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DETROIT

Schauspiel von Lisa D'Amour

aus dem amerikanischen Englisch von Christine Richter-Nilsson und Bo Magnus Nilsson
Deutschsprachige Erstaufführung
  • Aurel Bereuter, Julia Stefanie Möller <br />© Oliver Berg
    Aurel Bereuter, Julia Stefanie Möller
    © Oliver Berg
  • Aurel Bereuter, Carola von Seckendorff <br />© Oliver Berg
    Aurel Bereuter, Carola von Seckendorff
    © Oliver Berg
  • Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Christoph Rinke
    © Oliver Berg
  • Aurel Bereuter, Christoph Rinke, Julia Stefanie Möller, Carola von Seckendorff <br />© Oliver Berg
    Aurel Bereuter, Christoph Rinke, Julia Stefanie Möller, Carola von Seckendorff
    © Oliver Berg
  • Carola von Seckendorff <br />© Oliver Berg
    Carola von Seckendorff
    © Oliver Berg
  • Carola von Seckendorff, Julia Stefanie Möller, Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Carola von Seckendorff, Julia Stefanie Möller, Christoph Rinke
    © Oliver Berg
  • Julia Stefanie Möller, Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Julia Stefanie Möller, Christoph Rinke
    © Oliver Berg
  • Aurel Bereuter, Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Aurel Bereuter, Christoph Rinke
    © Oliver Berg
  • Aurel Bereuter, Julia Stefanie Möller <br />© Oliver Berg
    Aurel Bereuter, Julia Stefanie Möller
    © Oliver Berg
  • Julia Stefanie Möller, Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Julia Stefanie Möller, Christoph Rinke
    © Oliver Berg
  • Julia Stefanie Möller, Carola von Seckendorff; im Hintergrund: Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Julia Stefanie Möller, Carola von Seckendorff; im Hintergrund: Christoph Rinke
    © Oliver Berg
  • Thomas Meinhardt, Aurel Bereuter <br />© Oliver Berg
    Thomas Meinhardt, Aurel Bereuter
    © Oliver Berg

Von allen Dingen der Welt wünsche ich mir am meisten ein Fleischthermometer.

Fr, 21. November 2014
19.30 Uhr · Kleines Haus · Preise D
Großes Schsp. Abo

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Lisa D’Amours für den Pulitzerpreis nominiertes Kammerspiel, eine Tragikomödie, lebt von raffinierter Psychologie, Situationskomik und kriminalistischer Spannung. Es ist die brillant zugespitzte Beschreibung einer durch die Krise verunsicherten Mittelschicht – hysterisch lachend der Depression nahe. Nach großen Erfolgen in New York und London ist DETROIT nun erstmals in Deutschland zu sehen.

Zwei Paare, die Eigenheimsiedlung einer Stadt – die Detroit aber auch Münster sein könnte – und der mühsame Kampf um die bürgerliche Fassade: Ben und Mary, noch glückliche Hausbesitzer, laden ihre neuen Nachbarn Sharon und Kenny zum netten Plausch beim Grillen ein. Alles ganz normal, abgesehen von der Tatsache, dass die perfekte Gastgeberin Mary ein bisschen zu viel trinkt, Bens Internet-Portal ein wenig zu virtuell ist und Sharon und Kenny offenbar kein einziges Möbelstück besitzen und soeben aus einer Entzugsklinik entlassen wurden. Bricht bei der ersten Zusammenkunft nur der Sonnenschirm zusammen, so ist es im weiteren Verlauf des Stückes bereits die gesamte Veranda. Nach einer aus dem Ruder gelaufenen Party mit viel Alkohol und allseitiger Annäherung geht schließlich eine ganze Existenz in Flammen auf und zwei der Protagonisten verschwinden spurlos. Der Abstieg: mit Galgenhumor ein höchst amüsanter Anblick.

Aufführungsdauer ca. 80 Minuten, keine Pause

Info

Lisa D’Amours für den Pulitzerpreis nominiertes Kammerspiel, eine Tragikomödie, lebt von raffinierter Psychologie, Situationskomik und kriminalistischer Spannung. Es ist die brillant zugespitzte Beschreibung einer durch die Krise verunsicherten Mittelschicht – hysterisch lachend der Depression nahe. Nach großen Erfolgen in New York und London ist DETROIT nun erstmals in Deutschland zu sehen.

Zwei Paare, die Eigenheimsiedlung einer Stadt – die Detroit aber auch Münster sein könnte – und der mühsame Kampf um die bürgerliche Fassade: Ben und Mary, noch glückliche Hausbesitzer, laden ihre neuen Nachbarn Sharon und Kenny zum netten Plausch beim Grillen ein. Alles ganz normal, abgesehen von der Tatsache, dass die perfekte Gastgeberin Mary ein bisschen zu viel trinkt, Bens Internet-Portal ein wenig zu virtuell ist und Sharon und Kenny offenbar kein einziges Möbelstück besitzen und soeben aus einer Entzugsklinik entlassen wurden. Bricht bei der ersten Zusammenkunft nur der Sonnenschirm zusammen, so ist es im weiteren Verlauf des Stückes bereits die gesamte Veranda. Nach einer aus dem Ruder gelaufenen Party mit viel Alkohol und allseitiger Annäherung geht schließlich eine ganze Existenz in Flammen auf und zwei der Protagonisten verschwinden spurlos. Der Abstieg: mit Galgenhumor ein höchst amüsanter Anblick.

Aufführungsdauer ca. 80 Minuten, keine Pause

Leitung

Inszenierung Caro Thum

Bühne und Kostüme Lilith-Marie Cremer

Dramaturgie Kathrin Mädler


Besetzung

Ben Aurel Bereuter

Mary Carola von Seckendorff

Kenny Christoph Rinke

Sharon Julia Stefanie Möller

Frank Thomas Meinhardt

Besetzung

Leitung

Inszenierung Caro Thum

Bühne und Kostüme Lilith-Marie Cremer

Dramaturgie Kathrin Mädler


Besetzung

Ben Aurel Bereuter

Mary Carola von Seckendorff

Kenny Christoph Rinke

Sharon Julia Stefanie Möller

Frank Thomas Meinhardt


Caro Thum abstrahiert von Anfang an und setzt damit deutlich auf die metaphorische und symbolische Ebene des Textes, den sie zudem geschickt gekürzt und damit deutlich fokussiert hat. Bei ihr sind die beiden Paare und Frank (Thomas Meinhardt), der ältere Mann, der im Text erst ganz am Ende in Erscheinung tritt, bei Thum aber schon vorher einen vielsagenden stummen Auftritt hat, nahezu allegorische Figuren.

Lisa D'Amours mit Anspielungen auf die Krisen der vergangenen Jahre gespicktes Zeitstück, das ein nachbarschaftliches Treffen an das nächste reiht und dabei den großen Mythen Amerikas frönt, wird zu einem universellen Endspiel. Davon zeugt schon Lilith-Marie Cremers berückend simples Bühnenarrangement. Das Haus von Mary und Ben ist ein weißer Kubus mit Wänden aus Papier. An einer Seite des Hauses gibt es noch eine kleine Terrasse mit weißen Gartenmöbeln. Das ganze Konstrukt steht auf Rollen, so dass es gedreht werden kann. Und schon wird aus Marys und Bens Heim das heruntergekommene Nachbarhaus, in dem das gerade aus einer Entzugsklinik entlassene Paar Sharon und Kenny untergeschlüpft sind.

Auch in Caro Thums Inszenierung ist Sharons von Tränen gekrönter Ausbruch ein zentraler Moment, nur auf eine andere Weise als bei Lisa D'Amour. In ihm offenbart sich die herrliche Leichtigkeit dieses Spiels vom Untergang der Vorstädte. Julia Stefanie Möller unterspielt Sharons Ausbruch ganz leicht, ohne ihn dabei herunterzuspielen. Die Hysterie der ehemaligen Drogensüchtigen und die Ergriffenheit der ewigen Außenseiterin halten sich perfekt die Waage. Natürlich beklagt Sharon einen sehr realen Verlust. Aber Möller treibt der Situation jedes Pathos aus.

Nicht nur Möller, auch die anderen vier nehmen ihre Figuren unerhört leicht und doch ernst. So erweist sich Christoph Rinkes Ex-Junkie Kenny mit seinen Tattoos, dem weißen Unterhemd und dem derangierten Irokesenschnitt als charmanter Prolet und Provokateur, ein Mephisto des White Trash. Kein Wunder, dass Mary und Ben, die Carola von Seckendorff und Aurel Bereuter sehenden Auges ins wirtschaftliche Verderben schreiten lassen, ihm erliegen. Schließlich ist ihr bisheriges Leben ihnen eine einzige Last. Wie sich die beiden von eben dieser in einem selbstvergessenen Rausch der Zerstörung befreien, das hat bei Carola von Seckendorff und Aurel Bereuter etwas wunderbar Linkisches. Sie sind die perfekten Komplizen in diesem entwaffnend heiteren Totentanz einer Schicht, die in ihrem Niedergang vielleicht tatsächlich so etwas wie Erlösung findet.

Sascha Westphal, nachtkritik.de, 15. November 2014

 

Als scharfes, entlarvend komisches Porträt einer krisenverstörten Gesellschaft wurde "Detroit" in den USA zum Theaterhit 2011 und schaffte es unter die Finalisten für den Pulitzerpreis. Die Autorin und Performerin Lisa D'Amour zeichnet darin ein lieblich-amerikanisches Vorstadt-Idyll und dekonstruiert es genussvoll: Die neuen Nachbarn kommen zum Barbecue, so gehört sich das. Man plaudert, bietet Hilfe an, überspielt kleine Peinlichkeiten, lobt das Essen - bald aber zeigen sich Risse in der strahlenden Fassade. Mary säuft, Bens angebliches Startup ist rein virtuell, und die Neuen, Sharon und Kenny, kommen frisch aus der Entzugsklinik. D'Amours böses Erfolgsstück ist nun endlich in Deutschland zu sehen, Caro Thum hat es am Theater Münster erstinszeniert.

Nicht nur der weiße Bungalow mit Veranda, Topfpflanze und Grill, auch die Menschen im leichten Sommeroutfit wirken hier, als wären sie einem Gemälde von Edward Hopper entstiegen (Bühne und Kostüme: Lilith-Marie Cremer). Alles schreit, "ich bin ein Glücksversprechen", zugleich liegt schon leise Melancholie über der Szenerie. Thum inszeniert die Paare als Gegensätze, bieder und anbiedernd versus abgefuckt und verloren. Bereits beim ersten Treffen knallt es so richtig, trotzdem spüren die desolaten Vier, dass sie sich brauchen: für den nächsten Grillabend, die nächste Inszenierung heiler Welt, für die nächste Runde "Jeder-kann-es-schaffen". Die Regie setzt auf simple Charaktere und schnelle Zuspitzung, lässt damit aber kaum Steigerungsmöglichkeiten zu, bis die Spießer Ben und Mary selbst am Abgrund stehen. Wie vielschichtig und berührend die Figuren sein könnten, zeigt Julia Stefanie Möller als Sharon. Wenn sie, zittrig, auf Zehenspitzen stehend ankündigt, sich Ziele zu setzen, um voranzukommen, erzählt sie eine andere Wahrheit: Diese Gesellschaft wird ihr großes Gleichheits-Versprechen kaum einlösen, in Münster nicht und nicht in Detroit.

Cornelia Fiedler, Süddeutsche Zeitung, 25. November 2014

 

Wie es sich für ein amerikanisches Drama gehört, lauern lauter Dämonen hinter der hübschen Fassade. Die melden sich zu Wort, nachdem Mary und Ben das neue Nachbar-Paar Sharon und Kenny zum Grillen eingeladen haben. Die Frau aus dem Callcenter und der Lager-Arbeiter kennen sich aus der Entzugsklinik, besitzen keine Möbel und scheuen sich bei der Gegen-Einladung nicht, Cola, Ketchup und "Sprühkäse" anzubieten, während Mary zuvor Datteln im Speckmantel servierte. Und doch offenbaren sich erstaunliche Parallelen, die im Plan der Frauen gipfeln, einen Trip zurück zur Natur zu wagen, Richtung Campingplatz. Klar, dass die Kerle gleichzeitig eine Art Herrenabend vorbereiten. Dann aber treffen sich alle vier zu einer alkoholseligen Fete, die ausartet...

Regisseurin Caro Thum spitzt die deutsche Erstaufführung in Münsters Kleinem Haus auf den Kontrast der Paare zu. Vor dem drehbaren Papierhäuschen (Ausstattung: Lilith-Marie Cremer),  das wechselweise die Fassade der jeweiligen Gastgeber abgibt und am Ende ein trauriges Schicksal erleidet, sind besonders die Frauen ein großartiges Gespann: Carola von Seckendorff lässt als Mary in all ihrer Doris-Dayhaftigkeit beim hysterischen Kirchern die überdeckte Skepsis durchblicken, Julia Stefanie Möller dagegen porträtiert Sharon brillant als kleine Schwester von Courtney Love, die aus ihrer Lebens-Überforderung keinen Hehl macht. Dass ihr Partner Kenny gefährliches Potenzial hat, ist den scheinbar linkischen Bewegungen Christoph Rinkes deutlich anzumerken. Und der smarte Mary-Mann Ben lügt nicht nur seiner Frau was vor: eine schöne Rolle für Aurel Bereuter.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 17. November 2014

Presse

Caro Thum abstrahiert von Anfang an und setzt damit deutlich auf die metaphorische und symbolische Ebene des Textes, den sie zudem geschickt gekürzt und damit deutlich fokussiert hat. Bei ihr sind die beiden Paare und Frank (Thomas Meinhardt), der ältere Mann, der im Text erst ganz am Ende in Erscheinung tritt, bei Thum aber schon vorher einen vielsagenden stummen Auftritt hat, nahezu allegorische Figuren.

Lisa D'Amours mit Anspielungen auf die Krisen der vergangenen Jahre gespicktes Zeitstück, das ein nachbarschaftliches Treffen an das nächste reiht und dabei den großen Mythen Amerikas frönt, wird zu einem universellen Endspiel. Davon zeugt schon Lilith-Marie Cremers berückend simples Bühnenarrangement. Das Haus von Mary und Ben ist ein weißer Kubus mit Wänden aus Papier. An einer Seite des Hauses gibt es noch eine kleine Terrasse mit weißen Gartenmöbeln. Das ganze Konstrukt steht auf Rollen, so dass es gedreht werden kann. Und schon wird aus Marys und Bens Heim das heruntergekommene Nachbarhaus, in dem das gerade aus einer Entzugsklinik entlassene Paar Sharon und Kenny untergeschlüpft sind.

Auch in Caro Thums Inszenierung ist Sharons von Tränen gekrönter Ausbruch ein zentraler Moment, nur auf eine andere Weise als bei Lisa D'Amour. In ihm offenbart sich die herrliche Leichtigkeit dieses Spiels vom Untergang der Vorstädte. Julia Stefanie Möller unterspielt Sharons Ausbruch ganz leicht, ohne ihn dabei herunterzuspielen. Die Hysterie der ehemaligen Drogensüchtigen und die Ergriffenheit der ewigen Außenseiterin halten sich perfekt die Waage. Natürlich beklagt Sharon einen sehr realen Verlust. Aber Möller treibt der Situation jedes Pathos aus.

Nicht nur Möller, auch die anderen vier nehmen ihre Figuren unerhört leicht und doch ernst. So erweist sich Christoph Rinkes Ex-Junkie Kenny mit seinen Tattoos, dem weißen Unterhemd und dem derangierten Irokesenschnitt als charmanter Prolet und Provokateur, ein Mephisto des White Trash. Kein Wunder, dass Mary und Ben, die Carola von Seckendorff und Aurel Bereuter sehenden Auges ins wirtschaftliche Verderben schreiten lassen, ihm erliegen. Schließlich ist ihr bisheriges Leben ihnen eine einzige Last. Wie sich die beiden von eben dieser in einem selbstvergessenen Rausch der Zerstörung befreien, das hat bei Carola von Seckendorff und Aurel Bereuter etwas wunderbar Linkisches. Sie sind die perfekten Komplizen in diesem entwaffnend heiteren Totentanz einer Schicht, die in ihrem Niedergang vielleicht tatsächlich so etwas wie Erlösung findet.

Sascha Westphal, nachtkritik.de, 15. November 2014

 

Als scharfes, entlarvend komisches Porträt einer krisenverstörten Gesellschaft wurde "Detroit" in den USA zum Theaterhit 2011 und schaffte es unter die Finalisten für den Pulitzerpreis. Die Autorin und Performerin Lisa D'Amour zeichnet darin ein lieblich-amerikanisches Vorstadt-Idyll und dekonstruiert es genussvoll: Die neuen Nachbarn kommen zum Barbecue, so gehört sich das. Man plaudert, bietet Hilfe an, überspielt kleine Peinlichkeiten, lobt das Essen - bald aber zeigen sich Risse in der strahlenden Fassade. Mary säuft, Bens angebliches Startup ist rein virtuell, und die Neuen, Sharon und Kenny, kommen frisch aus der Entzugsklinik. D'Amours böses Erfolgsstück ist nun endlich in Deutschland zu sehen, Caro Thum hat es am Theater Münster erstinszeniert.

Nicht nur der weiße Bungalow mit Veranda, Topfpflanze und Grill, auch die Menschen im leichten Sommeroutfit wirken hier, als wären sie einem Gemälde von Edward Hopper entstiegen (Bühne und Kostüme: Lilith-Marie Cremer). Alles schreit, "ich bin ein Glücksversprechen", zugleich liegt schon leise Melancholie über der Szenerie. Thum inszeniert die Paare als Gegensätze, bieder und anbiedernd versus abgefuckt und verloren. Bereits beim ersten Treffen knallt es so richtig, trotzdem spüren die desolaten Vier, dass sie sich brauchen: für den nächsten Grillabend, die nächste Inszenierung heiler Welt, für die nächste Runde "Jeder-kann-es-schaffen". Die Regie setzt auf simple Charaktere und schnelle Zuspitzung, lässt damit aber kaum Steigerungsmöglichkeiten zu, bis die Spießer Ben und Mary selbst am Abgrund stehen. Wie vielschichtig und berührend die Figuren sein könnten, zeigt Julia Stefanie Möller als Sharon. Wenn sie, zittrig, auf Zehenspitzen stehend ankündigt, sich Ziele zu setzen, um voranzukommen, erzählt sie eine andere Wahrheit: Diese Gesellschaft wird ihr großes Gleichheits-Versprechen kaum einlösen, in Münster nicht und nicht in Detroit.

Cornelia Fiedler, Süddeutsche Zeitung, 25. November 2014

 

Wie es sich für ein amerikanisches Drama gehört, lauern lauter Dämonen hinter der hübschen Fassade. Die melden sich zu Wort, nachdem Mary und Ben das neue Nachbar-Paar Sharon und Kenny zum Grillen eingeladen haben. Die Frau aus dem Callcenter und der Lager-Arbeiter kennen sich aus der Entzugsklinik, besitzen keine Möbel und scheuen sich bei der Gegen-Einladung nicht, Cola, Ketchup und "Sprühkäse" anzubieten, während Mary zuvor Datteln im Speckmantel servierte. Und doch offenbaren sich erstaunliche Parallelen, die im Plan der Frauen gipfeln, einen Trip zurück zur Natur zu wagen, Richtung Campingplatz. Klar, dass die Kerle gleichzeitig eine Art Herrenabend vorbereiten. Dann aber treffen sich alle vier zu einer alkoholseligen Fete, die ausartet...

Regisseurin Caro Thum spitzt die deutsche Erstaufführung in Münsters Kleinem Haus auf den Kontrast der Paare zu. Vor dem drehbaren Papierhäuschen (Ausstattung: Lilith-Marie Cremer),  das wechselweise die Fassade der jeweiligen Gastgeber abgibt und am Ende ein trauriges Schicksal erleidet, sind besonders die Frauen ein großartiges Gespann: Carola von Seckendorff lässt als Mary in all ihrer Doris-Dayhaftigkeit beim hysterischen Kirchern die überdeckte Skepsis durchblicken, Julia Stefanie Möller dagegen porträtiert Sharon brillant als kleine Schwester von Courtney Love, die aus ihrer Lebens-Überforderung keinen Hehl macht. Dass ihr Partner Kenny gefährliches Potenzial hat, ist den scheinbar linkischen Bewegungen Christoph Rinkes deutlich anzumerken. Und der smarte Mary-Mann Ben lügt nicht nur seiner Frau was vor: eine schöne Rolle für Aurel Bereuter.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 17. November 2014


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Fr, 21. November 2014
19.30 Uhr · Kleines Haus · Preise D
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