Schauspiel

Liebe und Information

von Caryl Churchill
Deutsch von Hannes Becker

Deutschsprachige Erstaufführung

LIEBE UND INFORMATION <br>Julia Stefanie Möller, Ilja Harjes � © Oliver Berg
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Gewählter Termin

Deutschsprachige Erstaufführung
Fr, 20. September 2013
19.30 Uhr, Kleines Haus
Preise D
Premierenabo Kl. Haus

momentan leider keine weiteren Termine geplant

Ich will nicht, dass du mich liebst, ich weiß nicht, wer du bist.  Ein Geheimnis, das eine Beziehung zerbricht. Ein Mensch, der die Stimme Gottes hört, und ein anderer, der ihm nicht glaubt. Zwei Forscher, die Tiergehirne manipulieren, auf der Spur von Gedächtnis. Ein Kranker, der sich fragt, wie viel Zeit noch bleibt. Ein Mensch, der sich virtuell verliebt. Ein anderer, der nicht mehr schlafen kann. Sieben Teile und 49 Szenen bilden das Stück – aber kein Ganzes. LIEBE UND INFORMATION ist ein dunkel leuchtender, sich ständig wandelnder Szenencluster – der furchtlose Versuch, unserer digitalisierten Welt eine Form zu geben. Die Figuren des Stückes wollen alles wissen, fragen und kommunizieren bis zur Selbstauflösung. Wo allumfassende Transparenz gefordert ist, wächst aber auch das Unübersichtliche, die Schwierigkeit zu glauben, und vor allem der Zweifel an der Wahrhaftigkeit von Gefühlen. Ist Liebe auch nur Information? Oder weist sie doch darüber hinaus? Was wissen wir? Und was macht das mit uns?

Mit großer Leichtigkeit und oft auch viel Witz taucht Caryl Churchill in ihrer virtuosen Bestandsaufnahme in Schicksale ein: alltägliche, politische und ganz und gar unglaubliche. Alle Figuren sind manisch Getriebene, geworfen in eine unbezwingbare Informationsflut, die Wissen und Macht verteilt, ausschließt, überfordert und in letzter Konsequenz den Menschen in seelischer Verwüstung zurücklässt. Ein multiperspektivischer, tragisch-komischer Blick auf eine unübersichtlich durchsichtige Welt und die Menschen, die versuchen sie zu bewohnen.

Aufführungsdauer ca. 100 Minuten, keine Pause

 

AUS DER PRESSE:

Rund 100 Minuten bekommt man ein fragmentiertes Universum vor Augen geführt, als würde ein ungeduldiger Fernsehzuschauer von Programm zu Programm zappen. Trotzdem gestaltet sich die Sache recht unterhaltsam. Denn die Regisseurin legt ein sicheres Gespür für Timing an den Tag, und dem neunköpfigen Ensemble gelingt es, die zahlreichen Figuren trotz der kurzen Sequenzen glaubhaft zu entwickeln und interessant auf die Bühne zu bringen. Manches kommt einem vertraut vor, anderes stachelt die Neugier an, wieder anderes bleibt rätselhaft. So wird man fortgetragen von einem Ereignis zum nächsten.

Helmut Jasny, Münstersche Zeitung, 23. September 2013

 

Sagen oder Nichtsagen – das ist in der 100-minütigen Szenenfolge die Frage. Die Autorin, die am Ende freundlich lächelnd den Applaus im Kleinen Haus entgegennahm, hat ihren Interpreten ein wunderbar offenes Spielmaterial bereitgestellt. … Auf Wolf Gutjahrs leergeräumter Bühne, wo neben den Figuren vor allem vielgestaltige Kostüme sprechen, bringt sie (die Regisseurin Caro Thum) die Texte nicht nur zu dialogischen Leben, sondern spitzt sie auch noch zu, indem sie etwa einen langen Monolog über die Farben der Rose einer Blinden anvertraut. … Caryl Churchill fügt szenische Aphorismen aneinander, und das neunköpfige Ensemble macht lauter Hauptrollen daraus.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 23. September 2013

 

Während der 100 pausenlosen Spielminuten drängen sich 50 Szenen mit doppelt so vielen Personen, gespielt von neun Schauspielern und sechs Statisten, auf kleinstem Raum wie ein hektisch bewegter ›Cluster’ heutiger Lebenssituationen zwischen Banalität und Tragik, Momentaufnahmen von Typen und Situationen wie beim Zappen durch die TV-Kanäle.

[...] Weggeschwemmt von der Flut aus Reizen werden Tiefgang und Humanität. Information als Liebestöter. Witzig ist manches, anrührend anderes, bizarr sehr vieles. … War die Uraufführung in London in einem weißen Kubus mit klaren Abgrenzungen der Szenen durch kurze Blackouts über die Bühne gegangen, so verwischt Regisseurin Cora Thum in Münster die Grenzen. Das schafft – sicher gewollt – Irritation und Tohuwabohu. Das Publikum feierte das wackere Ensemble und die angereiste Autorin mit anhaltendem Applaus.

Marieluise Jeitschko, Die deutsche Bühne, 23. September 2013

Regieteam

Inszenierung
Caro Thum
Bühne und Kostüme
Wolf Gutjahr
Musik
Malte Preuß
Dramaturgie
Friederike Engel

Besetzung

Mit
Regine Andratschke
Lilly Gropper
Claudia Hübschmann
Johanna Marx
Julia Stefanie Möller
Frank-Peter Dettmann
Ilja Harjes
Gerhard Mohr
Rasmus Max Wirth