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Grußwort zur neuen Saison

Liebes Publikum,

eine wunderbare Geschichte: Ein Inder steht vor seinem Haus in London und streut Maiskörner aus. Ein Engländer fragt ihn irritiert, warum er das tue. »Um die Tiger fern zu halten«, antwortet er. Aber es gebe hier doch gar keine Tiger, erwidert der Engländer, darauf der Inder: »Sehen Sie, es funktioniert«.

Sie werden sich fragen, was diese Geschichte mit Theater zu tun hat. Sie hat vor allem mit uns Menschen und unseren gegenwärtigen Befindlichkeiten zu tun. Es gibt eine gesunde, sinnvolle Angst, die uns vor konkreten Gefahren beschützt. Es gibt aber auch eine neue, grassierende, irrationale Angst, die unser Handeln nicht selten bestimmt, die uns aber eigentlich so wenig plagen müsste, wie unseren Inder die Angst vor Tigern in London. Angst ist ein mächtiges Gefühl und das »Was wäre, wenn…« lässt uns oft nicht schlafen und lähmt uns, wenn wir wach sind. Die Welt ist voller Horrormeldungen und Fake News und der berühmte Sack Reis, der in China umfällt, wird oft genug von den Medien zu einer Katastrophe hochstilisiert. Angst ist vielfach ein Verkaufsschlager, der Kampagnen ankurbelt und Parteien und Gruppierungen entstehen lässt, die nicht gerade demokratisches Gedankengut im Gepäck haben.

Mut und Vertrauen sind das beste Mittel gegen Angst – und auch Theater kann mithelfen, irrationale Furcht und unsinnige Sorgen zu überwinden. Eine zentrale Aufgabe des Theaters ist es, den Umgang mit dem Neuen und Unbekannten zu trainieren. Theater fördert Reflexion und Kreativität, es schafft Identität in einer weltoffenen Gesellschaft, denn es zeigt uns, woher wir kommen, wer wir sind und wohin wir gehen. Zugleich ermöglicht es den Zugang zur Vielfalt und Identität anderer Kulturen. Die Vielfalt unserer Gesellschaft spiegelt sich in der Vielfalt des Theaters.

Es gibt keine vollkommene Sicherheit und keine noch so teure Risikoversicherung bringt Angst und Sorgen zum Verschwinden, aber manchmal hilft auch das Lachen, der Humor – und die Unterhaltung, die Theater bietet. All dies kann uns helfen, diese sonderbare, schwer greifbare Furcht zu überwinden, den Tiger in Indien zu lassen und aus den Maiskörnern Popcorn zu machen.

Ihr Dr. Ulrich Peters
Generalintendant

Ihre Rita Feldmann
Verwaltungsdirektorin

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