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WIE ES EUCH GEFÄLLT

Komödie von William Shakespeare

  • Ilja Harjes, Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Ilja Harjes, Christoph Rinke
    © Oliver Berg
  • Ulrike Knobloch, Sandra Bezler <br />© Oliver Berg
    Ulrike Knobloch, Sandra Bezler
    © Oliver Berg
  • Ensemble <br />© Oliver Berg
    Ensemble
    © Oliver Berg
  • Daniel Rothaug, Sandra Bezler <br />© Oliver Berg
    Daniel Rothaug, Sandra Bezler
    © Oliver Berg
  • Ilja Harjes, Gerhard Mohr <br />© Oliver Berg
    Ilja Harjes, Gerhard Mohr
    © Oliver Berg
  • Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Christoph Rinke
    © Oliver Berg
  • Gerhard Mohr, Daniel Rothaug <br />© Oliver Berg
    Gerhard Mohr, Daniel Rothaug
    © Oliver Berg
  • Christoph Rinke, Jonas Riemer, Regine Andratschke <br />© Oliver Berg
    Christoph Rinke, Jonas Riemer, Regine Andratschke
    © Oliver Berg
  • Sandra Bezler, Ulrike Knobloch, Andrea Spicher, Garry Fischmann <br />© Oliver Berg
    Sandra Bezler, Ulrike Knobloch, Andrea Spicher, Garry Fischmann
    © Oliver Berg
  • Sandra Bezler, Ulrike Knobloch, Christian Bo Salle <br />© Oliver Berg
    Sandra Bezler, Ulrike Knobloch, Christian Bo Salle
    © Oliver Berg
  • Christian Bo Salle, Regine Andratschke, Jonas Riemer <br />© Oliver Berg
    Christian Bo Salle, Regine Andratschke, Jonas Riemer
    © Oliver Berg
  • Ulrike Knobloch <br />© Oliver Berg
    Ulrike Knobloch
    © Oliver Berg

Die ganze Welt ist Bühne und alle Fraun und Männer bloße Spieler.

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

Wer bin ich? Und was will ich? Und vor allem wen? Im Ardennerwald kreist eine schräge Truppe Sinnsucher und Liebeswütiger, Aussteiger und Verbannter um diese Fragen und um sich selbst. In Shakespeares Waldutopie geraten Geschlechterrollen, Selbstbilder, Hierarchien und sonstige Gewissheiten gewaltig ins Wanken.

Doch zurück zum Beginn der Anarchie: Der dekadente Herzog Frederick hat seinen Bruder entmachtet und ihn mit seinem Gefolge in den Wald verbannt. Zu den Exilanten stößt der junge Orlando, der mit seinem Bruder Oliver ums väterliche Erbe streitet und ebenfalls in Ungnade des Herrschers gefallen ist. Orlando wähnt seine Geliebte Rosalind noch mit ihrer Cousine Celia bei Hofe – dabei ist auch sie schon im Wald, verkleidet als junger Mann Ganymed. Unter falscher Identität versuchen die beiden Frauen sich als Schäferinnen und begegnen in bukolischer Idylle dem liebeskranken Orlando, seinem läuterungswilligen Bruder Oliver sowie weiteren Narren, Damen, Hirten, Melancholikern und Bäuerinnen. Wo die Liebe hinfällt, ist nun beim besten Willen nicht mehr zu steuern. Oder vielleicht doch? Am Ende der erotischen Verwirrungen stehen immerhin vier Hochzeiten …

Wie immer bei Shakespeares Komödien liegen Hysterie und Melancholie, Traum und Alptraum in WIE ES EUCH GEFÄLLT nah beieinander. Die Sehnsucht, die Liebe zu finden, oder zumindest sich selbst, ist verbunden mit der Angst, sich zu verlieren.

Die Songs der Inszenierung basieren auf Sonetten von William Shakespeare und wurden von Bastian Wegner eigens für das Theater Münster komponiert.

Aufführungsdauer ca. 160 Minuten, eine Pause

Info

Wer bin ich? Und was will ich? Und vor allem wen? Im Ardennerwald kreist eine schräge Truppe Sinnsucher und Liebeswütiger, Aussteiger und Verbannter um diese Fragen und um sich selbst. In Shakespeares Waldutopie geraten Geschlechterrollen, Selbstbilder, Hierarchien und sonstige Gewissheiten gewaltig ins Wanken.

Doch zurück zum Beginn der Anarchie: Der dekadente Herzog Frederick hat seinen Bruder entmachtet und ihn mit seinem Gefolge in den Wald verbannt. Zu den Exilanten stößt der junge Orlando, der mit seinem Bruder Oliver ums väterliche Erbe streitet und ebenfalls in Ungnade des Herrschers gefallen ist. Orlando wähnt seine Geliebte Rosalind noch mit ihrer Cousine Celia bei Hofe – dabei ist auch sie schon im Wald, verkleidet als junger Mann Ganymed. Unter falscher Identität versuchen die beiden Frauen sich als Schäferinnen und begegnen in bukolischer Idylle dem liebeskranken Orlando, seinem läuterungswilligen Bruder Oliver sowie weiteren Narren, Damen, Hirten, Melancholikern und Bäuerinnen. Wo die Liebe hinfällt, ist nun beim besten Willen nicht mehr zu steuern. Oder vielleicht doch? Am Ende der erotischen Verwirrungen stehen immerhin vier Hochzeiten …

Wie immer bei Shakespeares Komödien liegen Hysterie und Melancholie, Traum und Alptraum in WIE ES EUCH GEFÄLLT nah beieinander. Die Sehnsucht, die Liebe zu finden, oder zumindest sich selbst, ist verbunden mit der Angst, sich zu verlieren.

Die Songs der Inszenierung basieren auf Sonetten von William Shakespeare und wurden von Bastian Wegner eigens für das Theater Münster komponiert.

Aufführungsdauer ca. 160 Minuten, eine Pause

Leitung

Inszenierung Christian von Treskow

Bühne & Kostüme Sandra Linde / Dorien Thomsen

Video Ludwig Kuckartz

Musik / Sound Bastian Wegner

Dramaturgie Barbara Bily


Besetzung

Herzog, der ältere / Herzog Frederik Gerhard Mohr

Oliver Christian Bo Salle

Orlando Daniel Rothaug

Rosalinde Sandra Bezler

Celia Ulrike Knobloch

Charles / Silvius Garry Fischmann

Probstein Jonas Riemer

Jaques Christoph Rinke

Le Beau / Amiens Ilja Harjes

Adam / Audrey Regine Andratschke

Phoebe Andrea Spicher

Besetzung

Leitung

Inszenierung Christian von Treskow

Bühne & Kostüme Sandra Linde / Dorien Thomsen

Video Ludwig Kuckartz

Musik / Sound Bastian Wegner

Dramaturgie Barbara Bily


Besetzung

Herzog, der ältere / Herzog Frederik Gerhard Mohr

Oliver Christian Bo Salle

Orlando Daniel Rothaug

Rosalinde Sandra Bezler

Celia Ulrike Knobloch

Charles / Silvius Garry Fischmann

Probstein Jonas Riemer

Jaques Christoph Rinke

Le Beau / Amiens Ilja Harjes

Adam / Audrey Regine Andratschke

Phoebe Andrea Spicher


Einmal im Jahr gönnt sich Münsters Schauspiel einen echten Jux. Dann dürfen lustige Hasen über die Bühne wirbeln oder schrille Gestalten in Boulevard-Manier Türen zuschmeißen. Und wer, wie in dieser Spielzeit, mit den düsteren Nibelungen Schicksalsschläge durchlebt hat, der darf um so befreiter lachend in Shakespeares Zauberwald herumstreunen.

WIE ES EUCH GEFÄLLT bietet das bekannte Komödienrepertoire der Verkleidungen und falschen Verliebtheiten auf, zielt mehr aufs Zwerchfell als aufs Herz. Regisseur Christian von Treskow macht daher nicht viel Federlesens und greift zu schönen Parodien, wo immer sie sich anbieten. Schon die Besetzung des romantischen Schwärmers Orlando mit dem quirligen Daniel Rothaug ist ein Clou: Wie der kleine Mann den ruppigen Ringkämpfer (Garry Fischmann) zu Beginn im Zweikampf besiegt, kommt als bestens choreografierter Slapstick daher. Ulrike Knobloch als Tochter des bösen Herzogs brilliert neben der sanften Rosalinde temporeich in Shakespeares Bonmot-Feuerwerken, während Sandra Bezler als ebendiese Rosalinde eine geradezu staunenswerte Fülle an Schluchzern und Seufzern von sich gibt. Huch!

All dies geschieht im ersten Akt vor schmucklos dunklem Vorhang. Wenn sich aber dann die ganze Bagage als Verbannte im Wald von Arden wiederfindet, füllt ein prachtvoller Riesenapfel die Bühne von Sandra Linde und Dorien Thomsen. Die Symbolik ist natürlich mit Händen zu greifen, denn draußen, jenseits des höfischen Zwangs, tummeln sich lauter Verführer und Verführte; zu Beginn hatte bereits der alte Diener Adam (Regine Andratschke in starker Maske) mit Platons Mythos von den Kugelmenschen, die Zeus in Männer und Frauen zerteilte, den Kern des Werkes angesprochen: Alle streben begehrend zueinander, und weil es eine Komödie ist, finden sich am Ende vier glückliche Paare.

Shakespeares buntes Personal zwischen Adel, Bediensteten und Waldbewohnern bietet dem Regisseur von Treskow jede Menge Material für eine skurrile Nummernrevue. Einen lustigen Gegensatz bilden Schäfer Silvius als spanisch säuselnder Ersatz-Iglesias (wiederum Garry Fischmann) und der Herzogs-Begleiter Jacques (Christoph Rinke), der auch als Sänger wahrlich keine »Tote Hose« ist. Ilja Harjes lässt als Diener Amiens effektvoll die E-Gitarre dazu dröhnen: Im Zauberwald geht’s rockig zu.

[...] Christian von Treskows genaues Timing bei den Albereien, etwa den Gags des Narren (Jonas Riemer) oder dem wuchtigen Liebeswahn der Schäferin (Andrea Spicher), sorgt für einige Lacher und hat das Zeug dazu, aus der Aufführung einen Kult-Abend für Freunde literarisch hochstehenden Klamauks zu machen.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 21. November 2016

 

Gerhard Mohr mimt sowohl den tyrannischen Frederick als auch dessen schluffigen Hippie-Bruder. Ilja Harjes gibt als Le Beau den Bürokraten am Hof mit Anzug und Aktentasche, greift im Wald als Amiens zur Gitarre, um dem exilierten Herrscher mit Rock die Zeit zu vertreiben. Garry Fischmann mimt den Ringer Charles, der bei jeder Dehnübung Gelenke krachen lässt. Im Wald mutiert er zum unglücklich verliebten Schäfer Silvius, der seine Liebe zu Phebe (Andrea Spicher) mit triefendem Schlager-Schmelz auslebt. Regine Andratschke mimt den alten Diener Adam sehr tatterig und kehrt im Wald als herrliche Audrey im schriller Dolly-Parton-Optik wieder.

Das Verwirrspiel bekommt den Charakter einer Nummernrevue, dass dem Zuschauer der Erzählfaden zu entgleiten droht. Aber man merkt es fast nicht, so lustig ist der Ringkampf, bei dem Charles seinen Gegner Orlando auf die Matte wuchtet wie ein Wrestler. Nach der Pause findet von Treskow doch zu einiger Konzentration, wenn die als Mann verkleidete Rosalinde ihren schwärmerischen Verehrer Orlando einer ernsthaften Liebesprüfung unterzieht und der dabei vergisst, dass er gerade einen »Mann« küsst. Und das Finale, in dem sich der Apfel (Ausstattung: Sandra Linde und Dorien Thomsen) per Videoprojektion zum sprechenden Liebesgeist Hymen wandelt, ist von berückender Poesie.

Langweilig jedenfalls ist die Inszenierung nicht, obwohl sie fast drei Stunden währt. Was auch an einem sehr engagierten und konzentrierten Ensemble liegt. Die hochgewachsene Sandra Bezler gibt die Rosalinde als wunderbar selbstbewusste Lady. Aber gerade am Anfang bildet sie mit Ulrike Knoblochs Celia ein ansehnlich synchronisiertes Zickenpaar. Der eher unterwachsene Daniel Rothaug als Orlando bildet einen schönen Kontrast zu Bezler und überzeugt mit Überschwang. Dazu kommt ein prachtvolles Paar Narren: Jonas Riemers Probstein eher als geerdeter Konfettiwerfer und Gossenphilosoph, Christoph Rinkes Jaques wirkt mit seiner tänzerischen Physis fast wie ein flirrender Elf.

Gewiss findet von Treskow keinen neuen Blick auf Shakespeare. Aber sein philosophisches Lachtheater überzeugt doch durch Charme und Stil.

Ralf Stiftel, Westfälischer Anzeiger, 21. November 2016

 

Die ewige Suche, das Hoffen auf das passende Gegenstück stellt Christian von Treskow in den Mittelpunkt von Wie es Euch gefällt und schafft eine überaus stimmige Deutung, die dem Premierenpublikum außerordentlich gut gefällt. [...]

Von Treskow entwickelt mit seinen Akteuren für jede Figur ein ganz eigenes Bewegungs- und Sprachprofil (gesprochen wird die sensible Übersetzung Jürgen Goschs, die auf heutige Sprache setzt, ohne poetische Momente zu vernachlässigen). Das schärft die Charaktere ungemein und fördert im sehr temporeichen Bühnengeschehen die Übersicht.

Das Schauspielensemble des Theaters Münster zeigt, was eben ein Ensemble ausmacht: vertrauensvoll miteinander zu agieren und gleichzeitig Individualität zu zeigen. Großartig! Gerhard Mohr gibt souverän beide Herzöge. Und da ist Ilja Harjes als Hofschranze des neuen Herzogs, der sich gerade noch rechtzeitig davonmacht und (wie schon so oft) mit prächtiger Gesangseinlage brilliert. Regine Andratschke führt die Zweigeschlechtlichkeit in extremster Form vor – als glatzköpfiger, schlurfender Diener Adam und als Narrenbraut Audrey im Cheerleader-Outfit.

Andrea Spicher als mit Rastalocken bewehrte Phoebe liebt die zum Mann mutierte Rosalinde, hechelt ihr geradezu hinterher, dass man Mitleid haben muss. Ebenso mit Silvius, der Phoebe will und von Garry Fischmann als mit italienischem Akzent sprechender Schnulzensänger gegeben wird. Jonas Riemer ist als Narr Probstein mit fleischfarbener zarter Corsage und Karnevals-Käppi nicht nur ein echter Hingucker, sondern posaunt auch mit größter Selbstverständlichkeit die größten Unsinnigkeiten in die Welt. Christian Bo Salle ist richtig fies als böser Bruder Orlandos und wandelt, durch die Liebe geläutert ebenso schlafwandlerisch durch den Wald wie Ulrike Knobloch als Celia, die eben noch mit kecken Sprüchen glänzt und auf einmal so zahm ist.

Daniel Rothaug ist ein wütender Orlando, der aufbegehrt gegen seine gesellschaftliche Diskriminierung und ganz verletzlich wird durch die Liebe. Unsinnige, billige Verse heftet er an die Bäume des Waldes – gewidmet seiner Rosalinde, die von Sandra Bezler anrührend zart und dennoch unglaublich willenstark gezeichnet wird. Soll jemand hervorgehoben werden aus dem ungemein spielfreudigen Ensemble, so ist das Christoph Rinke als androgyn-debiler Jacques, der schlangengleich sich über Apfel und Bühne robbt. Er ist so genervt und gelangweilt von dem Geschehen um ihn herum, dass er sogar versucht, sich in einer Papiertüte zu ersticken.

[...] Bei diesem Shakespeare gehen nicht nur frisch Verliebten Herz und Hirn auf.

Thomas Hilgemeier, theaterpur.net, 21. November 2016

Presse

Einmal im Jahr gönnt sich Münsters Schauspiel einen echten Jux. Dann dürfen lustige Hasen über die Bühne wirbeln oder schrille Gestalten in Boulevard-Manier Türen zuschmeißen. Und wer, wie in dieser Spielzeit, mit den düsteren Nibelungen Schicksalsschläge durchlebt hat, der darf um so befreiter lachend in Shakespeares Zauberwald herumstreunen.

WIE ES EUCH GEFÄLLT bietet das bekannte Komödienrepertoire der Verkleidungen und falschen Verliebtheiten auf, zielt mehr aufs Zwerchfell als aufs Herz. Regisseur Christian von Treskow macht daher nicht viel Federlesens und greift zu schönen Parodien, wo immer sie sich anbieten. Schon die Besetzung des romantischen Schwärmers Orlando mit dem quirligen Daniel Rothaug ist ein Clou: Wie der kleine Mann den ruppigen Ringkämpfer (Garry Fischmann) zu Beginn im Zweikampf besiegt, kommt als bestens choreografierter Slapstick daher. Ulrike Knobloch als Tochter des bösen Herzogs brilliert neben der sanften Rosalinde temporeich in Shakespeares Bonmot-Feuerwerken, während Sandra Bezler als ebendiese Rosalinde eine geradezu staunenswerte Fülle an Schluchzern und Seufzern von sich gibt. Huch!

All dies geschieht im ersten Akt vor schmucklos dunklem Vorhang. Wenn sich aber dann die ganze Bagage als Verbannte im Wald von Arden wiederfindet, füllt ein prachtvoller Riesenapfel die Bühne von Sandra Linde und Dorien Thomsen. Die Symbolik ist natürlich mit Händen zu greifen, denn draußen, jenseits des höfischen Zwangs, tummeln sich lauter Verführer und Verführte; zu Beginn hatte bereits der alte Diener Adam (Regine Andratschke in starker Maske) mit Platons Mythos von den Kugelmenschen, die Zeus in Männer und Frauen zerteilte, den Kern des Werkes angesprochen: Alle streben begehrend zueinander, und weil es eine Komödie ist, finden sich am Ende vier glückliche Paare.

Shakespeares buntes Personal zwischen Adel, Bediensteten und Waldbewohnern bietet dem Regisseur von Treskow jede Menge Material für eine skurrile Nummernrevue. Einen lustigen Gegensatz bilden Schäfer Silvius als spanisch säuselnder Ersatz-Iglesias (wiederum Garry Fischmann) und der Herzogs-Begleiter Jacques (Christoph Rinke), der auch als Sänger wahrlich keine »Tote Hose« ist. Ilja Harjes lässt als Diener Amiens effektvoll die E-Gitarre dazu dröhnen: Im Zauberwald geht’s rockig zu.

[...] Christian von Treskows genaues Timing bei den Albereien, etwa den Gags des Narren (Jonas Riemer) oder dem wuchtigen Liebeswahn der Schäferin (Andrea Spicher), sorgt für einige Lacher und hat das Zeug dazu, aus der Aufführung einen Kult-Abend für Freunde literarisch hochstehenden Klamauks zu machen.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 21. November 2016

 

Gerhard Mohr mimt sowohl den tyrannischen Frederick als auch dessen schluffigen Hippie-Bruder. Ilja Harjes gibt als Le Beau den Bürokraten am Hof mit Anzug und Aktentasche, greift im Wald als Amiens zur Gitarre, um dem exilierten Herrscher mit Rock die Zeit zu vertreiben. Garry Fischmann mimt den Ringer Charles, der bei jeder Dehnübung Gelenke krachen lässt. Im Wald mutiert er zum unglücklich verliebten Schäfer Silvius, der seine Liebe zu Phebe (Andrea Spicher) mit triefendem Schlager-Schmelz auslebt. Regine Andratschke mimt den alten Diener Adam sehr tatterig und kehrt im Wald als herrliche Audrey im schriller Dolly-Parton-Optik wieder.

Das Verwirrspiel bekommt den Charakter einer Nummernrevue, dass dem Zuschauer der Erzählfaden zu entgleiten droht. Aber man merkt es fast nicht, so lustig ist der Ringkampf, bei dem Charles seinen Gegner Orlando auf die Matte wuchtet wie ein Wrestler. Nach der Pause findet von Treskow doch zu einiger Konzentration, wenn die als Mann verkleidete Rosalinde ihren schwärmerischen Verehrer Orlando einer ernsthaften Liebesprüfung unterzieht und der dabei vergisst, dass er gerade einen »Mann« küsst. Und das Finale, in dem sich der Apfel (Ausstattung: Sandra Linde und Dorien Thomsen) per Videoprojektion zum sprechenden Liebesgeist Hymen wandelt, ist von berückender Poesie.

Langweilig jedenfalls ist die Inszenierung nicht, obwohl sie fast drei Stunden währt. Was auch an einem sehr engagierten und konzentrierten Ensemble liegt. Die hochgewachsene Sandra Bezler gibt die Rosalinde als wunderbar selbstbewusste Lady. Aber gerade am Anfang bildet sie mit Ulrike Knoblochs Celia ein ansehnlich synchronisiertes Zickenpaar. Der eher unterwachsene Daniel Rothaug als Orlando bildet einen schönen Kontrast zu Bezler und überzeugt mit Überschwang. Dazu kommt ein prachtvolles Paar Narren: Jonas Riemers Probstein eher als geerdeter Konfettiwerfer und Gossenphilosoph, Christoph Rinkes Jaques wirkt mit seiner tänzerischen Physis fast wie ein flirrender Elf.

Gewiss findet von Treskow keinen neuen Blick auf Shakespeare. Aber sein philosophisches Lachtheater überzeugt doch durch Charme und Stil.

Ralf Stiftel, Westfälischer Anzeiger, 21. November 2016

 

Die ewige Suche, das Hoffen auf das passende Gegenstück stellt Christian von Treskow in den Mittelpunkt von Wie es Euch gefällt und schafft eine überaus stimmige Deutung, die dem Premierenpublikum außerordentlich gut gefällt. [...]

Von Treskow entwickelt mit seinen Akteuren für jede Figur ein ganz eigenes Bewegungs- und Sprachprofil (gesprochen wird die sensible Übersetzung Jürgen Goschs, die auf heutige Sprache setzt, ohne poetische Momente zu vernachlässigen). Das schärft die Charaktere ungemein und fördert im sehr temporeichen Bühnengeschehen die Übersicht.

Das Schauspielensemble des Theaters Münster zeigt, was eben ein Ensemble ausmacht: vertrauensvoll miteinander zu agieren und gleichzeitig Individualität zu zeigen. Großartig! Gerhard Mohr gibt souverän beide Herzöge. Und da ist Ilja Harjes als Hofschranze des neuen Herzogs, der sich gerade noch rechtzeitig davonmacht und (wie schon so oft) mit prächtiger Gesangseinlage brilliert. Regine Andratschke führt die Zweigeschlechtlichkeit in extremster Form vor – als glatzköpfiger, schlurfender Diener Adam und als Narrenbraut Audrey im Cheerleader-Outfit.

Andrea Spicher als mit Rastalocken bewehrte Phoebe liebt die zum Mann mutierte Rosalinde, hechelt ihr geradezu hinterher, dass man Mitleid haben muss. Ebenso mit Silvius, der Phoebe will und von Garry Fischmann als mit italienischem Akzent sprechender Schnulzensänger gegeben wird. Jonas Riemer ist als Narr Probstein mit fleischfarbener zarter Corsage und Karnevals-Käppi nicht nur ein echter Hingucker, sondern posaunt auch mit größter Selbstverständlichkeit die größten Unsinnigkeiten in die Welt. Christian Bo Salle ist richtig fies als böser Bruder Orlandos und wandelt, durch die Liebe geläutert ebenso schlafwandlerisch durch den Wald wie Ulrike Knobloch als Celia, die eben noch mit kecken Sprüchen glänzt und auf einmal so zahm ist.

Daniel Rothaug ist ein wütender Orlando, der aufbegehrt gegen seine gesellschaftliche Diskriminierung und ganz verletzlich wird durch die Liebe. Unsinnige, billige Verse heftet er an die Bäume des Waldes – gewidmet seiner Rosalinde, die von Sandra Bezler anrührend zart und dennoch unglaublich willenstark gezeichnet wird. Soll jemand hervorgehoben werden aus dem ungemein spielfreudigen Ensemble, so ist das Christoph Rinke als androgyn-debiler Jacques, der schlangengleich sich über Apfel und Bühne robbt. Er ist so genervt und gelangweilt von dem Geschehen um ihn herum, dass er sogar versucht, sich in einer Papiertüte zu ersticken.

[...] Bei diesem Shakespeare gehen nicht nur frisch Verliebten Herz und Hirn auf.

Thomas Hilgemeier, theaterpur.net, 21. November 2016

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