Regisseur Frederik Tidén legt den Fokus des Stücks, das für zwei Schauspieler und einen Chor geschrieben ist, auf die psychologisch zwanghafte Verbundenheit des Opfers zum Täter. Der münsterische Laien-Chor (in jeder Vorstellung steht ein anderer auf der Bühne), quasi Sprachrohr der Gesellschaft, sorgt durch seine Lieder für sakrale, melancholische Atmosphäre und steht auch mal stumm, wie zur Erinnerung auf der Bühne. Die Dialoge spielen sich vor allem zwischen Regine Andratschke alias Claire und dem jungen Bálint Tóth ab. Dass letzterer neben der Rolle des Attentäters weitere Charaktere verkörpert – den alkoholsüchtigen Vater, einen rechtspopulistischen Parteigenossen, Claires Psychiater, sogar ihre Geliebte – ist mitunter irritierend, macht aber eine Stärke der Inszenierung aus, denn natürlich kann das Drama keine schlüssigen Antworten liefern.

Die Figur des Amokläufers bleibt in der Schwebe, auch wenn der wandlungsfähige Bálint Tóth Hinweise bietet als er hilflos-stotternd auf der Bühne steht, ein Häufchen Elend, das Schutz unter einer Fellmaske findet. Ein Berserker ist er dann, gefährlich-ruhig und unberechenbar, auf der Suche nach Macht und Ruhm. Claire presst er die Maske mit Gewalt auf, später kriecht sie freiwillig unter seinen Pulli: „Wie kann ich ihn hassen, wenn ich ihn nicht verstehe?“ ist ein zentraler Satz, der lange nachwirkt.

[...] Unter Tidéns Regie gelingen eindrucksvolle Szenen, etwa, wenn sich Claire in Schamanismus flüchtet und dabei durch einen Hexenschuss voll ausgebremst wird – ein Moment zwischen Lachen und Weinen, der ihr Elend umso plastischer macht. Berührend auch der Alptraum am Schluss, als die Frau glaubt, den Attentäter vergiftet zu haben und zum ersten Mal ein Hauch von Glück spürbar wird. Doch der Mörder steht immer wieder auf, Claire wird ihn einfach nicht los. Ein starkes Stück.  

Isabell Steinböck, Die Deutsche Bühne, 7. September 2015

 

Regisseur Frederik Tidén hat für die deutsche Erstaufführung in Münsters Kleinem Haus das Verwirrspiel des Autors konsequent zugespitzt. Man muss dem Jungen im Schlabberpulli genau zuhören, um zu erkennen, ob gerade ein Priester, ein Psychologe oder ein Parteibonze spricht. Nur den Attentäter, der von seinem frühen Wunsch faselt, ein „Berserker“ zu werden, darf Schauspieler Bálint Tóth drastisch von den anderen Figuren abheben: Der verhaspelt sich beim Sprechen und kratzt an seinem Körper herum wie ein von Zwängen Gepeinigter. Später, im Zusammenhang mit schamanischen Ritualen und archaischen Natur-Visionen, wuselt er als Fuchs oder Wolf über die Bühne, wozu geheimnisvolle Klänge von Bedrohung künden.

Regine Andratschke steht als Claire diesen Verwirrungen, wie sie sich im Kopf der Heldin abspielen mögen, mit zunehmend spürbarer Irritation gegenüber. Und genau darin liegt die eigentliche Stärke von Stück und Inszenierung: Sie liefern der Heldin und den Zuschauern zwar viele Argumente, mit denen Claire die schwere Kindheit des Täters oder seine sexuelle und politische Desorientierung erforschen kann – aber sie zeigen zugleich, wie begrenzt solche Informationen sind, um die Ereignisse begreifbar zu machen

Die Irritationen, denen Claire begegnet, sind auch für den Zuhörer schmerzhaft: So distanziert sich ein Rechts-Politiker wortreich vom Attentäter, um sich gleich darauf mit schneidenden Argumenten zum Rassismus zu bekennen. Und als Claire den Täter in seiner Zelle in Stuttgart-Stammheim aufsucht (womit klar ist, dass es nicht nur um den realen Breivik geht), scheint der Giftmord an ihm ihre Probleme zu lösen. Woraus Tidén die stärkste Szene entwickelt: Wieder und wieder bricht der Vergiftete zuckend zusammen, kehrt dann aber in Claires Bewusstsein zurück, ehe sich die Szene als Albtraum-Vision entpuppt. Ein Theaterbild, das stärker als alle Argumente zeigt, wie sinnlos Rache ist.

Aus dem Chor, der in jeder Aufführung wechselt, unterstützen Stichwortgeber die Schauspieler, denen Regisseur Tidén die Lizenz zu extrovertiertem Spiel gibt. Beide nutzen sie überzeugend, nur gelegentlich (auch beim Gebrauch einer Maske) geht das zu Lasten der Deutlichkeit. Bühnenbildnerin Claudia Irro versucht erst gar nicht, Räume für die einzelnen Handlungsstationen zu finden, sondern schafft mit zwei silbrigen Trauermauern, auf denen sich Stofftiere, verblichene Kinderbilder und Grablichter finden, ein starkes Bild für das Leid, das Attentäter anrichten. So stark wie die ganze Aufführung.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 7. September 2015

Presse

David Greigs "Die Ereignisse", vor knapp zwei Jahren am Wiener Schauspielhaus erstmals auf Deutsch aufgeführt und im letzten Jahr immerhin mit dem Nestroy-Preis für das beste neue Stück ausgezeichnet, hat das Publikum in Münster begeistert. Greigs Wunsch entsprechend, wird der Chor wechselnd besetzt werden, so dass jeder Abend neu akzentuiert sein wird. Der Chor bei der Premiere (im Kern der Hobby-Chor Alien Riders) hatte offensichtlich viele Freunde mitgebracht, so dass die Begeisterung nicht wirklich überraschte. Doch auch Regisseur Frederik Tidén und Claudia Irro (Bühne und Kostüme) erhielten viel Applaus – und vor allem Regine Andratschke als Claire und Bálint Tóth (als Claires jeweiliger Gesprächspartner).

[...] Andratschke dekliniert die psychische Versehrtheit der durch den Amoklauf verstörten Claire regelrecht durch. Das vermag sie, indem ihr verschiedene Figuren gegenübergestellt werden, was ihr die Möglichkeit gibt, ganz unterschiedliche Facetten von Claires Innerem zu zeigen. Tóth unterstützt sie dabei, indem er durch leichte Veränderungen in der Körperhaltung oder der Sprache von Figur zu Figur wechselt.

[...] nicht nur das Spiel der beiden Schauspieler überzeugt, sondern auch das Bühnenbild. Irro hat zwei silbern gestrichene Wände aufstellen lassen, die nach hinten aufeinander zulaufen und nur noch einen schmalen Ausgang bieten. An den Wänden befestigt sind unzählige Grablichter, Teddybären, Blumensträuße in Folie und leere Bilderrahmen – kein Friedhof der Kuscheltiere, sondern eine Erinnerung an die Vorplätze von Orten, an denen sich Amokläufe ereignet haben und an denen die Angehörigen und Nahestehenden hilflos versuchen, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen.

Kai Bremer, nachtkritik.de, 5. September 2015

 

Regisseur Frederik Tidén legt den Fokus des Stücks, das für zwei Schauspieler und einen Chor geschrieben ist, auf die psychologisch zwanghafte Verbundenheit des Opfers zum Täter. Der münsterische Laien-Chor (in jeder Vorstellung steht ein anderer auf der Bühne), quasi Sprachrohr der Gesellschaft, sorgt durch seine Lieder für sakrale, melancholische Atmosphäre und steht auch mal stumm, wie zur Erinnerung auf der Bühne. Die Dialoge spielen sich vor allem zwischen Regine Andratschke alias Claire und dem jungen Bálint Tóth ab. Dass letzterer neben der Rolle des Attentäters weitere Charaktere verkörpert – den alkoholsüchtigen Vater, einen rechtspopulistischen Parteigenossen, Claires Psychiater, sogar ihre Geliebte – ist mitunter irritierend, macht aber eine Stärke der Inszenierung aus, denn natürlich kann das Drama keine schlüssigen Antworten liefern.

Die Figur des Amokläufers bleibt in der Schwebe, auch wenn der wandlungsfähige Bálint Tóth Hinweise bietet als er hilflos-stotternd auf der Bühne steht, ein Häufchen Elend, das Schutz unter einer Fellmaske findet. Ein Berserker ist er dann, gefährlich-ruhig und unberechenbar, auf der Suche nach Macht und Ruhm. Claire presst er die Maske mit Gewalt auf, später kriecht sie freiwillig unter seinen Pulli: „Wie kann ich ihn hassen, wenn ich ihn nicht verstehe?“ ist ein zentraler Satz, der lange nachwirkt.

[...] Unter Tidéns Regie gelingen eindrucksvolle Szenen, etwa, wenn sich Claire in Schamanismus flüchtet und dabei durch einen Hexenschuss voll ausgebremst wird – ein Moment zwischen Lachen und Weinen, der ihr Elend umso plastischer macht. Berührend auch der Alptraum am Schluss, als die Frau glaubt, den Attentäter vergiftet zu haben und zum ersten Mal ein Hauch von Glück spürbar wird. Doch der Mörder steht immer wieder auf, Claire wird ihn einfach nicht los. Ein starkes Stück.  

Isabell Steinböck, Die Deutsche Bühne, 7. September 2015

 

Regisseur Frederik Tidén hat für die deutsche Erstaufführung in Münsters Kleinem Haus das Verwirrspiel des Autors konsequent zugespitzt. Man muss dem Jungen im Schlabberpulli genau zuhören, um zu erkennen, ob gerade ein Priester, ein Psychologe oder ein Parteibonze spricht. Nur den Attentäter, der von seinem frühen Wunsch faselt, ein „Berserker“ zu werden, darf Schauspieler Bálint Tóth drastisch von den anderen Figuren abheben: Der verhaspelt sich beim Sprechen und kratzt an seinem Körper herum wie ein von Zwängen Gepeinigter. Später, im Zusammenhang mit schamanischen Ritualen und archaischen Natur-Visionen, wuselt er als Fuchs oder Wolf über die Bühne, wozu geheimnisvolle Klänge von Bedrohung künden.

Regine Andratschke steht als Claire diesen Verwirrungen, wie sie sich im Kopf der Heldin abspielen mögen, mit zunehmend spürbarer Irritation gegenüber. Und genau darin liegt die eigentliche Stärke von Stück und Inszenierung: Sie liefern der Heldin und den Zuschauern zwar viele Argumente, mit denen Claire die schwere Kindheit des Täters oder seine sexuelle und politische Desorientierung erforschen kann – aber sie zeigen zugleich, wie begrenzt solche Informationen sind, um die Ereignisse begreifbar zu machen

Die Irritationen, denen Claire begegnet, sind auch für den Zuhörer schmerzhaft: So distanziert sich ein Rechts-Politiker wortreich vom Attentäter, um sich gleich darauf mit schneidenden Argumenten zum Rassismus zu bekennen. Und als Claire den Täter in seiner Zelle in Stuttgart-Stammheim aufsucht (womit klar ist, dass es nicht nur um den realen Breivik geht), scheint der Giftmord an ihm ihre Probleme zu lösen. Woraus Tidén die stärkste Szene entwickelt: Wieder und wieder bricht der Vergiftete zuckend zusammen, kehrt dann aber in Claires Bewusstsein zurück, ehe sich die Szene als Albtraum-Vision entpuppt. Ein Theaterbild, das stärker als alle Argumente zeigt, wie sinnlos Rache ist.

Aus dem Chor, der in jeder Aufführung wechselt, unterstützen Stichwortgeber die Schauspieler, denen Regisseur Tidén die Lizenz zu extrovertiertem Spiel gibt. Beide nutzen sie überzeugend, nur gelegentlich (auch beim Gebrauch einer Maske) geht das zu Lasten der Deutlichkeit. Bühnenbildnerin Claudia Irro versucht erst gar nicht, Räume für die einzelnen Handlungsstationen zu finden, sondern schafft mit zwei silbrigen Trauermauern, auf denen sich Stofftiere, verblichene Kinderbilder und Grablichter finden, ein starkes Bild für das Leid, das Attentäter anrichten. So stark wie die ganze Aufführung.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 7. September 2015


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