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RECORTES

Tanzabend von Gustavo Ramírez Sansano

Uraufführung
  • Ensemble <br />© Oliver Berg
    Ensemble
    © Oliver Berg
  • Jason Franklin <br />© Oliver Berg
    Jason Franklin
    © Oliver Berg
  • Anna Caviezel, Jason Franklin <br />© Oliver Berg
    Anna Caviezel, Jason Franklin
    © Oliver Berg
  • Melanie López López, Mirko De Campi <br />© Oliver Berg
    Melanie López López, Mirko De Campi
    © Oliver Berg
  • Maria Bayarri Pérez <br />© Oliver Berg
    Maria Bayarri Pérez
    © Oliver Berg
  • Keelan Whitmore, Elizabeth Towles, Alessio Sanna <br />© Oliver Berg
    Keelan Whitmore, Elizabeth Towles, Alessio Sanna
    © Oliver Berg
  • Elizabeth Towles, Alessio Sanna, Keelan Whitmore, Ako Nakanome <br />© Oliver Berg
    Elizabeth Towles, Alessio Sanna, Keelan Whitmore, Ako Nakanome
    © Oliver Berg
  • Ensemble <br />© Oliver Berg
    Ensemble
    © Oliver Berg
  • Keelan Whitmore <br />© Oliver Berg
    Keelan Whitmore
    © Oliver Berg
  • Elizabeth Towles <br />© Oliver Berg
    Elizabeth Towles
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  • Elizabeth Towles, Jason Franklin <br />© Oliver Berg
    Elizabeth Towles, Jason Franklin
    © Oliver Berg

Wir sind unsere Erinnerungen, wir sind dieses schimärische Museum wechselnder Formen, ein Gebilde zerbrochener Spiegel. (Jorge Luis Borges)

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

In jeder Spielzeit präsentiert das TanzTheaterMünster ausgesuchte Arbeiten international renommierter und vielfach ausgezeichneter Choreografen, um einen Einblick in die Entwicklung und Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes zu bieten. In dieser Spielzeit wird der spanische Choreograf Gustavo Ramírez Sansano eine Neukreation für das TanzTheaterMünster entwickeln.

Ausgehend von Jorge Luis Borges’ Zitat setzt sich Sansano in seiner Choreografie mit der Frage nach unserer Identität auseinander. Das Bild, das wir von uns haben, setzt sich aus vielen verschiedenen Erinnerungen zusammen, die steten Veränderungen und Verzerrungen unterworfen sind, teils verblassen sie auch im Laufe der Zeit. Wir müssen uns mit den Fragmenten der Vergangenheit begnügen, die uns das Gedächtnis zur Verfügung stellt ... Ist unsere Identität letztendlich nur eine Illusion, bestehend aus einer subjektiven und emotionalen Auswahl verschiedener Erinnerungsfragmente, mit der wir versuchen, eine lebensgeschichtliche Kontinuität herzustellen?

Gustavo Ramírez Sansano tanzte in renommierten Ballettkompanien seiner Heimat sowie dem Hubbard Street Dance Chicago und dem NDT II. 2006 gründete er seine in Valencia ansässige Kompanie Proyeto Titoyaya. Als Gastchoreograf arbeitete er u. a. für das Budapest Dance Theatre, das NDT II und für das Hamburg Ballett, wo er mit dem Prix Dom Perignon ausgezeichnet wurde. Von 2009 bis 2013 war Sansano Künstlerischer Leiter des Luna Negra Dance Theatre in Chicago.

Aufführungsdauer ca. 70 Minuten, keine Pause

Info

In jeder Spielzeit präsentiert das TanzTheaterMünster ausgesuchte Arbeiten international renommierter und vielfach ausgezeichneter Choreografen, um einen Einblick in die Entwicklung und Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes zu bieten. In dieser Spielzeit wird der spanische Choreograf Gustavo Ramírez Sansano eine Neukreation für das TanzTheaterMünster entwickeln.

Ausgehend von Jorge Luis Borges’ Zitat setzt sich Sansano in seiner Choreografie mit der Frage nach unserer Identität auseinander. Das Bild, das wir von uns haben, setzt sich aus vielen verschiedenen Erinnerungen zusammen, die steten Veränderungen und Verzerrungen unterworfen sind, teils verblassen sie auch im Laufe der Zeit. Wir müssen uns mit den Fragmenten der Vergangenheit begnügen, die uns das Gedächtnis zur Verfügung stellt ... Ist unsere Identität letztendlich nur eine Illusion, bestehend aus einer subjektiven und emotionalen Auswahl verschiedener Erinnerungsfragmente, mit der wir versuchen, eine lebensgeschichtliche Kontinuität herzustellen?

Gustavo Ramírez Sansano tanzte in renommierten Ballettkompanien seiner Heimat sowie dem Hubbard Street Dance Chicago und dem NDT II. 2006 gründete er seine in Valencia ansässige Kompanie Proyeto Titoyaya. Als Gastchoreograf arbeitete er u. a. für das Budapest Dance Theatre, das NDT II und für das Hamburg Ballett, wo er mit dem Prix Dom Perignon ausgezeichnet wurde. Von 2009 bis 2013 war Sansano Künstlerischer Leiter des Luna Negra Dance Theatre in Chicago.

Aufführungsdauer ca. 70 Minuten, keine Pause

Die Kulisse wirkt wie aus Papier geschnitten: Weiße Wände mit rechteckigen Öffnungen stechen aus Luis Crespos dunkler Bühne hervor. Eine schwarz gekleidete Frau (Maria Bayarri Pérez) scheint darin gefangen. Mit schnellen Armbewegungen, großen Sprüngen und geflexten Füßen wehrt sich die Tänzerin gegen imaginäre Widerstände. Eine Figur, eingeschlossen hinter offenen Türen und bedrängt von Individuen, die nach ihr greifen und sie doch nicht fassen können. Eine beklemmende, surreale Szene.

[...] In seiner gut einstündigen Produktion dominieren Soloauftritte und Pas de deux: hektische, sperrig anmutende, sich wiederholende Sequenzen, frei von konkreter Handlung und in spannungsvollem Kontrast zur Klangkulisse. Franz Schuberts melancholisch-getragene Kammermusik (Piano Trio in E Flat, Op. 148) erscheint in Zusammenhang zu den zuckenden Bewegungen wechselnder Tänzer seltsam fremd und unbestimmt. Gustavo Ramirez Sansano kreiert düstere Bilder, wenn er die Vergangenheit als Ausdruck gescheiterter zwischenmenschlicher Beziehungen in Tanz übersetzt. Immer wieder stellt er getriebene Figuren ins Rampenlicht. Individuen, die sich einander nähern, aber stets bei sich bleiben, die sich begegnen, aber nie zueinander finden.

Geradezu aufdringlich harmonisch dagegen die sich anschließende Szene: Vier Tänzerinnen und Tänzer kommen in wechselnden Konstellationen als Paare zusammen, umarmen sich, geben schmatzend Küsschen, wiegen einander im Takt zur Musik. Schien die Vergangenheit gerade noch unerreichbar fern, erwacht sie auf Elvis Presleys »Love me tender« zu neuem Leben.

Getragen von ausdrucksstarken Tänzerpersönlichkeiten gelingt dem sehenswerten Tanztheater Münster ein Abend, der [...] als kontrastreiche Gesamtinszenierung aus Kulisse, Licht und Bewegung überzeugt. Etwa wenn schwarz gekleidete Tänzer Schatten auf weiße Bühnenwände malen, im Dunkeln wie aus dem Nichts auftauchen oder die Szene von außen beobachten, als seien sie Wesen aus einer anderen Zeit. Momente, die das flüchtige Gebilde um Vergangenheit und Erinnerung in treffende Bilder übersetzen. Passend dazu die durchgehende Schwarz-Weiß-Ästhetik, mit der negative wie positive Emotionen schlaglichtartig auf die Bühne kommen. So auch im überraschenden Schluss, wenn das Ensemble plötzlich ganz in Weiß, strahlend vor Glück, über die Bühne tanzt.

Ein Stück, das unser Leben letztlich nimmt, wie es ist: fordernd und hart, aber auch sehr schön.

Isabell Steinböck, Die deutsche Bühne, 16. Januar 2017

 

[...] Das durchweg schwarz-weiße Szenario im Ambiente aus mobilen Wandteilen (Ausstattung: Luis Crespo), die den Raum mit größter Effizienz und Eleganz immer wieder überraschend verändern, setzt sich aus abstrakten Duetten, Soli und kleinen Gruppierungen zusammen. Witzig ist vor allem ein Quartett, in dem der Gesellschaftstanz zweier Paare sich auflöst und sich alle zum buckligen Berg türmen.

Dass es um erinnerte Paarbeziehungen geht, ist natürlich nicht neu. Früher einmal, schreiben die Tanzenden gegen Ende des einstündigen Stücks in ihrer jeweiligen Muttersprache auf die weiße Wand, hatten sie dem oder der Geliebten geschworen »Ich werde dich nie belügen«. Dass sich nicht alle dran gehalten haben, darf vermutet werden. Bemerkenswert sind die bizarr kafkaeske Körpersprache und die Tempi. Immer wieder verharren die Tanzenden, als stehe eine Filmspule plötzlich still. Scherenschnittartige Tableaux entstehen so. Präzision und Geschmeidigkeit des Ensembles sind frappant, besonders auffallend immer wieder, wollte man denn überhaupt einzelne hervorheben, Mirko De Campi und Keelan Whitmore, Elizabeth Towles und Melanie López López.

War anfangs klassische, teils akustisch verfremdete Klaviermusik zu hören - Kostproben etwa aus einem Schubert-Quintett für Streicher und Piano oder eine Bach-Invention - schnulzt gegen Ende der einstündigen Choreografie des Spaniers im heiteren Finale, als alle weiß gekleidet sind und sich mit schwarzen Stiften karnevalistische Muster auf die Blusen malen, Elvis Presley »Love me tender, love me sweet - let me never go«.

Sansano hat RECORTES (Erinnerungen) aus Teilen früherer Choreografien ‚gebastelt’. Thematischer Stichwortgeber für das neue Stück war der argentinische Mitgründer des magischen Realismus' Jorge Luis Borges mit seiner These: »Wir sind unsere Erinnerungen. Wir sind dieses schimärische Museum wechselnder Formen, ein Gebilde zerbrochener Spiegel«. Sansanos Dramaturgie vom einsamen Einzelnen zur fröhlichen Gruppe baut sich spannungsreich konsequent wie ein Crescendo auf.

Marieluise Jeitschko, tanznetz.de, 16. Januar 2017

Presse

Die Kulisse wirkt wie aus Papier geschnitten: Weiße Wände mit rechteckigen Öffnungen stechen aus Luis Crespos dunkler Bühne hervor. Eine schwarz gekleidete Frau (Maria Bayarri Pérez) scheint darin gefangen. Mit schnellen Armbewegungen, großen Sprüngen und geflexten Füßen wehrt sich die Tänzerin gegen imaginäre Widerstände. Eine Figur, eingeschlossen hinter offenen Türen und bedrängt von Individuen, die nach ihr greifen und sie doch nicht fassen können. Eine beklemmende, surreale Szene.

[...] In seiner gut einstündigen Produktion dominieren Soloauftritte und Pas de deux: hektische, sperrig anmutende, sich wiederholende Sequenzen, frei von konkreter Handlung und in spannungsvollem Kontrast zur Klangkulisse. Franz Schuberts melancholisch-getragene Kammermusik (Piano Trio in E Flat, Op. 148) erscheint in Zusammenhang zu den zuckenden Bewegungen wechselnder Tänzer seltsam fremd und unbestimmt. Gustavo Ramirez Sansano kreiert düstere Bilder, wenn er die Vergangenheit als Ausdruck gescheiterter zwischenmenschlicher Beziehungen in Tanz übersetzt. Immer wieder stellt er getriebene Figuren ins Rampenlicht. Individuen, die sich einander nähern, aber stets bei sich bleiben, die sich begegnen, aber nie zueinander finden.

Geradezu aufdringlich harmonisch dagegen die sich anschließende Szene: Vier Tänzerinnen und Tänzer kommen in wechselnden Konstellationen als Paare zusammen, umarmen sich, geben schmatzend Küsschen, wiegen einander im Takt zur Musik. Schien die Vergangenheit gerade noch unerreichbar fern, erwacht sie auf Elvis Presleys »Love me tender« zu neuem Leben.

Getragen von ausdrucksstarken Tänzerpersönlichkeiten gelingt dem sehenswerten Tanztheater Münster ein Abend, der [...] als kontrastreiche Gesamtinszenierung aus Kulisse, Licht und Bewegung überzeugt. Etwa wenn schwarz gekleidete Tänzer Schatten auf weiße Bühnenwände malen, im Dunkeln wie aus dem Nichts auftauchen oder die Szene von außen beobachten, als seien sie Wesen aus einer anderen Zeit. Momente, die das flüchtige Gebilde um Vergangenheit und Erinnerung in treffende Bilder übersetzen. Passend dazu die durchgehende Schwarz-Weiß-Ästhetik, mit der negative wie positive Emotionen schlaglichtartig auf die Bühne kommen. So auch im überraschenden Schluss, wenn das Ensemble plötzlich ganz in Weiß, strahlend vor Glück, über die Bühne tanzt.

Ein Stück, das unser Leben letztlich nimmt, wie es ist: fordernd und hart, aber auch sehr schön.

Isabell Steinböck, Die deutsche Bühne, 16. Januar 2017

 

[...] Das durchweg schwarz-weiße Szenario im Ambiente aus mobilen Wandteilen (Ausstattung: Luis Crespo), die den Raum mit größter Effizienz und Eleganz immer wieder überraschend verändern, setzt sich aus abstrakten Duetten, Soli und kleinen Gruppierungen zusammen. Witzig ist vor allem ein Quartett, in dem der Gesellschaftstanz zweier Paare sich auflöst und sich alle zum buckligen Berg türmen.

Dass es um erinnerte Paarbeziehungen geht, ist natürlich nicht neu. Früher einmal, schreiben die Tanzenden gegen Ende des einstündigen Stücks in ihrer jeweiligen Muttersprache auf die weiße Wand, hatten sie dem oder der Geliebten geschworen »Ich werde dich nie belügen«. Dass sich nicht alle dran gehalten haben, darf vermutet werden. Bemerkenswert sind die bizarr kafkaeske Körpersprache und die Tempi. Immer wieder verharren die Tanzenden, als stehe eine Filmspule plötzlich still. Scherenschnittartige Tableaux entstehen so. Präzision und Geschmeidigkeit des Ensembles sind frappant, besonders auffallend immer wieder, wollte man denn überhaupt einzelne hervorheben, Mirko De Campi und Keelan Whitmore, Elizabeth Towles und Melanie López López.

War anfangs klassische, teils akustisch verfremdete Klaviermusik zu hören - Kostproben etwa aus einem Schubert-Quintett für Streicher und Piano oder eine Bach-Invention - schnulzt gegen Ende der einstündigen Choreografie des Spaniers im heiteren Finale, als alle weiß gekleidet sind und sich mit schwarzen Stiften karnevalistische Muster auf die Blusen malen, Elvis Presley »Love me tender, love me sweet - let me never go«.

Sansano hat RECORTES (Erinnerungen) aus Teilen früherer Choreografien ‚gebastelt’. Thematischer Stichwortgeber für das neue Stück war der argentinische Mitgründer des magischen Realismus' Jorge Luis Borges mit seiner These: »Wir sind unsere Erinnerungen. Wir sind dieses schimärische Museum wechselnder Formen, ein Gebilde zerbrochener Spiegel«. Sansanos Dramaturgie vom einsamen Einzelnen zur fröhlichen Gruppe baut sich spannungsreich konsequent wie ein Crescendo auf.

Marieluise Jeitschko, tanznetz.de, 16. Januar 2017


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