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FALSTAFF

Komische Oper von Giuseppe Verdi

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
  • Gregor Dalal <br />© Oliver Berg
    Gregor Dalal
    © Oliver Berg
  • Cameron Becker, Gregor Dalal, Plamen Hidjov <br />© Oliver Berg
    Cameron Becker, Gregor Dalal, Plamen Hidjov
    © Oliver Berg
  • Sara Rossi Daldoss, Eva Bauchmüller, Suzanne McLeod, Lisa Wedekind <br />© Oliver Berg
    Sara Rossi Daldoss, Eva Bauchmüller, Suzanne McLeod, Lisa Wedekind
    © Oliver Berg
  • Suzanne McLeod, Gregor Dalal <br />© Oliver Berg
    Suzanne McLeod, Gregor Dalal
    © Oliver Berg
  • Sara Rossi Daldoss, Suzanne McLeod, Gregor Dalal <br />© Oliver Berg
    Sara Rossi Daldoss, Suzanne McLeod, Gregor Dalal
    © Oliver Berg
  • Gregor Dalal <br />© Oliver Berg
    Gregor Dalal
    © Oliver Berg
  • Youn-Seong Shim, Eva Bauchmüller <br />© Oliver Berg
    Youn-Seong Shim, Eva Bauchmüller
    © Oliver Berg
  • Gary Martin, Hans Kittelmann <br />© Oliver Berg
    Gary Martin, Hans Kittelmann
    © Oliver Berg
  • Wolfgang Ueffing, Youn-Seong Shim <br />© Oliver Berg
    Wolfgang Ueffing, Youn-Seong Shim
    © Oliver Berg
  • Gregor Dalal, Damenchor <br />© Oliver Berg
    Gregor Dalal, Damenchor
    © Oliver Berg
  • Eva Bauchmüller, Opernchor <br />© Oliver Berg
    Eva Bauchmüller, Opernchor
    © Oliver Berg
  • Gregor Dalal, Ensemble, Opernchor, Statisterie <br />© Oliver Berg
    Gregor Dalal, Ensemble, Opernchor, Statisterie
    © Oliver Berg

Die ganze Welt ist Bühne und alle Fraun und Männer bloße Spieler. (Shakespeare)

zum letzten Mal
Fr, 17. März 2017
19.30 Uhr · Großes Haus · Preise A
ver.di

19.00 Einführung im Foyer Gr. Haus

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

Ein Höllengelächter beschließt das letzte Bühnenwerk (UA 1893 in Mailand) eines der Größten der Oper: Tutto nel mondo è burla – Alles auf der Welt ist Spaß. Alles Narren und Genarrte – auf der Bühne und im Saal, oben und unten. Die Komödie gilt als vielfältiger, subtiler und ausdrucksstärker als alle bisherigen Opern Verdis.

Den alternden John »Falstaff« hat es in die Kantine eines ansässigen Theaters verschlagen. Hier verbringt er – neben der Arbeit als Schauspieler – ein anarchisches wie schmarotzendes Leben, das immer wieder mit den geordneten Spießbürgern in Konflikt gerät. Ein Blick auf seinen niedrigen Kontostand weckt in John »Falstaff« den Einfall, an zwei reiche Frauen der Stadt gleichlautende Liebesbriefe zu schreiben. Er erhofft sich ein Rendezvous mit finanziellem Ertrag. Im Folgenden gerät dann die bourgeoise Gesellschaft außer Rand und Band. Die Welt wird zum Irrenhaus, in dem es um Eifersucht, Besitzansprüche, Vorteilsdenken und Irrtümer geht.

Falstaff erscheint als lebender Anachronismus in einer neuen Zeit. Seine unbürgerliche Fantasie versetzt der normierten Regelwelt heftige Erschütterungen. Vom dicken (Schau)Spieler animiert, beginnen die Spießbürger selbst zu spielen, sich zu verkleiden und zu verstellen und erfahren so im Spiel und mit dem Spieler beunruhigende Geheimnisse über sich und die Welt.

Aufführungsdauer ca. 150 Minuten, eine Pause

Info

Ein Höllengelächter beschließt das letzte Bühnenwerk (UA 1893 in Mailand) eines der Größten der Oper: Tutto nel mondo è burla – Alles auf der Welt ist Spaß. Alles Narren und Genarrte – auf der Bühne und im Saal, oben und unten. Die Komödie gilt als vielfältiger, subtiler und ausdrucksstärker als alle bisherigen Opern Verdis.

Den alternden John »Falstaff« hat es in die Kantine eines ansässigen Theaters verschlagen. Hier verbringt er – neben der Arbeit als Schauspieler – ein anarchisches wie schmarotzendes Leben, das immer wieder mit den geordneten Spießbürgern in Konflikt gerät. Ein Blick auf seinen niedrigen Kontostand weckt in John »Falstaff« den Einfall, an zwei reiche Frauen der Stadt gleichlautende Liebesbriefe zu schreiben. Er erhofft sich ein Rendezvous mit finanziellem Ertrag. Im Folgenden gerät dann die bourgeoise Gesellschaft außer Rand und Band. Die Welt wird zum Irrenhaus, in dem es um Eifersucht, Besitzansprüche, Vorteilsdenken und Irrtümer geht.

Falstaff erscheint als lebender Anachronismus in einer neuen Zeit. Seine unbürgerliche Fantasie versetzt der normierten Regelwelt heftige Erschütterungen. Vom dicken (Schau)Spieler animiert, beginnen die Spießbürger selbst zu spielen, sich zu verkleiden und zu verstellen und erfahren so im Spiel und mit dem Spieler beunruhigende Geheimnisse über sich und die Welt.

Aufführungsdauer ca. 150 Minuten, eine Pause

Leitung

Musikalische Leitung Fabrizio Ventura

Inszenierung Ulrich Peters

Bühne & Kostüme Christian Floeren

Choreinstudierung Inna Batyuk

Dramaturgie Ronny Scholz


Besetzung

Sir John Falstaff Gregor Dalal

Ford Gary Martin

Fenton Youn-Seong Shim

Dr. Cajus Hans Kittelmann

Bardolfo Cameron Becker

Pistola Plamen Hidjov

Alice Ford Sara Rossi Daldoss

Nannetta Eva Bauchmüller

Mrs. Quickly Suzanne McLeod

Meg Page Lisa Wedekind

Opernchor des Theaters Münster

Sinfonieorchester Münster

Besetzung

Leitung

Musikalische Leitung Fabrizio Ventura

Inszenierung Ulrich Peters

Bühne & Kostüme Christian Floeren

Choreinstudierung Inna Batyuk

Dramaturgie Ronny Scholz


Besetzung

Sir John Falstaff Gregor Dalal

Ford Gary Martin

Fenton Youn-Seong Shim

Dr. Cajus Hans Kittelmann

Bardolfo Cameron Becker

Pistola Plamen Hidjov

Alice Ford Sara Rossi Daldoss

Nannetta Eva Bauchmüller

Mrs. Quickly Suzanne McLeod

Meg Page Lisa Wedekind

Opernchor des Theaters Münster

Sinfonieorchester Münster


Ein brillantes Ensemble, ein knackiges Orchester und Turbulenz auf der Bühne: FALSTAFF im Großen Haus ist ein Erfolg.

Sie haben ihn in den Fluss geworfen. Mühsam klettert Sir John Falstaff wieder an Land, kämpft noch mit dem Rettungsring, schleudert Wasser und feuchtes Getier von sich – und bekommt Szenenapplaus.

Es ist eine hübsche, witzige Szene, die sich Regisseur Ulrich Peters für den Beginn des dritten Akts von Verdis letzter Oper ausgedacht hat. Ihren Reiz bezieht sie aber auch aus der pittoresken, stimmungsvoll ausgeleuchteten Ausstattung Christian Floerens. Er und Peters holen den Shakespeare-Stoff zwar aus dem Mittelalter an die Wende zum 20. Jahrhundert und machen aus dem dicken Ritter einen Ritter-Darsteller im Theater. Für die Geschehnisse zwischen Falstaff und den Frauen, die seinen vermeintlichen Verführungskünsten mit Witz, Wäschekorb und Themsewasser begegnen, hat das aber keine einschneidenden Folgen. Es zeigt jedoch, gerade im Zusammenhang mit den männlichen Gegenspielern des Helden: Falstaff, der (Lebens-)Künstler, ist das Salz in der Bürger-Suppe.

Wesentlich sind die hübschen Bilder und die wunderbaren Darsteller. So scheint Münsters Bariton Gregor Dalal auf diese Titelpartie geradezu gewartet zu haben: Er kann stimmlich aus dem Vollen schöpfen, serviert mit Effekt die Falsett-Passagen und verkörpert den Ritter, als wäre die Rolle direkt auf ihn zugeschnitten. Mit seiner Gegenspielerin Alice Ford liefert er sich im zweiten Akt ein herrliches Vokal-Duell. Und Sara Rossi Daldoss ist wieder eine hinreißende Primadonna, die mit Mezzosopranistin Lisa Wedekind als Meg Page ein ideales Schwestern-im-Geiste-Duo bildet. Dass beide ebenso schön anzusehen wie anzuhören sind, hat viel mit Floerens Kostümen zu tun: Wer im Theater gern elegante Kleider aus früheren Zeiten oder stattlich-lustige Herren in gemusterten Hosen, Frack und Zylinder sieht, der ist in dieser Produktion genau richtig.

Regisseur Ulrich Peters schöpft ebenfalls aus dem Vollen. Bisweilen sogar ein bisschen zu viel, denn auf der Bühne ist stets so viel los, dass man mitunter abgelenkt wird. Wenn etwa Eva Bauchmüller als Nannetta im Schlussbild die Silbersoprantöne aus ihrem Elfenlied tröpfeln lässt und das Sinfonieorchester Münster unter Fabrizio Ventura dazu feine Sommernachtsträume malt, ziehen gleichzeitig Chor und Titelheld die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Auch die Auftritte des greisen Giuseppe Verdi, der sein heiteres Spätwerk am liebsten auf dem eigenen Landgut Sant’Agata aufgeführt hätte, sind nicht gerade sparsam dosiert. Wenn er aber als Kneipenwirt dem nassen Helden Glühwein bringt – dann ist er so lustig wie die Versteckspiele in den Vorhangfalten, die Peters inszeniert, oder wie die kuriosen deutschen Übertitel, in die sich Ausdrücke wie »Spaßbremse« oder »Vollpfosten« eingeschleust haben.

Suzanne McLeod als vierte Frau im Bunde übertreibt ihre »Reverenza«-Phrasen nicht: Das ist schön. Sie ist ebenso perfekt besetzt wie Youn-Seong Shim als Liebhaber-Tenor Fenton und Plamen Hidjov als Diener Pistola. Für die übrigen männlichen Partien hat das Theater sich gute Gäste gesichert: Hans Kittelmann als Dr. Cajus, Cameron Becker als Bardolfo, vor allem aber Gary Martin als wuchtiger Falstaff-Gegner Ford ergänzen Münsters Ensemble trefflich. Dessen erfreuliches Niveau in der Ära Peters/Ventura spiegelt sich auch in den Choreinsätzen (Einstudierung: Inna Batyuk) wieder.

Aus dem Orchestergraben klingt es knackig, vielfarbig, schwärmerisch: Man merkt, dass diese Oper auch ein Herzensanliegen des Generalmusikdirektors ist. Theaterspaß mit ernsten Untertönen: Verdis Abschied von der Opernbühne ist eine Klasse für sich.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 7. November 2016

 

Kaum hat das Theater Münster zum Beginn der Saison den lebensmüden Faust auf die Bühne des Bösen geschickt, da geht es mit dem dicken Ritter Falstaff schon wieder ins Theater. Aus einer Theaterkantine heraus fordert er die lustigen Weiber von Windsor zu ihrer gemeinen Rache heraus. Alles wieder »nur« Theater – und es findet aus der Sicht desjenigen statt, dem wir das Meisterwerk zu verdanken haben: Giuseppe Verdi durchschreitet als stummer Statist, gespielt von Wolfgang Ueffing, von Anfang bis Ende sein eigenes Kopfkino. Bühnenbildner Christian Floeren grenzt die Vorderbühne mit der angedeuteten Kantine mit einem Vorhang ab. Auf der hinteren Bühne findet sich die Domäne der »Gutmenschen«, der spießigen Bürger von Windsor, verpackt in einer opulenten Kulisse und ebensolche Kostüme. Ein Augenschmaus ist der neue Falstaff am Theater Münster auf jeden Fall.

Intendant Ulrich Peters selbst setzt die Handschrift seiner Intendanz auch auf der Bühne um. Kurzweiliges Theater erlebt man in den letzten Jahren in Münster, und der Falstaff macht da keine Ausnahme. [...]

Alice Ford ist die Primadonna in Verdis Besetzung, und Sara Rossi Daldoss kann das als ensembleführende Stimme auch sehr gut umsetzen. Das junge Liebespaar ist in Münster nahezu perfekt besetzt: Eva Bauchmüller setzt als Nanetta mit lyrischer Ruhe einen wunderschönen Stopp vor dem großen Finale der Oper. Youn-Seong Shim präsentiert sich in Bestform. Sein idealer Fenton setzt starke, sichere Akzente in den Ensembles und auch seine Arie im dritten Akt ist mit Leidenschaft gesungen. Ansonsten scheint es die Saison von Gregor Dalal zu werden. Wie schon als Mephisto im Faust besitzt er auch als Falstaff die stimmliche und szenische Größe, um das Geschehen auf der Bühne auf sich zu fokussieren. [...] Dalal setzt seine Stimme variabel ein, zaubert mit feinen Nuancen und kann konditionsstark bis zum Schluss groß auftrumpfen. Wie er mit Rettungsring um den Bauch nach seinem Themsebad auf die Bühne klettert und sich auswringt, provoziert spontanen Szenenapplaus. Um sich aufzuwärmen, gibt es eine Tasse Glühwein mit dem Komponisten. In der Schlussfuge fügt sich das Ensemble noch einmal so richtig zusammen, und auch der Chor von Inna Batyuk darf sich wieder von der besten Seite zeigen.

[...] auch dank des wirklich großartig spielenden Sinfonieorchesters [macht] dieser FALSTAFF so richtig Spaß. Ventura hält die Lautstärke gut unter Kontrolle und gibt dafür den pointierten Dialogen teilweise ein mörderisches Tempo. Die Pausen werden bewusst ausgenutzt, um dann die Tempi wieder schön aufzubauen. Die vielen Feinheiten in Verdis Partitur werden im Orchester hörbar: Da torkeln die Instrumente synkopisch um die Wette, die Pikkoloflöten wettern aufgeregt dazwischen. Mal ist der Klang schlank wie ein Model, mal so richtig fett aufgebläht. Die Streicher dürfen kindlich lachen, die Bläser dagegen höhnisch derbe. So ist Musik etwas Wunderbares.

Christoph Broermann, opernnetz.de, 7. November 2016

 

Peters weiß, wie Komödie geht. Er treibt die Handlung rasch voran, setzt ganz auf Situationskomik und erzielt dabei hübsche Effekte. Da muss das Publikum einfach mitgehen und das tut es auch. Eine ganz heitere, gelöste Stimmung strömt durch das Große Haus des Theaters Münster. Die erzielt Peters auch durch das Einsetzen boulevardhafter Elemente. Es wird sich versteckt hinter Blumenkübeln, Sofas und Vorhängen; blitzartige Ab- und Auftritte werden eingesetzt.

[...] Das gesamte Ensemble ist darstellerisch eine Wucht – ohne Ausnahme! Den Falstaff stemmt Gregor Dalal ohne jede Schwierigkeiten. Er ist vom Falsett bis in die tiefsten Tiefen eine Bank. [...]  Akzente setzen Sara Rossi Daldoss als Alice Ford und Suzanne McLeod als Quickly. Sie schärfen klar ihr Rollenprofil, ordnen sich aber in den Ensembles auch dort immer unter, wo es geboten ist. Youn-Seong Shim singt als Fenton toll. [...] Fabrizio Ventura am Pult des wunderbar agilen Sinfonieorchesters Münster nimmt Tempo und Lebendigkeit der Inszenierung auf, entwickelt viel Farbe - und überall dort Kraft und Präsenz, wo sie gebraucht wird.

Thomas Hilgemeier, theaterpur.net, 7. November 2016

Presse

Ein brillantes Ensemble, ein knackiges Orchester und Turbulenz auf der Bühne: FALSTAFF im Großen Haus ist ein Erfolg.

Sie haben ihn in den Fluss geworfen. Mühsam klettert Sir John Falstaff wieder an Land, kämpft noch mit dem Rettungsring, schleudert Wasser und feuchtes Getier von sich – und bekommt Szenenapplaus.

Es ist eine hübsche, witzige Szene, die sich Regisseur Ulrich Peters für den Beginn des dritten Akts von Verdis letzter Oper ausgedacht hat. Ihren Reiz bezieht sie aber auch aus der pittoresken, stimmungsvoll ausgeleuchteten Ausstattung Christian Floerens. Er und Peters holen den Shakespeare-Stoff zwar aus dem Mittelalter an die Wende zum 20. Jahrhundert und machen aus dem dicken Ritter einen Ritter-Darsteller im Theater. Für die Geschehnisse zwischen Falstaff und den Frauen, die seinen vermeintlichen Verführungskünsten mit Witz, Wäschekorb und Themsewasser begegnen, hat das aber keine einschneidenden Folgen. Es zeigt jedoch, gerade im Zusammenhang mit den männlichen Gegenspielern des Helden: Falstaff, der (Lebens-)Künstler, ist das Salz in der Bürger-Suppe.

Wesentlich sind die hübschen Bilder und die wunderbaren Darsteller. So scheint Münsters Bariton Gregor Dalal auf diese Titelpartie geradezu gewartet zu haben: Er kann stimmlich aus dem Vollen schöpfen, serviert mit Effekt die Falsett-Passagen und verkörpert den Ritter, als wäre die Rolle direkt auf ihn zugeschnitten. Mit seiner Gegenspielerin Alice Ford liefert er sich im zweiten Akt ein herrliches Vokal-Duell. Und Sara Rossi Daldoss ist wieder eine hinreißende Primadonna, die mit Mezzosopranistin Lisa Wedekind als Meg Page ein ideales Schwestern-im-Geiste-Duo bildet. Dass beide ebenso schön anzusehen wie anzuhören sind, hat viel mit Floerens Kostümen zu tun: Wer im Theater gern elegante Kleider aus früheren Zeiten oder stattlich-lustige Herren in gemusterten Hosen, Frack und Zylinder sieht, der ist in dieser Produktion genau richtig.

Regisseur Ulrich Peters schöpft ebenfalls aus dem Vollen. Bisweilen sogar ein bisschen zu viel, denn auf der Bühne ist stets so viel los, dass man mitunter abgelenkt wird. Wenn etwa Eva Bauchmüller als Nannetta im Schlussbild die Silbersoprantöne aus ihrem Elfenlied tröpfeln lässt und das Sinfonieorchester Münster unter Fabrizio Ventura dazu feine Sommernachtsträume malt, ziehen gleichzeitig Chor und Titelheld die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Auch die Auftritte des greisen Giuseppe Verdi, der sein heiteres Spätwerk am liebsten auf dem eigenen Landgut Sant’Agata aufgeführt hätte, sind nicht gerade sparsam dosiert. Wenn er aber als Kneipenwirt dem nassen Helden Glühwein bringt – dann ist er so lustig wie die Versteckspiele in den Vorhangfalten, die Peters inszeniert, oder wie die kuriosen deutschen Übertitel, in die sich Ausdrücke wie »Spaßbremse« oder »Vollpfosten« eingeschleust haben.

Suzanne McLeod als vierte Frau im Bunde übertreibt ihre »Reverenza«-Phrasen nicht: Das ist schön. Sie ist ebenso perfekt besetzt wie Youn-Seong Shim als Liebhaber-Tenor Fenton und Plamen Hidjov als Diener Pistola. Für die übrigen männlichen Partien hat das Theater sich gute Gäste gesichert: Hans Kittelmann als Dr. Cajus, Cameron Becker als Bardolfo, vor allem aber Gary Martin als wuchtiger Falstaff-Gegner Ford ergänzen Münsters Ensemble trefflich. Dessen erfreuliches Niveau in der Ära Peters/Ventura spiegelt sich auch in den Choreinsätzen (Einstudierung: Inna Batyuk) wieder.

Aus dem Orchestergraben klingt es knackig, vielfarbig, schwärmerisch: Man merkt, dass diese Oper auch ein Herzensanliegen des Generalmusikdirektors ist. Theaterspaß mit ernsten Untertönen: Verdis Abschied von der Opernbühne ist eine Klasse für sich.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 7. November 2016

 

Kaum hat das Theater Münster zum Beginn der Saison den lebensmüden Faust auf die Bühne des Bösen geschickt, da geht es mit dem dicken Ritter Falstaff schon wieder ins Theater. Aus einer Theaterkantine heraus fordert er die lustigen Weiber von Windsor zu ihrer gemeinen Rache heraus. Alles wieder »nur« Theater – und es findet aus der Sicht desjenigen statt, dem wir das Meisterwerk zu verdanken haben: Giuseppe Verdi durchschreitet als stummer Statist, gespielt von Wolfgang Ueffing, von Anfang bis Ende sein eigenes Kopfkino. Bühnenbildner Christian Floeren grenzt die Vorderbühne mit der angedeuteten Kantine mit einem Vorhang ab. Auf der hinteren Bühne findet sich die Domäne der »Gutmenschen«, der spießigen Bürger von Windsor, verpackt in einer opulenten Kulisse und ebensolche Kostüme. Ein Augenschmaus ist der neue Falstaff am Theater Münster auf jeden Fall.

Intendant Ulrich Peters selbst setzt die Handschrift seiner Intendanz auch auf der Bühne um. Kurzweiliges Theater erlebt man in den letzten Jahren in Münster, und der Falstaff macht da keine Ausnahme. [...]

Alice Ford ist die Primadonna in Verdis Besetzung, und Sara Rossi Daldoss kann das als ensembleführende Stimme auch sehr gut umsetzen. Das junge Liebespaar ist in Münster nahezu perfekt besetzt: Eva Bauchmüller setzt als Nanetta mit lyrischer Ruhe einen wunderschönen Stopp vor dem großen Finale der Oper. Youn-Seong Shim präsentiert sich in Bestform. Sein idealer Fenton setzt starke, sichere Akzente in den Ensembles und auch seine Arie im dritten Akt ist mit Leidenschaft gesungen. Ansonsten scheint es die Saison von Gregor Dalal zu werden. Wie schon als Mephisto im Faust besitzt er auch als Falstaff die stimmliche und szenische Größe, um das Geschehen auf der Bühne auf sich zu fokussieren. [...] Dalal setzt seine Stimme variabel ein, zaubert mit feinen Nuancen und kann konditionsstark bis zum Schluss groß auftrumpfen. Wie er mit Rettungsring um den Bauch nach seinem Themsebad auf die Bühne klettert und sich auswringt, provoziert spontanen Szenenapplaus. Um sich aufzuwärmen, gibt es eine Tasse Glühwein mit dem Komponisten. In der Schlussfuge fügt sich das Ensemble noch einmal so richtig zusammen, und auch der Chor von Inna Batyuk darf sich wieder von der besten Seite zeigen.

[...] auch dank des wirklich großartig spielenden Sinfonieorchesters [macht] dieser FALSTAFF so richtig Spaß. Ventura hält die Lautstärke gut unter Kontrolle und gibt dafür den pointierten Dialogen teilweise ein mörderisches Tempo. Die Pausen werden bewusst ausgenutzt, um dann die Tempi wieder schön aufzubauen. Die vielen Feinheiten in Verdis Partitur werden im Orchester hörbar: Da torkeln die Instrumente synkopisch um die Wette, die Pikkoloflöten wettern aufgeregt dazwischen. Mal ist der Klang schlank wie ein Model, mal so richtig fett aufgebläht. Die Streicher dürfen kindlich lachen, die Bläser dagegen höhnisch derbe. So ist Musik etwas Wunderbares.

Christoph Broermann, opernnetz.de, 7. November 2016

 

Peters weiß, wie Komödie geht. Er treibt die Handlung rasch voran, setzt ganz auf Situationskomik und erzielt dabei hübsche Effekte. Da muss das Publikum einfach mitgehen und das tut es auch. Eine ganz heitere, gelöste Stimmung strömt durch das Große Haus des Theaters Münster. Die erzielt Peters auch durch das Einsetzen boulevardhafter Elemente. Es wird sich versteckt hinter Blumenkübeln, Sofas und Vorhängen; blitzartige Ab- und Auftritte werden eingesetzt.

[...] Das gesamte Ensemble ist darstellerisch eine Wucht – ohne Ausnahme! Den Falstaff stemmt Gregor Dalal ohne jede Schwierigkeiten. Er ist vom Falsett bis in die tiefsten Tiefen eine Bank. [...]  Akzente setzen Sara Rossi Daldoss als Alice Ford und Suzanne McLeod als Quickly. Sie schärfen klar ihr Rollenprofil, ordnen sich aber in den Ensembles auch dort immer unter, wo es geboten ist. Youn-Seong Shim singt als Fenton toll. [...] Fabrizio Ventura am Pult des wunderbar agilen Sinfonieorchesters Münster nimmt Tempo und Lebendigkeit der Inszenierung auf, entwickelt viel Farbe - und überall dort Kraft und Präsenz, wo sie gebraucht wird.

Thomas Hilgemeier, theaterpur.net, 7. November 2016

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19.30 Uhr · Großes Haus · Preise A
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