zum Sinfonieorchester zum Online-Ticket-Shop

DAS FLOSS DER MEDUSA

Schauspiel nach dem Roman von Franzobel

Uraufführung

»Was glotzt du so, Doktorchen? Ich fress Dich nicht!«

Sa, 08. Juni 2019
19.00 · Kleines Haus
Samstagabo Kleines Haus

18.30 Einführung im Foyer Kl. Haus

Was bedeutet Moral, was Zivilisation in einer extremen Situation, in der es nur noch um das bloße Überleben geht? Im Juni 1816 bricht ein Konvoi von vier Schiffen mit über 400 Passagieren, darunter die Fregatte Medusa, von einem französischen Hafen in Richtung Afrika auf. Ziel ist das Kolonialreich Senegal. Am 18. Juli des gleichen Jahres entdeckt der Kapitän eines anderen Schiffes vor der Westküste Afrikas ein etwa 20 Meter langes Floß mit 15 grauenhaft entstellten Gestalten. Es sind die letzten Überlebenden von insgesamt 147 Passagieren, die nach der Havarie der Medusa auf einem notdürftig zusammengezimmerten Floß ohne genügend Wasser und Nahrung zwei Wochen auf offener See trieben.

Die historisch belegte Geschichte vom Untergang der Medusa zählt zu den größten Katastrophen der Seefahrt und wurde u.a. von Théodore Géricault in seinem weltbekannten Historiengemälde festgehalten, das man im Pariser Louvre sehen kann. Franzobel nutzt in seinem Roman von 2017 diese Geschichte für ein ebenso monströses wie grandioses Experiment über Menschen im Ausnahmezustand. Unbekümmert erzählt er die Geschichte neu und durchschießt sie immer wieder mit Verweisen auf die Gegenwart: Von der europäischen Flüchtlingspolitik bis zur Havarie der Costa Concordia, Das Floß der Medusa trifft ins Herz, zeigt die ungeschminkte Fratze des Menschen und entfaltet ein spannendes »Theater der Grausamkeit«.

 

Aufführungsdauer ca. 150 Minuten, eine Pause

Info

Was bedeutet Moral, was Zivilisation in einer extremen Situation, in der es nur noch um das bloße Überleben geht? Im Juni 1816 bricht ein Konvoi von vier Schiffen mit über 400 Passagieren, darunter die Fregatte Medusa, von einem französischen Hafen in Richtung Afrika auf. Ziel ist das Kolonialreich Senegal. Am 18. Juli des gleichen Jahres entdeckt der Kapitän eines anderen Schiffes vor der Westküste Afrikas ein etwa 20 Meter langes Floß mit 15 grauenhaft entstellten Gestalten. Es sind die letzten Überlebenden von insgesamt 147 Passagieren, die nach der Havarie der Medusa auf einem notdürftig zusammengezimmerten Floß ohne genügend Wasser und Nahrung zwei Wochen auf offener See trieben.

Die historisch belegte Geschichte vom Untergang der Medusa zählt zu den größten Katastrophen der Seefahrt und wurde u.a. von Théodore Géricault in seinem weltbekannten Historiengemälde festgehalten, das man im Pariser Louvre sehen kann. Franzobel nutzt in seinem Roman von 2017 diese Geschichte für ein ebenso monströses wie grandioses Experiment über Menschen im Ausnahmezustand. Unbekümmert erzählt er die Geschichte neu und durchschießt sie immer wieder mit Verweisen auf die Gegenwart: Von der europäischen Flüchtlingspolitik bis zur Havarie der Costa Concordia, Das Floß der Medusa trifft ins Herz, zeigt die ungeschminkte Fratze des Menschen und entfaltet ein spannendes »Theater der Grausamkeit«.

 

Aufführungsdauer ca. 150 Minuten, eine Pause

Leitung

Inszenierung Stefan Otteni

Bühnenbild Peter Scior

Kostüme Ayşe Gülsüm Özel

Musik / Gesang / Musikalische Einstudierung Mariana Sadovska

Kampfchoreografie Klaus Figge / Ronny Miersch

Dramaturgie Michael Letmathe


Besetzung

Joseph Reynaud Frank-Peter Dettmann

Alexandre Corréard Ilja Harjes

Hosea Thomas Louis Nitsche

Griffon de Bellay, Alphonse Christoph Rinke

J. B. Savigny Christian Bo Salle

Reine Schmaltz, Richeford Sandra Schreiber

Huges Duroy de Chaumareys, Maiwetter, Arnaud Carola von Seckendorff

Viktor, Arétée Schmaltz Andrea Spicher

Medusa Mariana Sadovska

Besetzung

Leitung

Inszenierung Stefan Otteni

Bühnenbild Peter Scior

Kostüme Ayşe Gülsüm Özel

Musik / Gesang / Musikalische Einstudierung Mariana Sadovska

Kampfchoreografie Klaus Figge / Ronny Miersch

Dramaturgie Michael Letmathe


Besetzung

Joseph Reynaud Frank-Peter Dettmann

Alexandre Corréard Ilja Harjes

Hosea Thomas Louis Nitsche

Griffon de Bellay, Alphonse Christoph Rinke

J. B. Savigny Christian Bo Salle

Reine Schmaltz, Richeford Sandra Schreiber

Huges Duroy de Chaumareys, Maiwetter, Arnaud Carola von Seckendorff

Viktor, Arétée Schmaltz Andrea Spicher

Medusa Mariana Sadovska


Beklemmende Intensität

Regisseur Otteni findet […] eine eigene szenische Sprache. Er entwickelt die Handlungen immer wieder aus den Bild-Arrangements der acht Akteure, die zum Teil mehrere Personen verkörpern. Zusammen mit den Klängen und  Gesängen, die Musikerin Mariana Sadovska aus dem Hintergrund hinzufügt und an denen auch die Schauspieler als Chor beteiligt werden, entsteht bisweilen die Wirkung eines szenischen Oratoriums – fast möchte man ein Requiem auf die Zivilgesellschaft denken. Und was bei Franzobel dadurch anklingt, dass er seinen Erzähler viele Vergleiche mit dem Heute einstreuen lässt, das ergänzen Otteni und Letmathe mit Passagen über Europa, zu denen Mariana Sadovska Beethovens Hymnenthema verfremdet, sowie den abschließenden O-Tönen von Rettungsschiffen im Mittelmeer – die Zusammenhänge sind ja evident.

Das Ensemble (mit Frank-Peter Dettmann, Ilja Harjes, Louis Nitsche, Christoph Rinke und Andrea Spicher) gibt dem gut zweieinhalbstündigen Abend eine beklemmende Intensität.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 15. Mai 2019

 

Kampf von Humanismus und Moral gegen das Ende der Zivilisiertheit

Es ist diese Quintessenz, die während des Stücks bereits benannt wird und die einen nach dem Theaterabend nicht loslässt: »Dass die zivilisierte Welt dieselbe ist wie auf dem Floß, dass es so oder so kein Entrinnen gibt«. Trägt der Mensch wirklich diese zweite Seele in sich, die ihn in der Not zum Tier werden lässt?

Der Kampf von Humanismus und Moral gegen das Ende der Zivilisiertheit, der am Freitag im Kleinen Haus des Theater Münster gefochten wird, beruht auf einer wahren Begebenheit.

In Münster zeigt Regisseur Stefan Otteni in einer sehr atmosphärischen beklemmenden Uraufführung Erbarmen mit dem Zuschauer und stutzt das visuell Schlimmste auf ein erträgliches Maß. […] Die Inszenierung legt den Fokus eher auf die menschliche Erbärmlichkeit – vorgeführt durch die Nacktheit der Protagonisten –, wenn sie zur »Säuberung« übergehen und auswählen: Wer ist lebensfähig, wer soll über Bord?

 Andrea Kutzendörfer, Die Glocke, 13. Mai 2019

 

Die Schwachen töten, damit die Starken überleben?

Die Inszenierung findet zu einem überzeugenden und doch erschreckenden Bild. […] Es gibt keinen Schutz mehr und keine Verkleidung, weder real noch metaphorisch. Der Mensch ist reduziert auf seine Physis, auf das nackte Leben. Und die Nackten beschreiben, wie das Messer in das nackte Fleisch schneidet und wie es schmeckt, das Menschenfleisch. Mit diesem hammerstarken Tritt in die Magengrube entlässt uns Otteni in die Pause. Diese Szene trägt über den dichter inszenierten 2. Teil der Aufführung, obwohl nun immer das gleiche Thema aus verschiedenen Perspektiven diskutiert wird: Darf man, muss man gar die Schwachen töten, damit die Starken überleben? Wer entscheidet solche Fragen, und nach welchen Kriterien? Weitere zehn Menschen sterben – und »zum ersten Mal hatten wir Raum«, heißt es in der Inszenierung. Verstört registrieren wir eine furchtbare Assoziation: »Volk ohne Raum«. Aber wenn wir auf dem Videoschirm die Wasseroberfläche von unten sehen und klar wird, dass die Mitmenschen zum gefährlichen Ballast werden – was tun wir dann? Was würden wir selbst tun? »Ich ahne, dass die zivilisierte Welt genauso ist wie die hier auf dem Floß«, sagt Sandra Schreiber einmal. Wie es in der zivilisierten Welt zugeht, hören wir in der erschütternden Schlussszene.

Dietmar Zimmermann, theaterpur.net, 12. Mai 2019

 

Zivilisation ist durchaus mehr als eine Frage der Ethik

[…]  das zeigt Stefan Otteni am Theater Münster mit seiner Inszenierung nach Franzobels Roman »Das Floß der Medusa«. Moralische Selbstgerechtigkeit ist allerdings ein angeborener Defekt des Menschen. Zivilisiertheit hin, Fortschritt her, zur Moderne gehört bis heute verlässlich ein regelmäßiger ethischer Supergau: Das »Unbehagen in der Kultur« zum Mitmachen. Der Holocaust steht dafür genauso wie das berühmte »Floß der Medusa«. […]  Ottenis Dramaturgie für das ethische Chaos entfaltet sich wie ein streng gebautes Raster auf der flach terrassierten Stufenbühne von Peter Scior, die das Geschehen nah an den Zuschauer rückt.

Hans-Christoph Zimmermann, Die Deutsche Bühne, 11. Mai 2019

Presse

Beklemmende Intensität

Regisseur Otteni findet […] eine eigene szenische Sprache. Er entwickelt die Handlungen immer wieder aus den Bild-Arrangements der acht Akteure, die zum Teil mehrere Personen verkörpern. Zusammen mit den Klängen und  Gesängen, die Musikerin Mariana Sadovska aus dem Hintergrund hinzufügt und an denen auch die Schauspieler als Chor beteiligt werden, entsteht bisweilen die Wirkung eines szenischen Oratoriums – fast möchte man ein Requiem auf die Zivilgesellschaft denken. Und was bei Franzobel dadurch anklingt, dass er seinen Erzähler viele Vergleiche mit dem Heute einstreuen lässt, das ergänzen Otteni und Letmathe mit Passagen über Europa, zu denen Mariana Sadovska Beethovens Hymnenthema verfremdet, sowie den abschließenden O-Tönen von Rettungsschiffen im Mittelmeer – die Zusammenhänge sind ja evident.

Das Ensemble (mit Frank-Peter Dettmann, Ilja Harjes, Louis Nitsche, Christoph Rinke und Andrea Spicher) gibt dem gut zweieinhalbstündigen Abend eine beklemmende Intensität.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 15. Mai 2019

 

Kampf von Humanismus und Moral gegen das Ende der Zivilisiertheit

Es ist diese Quintessenz, die während des Stücks bereits benannt wird und die einen nach dem Theaterabend nicht loslässt: »Dass die zivilisierte Welt dieselbe ist wie auf dem Floß, dass es so oder so kein Entrinnen gibt«. Trägt der Mensch wirklich diese zweite Seele in sich, die ihn in der Not zum Tier werden lässt?

Der Kampf von Humanismus und Moral gegen das Ende der Zivilisiertheit, der am Freitag im Kleinen Haus des Theater Münster gefochten wird, beruht auf einer wahren Begebenheit.

In Münster zeigt Regisseur Stefan Otteni in einer sehr atmosphärischen beklemmenden Uraufführung Erbarmen mit dem Zuschauer und stutzt das visuell Schlimmste auf ein erträgliches Maß. […] Die Inszenierung legt den Fokus eher auf die menschliche Erbärmlichkeit – vorgeführt durch die Nacktheit der Protagonisten –, wenn sie zur »Säuberung« übergehen und auswählen: Wer ist lebensfähig, wer soll über Bord?

 Andrea Kutzendörfer, Die Glocke, 13. Mai 2019

 

Die Schwachen töten, damit die Starken überleben?

Die Inszenierung findet zu einem überzeugenden und doch erschreckenden Bild. […] Es gibt keinen Schutz mehr und keine Verkleidung, weder real noch metaphorisch. Der Mensch ist reduziert auf seine Physis, auf das nackte Leben. Und die Nackten beschreiben, wie das Messer in das nackte Fleisch schneidet und wie es schmeckt, das Menschenfleisch. Mit diesem hammerstarken Tritt in die Magengrube entlässt uns Otteni in die Pause. Diese Szene trägt über den dichter inszenierten 2. Teil der Aufführung, obwohl nun immer das gleiche Thema aus verschiedenen Perspektiven diskutiert wird: Darf man, muss man gar die Schwachen töten, damit die Starken überleben? Wer entscheidet solche Fragen, und nach welchen Kriterien? Weitere zehn Menschen sterben – und »zum ersten Mal hatten wir Raum«, heißt es in der Inszenierung. Verstört registrieren wir eine furchtbare Assoziation: »Volk ohne Raum«. Aber wenn wir auf dem Videoschirm die Wasseroberfläche von unten sehen und klar wird, dass die Mitmenschen zum gefährlichen Ballast werden – was tun wir dann? Was würden wir selbst tun? »Ich ahne, dass die zivilisierte Welt genauso ist wie die hier auf dem Floß«, sagt Sandra Schreiber einmal. Wie es in der zivilisierten Welt zugeht, hören wir in der erschütternden Schlussszene.

Dietmar Zimmermann, theaterpur.net, 12. Mai 2019

 

Zivilisation ist durchaus mehr als eine Frage der Ethik

[…]  das zeigt Stefan Otteni am Theater Münster mit seiner Inszenierung nach Franzobels Roman »Das Floß der Medusa«. Moralische Selbstgerechtigkeit ist allerdings ein angeborener Defekt des Menschen. Zivilisiertheit hin, Fortschritt her, zur Moderne gehört bis heute verlässlich ein regelmäßiger ethischer Supergau: Das »Unbehagen in der Kultur« zum Mitmachen. Der Holocaust steht dafür genauso wie das berühmte »Floß der Medusa«. […]  Ottenis Dramaturgie für das ethische Chaos entfaltet sich wie ein streng gebautes Raster auf der flach terrassierten Stufenbühne von Peter Scior, die das Geschehen nah an den Zuschauer rückt.

Hans-Christoph Zimmermann, Die Deutsche Bühne, 11. Mai 2019


Video

nach oben
Sa, 08. Juni 2019
19.00 Uhr · Kleines Haus
Samstagabo Kleines Haus

18.30 Einführung im Foyer Kl. Haus

Weitere Termine

nach oben