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DIE NIBELUNGEN

Trauerspiel von Friedrich Hebbel

  • Garry Fischmann, Statisterie <br />© Marion Bührle
    Garry Fischmann, Statisterie
    © Marion Bührle
  • Janco Lamprecht; im Hintergrund: Joachim Foerster, Sandra Bezler, Regine Andratschke <br />© Marion Bührle
    Janco Lamprecht; im Hintergrund: Joachim Foerster, Sandra Bezler, Regine Andratschke
    © Marion Bührle
  • Ensemble <br />© Marion Bührle
    Ensemble
    © Marion Bührle
  • Janco Lamprecht, Joachim Foerster, Regine Andratschke, Jonas Riemer <br />© Marion Bührle
    Janco Lamprecht, Joachim Foerster, Regine Andratschke, Jonas Riemer
    © Marion Bührle
  • Garry Fischmann, Janco Lamprecht, Jonas Riemer; im Hintergrund: Sandra Bezler <br />© Marion Bührle
    Garry Fischmann, Janco Lamprecht, Jonas Riemer; im Hintergrund: Sandra Bezler
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  • Janco Lamprecht, Sandra Bezler <br />© Marion Bührle
    Janco Lamprecht, Sandra Bezler
    © Marion Bührle
  • Christoph Rinke, Jonas Riemer, Janco Lamprecht <br />© Marion Bührle
    Christoph Rinke, Jonas Riemer, Janco Lamprecht
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  • Jonas Riemer <br />© Marion Bührle
    Jonas Riemer
    © Marion Bührle
  • Christoph Rinke, Joachim Foerster, Jonas Riemer, Janco Lamprecht <br />© Marion Bührle
    Christoph Rinke, Joachim Foerster, Jonas Riemer, Janco Lamprecht
    © Marion Bührle
  • Sandra Bezler, Claudia Hübschmann <br />© Marion Bührle
    Sandra Bezler, Claudia Hübschmann
    © Marion Bührle
  • Joachim Foerster, Jonas Riemer, Christian Bo Salle <br />© Marion Bührle
    Joachim Foerster, Jonas Riemer, Christian Bo Salle
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  • Claudia Hübschmann <br />© Marion Bührle
    Claudia Hübschmann
    © Marion Bührle
  • Sandra Bezler, Christoph Rinke, Joachim Foerster <br />© Marion Bührle
    Sandra Bezler, Christoph Rinke, Joachim Foerster
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  • Sandra Bezler, Claudia Hübschmann, Ensemble, Statisterie <br />© Marion Bührle
    Sandra Bezler, Claudia Hübschmann, Ensemble, Statisterie
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  • Joachim Foerster, Christoph Rinke, Claudia Hübschmann <br />© Marion Bührle
    Joachim Foerster, Christoph Rinke, Claudia Hübschmann
    © Marion Bührle

Ich kann’s nicht mehr – mir wird die Last zu schwer – nehmt mir meine Kronen ab – und schleppt die Welt auf Eurem Rücken weiter.

Weitere Termine

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Friedrich Hebbel führt uns zurück zu den Anfängen der europäischen Zivilisationsgeschichte. Er macht aus dem vermeintlichen Nationalepos der Deutschen, dem mittelhochdeutschen NIBELUNGENLIED, eine explosive, bildgewaltige Fabel über die Hybris der Menschen.

Seine Trilogie DER GEHÖRNTE SIEGFRIED, SIEGFRIEDS TOD und KRIEMHILDS RACHE erzählt von Helden und dramatisch Gefallenen, von Liebe und Verrat, Mord und Tod. Im Zentrum der Nibelungen stehen starke Frauen: Kriemhild, Schwester des Burgunderkönigs Gunther, und Brunhild aus Isenland, die für die Männer als unbesiegbar gilt. Gunther ist verrückt nach Brunhild, so wie Siegfried nach Kriemhild. Siegfried – Bild des notorischen Helden schlechthin – berichtet vom Nibelungenhort und vom Bad im Blut des Drachens, das ihn unverwundbar gemacht hat. Und so schließen die Männer ihren Bund und damit einen brutalen Handel: Siegfried soll mit Hilfe seiner Tarnkappe Brunhild für Gunther bezwingen – dafür erhält er Kriemhild zur Frau. Doch die Rechnung ist ohne die Frauen gemacht, Brunhild verweigert sich Gunther, Siegfrieds unverwundbare Stelle wird enttarnt und er von Hagen ermordet. Hagen versenkt den Schatz, den fluchbeladenen Nibelungenhort für immer im Rhein. Doch seine düstere Macht ist ungebrochen: Als Kriemhild die Täuschungen durchschaut, wird sie zur Amokläuferin – sie lädt die Nibelungen auf die Burg des Hunnenkönigs Etzel: Es entspinnt sich ein Rachefeldzug, dem keiner entkommen wird …

Hebbels NIBELUNGEN, einer der letzten großen deutschen Klassiker, lässt die übergroßen Figuren des nationalen Mythos zu psychologisch komplexen Menschen werden und erzählt die Geschichte eines fanatischen Begehrens, das zerstört, was es nicht besitzen kann.

Aufführungsdauer ca. 190 Minuten, eine Pause

Info

Friedrich Hebbel führt uns zurück zu den Anfängen der europäischen Zivilisationsgeschichte. Er macht aus dem vermeintlichen Nationalepos der Deutschen, dem mittelhochdeutschen NIBELUNGENLIED, eine explosive, bildgewaltige Fabel über die Hybris der Menschen.

Seine Trilogie DER GEHÖRNTE SIEGFRIED, SIEGFRIEDS TOD und KRIEMHILDS RACHE erzählt von Helden und dramatisch Gefallenen, von Liebe und Verrat, Mord und Tod. Im Zentrum der Nibelungen stehen starke Frauen: Kriemhild, Schwester des Burgunderkönigs Gunther, und Brunhild aus Isenland, die für die Männer als unbesiegbar gilt. Gunther ist verrückt nach Brunhild, so wie Siegfried nach Kriemhild. Siegfried – Bild des notorischen Helden schlechthin – berichtet vom Nibelungenhort und vom Bad im Blut des Drachens, das ihn unverwundbar gemacht hat. Und so schließen die Männer ihren Bund und damit einen brutalen Handel: Siegfried soll mit Hilfe seiner Tarnkappe Brunhild für Gunther bezwingen – dafür erhält er Kriemhild zur Frau. Doch die Rechnung ist ohne die Frauen gemacht, Brunhild verweigert sich Gunther, Siegfrieds unverwundbare Stelle wird enttarnt und er von Hagen ermordet. Hagen versenkt den Schatz, den fluchbeladenen Nibelungenhort für immer im Rhein. Doch seine düstere Macht ist ungebrochen: Als Kriemhild die Täuschungen durchschaut, wird sie zur Amokläuferin – sie lädt die Nibelungen auf die Burg des Hunnenkönigs Etzel: Es entspinnt sich ein Rachefeldzug, dem keiner entkommen wird …

Hebbels NIBELUNGEN, einer der letzten großen deutschen Klassiker, lässt die übergroßen Figuren des nationalen Mythos zu psychologisch komplexen Menschen werden und erzählt die Geschichte eines fanatischen Begehrens, das zerstört, was es nicht besitzen kann.

Aufführungsdauer ca. 190 Minuten, eine Pause

Leitung

Inszenierung Frank Behnke

Bühnenbild Peter Scior

Kostüme Bernhard Niechotz

Musik Fabian Kuss

Choreinstudierung Claudia Sendlinger

Dramaturgie Barbara Bily


Besetzung

Gunter, König von Burgund Janco Lamprecht

Hagen Tronje Jonas Riemer

Volker, der Spielmann Christoph Rinke

Giselher, der Bruder des Königs Joachim Foerster

Siegfried / Werbel, Etzels Dienstmann Garry Fischmann

Ute, die Mutter des Königs Regine Andratschke

Kriemhild Claudia Hübschmann

Markgraf Rüdiger Christian Bo Salle

Brunhild, Königin von Isenland / Etzel, König der Hunnen Sandra Bezler

Siegfrieds Recken Mannan Atasoy, Sebastian Averdiek, Nicklas Bork, Nico Burghoff, Kevin Cichy, Daniel Dröge, Jörg Dufhues, Jörn Dumann, Fabian Furlanetto, Johannes Koch, Sebastian Krapp, Marius Kroll, Niklas Lübbeling, Til Ormeloh, Konstantin Schumann, Florian Wölk

Besetzung

Leitung

Inszenierung Frank Behnke

Bühnenbild Peter Scior

Kostüme Bernhard Niechotz

Musik Fabian Kuss

Choreinstudierung Claudia Sendlinger

Dramaturgie Barbara Bily


Besetzung

Gunter, König von Burgund Janco Lamprecht

Hagen Tronje Jonas Riemer

Volker, der Spielmann Christoph Rinke

Giselher, der Bruder des Königs Joachim Foerster

Siegfried / Werbel, Etzels Dienstmann Garry Fischmann

Ute, die Mutter des Königs Regine Andratschke

Kriemhild Claudia Hübschmann

Markgraf Rüdiger Christian Bo Salle

Brunhild, Königin von Isenland / Etzel, König der Hunnen Sandra Bezler


Siegfrieds Recken Mannan Atasoy, Sebastian Averdiek, Nicklas Bork, Nico Burghoff, Kevin Cichy, Daniel Dröge, Jörg Dufhues, Jörn Dumann, Fabian Furlanetto, Johannes Koch, Sebastian Krapp, Marius Kroll, Niklas Lübbeling, Til Ormeloh, Konstantin Schumann, Florian Wölk

Das Nibelungenlied galt lange als deutsches Nationalepos. Frank Behnkes Fassung […] zeigt die allgemeingültige Seite der Geschichte als eine konsequente Kette schuldhafter Verstrickungen bis in den Untergang. Das Ensemble bewältigt Hebbels gewaltigen Text und die Übermacht der Bühne beachtlich, und erhielt mit dem Regieteam langen, begeisterten Beifall des Premierenpublikums.

Hans Butterhof, Recklinghäuser Zeitung, 28. September 2016

 

Der Streit vor dem Dom ist eine Schlüsselszene im Nibelungenlied: Sie führt zur Ermordung Siegfrieds und später zum Rachefeldzug der Witwe Kriemhild, durch den ein ganzer Volksstamm ausgerottet wird. Friedrich Hebbel hat die Szene in seinem Trauerspiel »Die Nibelungen« entsprechend wortmächtig ausgestaltet, und Regisseur Frank Behnke lässt die beiden Frauen in seiner Inszenierung effektvoll aufeinander los: In ihren Brautkleidern stehen sie auf erhöhtem Podest vor dunkler Bühne und liefern sich ein verbales Gemetzel.

Hebbel, im selben Jahr geboren wie Richard Wagner, hat aus dem alten Nibelungen-Stoff eine gewaltige Dramenfolge geschmiedet, die Frank Behnke wiederum zu einer Drei-Stunden-Aufführung im Großen Haus verdichtet. Mit modernen Mitteln, aber ohne Firlefanz: Wenn die besiegte Brunhild singt »Bang Bang, he shot me down«, ist das ebenso stimmig wie Kriemhilds Goldregen, mit dem sie sich Unterstützer erkauft. Bühnenbildner Peter Scior hat einen grandiosen Raum für Behnkes Bildideen geschaffen: Aus dem Orchestergraben führen breite Stufen zum Eisernen Vorhang, und wenn der sich nach dem »Vorspiel« hebt, wird eine wuchtige Treppe sichtbar, die sich zwischen hohen Wänden bis zum schwarzen Horizont verjüngt. Auf und zwischen den beweglichen Elementen agieren Männer mit fleckigen Anzügen und ebensolchen Gesichtern: Die Burgunder um König Gunther sind schwerttragende Zombies, denen zu Beginn des zweiten Teils ein kurzer Text von Falk Richter gewidmet ist: Kehren diese verblendeten, sich zu Treue bis in den Tod bekennenden Gestalten nicht gerade heute gegen alle Vernunft zurück?

Behnke liefert diesen Schlüssel zur Interpretation, überfrachtet die Aufführung aber nicht damit. Zugleich verzichtet er darauf, das Stück in ein konkretes Hier und Jetzt zu transferieren, sondern setzt auf die archaische Kraft der Sprache und der Bilder, die vom raffinierten Sound (Musik: Fabian Kuss) unterstrichen wird.

Im beherzt zusammengestrichenen Personal der Stücke ist Jonas Riemer als Hagen Tronje der druckvolle Strippenzieher des Burgunderquartetts – ein zynischer Realpolitiker, der die Intrigen um den schwachen König (Janco Lamprecht) lenkt wie nur irgendein Propagandaminister. Mit Sandra Bezler als Brunhild und Claudia Hübschmann als Kriemhild streitet ein Königinnenpaar auf Augenhöhe. Garry Fischmanns Siegfried im Goldanzug verweist auf einen wichtigen Aspekt der Geschichte: Wenn er von seinen Abenteuern erzählt, ist er ein naiv prahlender Junge. Figuren wie er oder Gunther sind gar nicht fähig, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

Dem dunklen Blutgemetzel hat Frank Behnke eine feine Portion Humor beigemischt: Siegfrieds drolliges Dutzend mit Fell-Klamotten und Blond-Perücken ist ebenso putzig wie das Waffenarsenal, von dem Hagen sich bei Tisch entledigen muss. Der Abend ist zwar ein Brocken – aber einer, der bewundernswert zwingend gestaltet ist.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 26. September 2016

 

Frank Behnke inszeniert in Münster »Die Nibelungen« und hat Hebbels Dramentrilogie (1861) im Großen Haus auf drei Stunden konzentriert. Den mittelalterlichen Stoff spitzt er auf die barbarischen Denk- und Handlungsmuster zu, die im Gemetzel an Etzels Hof münden. Und er verknüpft den Untergangsmythos mit der gegenwärtigen politischen Landschaft: als ein abschreckendes Exempel für die nicht totzukriegende Gewaltbereitschaft. [...]

Auf neun Schauspieler hat Behnke Hebbels Text gekürzt und die Figuren dabei weitgehend entmythisiert, nicht nur Hagens brutal-banausige Realpolitik: Janco Lamprecht hat als Gunther dessen Blut-und-Ehre-Geschwafel wenig entgegenzusetzen; er zeigt den Burgunderkönig erst als freundlichen Schwächling, später als Resignierten und immer ein wenig ungeschickt. Sein junger Bruder Giselher (Joachim Foerster) wird sich kurz vor Ende an die Nibelungentreue klammern, weil er nichts anderes kennt. Sandra Bezlers Brunhilde ist keine Walküre, sondern sehr selbstbewusst und tough. Ihr Disput mit Kriemhild (Claudia Hübschmann) auf der Domtreppe ist ein tolles Duell zweier Frauen, die sich nichts schenken.

Garry Fischmann tritt als Siegfried mit einem Trupp blonder Haudegen auf. Er ist ihr Held, den Job wird er nicht mehr los, und fast alles, was er sagt, brüllen seine Recken-Klone unisono mit. Oder sie skandieren »Sieg!« »Fried!« Eine Witzfigur ist er trotzdem nicht, sondern sogar ein bisschen rührend, wie er nach dem richtigen Ton sucht für seine Frage: »Kriemhild, willst du mich?« Er gerät in die Mühlen von Hagens Machenschaften, als er Gunther Brunhild als Braut beschafft und später auch noch die Hochzeitsnacht für ihn erledigt: Da muss er den Helden geben. Und schließlich muss er weg.

Behnke zeigt ein energievolles Drama, das das Münsteraner Ensemble mit großem Einsatz umsetzt.

Elisabeth Elling, Westfälischer Anzeiger, 27. September 2016

 

Der Zickenkrieg mit letztlich tödlichem Ausgang auf den Stufen des Wormser Doms gerät zum Höhepunkt von Behnkes Arbeit. Peter Scior baut die passende Kulisse. Aus dem Orchestergraben fährt eine steile Treppe empor und schiebt sich in den Vordergrund der sich nach hinten verjüngenden Bühne. So imposant wie die Treppe, so wortgewaltig und in ihrem Inneren verletzt sind auch die Frauengestalten die sich im wahrsten Sinne bis auf’s Blut dort bekriegen. Die eine – Brunhild – ist in ihrer Seele verletzt, ihrer Freiheit beraubt und an einen ungeliebten Mann gekettet. Kriemhild, rettungslos verliebt in »ihren« Helden Siegfried, will diesen nicht erniedrigt sehen und sich die Illusion seiner Makellosigkeit nicht zerstören lassen. Sie ist bereit, dafür alle Schwüre zu brechen. Sandra Bezler (Brunhild) und Claudia Hübschmann (Kriemhild) machen alle Gefühlsnuancen auf berührendste Weise erfahrbar.

Thomas Hilgemeier, theaterpur.net, 27. Septmeber 2016

Presse

Das Nibelungenlied galt lange als deutsches Nationalepos. Frank Behnkes Fassung […] zeigt die allgemeingültige Seite der Geschichte als eine konsequente Kette schuldhafter Verstrickungen bis in den Untergang. Das Ensemble bewältigt Hebbels gewaltigen Text und die Übermacht der Bühne beachtlich, und erhielt mit dem Regieteam langen, begeisterten Beifall des Premierenpublikums.

Hans Butterhof, Recklinghäuser Zeitung, 28. September 2016

 

Der Streit vor dem Dom ist eine Schlüsselszene im Nibelungenlied: Sie führt zur Ermordung Siegfrieds und später zum Rachefeldzug der Witwe Kriemhild, durch den ein ganzer Volksstamm ausgerottet wird. Friedrich Hebbel hat die Szene in seinem Trauerspiel »Die Nibelungen« entsprechend wortmächtig ausgestaltet, und Regisseur Frank Behnke lässt die beiden Frauen in seiner Inszenierung effektvoll aufeinander los: In ihren Brautkleidern stehen sie auf erhöhtem Podest vor dunkler Bühne und liefern sich ein verbales Gemetzel.

Hebbel, im selben Jahr geboren wie Richard Wagner, hat aus dem alten Nibelungen-Stoff eine gewaltige Dramenfolge geschmiedet, die Frank Behnke wiederum zu einer Drei-Stunden-Aufführung im Großen Haus verdichtet. Mit modernen Mitteln, aber ohne Firlefanz: Wenn die besiegte Brunhild singt »Bang Bang, he shot me down«, ist das ebenso stimmig wie Kriemhilds Goldregen, mit dem sie sich Unterstützer erkauft. Bühnenbildner Peter Scior hat einen grandiosen Raum für Behnkes Bildideen geschaffen: Aus dem Orchestergraben führen breite Stufen zum Eisernen Vorhang, und wenn der sich nach dem »Vorspiel« hebt, wird eine wuchtige Treppe sichtbar, die sich zwischen hohen Wänden bis zum schwarzen Horizont verjüngt. Auf und zwischen den beweglichen Elementen agieren Männer mit fleckigen Anzügen und ebensolchen Gesichtern: Die Burgunder um König Gunther sind schwerttragende Zombies, denen zu Beginn des zweiten Teils ein kurzer Text von Falk Richter gewidmet ist: Kehren diese verblendeten, sich zu Treue bis in den Tod bekennenden Gestalten nicht gerade heute gegen alle Vernunft zurück?

Behnke liefert diesen Schlüssel zur Interpretation, überfrachtet die Aufführung aber nicht damit. Zugleich verzichtet er darauf, das Stück in ein konkretes Hier und Jetzt zu transferieren, sondern setzt auf die archaische Kraft der Sprache und der Bilder, die vom raffinierten Sound (Musik: Fabian Kuss) unterstrichen wird.

Im beherzt zusammengestrichenen Personal der Stücke ist Jonas Riemer als Hagen Tronje der druckvolle Strippenzieher des Burgunderquartetts – ein zynischer Realpolitiker, der die Intrigen um den schwachen König (Janco Lamprecht) lenkt wie nur irgendein Propagandaminister. Mit Sandra Bezler als Brunhild und Claudia Hübschmann als Kriemhild streitet ein Königinnenpaar auf Augenhöhe. Garry Fischmanns Siegfried im Goldanzug verweist auf einen wichtigen Aspekt der Geschichte: Wenn er von seinen Abenteuern erzählt, ist er ein naiv prahlender Junge. Figuren wie er oder Gunther sind gar nicht fähig, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

Dem dunklen Blutgemetzel hat Frank Behnke eine feine Portion Humor beigemischt: Siegfrieds drolliges Dutzend mit Fell-Klamotten und Blond-Perücken ist ebenso putzig wie das Waffenarsenal, von dem Hagen sich bei Tisch entledigen muss. Der Abend ist zwar ein Brocken – aber einer, der bewundernswert zwingend gestaltet ist.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 26. September 2016

 

Frank Behnke inszeniert in Münster »Die Nibelungen« und hat Hebbels Dramentrilogie (1861) im Großen Haus auf drei Stunden konzentriert. Den mittelalterlichen Stoff spitzt er auf die barbarischen Denk- und Handlungsmuster zu, die im Gemetzel an Etzels Hof münden. Und er verknüpft den Untergangsmythos mit der gegenwärtigen politischen Landschaft: als ein abschreckendes Exempel für die nicht totzukriegende Gewaltbereitschaft. [...]

Auf neun Schauspieler hat Behnke Hebbels Text gekürzt und die Figuren dabei weitgehend entmythisiert, nicht nur Hagens brutal-banausige Realpolitik: Janco Lamprecht hat als Gunther dessen Blut-und-Ehre-Geschwafel wenig entgegenzusetzen; er zeigt den Burgunderkönig erst als freundlichen Schwächling, später als Resignierten und immer ein wenig ungeschickt. Sein junger Bruder Giselher (Joachim Foerster) wird sich kurz vor Ende an die Nibelungentreue klammern, weil er nichts anderes kennt. Sandra Bezlers Brunhilde ist keine Walküre, sondern sehr selbstbewusst und tough. Ihr Disput mit Kriemhild (Claudia Hübschmann) auf der Domtreppe ist ein tolles Duell zweier Frauen, die sich nichts schenken.

Garry Fischmann tritt als Siegfried mit einem Trupp blonder Haudegen auf. Er ist ihr Held, den Job wird er nicht mehr los, und fast alles, was er sagt, brüllen seine Recken-Klone unisono mit. Oder sie skandieren »Sieg!« »Fried!« Eine Witzfigur ist er trotzdem nicht, sondern sogar ein bisschen rührend, wie er nach dem richtigen Ton sucht für seine Frage: »Kriemhild, willst du mich?« Er gerät in die Mühlen von Hagens Machenschaften, als er Gunther Brunhild als Braut beschafft und später auch noch die Hochzeitsnacht für ihn erledigt: Da muss er den Helden geben. Und schließlich muss er weg.

Behnke zeigt ein energievolles Drama, das das Münsteraner Ensemble mit großem Einsatz umsetzt.

Elisabeth Elling, Westfälischer Anzeiger, 27. September 2016

 

Der Zickenkrieg mit letztlich tödlichem Ausgang auf den Stufen des Wormser Doms gerät zum Höhepunkt von Behnkes Arbeit. Peter Scior baut die passende Kulisse. Aus dem Orchestergraben fährt eine steile Treppe empor und schiebt sich in den Vordergrund der sich nach hinten verjüngenden Bühne. So imposant wie die Treppe, so wortgewaltig und in ihrem Inneren verletzt sind auch die Frauengestalten die sich im wahrsten Sinne bis auf’s Blut dort bekriegen. Die eine – Brunhild – ist in ihrer Seele verletzt, ihrer Freiheit beraubt und an einen ungeliebten Mann gekettet. Kriemhild, rettungslos verliebt in »ihren« Helden Siegfried, will diesen nicht erniedrigt sehen und sich die Illusion seiner Makellosigkeit nicht zerstören lassen. Sie ist bereit, dafür alle Schwüre zu brechen. Sandra Bezler (Brunhild) und Claudia Hübschmann (Kriemhild) machen alle Gefühlsnuancen auf berührendste Weise erfahrbar.

Thomas Hilgemeier, theaterpur.net, 27. Septmeber 2016

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