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DER REICHSBÜRGER

von Konstantin und Annalena Küspert

Auftragsstück für das Schauspiel Münster
Uraufführung
  • Wilhelm Schlotterer <br />© Oliver Berg
    Wilhelm Schlotterer
    © Oliver Berg
  • Wilhelm Schlotterer <br />© Oliver Berg
    Wilhelm Schlotterer
    © Oliver Berg
  • Wilhelm Schlotterer <br />© Oliver Berg
    Wilhelm Schlotterer
    © Oliver Berg
  • Wilhelm Schlotterer <br />© Oliver Berg
    Wilhelm Schlotterer
    © Oliver Berg
  • Wilhelm Schlotterer <br />© Oliver Berg
    Wilhelm Schlotterer
    © Oliver Berg
  • Wilhelm Schlotterer <br />© Oliver Berg
    Wilhelm Schlotterer
    © Oliver Berg
  • Wilhelm Schlotterer <br />© Oliver Berg
    Wilhelm Schlotterer
    © Oliver Berg
  • Wilhelm Schlotterer <br />© Oliver Berg
    Wilhelm Schlotterer
    © Oliver Berg
  • Wilhelm Schlotterer <br />© Oliver Berg
    Wilhelm Schlotterer
    © Oliver Berg
Do, 14. Juni 2018
19.30 Uhr · U2

Fake, Lügen, Verschwörungstheorien, Paralleluniversen, Manipulation und Propaganda haben in der Politik und in den Medien im 21. Jahrhundert Konjunktur, und das nicht erst seit sich auch Präsidenten von westlichen Nationen diesen Methoden bedienen. »Der Wahnsinn hat Methode« heißt es in Shakespeares Hamlet. Wie kommt es, dass Menschen die Wirklichkeit vollkommen ignorieren und sich in ein Paralleluniversum zurückziehen? Was treibt sie an, die politische und historische Realität vollkommen zu verdrehen? Sind es harmlose Verirrte, die ihre Wohnung oder ihr Haus und Grundstück zum unabhängigen Territorium erklären? Oder Utopisten, die Unabhängigkeitsphantasien radikal ausleben? Verrückte Wutbürger, die sich von Staat und öffentlichen Institutionen betrogen und nicht repräsentiert fühlen?

»Sogenannte Reichsbürger sind ein Sammelbecken für Verschwörungstheoretiker, Rechtsextreme, Holocaust-Leugner und Querulanten. Sie lehnen das Grundgesetz ab und tun so, als bestehe das Deutsche Reich fort. Reichsbürger werden vom Verfassungsschutz beobachtet«, heißt es in einer Stellungnahme des Nordrheinwestfälischen Innenministeriums. Seit ein »Reichsbürger« im vergangenen Jahr in Bayern mit einer Waffe auf einen Polizisten geschossen hat, sind sie in den Fokus der Medien gerückt. Bis zu 12.000 »Reichsbürger« soll es in Deutschland geben …

Konstantin Küspert, aktuell mit dem Publikumspreis der Mühlheimer Theatertage für sein Stück EUROPA VERTEIDIGEN ausgezeichnet, ist einer der avanciertesten Vertreter eines neuen politischen Theaters in Deutschland. Seine Texte kreisen um Fremdenfeindlichkeit, um die Wertegemeinschaft Europa und andere drängende politische Themen. Gemeinsam mit Annalena Küspert, zuletzt am Badischen Staatstheater Karlsruhe als Dramaturgin und stellv. Leiterin des Jungen Staatstheaters tätig, nähert er sich in einer Auftragsarbeit für das Schauspiel Münster unter dem Arbeitstitel DER REICHSBÜRGER diesem irritierenden gesellschaftlichen Phänomen.

 

Aufführungsdauer ca. 70 Minuten, keine Pause

 

Wir danken der Gesellschaft der Musik- und Theaterfreunde Münsters und des Münsterlandes e.V. für die großzügige finanzielle Unterstützung dieser Produktion.

Info

Fake, Lügen, Verschwörungstheorien, Paralleluniversen, Manipulation und Propaganda haben in der Politik und in den Medien im 21. Jahrhundert Konjunktur, und das nicht erst seit sich auch Präsidenten von westlichen Nationen diesen Methoden bedienen. »Der Wahnsinn hat Methode« heißt es in Shakespeares Hamlet. Wie kommt es, dass Menschen die Wirklichkeit vollkommen ignorieren und sich in ein Paralleluniversum zurückziehen? Was treibt sie an, die politische und historische Realität vollkommen zu verdrehen? Sind es harmlose Verirrte, die ihre Wohnung oder ihr Haus und Grundstück zum unabhängigen Territorium erklären? Oder Utopisten, die Unabhängigkeitsphantasien radikal ausleben? Verrückte Wutbürger, die sich von Staat und öffentlichen Institutionen betrogen und nicht repräsentiert fühlen?

»Sogenannte Reichsbürger sind ein Sammelbecken für Verschwörungstheoretiker, Rechtsextreme, Holocaust-Leugner und Querulanten. Sie lehnen das Grundgesetz ab und tun so, als bestehe das Deutsche Reich fort. Reichsbürger werden vom Verfassungsschutz beobachtet«, heißt es in einer Stellungnahme des Nordrheinwestfälischen Innenministeriums. Seit ein »Reichsbürger« im vergangenen Jahr in Bayern mit einer Waffe auf einen Polizisten geschossen hat, sind sie in den Fokus der Medien gerückt. Bis zu 12.000 »Reichsbürger« soll es in Deutschland geben …

Konstantin Küspert, aktuell mit dem Publikumspreis der Mühlheimer Theatertage für sein Stück EUROPA VERTEIDIGEN ausgezeichnet, ist einer der avanciertesten Vertreter eines neuen politischen Theaters in Deutschland. Seine Texte kreisen um Fremdenfeindlichkeit, um die Wertegemeinschaft Europa und andere drängende politische Themen. Gemeinsam mit Annalena Küspert, zuletzt am Badischen Staatstheater Karlsruhe als Dramaturgin und stellv. Leiterin des Jungen Staatstheaters tätig, nähert er sich in einer Auftragsarbeit für das Schauspiel Münster unter dem Arbeitstitel DER REICHSBÜRGER diesem irritierenden gesellschaftlichen Phänomen.

 

Aufführungsdauer ca. 70 Minuten, keine Pause

 

Wir danken der Gesellschaft der Musik- und Theaterfreunde Münsters und des Münsterlandes e.V. für die großzügige finanzielle Unterstützung dieser Produktion.

Leitung

Inszenierung Julia Prechsl

Bühne & Kostüme Sophia Debus

Dramaturgie Frank Behnke / Barbara Schöneberger


Besetzung

Wilhelm Schlotterer

Besetzung

Leitung

Inszenierung Julia Prechsl

Bühne & Kostüme Sophia Debus

Dramaturgie Frank Behnke / Barbara Schöneberger


Besetzung

Wilhelm Schlotterer


 

 Beitrag: »Der Reichsbürger« am Theater Münster in der ARD Mediathek

 Deutschlandfunk Kultur, 10. Februar 2018

 

Lehrreiche, spannende Einführung

[…] Regisseurin Julia Prechsl benötigt eigentlich nur einen Akteur, der bereit ist, sich in die Rolle des Reichsbürgers bedingungslos hinein zu steigern. Den hat sie mit Wilhelm Schlotterer gefunden. Wie der beginnt, harmlos zu plaudern, um sich letztlich als gefährlicher Waffennarr zu outen, das ist erste Sahne.

Absolute Selbstbestimmung wird über Gemeinwohl gestellt und die Fähigkeit, sich in ein Zusammenleben zu integrieren. Dieses extreme Einfordern von Autonomie - bis hin zum eigenverantwortlichen Schusswaffengebrauch - ist sein Credo

Annalena und Konstantin Küspert deklinieren das in ihrem Stück über 80 Minuten bis ins Feinste durch. Sie haben, das ist keine Frage, sich gründlich beschäftigt mit der Ideologie der Reichsbürger. Sie haben deren abstruse Gedankengänge und Rechtfertigungsherleitungen auf das Beste ergründet. Die belegen sie akribisch genau in ihrem Text. Und Wilhelm Schlotterer weiß diese Gedankengänge mit größter Selbstverständlichkeit zu transportieren. »Nichts als leeres Stroh« wird Georg Büchners Hessischer Landbote zitiert. Und genau das ist es, was hängen bleibt beim Publikum. Wirre Gedanken eines Spinners, der in letzter Konsequenz auch bereit ist, Waffengewalt anzuwenden. […] Das wirklich Grauslige an der Ideologie der Reichsbürger deuten die Küsperts aber nur an: rechtsradikale und antisemitische Tendenzen. Und die sind es doch gerade, die das Fürchten lehren. Was herüberkommt, sind die furchtbaren Konsequenzen, die ein einsames sinnentleertes Leben haben kann.

Aber in toto ist der Abend eine lehrreiche, spannende Einführung in die sehr fremd wirkenden Gedankengänge eines Reichsbürgers.

Thomas Hilgemeier, theaterpur.net, 18. Februar 2018

 

Der Verführer

»Der Reichsbürger« heißt das neue Stück, das der Autor Konstantin Küspert mit seiner Frau, der Dramaturgin Annalena Küspert, verfasst hat. Es ist ein Balanceakt, der durchaus kippen könnte. Statt einem weltfremden, rechtsradikalen Idioten zu spielen, führt der Schauspieler Wilhelm Schlotterer sein Publikum selbstironisch und sanft immer tiefer hinein in die Gedankengänge einer skurrilen, aber bedrohlichen rechten Subkultur.

Geschickt setzen Küspert und Küspert genau dort an, wo sich rechts, links und verschwörungstheoretisches Denken treffen. Beim tiefen Unbehagen angesichts der Ungerechtigkeiten im Steuer-, Bildungs- und Gesundheitssystem.

Regisseurin Julia Prechsl lockert die oft zähen Reichsbürger-Halbwahrheiten der 80-Minuten-Show auf, indem sie auf Entertainment setzt. Per Handzeichen fragt Schlotterer ab, wer sich hier selbst – strunznaiv – als frei empfindet. Er lässt eine Zuschauerin als dem Personalausweisgesetz vorlesen [… u]nd er bringt das Publikum dazu, über eine eigene Verfassung abzustimmen […]

Gelegentlich verfällt der nette Reichsbürger von nebenan in rassistische, antisemitische, gewaltverherrlichende Tiraden. Diese überdeutlich gesetzten Stoppschilder zwingen dann zum Bremsen, wenn das verharmlosende Schwärmen über die anarchische Rückeroberung der Souveränität einzuholen droht. Das Perfide an diesem Abend ist ja, dass es keine Identifikationsfigur gibt, außer Schlotterer.

Die Gefahren des Rechtsrucks in Deutschland werden [in diesem Stück] nicht länger in warnendem Ton erklärt. Sie werden offensiv durchgespielt, als Erlebniswelt Neonazismus. Dem verführerischen Irrsinn eine Haltung entgegen zu setzen, bleibt Sache des Betrachters. Im Theater und im Leben sowieso.

Cornelia Fiedler, Süddeutsche Zeitung, 16. Februar 2018

Presse

 

 Beitrag: »Der Reichsbürger« am Theater Münster in der ARD Mediathek

 Deutschlandfunk Kultur, 10. Februar 2018

 

Lehrreiche, spannende Einführung

[…] Regisseurin Julia Prechsl benötigt eigentlich nur einen Akteur, der bereit ist, sich in die Rolle des Reichsbürgers bedingungslos hinein zu steigern. Den hat sie mit Wilhelm Schlotterer gefunden. Wie der beginnt, harmlos zu plaudern, um sich letztlich als gefährlicher Waffennarr zu outen, das ist erste Sahne.

Absolute Selbstbestimmung wird über Gemeinwohl gestellt und die Fähigkeit, sich in ein Zusammenleben zu integrieren. Dieses extreme Einfordern von Autonomie - bis hin zum eigenverantwortlichen Schusswaffengebrauch - ist sein Credo

Annalena und Konstantin Küspert deklinieren das in ihrem Stück über 80 Minuten bis ins Feinste durch. Sie haben, das ist keine Frage, sich gründlich beschäftigt mit der Ideologie der Reichsbürger. Sie haben deren abstruse Gedankengänge und Rechtfertigungsherleitungen auf das Beste ergründet. Die belegen sie akribisch genau in ihrem Text. Und Wilhelm Schlotterer weiß diese Gedankengänge mit größter Selbstverständlichkeit zu transportieren. »Nichts als leeres Stroh« wird Georg Büchners Hessischer Landbote zitiert. Und genau das ist es, was hängen bleibt beim Publikum. Wirre Gedanken eines Spinners, der in letzter Konsequenz auch bereit ist, Waffengewalt anzuwenden. […] Das wirklich Grauslige an der Ideologie der Reichsbürger deuten die Küsperts aber nur an: rechtsradikale und antisemitische Tendenzen. Und die sind es doch gerade, die das Fürchten lehren. Was herüberkommt, sind die furchtbaren Konsequenzen, die ein einsames sinnentleertes Leben haben kann.

Aber in toto ist der Abend eine lehrreiche, spannende Einführung in die sehr fremd wirkenden Gedankengänge eines Reichsbürgers.

Thomas Hilgemeier, theaterpur.net, 18. Februar 2018

 

Der Verführer

»Der Reichsbürger« heißt das neue Stück, das der Autor Konstantin Küspert mit seiner Frau, der Dramaturgin Annalena Küspert, verfasst hat. Es ist ein Balanceakt, der durchaus kippen könnte. Statt einem weltfremden, rechtsradikalen Idioten zu spielen, führt der Schauspieler Wilhelm Schlotterer sein Publikum selbstironisch und sanft immer tiefer hinein in die Gedankengänge einer skurrilen, aber bedrohlichen rechten Subkultur.

Geschickt setzen Küspert und Küspert genau dort an, wo sich rechts, links und verschwörungstheoretisches Denken treffen. Beim tiefen Unbehagen angesichts der Ungerechtigkeiten im Steuer-, Bildungs- und Gesundheitssystem.

Regisseurin Julia Prechsl lockert die oft zähen Reichsbürger-Halbwahrheiten der 80-Minuten-Show auf, indem sie auf Entertainment setzt. Per Handzeichen fragt Schlotterer ab, wer sich hier selbst – strunznaiv – als frei empfindet. Er lässt eine Zuschauerin als dem Personalausweisgesetz vorlesen [… u]nd er bringt das Publikum dazu, über eine eigene Verfassung abzustimmen […]

Gelegentlich verfällt der nette Reichsbürger von nebenan in rassistische, antisemitische, gewaltverherrlichende Tiraden. Diese überdeutlich gesetzten Stoppschilder zwingen dann zum Bremsen, wenn das verharmlosende Schwärmen über die anarchische Rückeroberung der Souveränität einzuholen droht. Das Perfide an diesem Abend ist ja, dass es keine Identifikationsfigur gibt, außer Schlotterer.

Die Gefahren des Rechtsrucks in Deutschland werden [in diesem Stück] nicht länger in warnendem Ton erklärt. Sie werden offensiv durchgespielt, als Erlebniswelt Neonazismus. Dem verführerischen Irrsinn eine Haltung entgegen zu setzen, bleibt Sache des Betrachters. Im Theater und im Leben sowieso.

Cornelia Fiedler, Süddeutsche Zeitung, 16. Februar 2018

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