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CAVALLERIA RUSTICANA / DER BAJAZZO

Oper von Pietro Mascagni / Oper von Ruggero Leoncavallo

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
  • Jennifer Feinstein, Michael Bachtadze — © Oliver Berg
    Jennifer Feinstein, Michael Bachtadze
    © Oliver Berg
  • Jennifer Feinstein, Michael Bachtadze — © Oliver Berg
    Jennifer Feinstein, Michael Bachtadze
    © Oliver Berg
  • Ensemble — © Oliver Berg
    Ensemble
    © Oliver Berg
  • Suzanne McLeod, Jennifer Feinstein — © Oliver Berg
    Suzanne McLeod, Jennifer Feinstein
    © Oliver Berg
  • Lisa Wedekind, Jennifer Feinstein — © Oliver Berg
    Lisa Wedekind, Jennifer Feinstein
    © Oliver Berg
  • Michael Bachtadze, Adrian Xhema — © Oliver Berg
    Michael Bachtadze, Adrian Xhema
    © Oliver Berg
  • Ensemble — © Oliver Berg
    Ensemble
    © Oliver Berg
  • Sara Rossi Daldoss, Michael Bachtadze — © Oliver Berg
    Sara Rossi Daldoss, Michael Bachtadze
    © Oliver Berg
  • Birger Radde, Sara Rossi Daldoss — © Oliver Berg
    Birger Radde, Sara Rossi Daldoss
    © Oliver Berg
  • Michael Bachtadze, Adrian Xhema, Birger Radde, Sara Rossi Daldoss — © Oliver Berg
    Michael Bachtadze, Adrian Xhema, Birger Radde, Sara Rossi Daldoss
    © Oliver Berg
  • Boris Leisenheimer, Sara Rossi Daldoss — © Oliver Berg
    Boris Leisenheimer, Sara Rossi Daldoss
    © Oliver Berg
  • Jennifer Feinstein, Opernchor, Extrachor — © Oliver Berg
    Jennifer Feinstein, Opernchor, Extrachor
    © Oliver Berg

Blutige Rache – das Spiel ist aus

So, 03. Juli 2016
15.00 · Großes Haus · Preise A
Sonntag Nachmittag Abo GH

Weitere Termine

Weitere Termine sind in Planung und werden demnächst veröffentlicht.

Bald nach den sensationellen Uraufführungserfolgen der – wegen ihrer Kürze und ihrer Sujets – ähnlichen Opern etablierte sich die Praxis, CAVALLERIA RUSTICANA (UA 1890 in Rom) und DER BAJAZZO (UA 1892 in Mailand) an einem Abend zu zeigen: Schauplatz beider Werke sind Dörfer in Süditalien, beide spielen an einem hohen katholischen Feiertag und thematisieren zerplatzte Träume, verratene Liebe, Ehebruch, brennende Eifersucht, beschämende Zurückweisung, verletztes Ehrgefühl und den letztendlich tödlich ausgehenden Versuch, die alte Ordnung wiederherzustellen.

Ehebruch und voreheliche Beziehung sind die Grundmotive des CAVALLERIA-Stoffes, der in einer rigiden, sich nach außen hin aber sehr fromm gebenden Dorfgesellschaft angesiedelt ist: Sie übertreten alle das Gesetz, das ihr Leben einengt. Lola begeht Ehebruch, Turridu entehrt Santuzza, Santuzza verrät die beiden, und Alfio wird zum Mörder (Attila Csampai). Die Musik Mascagnis (1863–1945) ist hart, knapp, bar jeder Idealisierung und versucht, die Echtheit der Wirklichkeit (ital. verismo) atmosphärisch einzufangen.

Auch Leoncavallos (1857–1919) BAJAZZO ist von expressiver Intensität: Eine Komödiantentruppe kommt in ein kalabrisches Dorf, um ein Stück aufzuführen. Die von Betrug, Liebessehnsucht und Eifersucht geprägten realen Beziehungen der Theaterleute spiegeln sich in der Figurenkonstellation auf der Bühne. Wahrheit und Illusion verschwimmen. Aus dem Spiel wird blutiger Ernst.

Aufführungsdauer ca. 180 Minuten, eine Pause

Info

Bald nach den sensationellen Uraufführungserfolgen der – wegen ihrer Kürze und ihrer Sujets – ähnlichen Opern etablierte sich die Praxis, CAVALLERIA RUSTICANA (UA 1890 in Rom) und DER BAJAZZO (UA 1892 in Mailand) an einem Abend zu zeigen: Schauplatz beider Werke sind Dörfer in Süditalien, beide spielen an einem hohen katholischen Feiertag und thematisieren zerplatzte Träume, verratene Liebe, Ehebruch, brennende Eifersucht, beschämende Zurückweisung, verletztes Ehrgefühl und den letztendlich tödlich ausgehenden Versuch, die alte Ordnung wiederherzustellen.

Ehebruch und voreheliche Beziehung sind die Grundmotive des CAVALLERIA-Stoffes, der in einer rigiden, sich nach außen hin aber sehr fromm gebenden Dorfgesellschaft angesiedelt ist: Sie übertreten alle das Gesetz, das ihr Leben einengt. Lola begeht Ehebruch, Turridu entehrt Santuzza, Santuzza verrät die beiden, und Alfio wird zum Mörder (Attila Csampai). Die Musik Mascagnis (1863–1945) ist hart, knapp, bar jeder Idealisierung und versucht, die Echtheit der Wirklichkeit (ital. verismo) atmosphärisch einzufangen.

Auch Leoncavallos (1857–1919) BAJAZZO ist von expressiver Intensität: Eine Komödiantentruppe kommt in ein kalabrisches Dorf, um ein Stück aufzuführen. Die von Betrug, Liebessehnsucht und Eifersucht geprägten realen Beziehungen der Theaterleute spiegeln sich in der Figurenkonstellation auf der Bühne. Wahrheit und Illusion verschwimmen. Aus dem Spiel wird blutiger Ernst.

Aufführungsdauer ca. 180 Minuten, eine Pause

Leitung

Musikalische Leitung Fabrizio Ventura

Inszenierung Philipp Kochheim

Bühnenbild Barbara Bloch

Kostüme Bernhard Niechotz

Choreinstudierung Inna Batyuk

Dramaturgie Jens Ponath


Besetzung


Cavalleria Rusticana

Santuzza, eine junge Bäuerin Jennifer Feinstein

Turiddu, ein junger Bauer Adrian Xhema

Lola, Alfios Frau Lisa Wedekind

Alfio, ein Fuhrmann Michael Bachtadze

Lucia, Turiddus Mutter Suzanne McLeod


Der Bajazzo

Nedda (Colombine) Sara Rossi Daldoss

Canio (Bajazzo) Adrian Xhema

Tonio (Taddeo) Michael Bachtadze

Beppo (Harlekin) Boris Leisenheimer / Youn-Seong Shim

Silvio Birger Radde

1. Bauer Jaean Koo

2. Bauer Frank Göbel

 

Opernchor des Theaters Münster

Extrachor des Theaters Münster

Sinfonieorchester Münster

Besetzung

Leitung

Musikalische Leitung Fabrizio Ventura

Inszenierung Philipp Kochheim

Bühnenbild Barbara Bloch

Kostüme Bernhard Niechotz

Choreinstudierung Inna Batyuk

Dramaturgie Jens Ponath


Besetzung

Santuzza, eine junge Bäuerin Jennifer Feinstein

Turiddu, ein junger Bauer Adrian Xhema

Lola, Alfios Frau Lisa Wedekind

Alfio, ein Fuhrmann Michael Bachtadze

Lucia, Turiddus Mutter Suzanne McLeod

Nedda (Colombine) Sara Rossi Daldoss

Canio (Bajazzo) Adrian Xhema

Tonio (Taddeo) Michael Bachtadze

Beppo (Harlekin) Boris Leisenheimer / Youn-Seong Shim

Silvio Birger Radde

1. Bauer Jaean Koo

2. Bauer Frank Göbel

Opernchor des Theaters Münster

Extrachor des Theaters Münster

Sinfonieorchester Münster


»Cav« und »Pag« sind die zweieiigen Zwillinge der italienischen Oper, und Kochheim reizt ihre Gegensätze aus, verklammert sie aber gleichzeitig zu einem perfekt gerundeten Abend. Schon in der »Cavalleria« spinnt er die Handlung um Eifersucht und Mord fantasievoll fort und zeigt Turrido und Lola beim Ehebruch in einem aus Fenstern bestehenden Haus. Der rote Baumstamm im Inneren enthält allerdings kein Schwert, sondern symbolisiert das heiße Blut, das den Beteiligten durch die Adern rinnt. Die Symbolbilder geben der Regie viel erzählerische Freiheit: So scheint der gehörnte Ehemann Alfio direkt vom Frühschoppen zu kommen, und die Chorszenen in der Kirche lassen Regisseur Kochheim und Dirigent Fabrizion Ventura unter einem Glockenhimmel direkt ins Publikum singen: Das hat mitreißende Wucht.

Schon in dieser ersten Hälfte der Aufführung zeigt sich auch, dass die Sänger, obwohl schauspielerisch stark gefordert, mächtig auftrumpfen können. So gestaltet Adrian Xhema die Tenorpartie nicht mit übertriebenem Pathos, sondern sehr kultiviert – was sich nach der Pause, wenn er den Canio im »Bajazzo« singt, besonders auszahlt. Jennifer Feinstein ist der gefeierte Gast in der dramatischen Rolle der eifersüchtigen Santuzza, und Michael Bachtadze gibt mit kernigem Bariton als betrogener Alfio ein Versprechen ab, das er im »Bajazzo«-Prolog vor dem Vorhang einlöst: Seine beiden Spitzentöne sind wie ein Portal, durch das man in das Stück schreitet.

Die Theater-Szenerie im »Bajazzo« ist ein Fest der Ensemble-Führung und gipfelt in jener Aufführung im Stück, die das Eifersuchtsdrama entlädt: Kochheim inszeniert sie als Generalprobe zu einer Aufführung, die in Aktion und Kostümen (Bernhard Niechotz) dem Beginn der »Cavalleria« nachgebildet ist. Im »Bajazzo« schlägt dann auch die große Stunde der lyrischen Stimmen: Sara Rossi Daldoss als Nedda und Birger Radde als Silvio sind tolle Besetzungen, ihr Duett gehört zu den schönsten Momenten des Abends. Dabei werden sie von Fabrizio Ventura und dem Sinfonieorchester Münster auf Händen getragen.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 23. Mai 2016

 

Kochheim verortet das Beziehungsdrama unter Schauspielern an einem Opernhaus. Die tödlich endende Aufführung am Schluss des »Bajazzo« ist also ein Stück im Stück im Stück.

Der Chor tritt als Statisten, Putzfrauen und als er selbst auf. Die Seitenbühne ist geöffnet. Im Hintergrund ist der rote Baum zu sehen, ganz hinten erinnert der Schriftzug »Goldstadt« an die derzeit in Münster laufende Produktion von Brecht/Weills »Mahagonny«. Hier betrügt die Diva Nedda ihren Mann, Opernstar Canio, mit dem Korrepetitor Silvio zwischen Probenflügel und Schminkspiegel. Die »Aufführung« balanciert Kochheim geschickt zwischen Groteske und Drama. Er hat die Idee, den Betrug aus der »Cavalleria« in den »Bajazzo« hineinzuspiegeln: Statt »Kostümen« tragen Nedda und Canio in ihren Bühnenrollen dieselbe Kleidung wie in der »Cavalleria« das ehebrecherische Paar Turiddu und Lola.

Musikalisch ist der Abend gelungen. Die Sänger bestreiten beide Opern, nur die weibliche Hauptrolle wird ausgetauscht. In der »Cavalleria« ist der Gast Jennifer Feinstein eine glühende Santuzza. Sie setzt ihren üppigen, manchmal deutlich vibrierenden Mezzo ein, um das Porträt einer verletzten und verunsicherten, in ihrem Zorn unberechenbaren Frau zu zeichnen: eine jugendliche Santuzza. Sara Rossi Daldoss gibt im »Bajazzo« eine kühle Diva und navigiert an ihre stimmlichen Grenzen heran. Suzanne McLeod nutzt gelegentliche Schärfen geschickt für ihre Darstellung der überforderten Mamma Lucia. Lisa Wedekind singt eine kühle Lola.

In beiden Opern singt Adrian Xhema die männliche Hauptrolle. Sein Canio überzeugt stärker als sein Turiddu: Xhema fehlt zwar Volumen und »Attacke«, aber ihm gelingt ein berührender Auftritt, besonders als er in der berühmten »Bajazzo«-Arie den Verlust seiner Liebe beklagt. Michael Bachtadze fühlt sich in der Charakterrolle des Tonio sehr wohl, sein betrogener Alfio in der »Cavalleria« ist eher verzweifelt als rachsüchtig. Stimmmächtig ist Birger Raddes Silvio.

Das Sinfonieorchester Münster unter Leitung von Fabrizio Ventura spürt den emotionalen Aufwallungen in der Musik nach, wobei Ventura sehr gut weiß, wo er Wucht erzeugen und wo er den Sängern mehr Raum geben muss. Der Chor überzeugt mit Wucht ebenso wie mit einem klar definierten Klangbild (Einstudierung: Inna Batyuk). Ein lohnenswerter Abend in Münster.

Edda Breski, Westfälischer Anzeiger, 25. Mai 2016

 

Die beiden Einakter des Verismo Cavalleria Rusticana und der Bajazzo haben es ja bekanntlich in sich. Diese zwei in sich abgeschlossenen Geschichten sind unterhaltsam, kurzweilig und bieten von Humor bis Dramatik alles auf, was einen guten Opernabend ausmacht. Die Musik ist anspruchsvoll, bietet aber auch den einen oder anderen Ohrwurm. Irgendwie war es zu erwarten gewesen, dass dem derzeit sehr erfolgreichen Theater Münster dieses Projekt gelingen würde. Dass es aber zum krönenden Abschluss einer erfolgreichen Saison wird, überrascht dann doch.

Das Schöne ist, dass sich Musik und Regie die Lorbeeren des Erfolgs teilen dürfen. Regisseur Philipp Kochheim und Dramaturg Jens Ponath überraschen bei Cavalleria Rusticana zwar nicht, bringen aber handwerklich sehr gut gemachtes Verismo-Theater auf die Bühne. Die wird von Barbara Bloch geteilt in die Andeutung eines Hauses oder Hofes in der Bühnenmitte, das umgeben ist von einer Art Dorfplatz. Beeindruckend ist das Timing, wie sich Privatszenen in Dorfszenen verwandeln. Was sonst so oft platt und gestellt wirkt, ist hier einfach natürlich. Die Solisten gehen auch dank der schönen Kostüme von Bernhard Niechotz in der Chormasse nie unter. So ist auch deutlich zu sehen, wie sich vor allem Santuzza und Alfio selbst zu Ausgestoßenen machen. In der all der ungekünstelten Dramatik, die sich aufbaut, ist aber immer noch deutlich, dass es Theater ist.

So wird der Übergang zum Bajazzo ein kleiner Coup. Der vor den Vorhang tretende Tonjo mit seinem Prolog ist ja hinreichend bekannt. Doch irgendwann zieht er den Vorhang auf und schreitet durch das eingefrorene Bühnenleben einer Theaterprobe. Denn genau dort zwischen Chor und Kostümbildern, zwischen Technikern und Musikern spielt das Spiel auf der komplett offenliegenden Bühne des Großen Hauses. Vereinzelte Reste vom Rusticana-Bühnenbild runden diesen Effekt ab. Das tödliche Ende dieser Bühnenprobe wirkt in diesem realistischen Umfeld noch beklemmender.

Die Musik tut ihr Übriges dazu, dass man die Wirkung dieses Opernabends hautnah zu spüren bekommt. Fabrizio Ventura lässt sein Sinfonieorchester in der aufgeladenen Musik baden. Süffige Portamenti, wilde Ausbrüche, schmerzliche Tränen – im Orchester findet Theater in seiner übertriebensten Form statt, und es hört sich richtig, richtig gut an.

Christoph Broermann, opernnetz.de, 27. Mai 2016

Presse

»Cav« und »Pag« sind die zweieiigen Zwillinge der italienischen Oper, und Kochheim reizt ihre Gegensätze aus, verklammert sie aber gleichzeitig zu einem perfekt gerundeten Abend. Schon in der »Cavalleria« spinnt er die Handlung um Eifersucht und Mord fantasievoll fort und zeigt Turrido und Lola beim Ehebruch in einem aus Fenstern bestehenden Haus. Der rote Baumstamm im Inneren enthält allerdings kein Schwert, sondern symbolisiert das heiße Blut, das den Beteiligten durch die Adern rinnt. Die Symbolbilder geben der Regie viel erzählerische Freiheit: So scheint der gehörnte Ehemann Alfio direkt vom Frühschoppen zu kommen, und die Chorszenen in der Kirche lassen Regisseur Kochheim und Dirigent Fabrizion Ventura unter einem Glockenhimmel direkt ins Publikum singen: Das hat mitreißende Wucht.

Schon in dieser ersten Hälfte der Aufführung zeigt sich auch, dass die Sänger, obwohl schauspielerisch stark gefordert, mächtig auftrumpfen können. So gestaltet Adrian Xhema die Tenorpartie nicht mit übertriebenem Pathos, sondern sehr kultiviert – was sich nach der Pause, wenn er den Canio im »Bajazzo« singt, besonders auszahlt. Jennifer Feinstein ist der gefeierte Gast in der dramatischen Rolle der eifersüchtigen Santuzza, und Michael Bachtadze gibt mit kernigem Bariton als betrogener Alfio ein Versprechen ab, das er im »Bajazzo«-Prolog vor dem Vorhang einlöst: Seine beiden Spitzentöne sind wie ein Portal, durch das man in das Stück schreitet.

Die Theater-Szenerie im »Bajazzo« ist ein Fest der Ensemble-Führung und gipfelt in jener Aufführung im Stück, die das Eifersuchtsdrama entlädt: Kochheim inszeniert sie als Generalprobe zu einer Aufführung, die in Aktion und Kostümen (Bernhard Niechotz) dem Beginn der »Cavalleria« nachgebildet ist. Im »Bajazzo« schlägt dann auch die große Stunde der lyrischen Stimmen: Sara Rossi Daldoss als Nedda und Birger Radde als Silvio sind tolle Besetzungen, ihr Duett gehört zu den schönsten Momenten des Abends. Dabei werden sie von Fabrizio Ventura und dem Sinfonieorchester Münster auf Händen getragen.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 23. Mai 2016

 

Kochheim verortet das Beziehungsdrama unter Schauspielern an einem Opernhaus. Die tödlich endende Aufführung am Schluss des »Bajazzo« ist also ein Stück im Stück im Stück.

Der Chor tritt als Statisten, Putzfrauen und als er selbst auf. Die Seitenbühne ist geöffnet. Im Hintergrund ist der rote Baum zu sehen, ganz hinten erinnert der Schriftzug »Goldstadt« an die derzeit in Münster laufende Produktion von Brecht/Weills »Mahagonny«. Hier betrügt die Diva Nedda ihren Mann, Opernstar Canio, mit dem Korrepetitor Silvio zwischen Probenflügel und Schminkspiegel. Die »Aufführung« balanciert Kochheim geschickt zwischen Groteske und Drama. Er hat die Idee, den Betrug aus der »Cavalleria« in den »Bajazzo« hineinzuspiegeln: Statt »Kostümen« tragen Nedda und Canio in ihren Bühnenrollen dieselbe Kleidung wie in der »Cavalleria« das ehebrecherische Paar Turiddu und Lola.

Musikalisch ist der Abend gelungen. Die Sänger bestreiten beide Opern, nur die weibliche Hauptrolle wird ausgetauscht. In der »Cavalleria« ist der Gast Jennifer Feinstein eine glühende Santuzza. Sie setzt ihren üppigen, manchmal deutlich vibrierenden Mezzo ein, um das Porträt einer verletzten und verunsicherten, in ihrem Zorn unberechenbaren Frau zu zeichnen: eine jugendliche Santuzza. Sara Rossi Daldoss gibt im »Bajazzo« eine kühle Diva und navigiert an ihre stimmlichen Grenzen heran. Suzanne McLeod nutzt gelegentliche Schärfen geschickt für ihre Darstellung der überforderten Mamma Lucia. Lisa Wedekind singt eine kühle Lola.

In beiden Opern singt Adrian Xhema die männliche Hauptrolle. Sein Canio überzeugt stärker als sein Turiddu: Xhema fehlt zwar Volumen und »Attacke«, aber ihm gelingt ein berührender Auftritt, besonders als er in der berühmten »Bajazzo«-Arie den Verlust seiner Liebe beklagt. Michael Bachtadze fühlt sich in der Charakterrolle des Tonio sehr wohl, sein betrogener Alfio in der »Cavalleria« ist eher verzweifelt als rachsüchtig. Stimmmächtig ist Birger Raddes Silvio.

Das Sinfonieorchester Münster unter Leitung von Fabrizio Ventura spürt den emotionalen Aufwallungen in der Musik nach, wobei Ventura sehr gut weiß, wo er Wucht erzeugen und wo er den Sängern mehr Raum geben muss. Der Chor überzeugt mit Wucht ebenso wie mit einem klar definierten Klangbild (Einstudierung: Inna Batyuk). Ein lohnenswerter Abend in Münster.

Edda Breski, Westfälischer Anzeiger, 25. Mai 2016

 

Die beiden Einakter des Verismo Cavalleria Rusticana und der Bajazzo haben es ja bekanntlich in sich. Diese zwei in sich abgeschlossenen Geschichten sind unterhaltsam, kurzweilig und bieten von Humor bis Dramatik alles auf, was einen guten Opernabend ausmacht. Die Musik ist anspruchsvoll, bietet aber auch den einen oder anderen Ohrwurm. Irgendwie war es zu erwarten gewesen, dass dem derzeit sehr erfolgreichen Theater Münster dieses Projekt gelingen würde. Dass es aber zum krönenden Abschluss einer erfolgreichen Saison wird, überrascht dann doch.

Das Schöne ist, dass sich Musik und Regie die Lorbeeren des Erfolgs teilen dürfen. Regisseur Philipp Kochheim und Dramaturg Jens Ponath überraschen bei Cavalleria Rusticana zwar nicht, bringen aber handwerklich sehr gut gemachtes Verismo-Theater auf die Bühne. Die wird von Barbara Bloch geteilt in die Andeutung eines Hauses oder Hofes in der Bühnenmitte, das umgeben ist von einer Art Dorfplatz. Beeindruckend ist das Timing, wie sich Privatszenen in Dorfszenen verwandeln. Was sonst so oft platt und gestellt wirkt, ist hier einfach natürlich. Die Solisten gehen auch dank der schönen Kostüme von Bernhard Niechotz in der Chormasse nie unter. So ist auch deutlich zu sehen, wie sich vor allem Santuzza und Alfio selbst zu Ausgestoßenen machen. In der all der ungekünstelten Dramatik, die sich aufbaut, ist aber immer noch deutlich, dass es Theater ist.

So wird der Übergang zum Bajazzo ein kleiner Coup. Der vor den Vorhang tretende Tonjo mit seinem Prolog ist ja hinreichend bekannt. Doch irgendwann zieht er den Vorhang auf und schreitet durch das eingefrorene Bühnenleben einer Theaterprobe. Denn genau dort zwischen Chor und Kostümbildern, zwischen Technikern und Musikern spielt das Spiel auf der komplett offenliegenden Bühne des Großen Hauses. Vereinzelte Reste vom Rusticana-Bühnenbild runden diesen Effekt ab. Das tödliche Ende dieser Bühnenprobe wirkt in diesem realistischen Umfeld noch beklemmender.

Die Musik tut ihr Übriges dazu, dass man die Wirkung dieses Opernabends hautnah zu spüren bekommt. Fabrizio Ventura lässt sein Sinfonieorchester in der aufgeladenen Musik baden. Süffige Portamenti, wilde Ausbrüche, schmerzliche Tränen – im Orchester findet Theater in seiner übertriebensten Form statt, und es hört sich richtig, richtig gut an.

Christoph Broermann, opernnetz.de, 27. Mai 2016


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15.00 Uhr · Großes Haus · Preise A
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