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Geschichte

  • Das Theater Münster im Jahre 1956
    Das Theater Münster im Jahre 1956
  • Die Seitenansicht des Theaters von der Voßgasse 1956
    Die Seitenansicht des Theaters von der Voßgasse 1956
  • Das Architekten-Team Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rawe und Werner Ruhnau
    Das Architekten-Team Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rawe und Werner Ruhnau
  • Das Obere Foyer bei der Neueröffnung im Jahre 1956
    Das Obere Foyer bei der Neueröffnung im Jahre 1956
  • Der Neubau der Städtischen Bühnen Münster 1955
    Der Neubau der Städtischen Bühnen Münster 1955
  • Das Theatercafé (heute: Theatertreff) im Jahre 1956
    Das Theatercafé (heute: Theatertreff) im Jahre 1956

Am 4. Februar 1956 hob sich erstmals der Vorhang im – auf den Ruinen des Vorgängerbaus neu errichteten – Stadttheater an der Neubrückenstraße. Der von den Architekten Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau entworfene Bau zählt zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der Nachkriegsmoderne in Münster und wird bis heute weltweit als »Donnerschlag in der Theaterarchitektur« gefeiert.

 

Vom Krameramtshaus zum Theater Münster

Dass die Münsteraner Franz Freiherr von Fürstenberg nicht nur ihre Universität sondern auch die Begründung ihrer Theatertradition verdanken, ist den wenigsten bekannt: Der kultur- und bildungsbeflissene Minister ließ 1774 im ehemaligen Schlachthaus der Metzgergilde am Roggenmarkt nach Plänen des damaligen Stararchitekten Wilhelm Ferdinand Lipper das sogenannte Komödienhaus errichten, Münsters ersten Theaterbau. Während vor der Eröffnung dieses städtischen Theaters in den Räumen des Krameramtshauses vornehmlich Schauspiele gezeigt werden konnten, kamen die rund 20.000 Münsteraner nunmehr auch in den Genuss von Singspielen und Opern. Mit fortschrittlichen Aufführungen von Werken Giacomo Meyerbeers und Richard Wagners begeisterte das kleine Theater um die Mitte des 19. Jahrhunderts sein Publikum. Prominentester Akteur an dieser Spielstätte war Albert Lortzing, der zwischen 1826 und 1833 als Schauspieler und Sänger in Münster tätig war und später mit seiner Oper "Zar und Zimmermann" Musikgeschichte schreiben sollte.

Nach dem Abbruch des Hauses 1890 entstand mit dem wenige Jahre später eröffneten Lortzing-Theater im ehemaligen Adelshof der Familie von Romberg an der Neubrückenstraße ein eleganter Theaterbau, der mit der benachbarten, 1920 fertiggestellten Stadthalle ein einzigartiges architektonisches Ensemble darstellte.

Nach der Bombardierung des Theaters am 9./10. Juli 1941 verlagerte das Stadttheater den Spielbetrieb in die weniger zerstörte Stadthalle, in der eine Behelfsbühne eingerichtet wurde. Fünf Jahre nach Kriegsende, 1950, stimmte der Rat der Stadt Münster dem Wiederaufbau des Theaters nach den Plänen des städtischen Baurats Edmund Scharf zu. Die finanziellen Krisenjahre und der Aufbau von Dom, Schloss und Rathaus verhinderten jedoch über Jahre den Baubeginn. Nicht zuletzt bürgerschaftlichen Engagement und einer regen Spendentätigkeit war es zu danken, dass die Idee eines Neubaus kontinuierlich weiterverfolgt wurde und eine erneute Ausschreibung erfolgte.

Zu den 1953 eingereichten Entwürfen zählten neben dem überarbeiteten Plan von Edmund Scharf die Vorschläge von Hans Ostermann und der Architektengruppe Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau. Das Votum des Rats orientierte sich an Urteil der Gutachter, die im Januar 1954 eindeutig die Lösung der vier jungen Architekten favorisiert hatten. Die Idee, dem wiedergewonnen historischen Zustand der Altstadt einen modernen Neubau entgegenzusetzen, diesen aber gleichzeitig durch vielfältige architektonische Bezugspunkte in den urbanen Kontext zu integrieren, hatte sich durchgesetzt.

Die Grundsteinlegung für den Theaterneubau erfolgte am 16. Mai 1954; die Bauarbeiten am Großen Haus sollten 20 Monate dauern; die Gesamtkosten betrugen 5,3 Millionen DM. Am Samstag, 4. Februar 1956 wurde mit Mozarts ZAUBERFLÖTE in einem über fünfstündigen Festakt das neue Haus in Münster eröffnet und als erster Nachkriegsbau eines Theaters in Deutschland euphorisch gefeiert. Als »Donnerschlag« in der Theaterarchitektur bezeichnete die Fachpresse den Neubau der Städtischen Bühnen Münster.

1971 wurde dem Großen Haus (955 Sitzplätze) mit dem Kleinen Haus (rund 280 Plätze) eine zweite Spielstätte angegliedert, die aufgrund ihrer variablen Raumsituation vornehmlich den Erfordernissen zeitgenössischer, experimenteller Theaterformen gerecht werden konnte.

Mit der Spielzeit 2012/2013 übernahm Generalintendant Dr. Ulrich Peters die Städtischen Bühnen Münster, die zu diesem Zeitpunkt in Theater Münster umbenannt wurden. Das Theater vereint heute mit dem Musiktheater, dem Schauspiel, dem Tanztheater, dem Jungen Theater sowie dem Sinfonierorchester unter der Leitung von Fabrizio Ventura fünf Sparten unter einem Dach. Rund 30 Premieren bei 600 Aufführungen pro Spielzeit garantieren ein anspruchsvolles Programm, das durch die Produktionen der Niederdeutschen Bühne, zahlreiche Gastspiele, Lesungen, Vorträge und Ausstellungen vielfältig ergänzt wird.


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