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DRAUSSEN VOR DER TÜR

von Wolfgang Borchert

  • Florian Steffens <br />© Oliver Berg
    Florian Steffens
    © Oliver Berg
  • Florian Steffens, Maike Jüttendonk <br />© Oliver Berg
    Florian Steffens, Maike Jüttendonk
    © Oliver Berg
  • Daniel Rothaug, Florian Steffens <br />© Oliver Berg
    Daniel Rothaug, Florian Steffens
    © Oliver Berg
  • Florian Steffens, Daniel Rothaug <br />© Oliver Berg
    Florian Steffens, Daniel Rothaug
    © Oliver Berg
  • Florian Steffens <br />© Oliver Berg
    Florian Steffens
    © Oliver Berg
  • Daniel Rothaug <br />© Oliver Berg
    Daniel Rothaug
    © Oliver Berg
  • Florian Steffens, Maike Jüttendonk <br />© Oliver Berg
    Florian Steffens, Maike Jüttendonk
    © Oliver Berg
  • Daniel Rothaug, Florian Steffens <br />© Oliver Berg
    Daniel Rothaug, Florian Steffens
    © Oliver Berg
  • Daniel Rothaug, Florian Steffens <br />© Oliver Berg
    Daniel Rothaug, Florian Steffens
    © Oliver Berg
  • Florian Steffens <br />© Oliver Berg
    Florian Steffens
    © Oliver Berg
  • Maike Jüttendonk <br />© Oliver Berg
    Maike Jüttendonk
    © Oliver Berg
  • Florian Steffens, Maike Jüttendonk <br />© Oliver Berg
    Florian Steffens, Maike Jüttendonk
    © Oliver Berg

Junge Menschen brauchen wir, eine Generation, die die Welt sieht und liebt, wie sie ist. Die die Wahrheit hochhält, Pläne hat, Ideen hat.

Premiere
Fr, 22. Mai 2015
19.30 Uhr · Kleines Haus · Preise D
Premierenabo Kl. Haus

Weitere Termine

Leider keine weiteren Termine geplant.

Nach dreijähriger Kriegsgefangenschaft kehrt Beckmann zurück in seine Heimatstadt Hamburg. Doch nichts ist mehr, wie es einmal war. Er ist förmlich aus der Welt gefallen und das nicht nur, weil er körperlich versehrt ist. Verzweifelt beschließt er, Selbstmord zu begehen und stürzt sich in die Elbe. Aber seine Zeit ist noch nicht gekommen. Zurück am Ufer trifft er auf den Anderen, eine geheimnisvolle Gestalt, die ihm neuen Lebensmut verspricht. Es beginnt eine Odyssee durch verschiedene alltägliche Situationen, in denen Beckmann versucht, sich wieder zu integrieren, zu lieben, zu arbeiten – zurückzukommen. Aber trotz der großen Bemühungen des Anderen, zieht es ihn immer wieder zum Fluss. Beckmann kann keinen Zugang zum Leben mehr finden. Er bleibt außen vor.

Im Mai 2015 jähren sich das Ende des Zweiten Weltkriegs und der Beginn der Leidensgeschichte des jungen Beckmann zum siebzigsten Mal. Wolfgang Borchert zeigt in seinem Heimkehrerdrama eine weit über ihren geschichtlichen Kontext hinausweisende, moderne, junge Figur, die von der Welt vollkommen entfremdet und vor ihrer Zeit ermüdet scheitert. Woraus noch Lebensmut ziehen, wenn alle Perspektiven ausgelöscht, Gesellschaft und Umwelt sich hermetisch abgeriegelt haben und feindlich geworden sind?

Aufführungsdauer ca. 100 Minuten, keine Pause

Info

Nach dreijähriger Kriegsgefangenschaft kehrt Beckmann zurück in seine Heimatstadt Hamburg. Doch nichts ist mehr, wie es einmal war. Er ist förmlich aus der Welt gefallen und das nicht nur, weil er körperlich versehrt ist. Verzweifelt beschließt er, Selbstmord zu begehen und stürzt sich in die Elbe. Aber seine Zeit ist noch nicht gekommen. Zurück am Ufer trifft er auf den Anderen, eine geheimnisvolle Gestalt, die ihm neuen Lebensmut verspricht. Es beginnt eine Odyssee durch verschiedene alltägliche Situationen, in denen Beckmann versucht, sich wieder zu integrieren, zu lieben, zu arbeiten – zurückzukommen. Aber trotz der großen Bemühungen des Anderen, zieht es ihn immer wieder zum Fluss. Beckmann kann keinen Zugang zum Leben mehr finden. Er bleibt außen vor.

Im Mai 2015 jähren sich das Ende des Zweiten Weltkriegs und der Beginn der Leidensgeschichte des jungen Beckmann zum siebzigsten Mal. Wolfgang Borchert zeigt in seinem Heimkehrerdrama eine weit über ihren geschichtlichen Kontext hinausweisende, moderne, junge Figur, die von der Welt vollkommen entfremdet und vor ihrer Zeit ermüdet scheitert. Woraus noch Lebensmut ziehen, wenn alle Perspektiven ausgelöscht, Gesellschaft und Umwelt sich hermetisch abgeriegelt haben und feindlich geworden sind?

Aufführungsdauer ca. 100 Minuten, keine Pause

Leitung

Inszenierung Bernadette Sonnenbichler

Bühnenbild David Hohmann

Kostüme Kristopher Kempf

Musik Cico Beck

Dramaturgie Kathrin Mädler


Besetzung

Beckmann Florian Steffens

Beckmanns Frau / ein Mädchen / die Elbe / Frau Kramer Maike Jüttendonk

der Andere / ein Oberst / ein Kabarettdirektor Daniel Rothaug

Besetzung

Leitung

Inszenierung Bernadette Sonnenbichler

Bühnenbild David Hohmann

Kostüme Kristopher Kempf

Musik Cico Beck

Dramaturgie Kathrin Mädler


Besetzung

Beckmann Florian Steffens

Beckmanns Frau / ein Mädchen / die Elbe / Frau Kramer Maike Jüttendonk

der Andere / ein Oberst / ein Kabarettdirektor Daniel Rothaug


Intermediate Bulk Container sind – zumal in der Variante mit Stahlkäfig – eine feine Sache. Üblicherweise werden in ihnen sehr effizient Flüssigkeiten transportiert. Aber wenn man rund 60 von ihnen im Theater versetzt auftürmt, ergeben sie nicht nur eine tolle Kletterwand für akrobatisch talentierte Schauspieler, sondern zugleich auch einen gewissen proletarischen Flair. Da glaubt man Beckmann gleich, dass er im Hafen von Hamburg ist. Und die IBCs haben noch einen Vorteil: Wenn man sie anständig befüllt, stehen sie nicht nur stabil übereinander. Man kann zumindest aus einigen von ihnen Wassermassen auf die Bühne strömen lassen, die Beckmanns trauriges Heimkehrerdrama zu einer regelrechten Untergangsgeschichte verdichten.

Ein starkes Bühnenbild also, das David Hohmann in Münster für Bernadette Sonnenbichlers Inszenierung von Borcherts "Draußen vor der Tür" abliefert – zumal, da die Wasserfläche immer wieder so ausgeleuchtet wird, dass sich das Wasser auf den IBCs wie an Schiffsrümpfen spiegelt. Beeindruckend zudem, mit welcher Energie die drei Schauspieler Florian Steffens (Beckmann), Maike Jüttendonk (Elbe und alle anderen Frauenrollen) und Daniel Rothaug (der Andere und alle weiteren männlichen Figuren) fast die gesamte Zeit durchs Wasser robben, sich gegenseitig verzweifelt ins Wasser werfen oder von den Containerwänden ins Wasser stürzen. Da grenzt es fast schon an eine Unverschämtheit, wenn das Publikum zuletzt die sicherlich gänzlich durchgefrorenen Schauspieler frenetisch beklatscht und sie immer wieder auf die Bühne ruft statt ihnen endlich eine heiße Dusche und ein paar Handtücher zu gönnen.

Den visuellen Eindruck unterstützt, dass von Beginn an der eh schon dichte, allegorische Text Borcherts energisch aufs Wesentliche reduziert wird. So steht zwischenzeitlich der Verdacht im Raum, das Drama würde à la Thalheimer filetiert, wenn nicht gar skelettiert. Allerdings setzt Sonnenbichler nicht auf dessen vielfältigen Umgang mit der Sprache, sondern lässt insbesondere Beckmann die meiste Zeit sein großes Leid und seine Verzweiflung mit unendlich erschöpftem Blick, der obligatorischen Gasmaskenbrille auf der Nase und völlig durchnässt herausbrüllen. Ein eindringliches Bild des Elends.

Kai Bremer, nachtkritik.de, 22. Mai 2015

 

 

Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ erscheint manchen vielleicht als moderner Klassiker, den man aus der Distanz betrachtet. Mit Blick auf das Kriegsende vor 70 Jahren und eingedenk der Tatsache, dass wir in einer kriegerischen Welt leben, wird der autobiografische Stoff, den der junge Wolfgang Borchert festhielt, jedoch brandaktuell. Die Zuschauer im mittleren Alter kennen zudem die Berichte ihrer Eltern, die von Not und Tod, Tätern und Opfern, Schuld und Sühne künden. Was hier verhandelt wird, ist also nicht weit weg. Und dass es geradezu krachend wieder ins Bewusstsein dringt, dafür sorgen die drei hervorragenden Darsteller des Abends, die in der schlüssigen Inszenierung von Bernadette Sonnenbichler Grenzen ausloten: Allen voran Beckmann (Florian Steffens), der sich im Wasser wälzt, brüllt und den Kopf gegen die Kanister knallt, um die ihn bedrängenden Traumata loszuwerden. Dann Daniel Rothaug, die „Gewissensstimme“ Beckmanns, der als „der Andere“ und als Oberst agiert, schließlich Maike Jüttendonk als „Elbe“, die dem Kriegsheimkehrer bedeutet, dass sie keinen Bock auf diesen Selbstmörder hat, dann als Ehefrau Beckmanns, die den Heimkehrer nicht wiedererkennt, und als Frau Kramer, die den Verzweifelnden mit der Tatsache konfrontiert, dass dessen Nazi-Eltern ja auch im antisemitischen Strom mitgeschwommen sind und sich nun das Leben genommen haben. Es ist für Beckmann also keine Rettung in Sicht.

Der innere Kampf der Stimmen Beckmanns, seine Gewissensqualen und die Frage nach der Verantwortung finden ihren Höhepunkt zum einen in der dem Borchert-Text passend hinzugefügten Zahlen-Litanei, die der Heimkehrer irre kichernd herunterbetet – von den Millionen Kriegstoten der Weltkriege über Korea und Vietnam bis hin nach Afghanistan, in die Ukraine und nach Syrien heute. Da wird dem Publikum spätestens klar, wie nah der Krieg uns kommt.

Glanzstück ist zudem der abschließende Kampf Beckmanns mit dem „Oberst“, der ihm die Befehle gab und der ihm diabolisch die Schuldgefühle ausreden möchte. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod im weit bis über die erste Sitzreihe hinaus spritzenden Wasser. Die Frage Beckmanns bleibt im Raum: „Gibt denn keiner Antwort?“ Eine Sinnfrage an alle Menschen im Angesicht einer heillosen Welt.

Johannes Loy, Westfälische Nachrichten, 26. Mai 2015

Presse

Intermediate Bulk Container sind – zumal in der Variante mit Stahlkäfig – eine feine Sache. Üblicherweise werden in ihnen sehr effizient Flüssigkeiten transportiert. Aber wenn man rund 60 von ihnen im Theater versetzt auftürmt, ergeben sie nicht nur eine tolle Kletterwand für akrobatisch talentierte Schauspieler, sondern zugleich auch einen gewissen proletarischen Flair. Da glaubt man Beckmann gleich, dass er im Hafen von Hamburg ist. Und die IBCs haben noch einen Vorteil: Wenn man sie anständig befüllt, stehen sie nicht nur stabil übereinander. Man kann zumindest aus einigen von ihnen Wassermassen auf die Bühne strömen lassen, die Beckmanns trauriges Heimkehrerdrama zu einer regelrechten Untergangsgeschichte verdichten.

Ein starkes Bühnenbild also, das David Hohmann in Münster für Bernadette Sonnenbichlers Inszenierung von Borcherts "Draußen vor der Tür" abliefert – zumal, da die Wasserfläche immer wieder so ausgeleuchtet wird, dass sich das Wasser auf den IBCs wie an Schiffsrümpfen spiegelt. Beeindruckend zudem, mit welcher Energie die drei Schauspieler Florian Steffens (Beckmann), Maike Jüttendonk (Elbe und alle anderen Frauenrollen) und Daniel Rothaug (der Andere und alle weiteren männlichen Figuren) fast die gesamte Zeit durchs Wasser robben, sich gegenseitig verzweifelt ins Wasser werfen oder von den Containerwänden ins Wasser stürzen. Da grenzt es fast schon an eine Unverschämtheit, wenn das Publikum zuletzt die sicherlich gänzlich durchgefrorenen Schauspieler frenetisch beklatscht und sie immer wieder auf die Bühne ruft statt ihnen endlich eine heiße Dusche und ein paar Handtücher zu gönnen.

Den visuellen Eindruck unterstützt, dass von Beginn an der eh schon dichte, allegorische Text Borcherts energisch aufs Wesentliche reduziert wird. So steht zwischenzeitlich der Verdacht im Raum, das Drama würde à la Thalheimer filetiert, wenn nicht gar skelettiert. Allerdings setzt Sonnenbichler nicht auf dessen vielfältigen Umgang mit der Sprache, sondern lässt insbesondere Beckmann die meiste Zeit sein großes Leid und seine Verzweiflung mit unendlich erschöpftem Blick, der obligatorischen Gasmaskenbrille auf der Nase und völlig durchnässt herausbrüllen. Ein eindringliches Bild des Elends.

Kai Bremer, nachtkritik.de, 22. Mai 2015

 

 

Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ erscheint manchen vielleicht als moderner Klassiker, den man aus der Distanz betrachtet. Mit Blick auf das Kriegsende vor 70 Jahren und eingedenk der Tatsache, dass wir in einer kriegerischen Welt leben, wird der autobiografische Stoff, den der junge Wolfgang Borchert festhielt, jedoch brandaktuell. Die Zuschauer im mittleren Alter kennen zudem die Berichte ihrer Eltern, die von Not und Tod, Tätern und Opfern, Schuld und Sühne künden. Was hier verhandelt wird, ist also nicht weit weg. Und dass es geradezu krachend wieder ins Bewusstsein dringt, dafür sorgen die drei hervorragenden Darsteller des Abends, die in der schlüssigen Inszenierung von Bernadette Sonnenbichler Grenzen ausloten: Allen voran Beckmann (Florian Steffens), der sich im Wasser wälzt, brüllt und den Kopf gegen die Kanister knallt, um die ihn bedrängenden Traumata loszuwerden. Dann Daniel Rothaug, die „Gewissensstimme“ Beckmanns, der als „der Andere“ und als Oberst agiert, schließlich Maike Jüttendonk als „Elbe“, die dem Kriegsheimkehrer bedeutet, dass sie keinen Bock auf diesen Selbstmörder hat, dann als Ehefrau Beckmanns, die den Heimkehrer nicht wiedererkennt, und als Frau Kramer, die den Verzweifelnden mit der Tatsache konfrontiert, dass dessen Nazi-Eltern ja auch im antisemitischen Strom mitgeschwommen sind und sich nun das Leben genommen haben. Es ist für Beckmann also keine Rettung in Sicht.

Der innere Kampf der Stimmen Beckmanns, seine Gewissensqualen und die Frage nach der Verantwortung finden ihren Höhepunkt zum einen in der dem Borchert-Text passend hinzugefügten Zahlen-Litanei, die der Heimkehrer irre kichernd herunterbetet – von den Millionen Kriegstoten der Weltkriege über Korea und Vietnam bis hin nach Afghanistan, in die Ukraine und nach Syrien heute. Da wird dem Publikum spätestens klar, wie nah der Krieg uns kommt.

Glanzstück ist zudem der abschließende Kampf Beckmanns mit dem „Oberst“, der ihm die Befehle gab und der ihm diabolisch die Schuldgefühle ausreden möchte. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod im weit bis über die erste Sitzreihe hinaus spritzenden Wasser. Die Frage Beckmanns bleibt im Raum: „Gibt denn keiner Antwort?“ Eine Sinnfrage an alle Menschen im Angesicht einer heillosen Welt.

Johannes Loy, Westfälische Nachrichten, 26. Mai 2015


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Fr, 22. Mai 2015
19.30 Uhr · Kleines Haus · Preise D
Premierenabo Kl. Haus

Leider keine weiteren Termine geplant.

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