zum Theater-Blog zum Sinfonieorchester zum Online-Ticket-Shop

JE SUIS FASSBINDER (DEUTSCHLAND IM HERBST 2016)

Text von Falk Richter unter Verwendung von Originaltexten von Rainer Werner Fassbinder

  • Garry Fischmann, Ilja Harjes, Claudia Hübschmann, Natalja Joselewitsch, Jonas Riemer <br />© Oliver Berg
    Garry Fischmann, Ilja Harjes, Claudia Hübschmann, Natalja Joselewitsch, Jonas Riemer
    © Oliver Berg
  • Ilja Harjes, Natalja Joselewitsch, Jonas Riemer, Garry Fischmann, Claudia Hübschmann <br />© Oliver Berg
    Ilja Harjes, Natalja Joselewitsch, Jonas Riemer, Garry Fischmann, Claudia Hübschmann
    © Oliver Berg
  • Claudia Hübschmann <br />© Oliver Berg
    Claudia Hübschmann
    © Oliver Berg
  • Garry Fischmann, Claudia Hübschmann, Jonas Riemer <br />© Oliver Berg
    Garry Fischmann, Claudia Hübschmann, Jonas Riemer
    © Oliver Berg
  • Jonas Riemer, Ilja Harjes <br />© Oliver Berg
    Jonas Riemer, Ilja Harjes
    © Oliver Berg
  • Natalja Joselewitsch, Jonas Riemer <br />© Oliver Berg
    Natalja Joselewitsch, Jonas Riemer
    © Oliver Berg
  • Garry Fischmann, Claudia Hübschmann  <br />© Oliver Berg
    Garry Fischmann, Claudia Hübschmann
    © Oliver Berg
  • Jonas Riemer <br />© Oliver Berg
    Jonas Riemer
    © Oliver Berg
  • Ilja Harjes, Natalja Joselewitsch <br />© Oliver Berg
    Ilja Harjes, Natalja Joselewitsch
    © Oliver Berg
  • Ilja Harjes, Garry Fischmann, Jonas Riemer <br />© Oliver Berg
    Ilja Harjes, Garry Fischmann, Jonas Riemer
    © Oliver Berg
  • Natalja Joselewitsch, Ilja Harjes, Jonas Riemer, Claudia Hübschmann <br />© Oliver Berg
    Natalja Joselewitsch, Ilja Harjes, Jonas Riemer, Claudia Hübschmann
    © Oliver Berg
  • Ilja Harjes <br />© Oliver Berg
    Ilja Harjes
    © Oliver Berg

»Ich bin nicht Charlie. Ich sitze nicht in Paris und trinke Champagner. Ich bin Charlie.«

Sa, 07. Oktober 2017
19.30 Uhr · Kleines Haus · Preise D
Samstagabo Kleines Haus

19.00 Einführung im Foyer Kl. Haus

Liebe und Politik sind die Themen des wohl radikalsten und zugleich sensibelsten deutschen Kultregisseurs Rainer Werner Fassbinder. Unter dem Eindruck des RAF-Terrors der 70er Jahre beteiligte er sich an dem Kollektivfilm DEUTSCHLAND IM HERBST, für den er die erste Episode entwickelte. Im Film sieht man ihn mit seinem Geliebten und im Streitgespräch mit seiner Mutter. Es ist erschreckend und faszinierend, wie das Private mit der Politik dabei verknüpft ist. Fassbinder war entsetzt, wie schnell in Zeiten des Terrors demokratische Grundsätze aufgegeben werden. Und auch Falk Richter ist entsetzt über die heutigen Entwicklungen hierzulande und fragt sich, wie man als Künstler auf solche Entwicklungen reagieren kann. Er positioniert sich: »Ich bin Fassbinder. Ich bin ein Opfer des IS. Ich bin ein Flüchtling in Europa. Ich bin ein Redakteur von Charlie Hebdo. Ich bin Europa. Ich weiß nicht, wer ich bin. Angst, überall Angst, und in dieser Angst liegt eine große Gefahr.«

Falk Richters Texte sind dezidiert politisch. In SMALL TOWN BOY spricht er offen über schwules Leben und Homophobie. Sein Skandalstück FEAR, in dem er den Populismus von AfD und Pegida bloßstellt, brachte ihm ein Gerichtsverfahren ein. JE SUIS FASSBINDER wurde 2016 in Straßburg in der Regie des Autors uraufgeführt.

 

Aufführungsdauer ca. 120 Minuten, keine Pause

 

Fassbinder, Rainer Werner Fassbinder und RWF (als Wort- und Bildmarke) sind registrierte Marken der Rainer Werner Fassbinder Foundation.

Info

Liebe und Politik sind die Themen des wohl radikalsten und zugleich sensibelsten deutschen Kultregisseurs Rainer Werner Fassbinder. Unter dem Eindruck des RAF-Terrors der 70er Jahre beteiligte er sich an dem Kollektivfilm DEUTSCHLAND IM HERBST, für den er die erste Episode entwickelte. Im Film sieht man ihn mit seinem Geliebten und im Streitgespräch mit seiner Mutter. Es ist erschreckend und faszinierend, wie das Private mit der Politik dabei verknüpft ist. Fassbinder war entsetzt, wie schnell in Zeiten des Terrors demokratische Grundsätze aufgegeben werden. Und auch Falk Richter ist entsetzt über die heutigen Entwicklungen hierzulande und fragt sich, wie man als Künstler auf solche Entwicklungen reagieren kann. Er positioniert sich: »Ich bin Fassbinder. Ich bin ein Opfer des IS. Ich bin ein Flüchtling in Europa. Ich bin ein Redakteur von Charlie Hebdo. Ich bin Europa. Ich weiß nicht, wer ich bin. Angst, überall Angst, und in dieser Angst liegt eine große Gefahr.«

Falk Richters Texte sind dezidiert politisch. In SMALL TOWN BOY spricht er offen über schwules Leben und Homophobie. Sein Skandalstück FEAR, in dem er den Populismus von AfD und Pegida bloßstellt, brachte ihm ein Gerichtsverfahren ein. JE SUIS FASSBINDER wurde 2016 in Straßburg in der Regie des Autors uraufgeführt.

 

Aufführungsdauer ca. 120 Minuten, keine Pause

 

Fassbinder, Rainer Werner Fassbinder und RWF (als Wort- und Bildmarke) sind registrierte Marken der Rainer Werner Fassbinder Foundation.

Leitung

Inszenierung Max Claessen

Bühne & Kostüme Ilka Meier

Video Andreas Klein

Dramaturgie Michael Letmathe


Besetzung

Garry Fischmann

Ilja Harjes

Claudia Hübschmann

Natalja Joselewitsch

Jonas Riemer

Besetzung

Leitung

Inszenierung Max Claessen

Bühne & Kostüme Ilka Meier

Video Andreas Klein

Dramaturgie Michael Letmathe


Besetzung

Garry Fischmann

Ilja Harjes

Claudia Hübschmann

Natalja Joselewitsch

Jonas Riemer


Mutiges und gehaltvolles Experiment

Zum Auftakt der Spielzeit setzte das Theater Münster einen politischen Akzent. […] Wohin bewegt sich die Gesellschaft in Zeiten der Angst vor Terror, und welche Konsequenzen entstehen für die Rechte des Einzelnen? Und: Wie bewahrt man die Demokratie? Das Publikum, das den ausführlichen Diskurs und die nachdenkliche Identitätsbestimmung der Künstler beobachtet, ist schon vorab zweigeteilt: Die von Ilka Meier entworfene, an Requisiten reiche Bühne befindet sich fast in der Mitte des Kleinen Hauses, weswegen die Akteure in zwei Richtungen spielen müssen. Unterstützt wird deren Performance durch die Live-Kamer, die von Sven Stratmann geführt wird. Die Aufnahmen werden auf zwei mächtigen, flachen Bildschirmen vor der jeweiligen Publikumshälfte gezeigt. Diese Maßnahme ist kein selbstverliebter Theater-Schnickschnack, sondern ein reizvolles Konzept, das einerseits eine zusätzliche, verbesserte Wahrnehmung ermöglicht. Andererseits ist der Video-Fluss, der von Detail-Aufnahmen bis zu Gruppen-Bildnissen reicht, überzeugend gestaltet, so das Sven Stratman zu einem weiteren Spieler wird, der mit seiner Kamera stumm kommentiert.

Starker Applaus für das mit zwei Stunden Spielzeit etwas lang geratene, aber mutige und gehaltvolle Experiment.

Alexander Beuter, Die Glocke, 18.September 2017

 

Stück zur Stunde

Diese Laborsituation in einem Apartment mit offenen Wänden ist wahrlich ein Stück zur Stunde. Ätzend scharf legt Falk Richter in »Je Suis Fassbinder« die Verunsicherung der Gesellschaft frei. All die Leute, die sich nicht mehr auskennen zwischen den Verheißungen der Demokratie und der Sehnsucht nach einer starken Führung. Das Schauspiel in Münster startet mit einer politischen Setzung in der Spielzeit. […]

Max Claessen inszeniert stilsicher und pointiert. Die Bühne (Ausstattung: Ilka Meiner) ist ein Apartment mit Bad und Schlafzimmer, mit dauerlaufendem Fernseher und Küchenzeile. Das Publikum in Kleinen Haus sitzt auf beiden Seiten dieser Bühne. […] Ilja Harjes gibt den Regisseur, der an den Unzulänglichkeiten seiner Mitstreiter verzweifelt, er ist die Figur »Ilja« in dem Film, den er »dreht« und manchmal ist er auch noch Fassbinder, der Originaltext aus dem alten Film spricht. Und auch die anderen agieren auf mehreren Handlungsebenen, so dass sich immer wieder Sinnscheren öffnen zwischen banalen Alltagsaktionen wie einer immer kindlicheren Mahlzeit mit Spaghetti und Debatten, in denen Ilja, Garry, Claudia, Jonas Riemer und Natalja Joselewitsch die Verstörtheiten der Gegenwart austragen.[…]

Das hat in Münster die nötige Wucht und Verspieltheit. Das Ensemble setzt die bestimmt nicht einfache Vorlage souverän um […]

Ralf Stiftel, Westfälischer Anzeiger, 19. September 2017

Presse

Mutiges und gehaltvolles Experiment

Zum Auftakt der Spielzeit setzte das Theater Münster einen politischen Akzent. […] Wohin bewegt sich die Gesellschaft in Zeiten der Angst vor Terror, und welche Konsequenzen entstehen für die Rechte des Einzelnen? Und: Wie bewahrt man die Demokratie? Das Publikum, das den ausführlichen Diskurs und die nachdenkliche Identitätsbestimmung der Künstler beobachtet, ist schon vorab zweigeteilt: Die von Ilka Meier entworfene, an Requisiten reiche Bühne befindet sich fast in der Mitte des Kleinen Hauses, weswegen die Akteure in zwei Richtungen spielen müssen. Unterstützt wird deren Performance durch die Live-Kamer, die von Sven Stratmann geführt wird. Die Aufnahmen werden auf zwei mächtigen, flachen Bildschirmen vor der jeweiligen Publikumshälfte gezeigt. Diese Maßnahme ist kein selbstverliebter Theater-Schnickschnack, sondern ein reizvolles Konzept, das einerseits eine zusätzliche, verbesserte Wahrnehmung ermöglicht. Andererseits ist der Video-Fluss, der von Detail-Aufnahmen bis zu Gruppen-Bildnissen reicht, überzeugend gestaltet, so das Sven Stratman zu einem weiteren Spieler wird, der mit seiner Kamera stumm kommentiert.

Starker Applaus für das mit zwei Stunden Spielzeit etwas lang geratene, aber mutige und gehaltvolle Experiment.

Alexander Beuter, Die Glocke, 18.September 2017

 

Stück zur Stunde

Diese Laborsituation in einem Apartment mit offenen Wänden ist wahrlich ein Stück zur Stunde. Ätzend scharf legt Falk Richter in »Je Suis Fassbinder« die Verunsicherung der Gesellschaft frei. All die Leute, die sich nicht mehr auskennen zwischen den Verheißungen der Demokratie und der Sehnsucht nach einer starken Führung. Das Schauspiel in Münster startet mit einer politischen Setzung in der Spielzeit. […]

Max Claessen inszeniert stilsicher und pointiert. Die Bühne (Ausstattung: Ilka Meiner) ist ein Apartment mit Bad und Schlafzimmer, mit dauerlaufendem Fernseher und Küchenzeile. Das Publikum in Kleinen Haus sitzt auf beiden Seiten dieser Bühne. […] Ilja Harjes gibt den Regisseur, der an den Unzulänglichkeiten seiner Mitstreiter verzweifelt, er ist die Figur »Ilja« in dem Film, den er »dreht« und manchmal ist er auch noch Fassbinder, der Originaltext aus dem alten Film spricht. Und auch die anderen agieren auf mehreren Handlungsebenen, so dass sich immer wieder Sinnscheren öffnen zwischen banalen Alltagsaktionen wie einer immer kindlicheren Mahlzeit mit Spaghetti und Debatten, in denen Ilja, Garry, Claudia, Jonas Riemer und Natalja Joselewitsch die Verstörtheiten der Gegenwart austragen.[…]

Das hat in Münster die nötige Wucht und Verspieltheit. Das Ensemble setzt die bestimmt nicht einfache Vorlage souverän um […]

Ralf Stiftel, Westfälischer Anzeiger, 19. September 2017


Video

nach oben
nach oben