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DER STELLVERTRETER

Ein christliches Trauerspiel von Rolf Hochhuth

  • Daniel Rothaug, Gerhard Mohr — © Oliver Berg
    Daniel Rothaug, Gerhard Mohr
    © Oliver Berg
  • Matthias Caspari, Daniel Rothaug, Mark Oliver Bögel — © Oliver Berg
    Matthias Caspari, Daniel Rothaug, Mark Oliver Bögel
    © Oliver Berg
  • Mark Oliver Bögel, Matthias Caspari — © Oliver Berg
    Mark Oliver Bögel, Matthias Caspari
    © Oliver Berg
  • Aurel Bereuter, Mark Oliver Bögel — © Oliver Berg
    Aurel Bereuter, Mark Oliver Bögel
    © Oliver Berg
  • Daniel Rothaug — © Oliver Berg
    Daniel Rothaug
    © Oliver Berg
  • Daniel Rothaug, Aurel Bereuter — © Oliver Berg
    Daniel Rothaug, Aurel Bereuter
    © Oliver Berg
  • Mark Oliver Bögel, Gerhard Mohr, Aurel Bereuter, Matthias Caspari, Daniel Rothaug, Christoph Rinke — © Oliver Berg
    Mark Oliver Bögel, Gerhard Mohr, Aurel Bereuter, Matthias Caspari, Daniel Rothaug, Christoph Rinke
    © Oliver Berg
  • Christoph Rinke, Matthias Caspari, Gerhard Mohr — © Oliver Berg
    Christoph Rinke, Matthias Caspari, Gerhard Mohr
    © Oliver Berg
  • Gerhard Mohr, Daniel Rothaug — © Oliver Berg
    Gerhard Mohr, Daniel Rothaug
    © Oliver Berg
  • Gerhard Mohr, Mark Oliver Bögel, Daniel Rothaug — © Oliver Berg
    Gerhard Mohr, Mark Oliver Bögel, Daniel Rothaug
    © Oliver Berg
  • Daniel Rothaug, Christoph Rinke — © Oliver Berg
    Daniel Rothaug, Christoph Rinke
    © Oliver Berg

Wo wäre denn die Kirche, meine Herren, hätt’ sie dem Pöbel nicht im Mittelalter die Scheiterhaufen angezündet: etwas bieten muss man dem Volk!

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

Es ist das Jahr 1944, in ganz Europa werden Juden deportiert und in den Vernichtungslagern im Osten ermordet. Der junge Jesuitenpater Riccardo Fontana ist überzeugt, dass einzig eine Stellungnahme des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche die Autorität entfalten kann, das Unrecht zu stoppen. Fontana wird als Fanatiker verhöhnt, und weil er seinem Glauben nicht abschwört, endet er im Feuer. Kurt Gerstein, SS-Mann und gläubiger Christ, ist ebenfalls davon überzeugt, dass der Mensch das Gute tut, wenn er um die Wahrheit weiß. Er arbeitet für das Regime, aber schmuggelt Informationen ins Ausland. Doch Gersteins Wahrheit ist längst bekannt und niemand handelt. Die Stellungnahme des Papstes kommt nie.

Rolf Hochhuths dramatischer Erstling, Dokumentarstück und Geschichtsdrama, löste bei der Uraufführung 1963 eine Kontroverse aus, die immer noch andauert: Hätte der Papst durch Protest dem Holocaust Einhalt gebieten können? Wäre eine entschiedene Haltung nicht christliche Pflicht gewesen? Und: Wie kann man einen gnädigen Gott predigen und das Böse auf Erden geschehen lassen? DER STELLVERTRETER, das umstrittene Schauspiel des Jahrhunderts, erzählt mit frischer Wut und eindringlicher Schärfe von der Verantwortung des Einzelnen und der großen Aufgabe, im politischen Ringen um Macht und Einfluss den Blick für das Wesentliche, die Menschlichkeit, nicht zu verlieren.

Aufführungsdauer ca. 100 Minuten, keine Pause

Info

Es ist das Jahr 1944, in ganz Europa werden Juden deportiert und in den Vernichtungslagern im Osten ermordet. Der junge Jesuitenpater Riccardo Fontana ist überzeugt, dass einzig eine Stellungnahme des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche die Autorität entfalten kann, das Unrecht zu stoppen. Fontana wird als Fanatiker verhöhnt, und weil er seinem Glauben nicht abschwört, endet er im Feuer. Kurt Gerstein, SS-Mann und gläubiger Christ, ist ebenfalls davon überzeugt, dass der Mensch das Gute tut, wenn er um die Wahrheit weiß. Er arbeitet für das Regime, aber schmuggelt Informationen ins Ausland. Doch Gersteins Wahrheit ist längst bekannt und niemand handelt. Die Stellungnahme des Papstes kommt nie.

Rolf Hochhuths dramatischer Erstling, Dokumentarstück und Geschichtsdrama, löste bei der Uraufführung 1963 eine Kontroverse aus, die immer noch andauert: Hätte der Papst durch Protest dem Holocaust Einhalt gebieten können? Wäre eine entschiedene Haltung nicht christliche Pflicht gewesen? Und: Wie kann man einen gnädigen Gott predigen und das Böse auf Erden geschehen lassen? DER STELLVERTRETER, das umstrittene Schauspiel des Jahrhunderts, erzählt mit frischer Wut und eindringlicher Schärfe von der Verantwortung des Einzelnen und der großen Aufgabe, im politischen Ringen um Macht und Einfluss den Blick für das Wesentliche, die Menschlichkeit, nicht zu verlieren.

Aufführungsdauer ca. 100 Minuten, keine Pause

Leitung

Inszenierung Kathrin Mädler

Bühne & Kostüme

Dramaturgie Barbara Schöneberger


Besetzung

Papst Pius XII. / Baron Rutta / Graf Fontana Gerhard Mohr

Pater Riccardo Fontana SJ / Leutnant von Rutta Daniel Rothaug

Der Doktor Christoph Rinke

Kurt Gerstein Aurel Bereuter

Der Apostolische Nuntius / Prof. Hirt / Kardinal / Salzer Mark Oliver Bögel

Eichmann / Ein Ordensgeneral / Witzel Matthias Caspari

Besetzung

Leitung

Inszenierung Kathrin Mädler

Bühne & Kostüme

Dramaturgie Barbara Schöneberger


Besetzung

Papst Pius XII. / Baron Rutta / Graf Fontana Gerhard Mohr

Pater Riccardo Fontana SJ / Leutnant von Rutta Daniel Rothaug

Der Doktor Christoph Rinke

Kurt Gerstein Aurel Bereuter

Der Apostolische Nuntius / Prof. Hirt / Kardinal / Salzer Mark Oliver Bögel

Eichmann / Ein Ordensgeneral / Witzel Matthias Caspari


Kathrin Mädler, Dramaturgin als Regisseurin, hat die Stückvorlage sehr geschickt eingekürzt und verhandelt wird mit geradezu schillerscher Emphase des Denkens: Zivilcourage vs. Staatsraison. [...] Möglichst kurze, klar gebaute, streng choreografierte, durch Blackouts getrennte Szenen werden sachlich gereiht – in einem kantig sterilen Bunkerbühnenbild (Ausstattung: Frank Albert), das auch ein leergeräumtes Wohnzimmer im modernen Betondesign oder eine Kellerkirche darstellen könnte. [...] Dank dieser präzisierenden Digest-Fassung der hochuthschen Wortschwälle, die auch den Tribunalcharakter mildert, und mit der formal gebändigten, emotional aber punktuell hochkochenden Inszenierung erweist sich das Werk als gut spielbares Thesentheater über Macht und Verantwortung. Begeisterte Zustimmung für alle – auch für den anwesenden Autor.

Jens Fischer, Die Deutsche Bühne online, 4. März 2016

 

Es ist pure Beklommenheit, die sich nach 100 Minuten beim Publikum im Kleinen Haus des Theaters Münster in die Stuhlreihen schleicht. Das ist angesichts des abgrundtief Bösen, das hier geschildert wird und das Chiffren wie »Holocaust« oder »Auschwitz« nur unzulänglich beschreiben, verständlich. Erst nach und nach setzt sich stürmischer Applaus für das überzeugende Schauspiel-Ensemble durch. Verstärkt dadurch, dass Rolf Hochhuth, der bald 85 Jahre alte Autor des »Christlichen Trauerspiels«, im Publikum sitzt und mit den Akteuren auf der Bühne den Applaus entgegennimmt.

Er dürfte zufrieden gewesen sein mit der kammerspielartig verdichteten Fassung von "Der Stellvertreter" in der Regie von Kathrin Mädler. Sie lässt die Akteure in unterschiedlichen Rollen agieren, was die Ambivalenz des Menschen und seine Verführbarkeit zum Bösen zum Ausdruck bringt.

Im Bühnenbild von Frank Albert dominiert eine Treppe, von der die Akteure, seien es die SS-Schergen um Eichmann (Matthias Caspari), die die »Endlösung« debattieren, seien es die Amtsträger in Vatikan und Nuntiatur, von oben herab zu den gequälten Kreaturen auf der Bühnenebene herabsteigen. Hier setzen die Hauptfiguren des Abends, Aurel Bereuter als SS-Obersturmführer Kurt Gerstein und Daniel Rothaug als Jesuit Riccardo Fontana, die spielerischen Akzente. Der eine, überzeugter Christ und höhere SS-Charge, glaubt noch daran, im System des industriellen Mordens eine rettende Schlüsselrolle einnehmen zu können. Der andere entwickelt sich von der smarten klerikalen Karrierehoffnung zum gepeinigten Mahner. Doch weder sein Vater, Graf Rutta (stark: Gerhard Mohr), noch der Nuntius oder gar ein Kurien-Kardinal (Mark Oliver Bögel) lassen sich zu aktiver Krisenintervention erweichen. Über allem schwebt am Ende Papst Pius XII. (nochmals Gerhard Mohr), der sich bei seinem kurzen Auftritt in diplomatischen, wirkungslosen Floskeln verliert. Bei seinem Monolog steht er auf einem Altarblock, der seine absolutistische Entrückung gegenüber der Weltkatastrophe symbolisiert. Regisseurin Kathrin Mädler lässt dazu etwas Schnee von der Decke rieseln, um die Kälte dieses Augenblicks zu unterstreichen.

Überhaupt der Altar: Anfangs wirkt er wie ein Stück NS-Architektur, um das sich die NS-Schergen versammeln. Später dann wird er zum Zufluchtsort Gersteins und Fontanas, die im Kerzenschein beten und flehen. Die mit Abstand stärkste Figur in diesem Trauerspiel aber ist »Der Doktor«, den Christoph Rinke als faustische Gestalt in Lackschuhen, weißen Handschuhen sowie mit schneidender intellektueller Überheblichkeit verkörpert. Wie dieser »Mengele« den Jesuitenpater, der sich als »Stellvertreter« im KZ opfern will, quält und mit ihm angesichts seiner Fließbandmorde die Theodizeefrage, also die Frage nach Gottes Gerechtigkeit im Angesicht des Leids der Welt, zynisch durchdekliniert, das gehört zu den beklemmendsten Minuten dieses großen Theaterabends.

Johannes Loy, Westfälische Nachrichten, 7. März 2016

 

Alle Protagonisten switchen mühelos zwischen ihren Rollen als Nazis und Kleriker hin und her. Hochhuth macht es ihnen da auch nicht allzu schwer: ist die »Uniform« auch verschieden, verhalten sie sich doch gleich. Durchführung des millionenfachen Mordes und dessen Duldung im Namen Gottes sind hier zwei Facetten einer Medaille.

Matthias Caspari glänzt als hilfloser Ordensgeneral, Gerhard Mohr als nichtssagende Belanglosigkeiten herunterleiernder Papst Pius XII. Und Mark Oliver Bögel ist ein derartig glattzüngiger Kardinal, dass einem speiübel wird.

Aurel Bereuter beglaubigt die Seelenqualen des Kurt Gerstein, der SS-Mann und bekennender Christ zugleich ist. Christoph Rinke toppt seinen Urfaust-Mephisto als so unglaublich abgrundtief böser Lagerarzt.

Daniel Rothaug aber schafft eine Meisterleistung als Riccardo. Wenn er seine Priesterkleidung ablegt, sich nackt seinen Peinigern übergibt, legt er seine ganze Seele bloß. Mit zarter, heller, manchmal brechender Stimme ist er nur noch eins: ein geschundener Mensch, für den ein Weiterleben nach Auschwitz nicht mehr möglich ist.

Das Publikum quittiert die Leistung des Teams mit langanhaltendem Beifall, der natürlich auch dem anwesenden Autor gilt.

Thomas Hilgemeier, theaterpur.net, 7. März 2016

 

Regisseurin Kathin Mädler zeigt kein Historiendrama mit Hakenkreuz und Robe, sondern inszeniert das auf rund anderthalb Stunden stark gekürzte Stück mit wenigen Figuren reduziert und analytisch. Sechs überzeugende Schauspieler tragen die Tragödie, die in straffer Regie schlaglichtartig auf die leere Bühne kommt. Alle Figuren tragen Schwarz und agieren im fließenden Übergang: Mal stehen die Spieler als NS-Schergen, mal als Geistliche auf der Bühne. Wirken die Nazis verroht, borniert, mitunter auch grotesk, geben sich die Figuren im Vatikan als arrogante Zyniker, politische Strategen oder hilflose Befehlsempfänger.

Umso stärker der Kontrast zu Pater Fontana, den Nachwuchsdarsteller Daniel Rothaug bezwingend menschlich spielt. Mit dem mutigen Idealismus der Jugend stellt er sich den Mächtigen entgegen, verzweifelt an seiner Unzulänglichkeit, aber lässt sich nicht brechen. Damit gelingt ein leidenschaftliches, letztlich zeitloses Plädoyer für Mitmenschlichkeit und Verantwortung. 

Isabell Steinböck, WDR5, 7. März 2016

Presse

Kathrin Mädler, Dramaturgin als Regisseurin, hat die Stückvorlage sehr geschickt eingekürzt und verhandelt wird mit geradezu schillerscher Emphase des Denkens: Zivilcourage vs. Staatsraison. [...] Möglichst kurze, klar gebaute, streng choreografierte, durch Blackouts getrennte Szenen werden sachlich gereiht – in einem kantig sterilen Bunkerbühnenbild (Ausstattung: Frank Albert), das auch ein leergeräumtes Wohnzimmer im modernen Betondesign oder eine Kellerkirche darstellen könnte. [...] Dank dieser präzisierenden Digest-Fassung der hochuthschen Wortschwälle, die auch den Tribunalcharakter mildert, und mit der formal gebändigten, emotional aber punktuell hochkochenden Inszenierung erweist sich das Werk als gut spielbares Thesentheater über Macht und Verantwortung. Begeisterte Zustimmung für alle – auch für den anwesenden Autor.

Jens Fischer, Die Deutsche Bühne online, 4. März 2016

 

Es ist pure Beklommenheit, die sich nach 100 Minuten beim Publikum im Kleinen Haus des Theaters Münster in die Stuhlreihen schleicht. Das ist angesichts des abgrundtief Bösen, das hier geschildert wird und das Chiffren wie »Holocaust« oder »Auschwitz« nur unzulänglich beschreiben, verständlich. Erst nach und nach setzt sich stürmischer Applaus für das überzeugende Schauspiel-Ensemble durch. Verstärkt dadurch, dass Rolf Hochhuth, der bald 85 Jahre alte Autor des »Christlichen Trauerspiels«, im Publikum sitzt und mit den Akteuren auf der Bühne den Applaus entgegennimmt.

Er dürfte zufrieden gewesen sein mit der kammerspielartig verdichteten Fassung von "Der Stellvertreter" in der Regie von Kathrin Mädler. Sie lässt die Akteure in unterschiedlichen Rollen agieren, was die Ambivalenz des Menschen und seine Verführbarkeit zum Bösen zum Ausdruck bringt.

Im Bühnenbild von Frank Albert dominiert eine Treppe, von der die Akteure, seien es die SS-Schergen um Eichmann (Matthias Caspari), die die »Endlösung« debattieren, seien es die Amtsträger in Vatikan und Nuntiatur, von oben herab zu den gequälten Kreaturen auf der Bühnenebene herabsteigen. Hier setzen die Hauptfiguren des Abends, Aurel Bereuter als SS-Obersturmführer Kurt Gerstein und Daniel Rothaug als Jesuit Riccardo Fontana, die spielerischen Akzente. Der eine, überzeugter Christ und höhere SS-Charge, glaubt noch daran, im System des industriellen Mordens eine rettende Schlüsselrolle einnehmen zu können. Der andere entwickelt sich von der smarten klerikalen Karrierehoffnung zum gepeinigten Mahner. Doch weder sein Vater, Graf Rutta (stark: Gerhard Mohr), noch der Nuntius oder gar ein Kurien-Kardinal (Mark Oliver Bögel) lassen sich zu aktiver Krisenintervention erweichen. Über allem schwebt am Ende Papst Pius XII. (nochmals Gerhard Mohr), der sich bei seinem kurzen Auftritt in diplomatischen, wirkungslosen Floskeln verliert. Bei seinem Monolog steht er auf einem Altarblock, der seine absolutistische Entrückung gegenüber der Weltkatastrophe symbolisiert. Regisseurin Kathrin Mädler lässt dazu etwas Schnee von der Decke rieseln, um die Kälte dieses Augenblicks zu unterstreichen.

Überhaupt der Altar: Anfangs wirkt er wie ein Stück NS-Architektur, um das sich die NS-Schergen versammeln. Später dann wird er zum Zufluchtsort Gersteins und Fontanas, die im Kerzenschein beten und flehen. Die mit Abstand stärkste Figur in diesem Trauerspiel aber ist »Der Doktor«, den Christoph Rinke als faustische Gestalt in Lackschuhen, weißen Handschuhen sowie mit schneidender intellektueller Überheblichkeit verkörpert. Wie dieser »Mengele« den Jesuitenpater, der sich als »Stellvertreter« im KZ opfern will, quält und mit ihm angesichts seiner Fließbandmorde die Theodizeefrage, also die Frage nach Gottes Gerechtigkeit im Angesicht des Leids der Welt, zynisch durchdekliniert, das gehört zu den beklemmendsten Minuten dieses großen Theaterabends.

Johannes Loy, Westfälische Nachrichten, 7. März 2016

 

Alle Protagonisten switchen mühelos zwischen ihren Rollen als Nazis und Kleriker hin und her. Hochhuth macht es ihnen da auch nicht allzu schwer: ist die »Uniform« auch verschieden, verhalten sie sich doch gleich. Durchführung des millionenfachen Mordes und dessen Duldung im Namen Gottes sind hier zwei Facetten einer Medaille.

Matthias Caspari glänzt als hilfloser Ordensgeneral, Gerhard Mohr als nichtssagende Belanglosigkeiten herunterleiernder Papst Pius XII. Und Mark Oliver Bögel ist ein derartig glattzüngiger Kardinal, dass einem speiübel wird.

Aurel Bereuter beglaubigt die Seelenqualen des Kurt Gerstein, der SS-Mann und bekennender Christ zugleich ist. Christoph Rinke toppt seinen Urfaust-Mephisto als so unglaublich abgrundtief böser Lagerarzt.

Daniel Rothaug aber schafft eine Meisterleistung als Riccardo. Wenn er seine Priesterkleidung ablegt, sich nackt seinen Peinigern übergibt, legt er seine ganze Seele bloß. Mit zarter, heller, manchmal brechender Stimme ist er nur noch eins: ein geschundener Mensch, für den ein Weiterleben nach Auschwitz nicht mehr möglich ist.

Das Publikum quittiert die Leistung des Teams mit langanhaltendem Beifall, der natürlich auch dem anwesenden Autor gilt.

Thomas Hilgemeier, theaterpur.net, 7. März 2016

 

Regisseurin Kathin Mädler zeigt kein Historiendrama mit Hakenkreuz und Robe, sondern inszeniert das auf rund anderthalb Stunden stark gekürzte Stück mit wenigen Figuren reduziert und analytisch. Sechs überzeugende Schauspieler tragen die Tragödie, die in straffer Regie schlaglichtartig auf die leere Bühne kommt. Alle Figuren tragen Schwarz und agieren im fließenden Übergang: Mal stehen die Spieler als NS-Schergen, mal als Geistliche auf der Bühne. Wirken die Nazis verroht, borniert, mitunter auch grotesk, geben sich die Figuren im Vatikan als arrogante Zyniker, politische Strategen oder hilflose Befehlsempfänger.

Umso stärker der Kontrast zu Pater Fontana, den Nachwuchsdarsteller Daniel Rothaug bezwingend menschlich spielt. Mit dem mutigen Idealismus der Jugend stellt er sich den Mächtigen entgegen, verzweifelt an seiner Unzulänglichkeit, aber lässt sich nicht brechen. Damit gelingt ein leidenschaftliches, letztlich zeitloses Plädoyer für Mitmenschlichkeit und Verantwortung. 

Isabell Steinböck, WDR5, 7. März 2016


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