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DER CONCIERGE

Tanzabend von Felix Landerer

Uraufführung
  • Tommaso Balbo — © Oliver Berg
    Tommaso Balbo
    © Oliver Berg
  • Erik Constantin, Tommaso Balbo, Cornelius Mickel — © Oliver Berg
    Erik Constantin, Tommaso Balbo, Cornelius Mickel
    © Oliver Berg
  • Adam Dembczynski, Tommaso Balbo — © Oliver Berg
    Adam Dembczynski, Tommaso Balbo
    © Oliver Berg
  • Marcelo Moraes, Maria Bayarri Pérez, Erik Constantin — © Oliver Berg
    Marcelo Moraes, Maria Bayarri Pérez, Erik Constantin
    © Oliver Berg
  • Kana Mabuchi — © Oliver Berg
    Kana Mabuchi
    © Oliver Berg
  • Sandra Guénin, Cornelius Mickel, Anna Caviezel, Tommaso Balbo — © Oliver Berg
    Sandra Guénin, Cornelius Mickel, Anna Caviezel, Tommaso Balbo
    © Oliver Berg
  • Anna Caviezel, Marcelo Moraes — © Oliver Berg
    Anna Caviezel, Marcelo Moraes
    © Oliver Berg
  • Adam Dembczynski — © Oliver Berg
    Adam Dembczynski
    © Oliver Berg
  • Ensemble — © Oliver Berg
    Ensemble
    © Oliver Berg
  • Tommaso Balbo, Anna Caviezel — © Jürgen Ilbring
    Tommaso Balbo, Anna Caviezel
    © Jürgen Ilbring
  • Priscilla Fiuza, Adam Dembczynski, Tommaso Balbo, Erik Constantin, Marcelo Moraes — © Jürgen Ilbring
    Priscilla Fiuza, Adam Dembczynski, Tommaso Balbo, Erik Constantin, Marcelo Moraes
    © Jürgen Ilbring
Premiere
Fr, 23. Mai 2014
19.30 · Kleines Haus · Preise D
Premierenabo Kl. Haus

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

Man denkt, was man hätte sein können, wenn man nicht hätte sein müssen, was man ist. Auch in dieser Spielzeit präsentiert das TanzTheaterMünster einen Gastchoreografenabend, um einen Einblick in die Entwicklung und Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes zu bieten. Der international arbeitende und mehrfach ausgezeichnete Choreograf Felix Landerer aus Hannover erarbeitet gemeinsam mit dem Ensemble des TanzTheaterMünster eine neue Kreation.

Wenn wir unser Leben mit all den Sorgen, Hoffnungen und Wünschen an einen Ort verlegen müssten, was für ein Ort würde das sein? Wo könnten all die Sehnsüchte, Ängste, Erfolge und Verluste untergebracht, vielleicht sogar miteinander in Einklang gebracht werden? Der Concierge hat sich für sein Hotel entschieden und ordnet sein Leben ein: in Zimmer, Korridore und Abstellkammern. Er verbirgt, er stellt zur Schau und stößt immer wieder auf Unvereinbarkeiten seiner Gäste, Gäste aus seiner Erinnerung und Gäste aus den unerfüllten Träumen. Es sind Geschöpfe, die er hätte sein können, wenn er nicht der wäre, der er nun mal ist. So ringt er um die Ordnung seiner selbst und stellt fest, dass dieser Ort wild und nicht zu bändigen ist.

In DER CONCIERGE erschafft Felix Landerer einen wundersamen Kosmos, in dem er die Ambivalenz der Figuren in eine humorvoll-poetische wie auch befremdlich-groteske Bewegungssprache übersetzt. »Er gibt den Betrachtern Raum für sehr unterschiedliche Sichtweisen, ohne je beliebig zu werden. … Landerer präsentiert sich inmitten der Tanztheaterbewegung als eine besondere Begabung.« Ulrich Völker, Tanznetz.de

Aufführungsdauer ca. 65 Minuten

 

AUS DER PRESSE:

Felix Landerer zeigt im Theater Münster seinen Tanzabend "Der Concierge". Ein von der Grundstimmung eher düsterer Abend, den der Gast-Choreograf aber mit witzigen Akzenten versieht. Unergründlich, doch sehenswert.

Wie langbeinige Insekten staksen seine Finger über den Tresen der Rezeption. Der Concierge ertastet sich seinen Raum. Die Augen suchen, starren, flackern, in nur winzigen Gesten spiegeln sich Langeweile, Eitelkeit, Unsicherheit. Doch kaum ertönt die Hotel-Empfangsklingel, knipst er ein unerhört feistes Grinsen an, als sei er ein Comic-Männchen.

Nicht nur für diese comedy-reife Nummer erntet Tänzer Tommaso Balbo am Freitagabend im Theater Münster viel Applaus und Gelächter. Er verkörpert sie glänzend, die schillernde Figur des Chefportiers: In der einen Sekunde selbstgefällig und überheblich, in der anderen devot und duckmäuserisch. Er kreischt und kotzt hinter dem Tresen, um dann buhlend in übergroßer Geste die Arme für die Gäste auszubreiten. Doch nur eine kleine Kopfbewegung reicht, um die Angestellten zu scheuchen.

Gastchoreograf Felix Landerer erzählt eine unergründliche, aber sehenswerte Geschichte von Menschen im Hotel. Der Tanzabend „Der Concierge“, der im Kleinen Haus Premiere hatte, erinnert durchaus an Vicki Baums großen Roman „Menschen im Hotel“ aus dem Jahr 1929 – es geht um Einsamkeit, Fremdheit, Verlorensein. Landerer streift seine Hotelgäste allerdings nur mit flüchtigen Blicken, lässt sie rätselhaft in ihrem Dasein und ihren Absichten. In dem markanten Bühnenbild von Till Kuhnert, das sich aus mehreren Kästen zu einem Hotel-Fragment mit Flur, Türen und Rezeption entfaltet, tauchen die Gestalten wie aus dem Nichts auf und verschwinden wieder. Wie das im Hotel so geht. In einem schaurigen Höhepunkt geht das Licht komplett aus und der Concierge huscht mit einer Taschenlampe durch die Flure. Der Lichtkegel erfasst nackte Gestalten, gespenstische Gesichter. Wer sind die Menschen im Hotel wirklich?

Tänzerin Sandra Guénin tastet sich die Wände entlang und bleibt dabei fast unsichtbar, da Muster und Farben ihrer Kleidung mit Tapete und Täfelung verschmelzen. Cornelius Mickel als aufmüpfiger Gast schlüpft wie ein Aal aus den Tiefen der Rezeption. Anna Caviezel im weißen Kleidchen ringt verzweifelt um Aufmerksamkeit. Für Maria Bayarri Pérez wird zwar ein kostbarer Teppich ausgerollt, ihr Tanz erscheint wie ein Hilferuf der Seele – doch auch der bleibt von den anderen ungehört. Kana Mabuchi schließlich taucht als personifizierte Fremde auf: Fahl und geisterhaft mischt sie den Laden auf. Doch sie alle bleiben dem Zuschauer so unzugänglich wie dem Concierge, selbst im Tanz.

Landerer schenkt diesen Figuren eine exzessive, poetische Tanz-Sprache, erzählt ihre Geschichte wie ein Gedicht mit faszinierenden, aber fremden Worten, für die es keine Übersetzung gibt. Doch nicht immer bleibt Landerer so dunkel und vertrackt. Es gibt witzige Klingel-Choreografien und ein satirisches Fahrstuhlmusik-Duell. Und wenn das Pagen-Quartett mit Erik Constantin, Priscilla Fiuza, Adam Dembczynski und Marcelo Moraes ineinandergeschlungen durch den Raum gleitet, wirkt das so leicht und geschmeidig, als seien die vier eine einzige große Bewegung, als gehöre das Hotel nur ihnen allein.

Was den Abend vor allem auszeichnet ist seine Unvorhersehbarkeit. Landerer baut Seh-Erwartungen auf und bricht sie sofort wieder. So inszeniert er beispielsweise einen slapstickhaften Bewegungsablauf, der urplötzlich endet und sich Stück für Stück in Zeitlupe zurückspult – was einmal mehr zeigt, wie präzise die Tänzer hier arbeiten. Selbst die Wiederholung dieses Gags entpuppt sich als originelle Variante.

Ein ebenso unberechenbarer Gefährte des Abends ist die Musik: Christof Littmann hat eine aufwändige, abwechslungsreiche Komposition aus mehreren 100 Klängen und Geräuschen geschaffen. Ein Soundtrack, der sich anfangs wie eine dröhnende Maschine in den Kopf frisst – doch zart ausklingt mit dem exotischen Gesang des Concierge, der sich selbst anscheinend auch fremd geworden ist.

Sabine Müller, Münstersche Zeitung, 26. Mai 2014

 

Menschen im Hotel teilen eine eigenartige Form von Intimität: Während sich die Gäste in fremden Zimmern zu Hause fühlen sollen, herrscht das Personal über ein Interieur, das ihnen ebenso wenig ein Zuhause ist wie den Gästen. Der junge Choreograph Felix Landerer macht aus dieser Situation ein Tanz-Theater-Stück, das mit Elementen der Show und des absurden Theaters spielt.

Landerers Concierge herrscht blind grinsend über das Hotel (Bühne und Kostüme: Till Kuhnert), ein Zaubermeister in einer Jahrmarktbude. Auf einen Fingerzeig von ihm geht die Easy Listening-Musik, die aus einem altmodischen Radio kommt, in Dauerschleife. Hände tauchen aus dem Dunkel auf; wo ein Tänzer verschwunden ist, erscheint ein anderer. Am blauen Plüsch der Tapete drückt sich, auf den zweiten Blick sichtbar, eine Gestalt entlang, die Tarnkleidung trägt wie in Spionage-Parodien: das Oberteil tapetenfarben, die Hose beige wie die „Täfelung“. Es gibt viel zu sehen. Während vorne getanzt wird, geht hinten eine Pantomime weiter.

Die Handlung hat eigentlich keine Richtung, sondern zieht in Sequenzen am Betrachter vorbei. Nach und nach erschließt sich, was er gerade gesehen hat. Landerer spielt auch mit Zeitbegriffen, dehnt Szenen aus oder verlangsamt Tanz auf Zeitlupentempo. Wie ein Puppenballett tauchen Pagen auf, zu einem niedlichen, maschinenhaften Walzer, der sich irgendwann zusammenballt und die Tänzer wie ein Sog in eine rasend schnelle Gruppenchoreografie hineinzieht. Landerers Arbeit passt gut in die Reihe der Werke von Münsters Tanzchef Hans-Henning Paar, der seine Tänzer als Mohnblumen im „Sommernachtstraum“-Rausch gezeigt und im „Schwarzen Garten“ viktorianischen Horror auf die Bühne gebracht hat. Landerer spielt ebenfalls mit Vorstellungen von Realität, aber er macht es noch subtiler.

Viele Szenen leben von absurdem, manchmal comic-haftem Witz. Der Concierge schlägt auf eine Empfangsklingel, und die Pagen tanzen. Kommt ihm jemand zu nahe, „klingelt“ er ihn weg. Ein Klingeln, Gäste kommen aus ihren Zimmern. Ein Klingeln, sie verschwinden wieder. Tänzerisch ist das toll gemacht: Das Stoppen, eingefrorene Bewegungen und umwerfend gemachte „Rückspuleffekte“, in denen die Tänzer nahtlos ihre Bewegungen „rückwärts“ tanzen. Das klappt nur, weil die Truppe sehr gut aufeinander eingestellt ist.

Als störendes Element führt Landerer eine „Fremde“ ein. Kana Mabuchi versucht, den Laden zu übernehmen. Sie spricht ins Leere Japanisch und tanzt zum Rhythmus ihres Sprechens. Irgendwann greift sie sich das Megaphon des Concierge und singt tonlos hinein. Es funktioniert: Sie zwingt alle unter ihren Rhythmus, während der Concierge hilflos hinterherläuft.

Tommaso Balbo hat in der Titelrolle eine starke Präsenz. Er gibt die absurde Gestalt mit langem Gesicht, das wie schockgefroren erscheint. Als er die Kontrolle über seinen Spukladen verliert, rennt er steifen Gesichts hinter seiner verlorenen Kontrolle her.

Landerer präsentiert Vexierbilder, schwankende Perspektiven, spielt mit Ironie und Realität. [...]  Die rasanten Sequenzen der Pagen und Gäste und das präzise Timing der Münsteraner Tänzer sind beeindruckend.

Edda Breski, Westfälischer Anzeiger, 26. Mai 2014

Info

Man denkt, was man hätte sein können, wenn man nicht hätte sein müssen, was man ist. Auch in dieser Spielzeit präsentiert das TanzTheaterMünster einen Gastchoreografenabend, um einen Einblick in die Entwicklung und Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes zu bieten. Der international arbeitende und mehrfach ausgezeichnete Choreograf Felix Landerer aus Hannover erarbeitet gemeinsam mit dem Ensemble des TanzTheaterMünster eine neue Kreation.

Wenn wir unser Leben mit all den Sorgen, Hoffnungen und Wünschen an einen Ort verlegen müssten, was für ein Ort würde das sein? Wo könnten all die Sehnsüchte, Ängste, Erfolge und Verluste untergebracht, vielleicht sogar miteinander in Einklang gebracht werden? Der Concierge hat sich für sein Hotel entschieden und ordnet sein Leben ein: in Zimmer, Korridore und Abstellkammern. Er verbirgt, er stellt zur Schau und stößt immer wieder auf Unvereinbarkeiten seiner Gäste, Gäste aus seiner Erinnerung und Gäste aus den unerfüllten Träumen. Es sind Geschöpfe, die er hätte sein können, wenn er nicht der wäre, der er nun mal ist. So ringt er um die Ordnung seiner selbst und stellt fest, dass dieser Ort wild und nicht zu bändigen ist.

In DER CONCIERGE erschafft Felix Landerer einen wundersamen Kosmos, in dem er die Ambivalenz der Figuren in eine humorvoll-poetische wie auch befremdlich-groteske Bewegungssprache übersetzt. »Er gibt den Betrachtern Raum für sehr unterschiedliche Sichtweisen, ohne je beliebig zu werden. … Landerer präsentiert sich inmitten der Tanztheaterbewegung als eine besondere Begabung.« Ulrich Völker, Tanznetz.de

Aufführungsdauer ca. 65 Minuten

 

AUS DER PRESSE:

Felix Landerer zeigt im Theater Münster seinen Tanzabend "Der Concierge". Ein von der Grundstimmung eher düsterer Abend, den der Gast-Choreograf aber mit witzigen Akzenten versieht. Unergründlich, doch sehenswert.

Wie langbeinige Insekten staksen seine Finger über den Tresen der Rezeption. Der Concierge ertastet sich seinen Raum. Die Augen suchen, starren, flackern, in nur winzigen Gesten spiegeln sich Langeweile, Eitelkeit, Unsicherheit. Doch kaum ertönt die Hotel-Empfangsklingel, knipst er ein unerhört feistes Grinsen an, als sei er ein Comic-Männchen.

Nicht nur für diese comedy-reife Nummer erntet Tänzer Tommaso Balbo am Freitagabend im Theater Münster viel Applaus und Gelächter. Er verkörpert sie glänzend, die schillernde Figur des Chefportiers: In der einen Sekunde selbstgefällig und überheblich, in der anderen devot und duckmäuserisch. Er kreischt und kotzt hinter dem Tresen, um dann buhlend in übergroßer Geste die Arme für die Gäste auszubreiten. Doch nur eine kleine Kopfbewegung reicht, um die Angestellten zu scheuchen.

Gastchoreograf Felix Landerer erzählt eine unergründliche, aber sehenswerte Geschichte von Menschen im Hotel. Der Tanzabend „Der Concierge“, der im Kleinen Haus Premiere hatte, erinnert durchaus an Vicki Baums großen Roman „Menschen im Hotel“ aus dem Jahr 1929 – es geht um Einsamkeit, Fremdheit, Verlorensein. Landerer streift seine Hotelgäste allerdings nur mit flüchtigen Blicken, lässt sie rätselhaft in ihrem Dasein und ihren Absichten. In dem markanten Bühnenbild von Till Kuhnert, das sich aus mehreren Kästen zu einem Hotel-Fragment mit Flur, Türen und Rezeption entfaltet, tauchen die Gestalten wie aus dem Nichts auf und verschwinden wieder. Wie das im Hotel so geht. In einem schaurigen Höhepunkt geht das Licht komplett aus und der Concierge huscht mit einer Taschenlampe durch die Flure. Der Lichtkegel erfasst nackte Gestalten, gespenstische Gesichter. Wer sind die Menschen im Hotel wirklich?

Tänzerin Sandra Guénin tastet sich die Wände entlang und bleibt dabei fast unsichtbar, da Muster und Farben ihrer Kleidung mit Tapete und Täfelung verschmelzen. Cornelius Mickel als aufmüpfiger Gast schlüpft wie ein Aal aus den Tiefen der Rezeption. Anna Caviezel im weißen Kleidchen ringt verzweifelt um Aufmerksamkeit. Für Maria Bayarri Pérez wird zwar ein kostbarer Teppich ausgerollt, ihr Tanz erscheint wie ein Hilferuf der Seele – doch auch der bleibt von den anderen ungehört. Kana Mabuchi schließlich taucht als personifizierte Fremde auf: Fahl und geisterhaft mischt sie den Laden auf. Doch sie alle bleiben dem Zuschauer so unzugänglich wie dem Concierge, selbst im Tanz.

Landerer schenkt diesen Figuren eine exzessive, poetische Tanz-Sprache, erzählt ihre Geschichte wie ein Gedicht mit faszinierenden, aber fremden Worten, für die es keine Übersetzung gibt. Doch nicht immer bleibt Landerer so dunkel und vertrackt. Es gibt witzige Klingel-Choreografien und ein satirisches Fahrstuhlmusik-Duell. Und wenn das Pagen-Quartett mit Erik Constantin, Priscilla Fiuza, Adam Dembczynski und Marcelo Moraes ineinandergeschlungen durch den Raum gleitet, wirkt das so leicht und geschmeidig, als seien die vier eine einzige große Bewegung, als gehöre das Hotel nur ihnen allein.

Was den Abend vor allem auszeichnet ist seine Unvorhersehbarkeit. Landerer baut Seh-Erwartungen auf und bricht sie sofort wieder. So inszeniert er beispielsweise einen slapstickhaften Bewegungsablauf, der urplötzlich endet und sich Stück für Stück in Zeitlupe zurückspult – was einmal mehr zeigt, wie präzise die Tänzer hier arbeiten. Selbst die Wiederholung dieses Gags entpuppt sich als originelle Variante.

Ein ebenso unberechenbarer Gefährte des Abends ist die Musik: Christof Littmann hat eine aufwändige, abwechslungsreiche Komposition aus mehreren 100 Klängen und Geräuschen geschaffen. Ein Soundtrack, der sich anfangs wie eine dröhnende Maschine in den Kopf frisst – doch zart ausklingt mit dem exotischen Gesang des Concierge, der sich selbst anscheinend auch fremd geworden ist.

Sabine Müller, Münstersche Zeitung, 26. Mai 2014

 

Menschen im Hotel teilen eine eigenartige Form von Intimität: Während sich die Gäste in fremden Zimmern zu Hause fühlen sollen, herrscht das Personal über ein Interieur, das ihnen ebenso wenig ein Zuhause ist wie den Gästen. Der junge Choreograph Felix Landerer macht aus dieser Situation ein Tanz-Theater-Stück, das mit Elementen der Show und des absurden Theaters spielt.

Landerers Concierge herrscht blind grinsend über das Hotel (Bühne und Kostüme: Till Kuhnert), ein Zaubermeister in einer Jahrmarktbude. Auf einen Fingerzeig von ihm geht die Easy Listening-Musik, die aus einem altmodischen Radio kommt, in Dauerschleife. Hände tauchen aus dem Dunkel auf; wo ein Tänzer verschwunden ist, erscheint ein anderer. Am blauen Plüsch der Tapete drückt sich, auf den zweiten Blick sichtbar, eine Gestalt entlang, die Tarnkleidung trägt wie in Spionage-Parodien: das Oberteil tapetenfarben, die Hose beige wie die „Täfelung“. Es gibt viel zu sehen. Während vorne getanzt wird, geht hinten eine Pantomime weiter.

Die Handlung hat eigentlich keine Richtung, sondern zieht in Sequenzen am Betrachter vorbei. Nach und nach erschließt sich, was er gerade gesehen hat. Landerer spielt auch mit Zeitbegriffen, dehnt Szenen aus oder verlangsamt Tanz auf Zeitlupentempo. Wie ein Puppenballett tauchen Pagen auf, zu einem niedlichen, maschinenhaften Walzer, der sich irgendwann zusammenballt und die Tänzer wie ein Sog in eine rasend schnelle Gruppenchoreografie hineinzieht. Landerers Arbeit passt gut in die Reihe der Werke von Münsters Tanzchef Hans-Henning Paar, der seine Tänzer als Mohnblumen im „Sommernachtstraum“-Rausch gezeigt und im „Schwarzen Garten“ viktorianischen Horror auf die Bühne gebracht hat. Landerer spielt ebenfalls mit Vorstellungen von Realität, aber er macht es noch subtiler.

Viele Szenen leben von absurdem, manchmal comic-haftem Witz. Der Concierge schlägt auf eine Empfangsklingel, und die Pagen tanzen. Kommt ihm jemand zu nahe, „klingelt“ er ihn weg. Ein Klingeln, Gäste kommen aus ihren Zimmern. Ein Klingeln, sie verschwinden wieder. Tänzerisch ist das toll gemacht: Das Stoppen, eingefrorene Bewegungen und umwerfend gemachte „Rückspuleffekte“, in denen die Tänzer nahtlos ihre Bewegungen „rückwärts“ tanzen. Das klappt nur, weil die Truppe sehr gut aufeinander eingestellt ist.

Als störendes Element führt Landerer eine „Fremde“ ein. Kana Mabuchi versucht, den Laden zu übernehmen. Sie spricht ins Leere Japanisch und tanzt zum Rhythmus ihres Sprechens. Irgendwann greift sie sich das Megaphon des Concierge und singt tonlos hinein. Es funktioniert: Sie zwingt alle unter ihren Rhythmus, während der Concierge hilflos hinterherläuft.

Tommaso Balbo hat in der Titelrolle eine starke Präsenz. Er gibt die absurde Gestalt mit langem Gesicht, das wie schockgefroren erscheint. Als er die Kontrolle über seinen Spukladen verliert, rennt er steifen Gesichts hinter seiner verlorenen Kontrolle her.

Landerer präsentiert Vexierbilder, schwankende Perspektiven, spielt mit Ironie und Realität. [...]  Die rasanten Sequenzen der Pagen und Gäste und das präzise Timing der Münsteraner Tänzer sind beeindruckend.

Edda Breski, Westfälischer Anzeiger, 26. Mai 2014

Leitung

Choreografie Felix Landerer

Komposition Christof Littmann

Bühne & Kostüme Till Kuhnert

Dramaturgie Esther von der Fuhr

Choreografische Assistenz Simone Deriu / László Nyakas


Besetzung

Der Concierge Tommaso Balbo

Tapetenfrau Sandra Guénin

Die Fremde Kana Mabuchi

Korrekter Mann Cornelius Mickel

Page 1 Erik Constantin

Page 2 Marcelo Moraes

Page 3 Adam Dembczynski

Page 4 Priscilla Fiuza

Teppich-Frau Maria Bayarri Pérez

Phantasie-Frau Anna Caviezel

Besetzung

Leitung

Choreografie Felix Landerer

Komposition Christof Littmann

Bühne & Kostüme Till Kuhnert

Dramaturgie Esther von der Fuhr

Choreografische Assistenz Simone Deriu / László Nyakas


Besetzung

Der Concierge Tommaso Balbo

Tapetenfrau Sandra Guénin

Die Fremde Kana Mabuchi

Korrekter Mann Cornelius Mickel

Page 1 Erik Constantin

Page 2 Marcelo Moraes

Page 3 Adam Dembczynski

Page 4 Priscilla Fiuza

Teppich-Frau Maria Bayarri Pérez

Phantasie-Frau Anna Caviezel



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Premiere
Fr, 23. Mai 2014
19.30 Uhr · Kleines Haus · Preise D
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Leider keine weiteren Termine geplant.

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