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AUCH DEUTSCHE UNTER DEN OPFERN

Ein Rechercheprojekt von Tuğsal Moğul (Uraufführung)

  • Christoph Rinke, Bálint Tóth, Sandra Bezler <br />© Oliver Berg
    Christoph Rinke, Bálint Tóth, Sandra Bezler
    © Oliver Berg
  • Bálint Tóth, Sandra Bezler, Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Bálint Tóth, Sandra Bezler, Christoph Rinke
    © Oliver Berg
  • Bálint Tóth, Sandra Bezler, Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Bálint Tóth, Sandra Bezler, Christoph Rinke
    © Oliver Berg
  • Christoph Rinke, Sandra Bezler, Bálint Tóth <br />© Oliver Berg
    Christoph Rinke, Sandra Bezler, Bálint Tóth
    © Oliver Berg
  • Bálint Tóth <br />© Oliver Berg
    Bálint Tóth
    © Oliver Berg
  • Bálint Tóth, Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Bálint Tóth, Christoph Rinke
    © Oliver Berg
  • Bálint Tóth, Christoph Rinke, Sandra Bezler <br />© Oliver Berg
    Bálint Tóth, Christoph Rinke, Sandra Bezler
    © Oliver Berg
  • Bálint Tóth, Sandra Bezler, Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Bálint Tóth, Sandra Bezler, Christoph Rinke
    © Oliver Berg
  • Bálint Tóth, Sandra Bezler, Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Bálint Tóth, Sandra Bezler, Christoph Rinke
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  • Sandra Bezler, Bálint Tóth, Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Sandra Bezler, Bálint Tóth, Christoph Rinke
    © Oliver Berg
  • Christoph Rinke <br />© Oliver Berg
    Christoph Rinke
    © Oliver Berg

Elf Jahre lang zieht dann eine rechte Terrorgruppe mordend durchs Land. Elf Jahre wurde von Seiten der Ermittler verbreitet, dass die Morde mit Drogendelikten, Geldwäsche und Menschenhandel der türkischen Mafia zusammen hängen.

So, 30. April 2017
19.00 Uhr · U2 · Preise G

Neun Ausländer, vorwiegend türkischer Abstammung, liegen erschossen in ihren Imbissbuden, Blumenläden und Internet-Cafés - deutschlandweit. Was ist passiert? Türkenmafia? Familientragödien? Oder vielleicht doch Rechtsextremismus? Was wie ein grausames Ratespiel anmutet, ist bittere Realität. Nach der unaufgeklärten Mordserie von 2000 bis 2006 wurde im November 2011 der NSU aufgedeckt, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten sich getötet, Beate Zschäpe sich der Polizei gestellt. Seit Mai 2013 wird ihr und vier weiteren Angeklagten am Oberlandesgericht München der Prozess gemacht – der größte Strafprozess in Deutschland seit der Wiedervereinigung. Nicht nur das Gericht, sondern auch diverse Untersuchungsausschüsse bemühen sich um Aufklärung des Falls. Doch mit welchem Erfolg? Ende 2014 mit dem Ausblick auf ein weiteres Jahr Prozess und einem stetig anwachsenden Netz von Verwicklungen, Missverständnissen und Absurditäten im Zusammenhang der Untersuchung der NSU-Verbrechen, scheint eine Auseinandersetzung mit dem Thema nötiger denn je.

Es waren nationalistisch motivierte Taten. Warum betrifft es uns Deutsche so wenig? Was war die Rolle des Staates in diesem Verbrechenskomplex? Wir dürfen die Verantwortung nicht ausschließlich dem Gericht überantworten, nicht nur Juristen, Journalisten und Politiker in dieser Sache zu Wort kommen lassen – denn wo bleiben da die Emotionen? Es ist ein deutsches Verbrechen, dessen lückenlose Aufklärung nicht möglich scheint. Wäre das auch so, wenn die Opfer Deutsche ohne Migrationshintergrund gewesen wären? Wir stehen vor einem gesellschaftlichen Problem, das auf der Bühne verhandelt werden muss und das in seinem ganzen tragischen Ausmaß mit allen gebotenen Emotionen.

Einladung zu den Autorentheatertagen 2015 am Deutschen Theater Berlin.

Aufführungsdauer ca. 90 Minuten, keine Pause

Info

Neun Ausländer, vorwiegend türkischer Abstammung, liegen erschossen in ihren Imbissbuden, Blumenläden und Internet-Cafés - deutschlandweit. Was ist passiert? Türkenmafia? Familientragödien? Oder vielleicht doch Rechtsextremismus? Was wie ein grausames Ratespiel anmutet, ist bittere Realität. Nach der unaufgeklärten Mordserie von 2000 bis 2006 wurde im November 2011 der NSU aufgedeckt, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten sich getötet, Beate Zschäpe sich der Polizei gestellt. Seit Mai 2013 wird ihr und vier weiteren Angeklagten am Oberlandesgericht München der Prozess gemacht – der größte Strafprozess in Deutschland seit der Wiedervereinigung. Nicht nur das Gericht, sondern auch diverse Untersuchungsausschüsse bemühen sich um Aufklärung des Falls. Doch mit welchem Erfolg? Ende 2014 mit dem Ausblick auf ein weiteres Jahr Prozess und einem stetig anwachsenden Netz von Verwicklungen, Missverständnissen und Absurditäten im Zusammenhang der Untersuchung der NSU-Verbrechen, scheint eine Auseinandersetzung mit dem Thema nötiger denn je.

Es waren nationalistisch motivierte Taten. Warum betrifft es uns Deutsche so wenig? Was war die Rolle des Staates in diesem Verbrechenskomplex? Wir dürfen die Verantwortung nicht ausschließlich dem Gericht überantworten, nicht nur Juristen, Journalisten und Politiker in dieser Sache zu Wort kommen lassen – denn wo bleiben da die Emotionen? Es ist ein deutsches Verbrechen, dessen lückenlose Aufklärung nicht möglich scheint. Wäre das auch so, wenn die Opfer Deutsche ohne Migrationshintergrund gewesen wären? Wir stehen vor einem gesellschaftlichen Problem, das auf der Bühne verhandelt werden muss und das in seinem ganzen tragischen Ausmaß mit allen gebotenen Emotionen.

Einladung zu den Autorentheatertagen 2015 am Deutschen Theater Berlin.

Aufführungsdauer ca. 90 Minuten, keine Pause

Leitung

Inszenierung Tuğsal Moğul

Choreografie Erik Constantin

Musikalische Einstudierung Andreas Abegg

Bühne und Kostüme Kerstin Bayer

Video Maximilian Krug

Dramaturgie Friederike Engel


Besetzung

Sandra Bezler / Lilly Gropper

Dennis Laubenthal / Bálint Tóth

Christoph Rinke

Besetzung

Leitung

Inszenierung Tuğsal Moğul

Choreografie Erik Constantin

Musikalische Einstudierung Andreas Abegg

Bühne und Kostüme Kerstin Bayer

Video Maximilian Krug

Dramaturgie Friederike Engel


Besetzung

Sandra Bezler / Lilly Gropper

Dennis Laubenthal / Bálint Tóth

Christoph Rinke


Am beeindruckendsten aber ist »Auch Deutsche unter den Opfern« von Tugsal Mogul, entstanden am Theater Münster. Der Theatermacher unternimmt mit Lilly Gropper, Dennis Laubenthal und Christoph Rinke einen 90-minütigen Gewaltritt durch die Faktenflut, vor allem aber die haarsträubenden Ungereimtheiten des NSU-Komplexes, die einen am Rechtsstaat zweifeln lassen. Seit Fausto Paravidinos »Genua 01« hat es kein Dokumentarstück von so wütender Dringlichkeit gegeben. Eine echte Entdeckung!

Patrick Wildermann, Der Tagesspiegel, 29. Juni 2015

 

Die möglicherweise komprimierteste Recherchearbeit über den NSU-Fall hat nun Tuğsal Moğul am Theater Münster unternommen. Was er hier an Begebenheiten und Fakten zusammengetragen hat, zieht einem wahrlich die Schuhe aus, denn es zeigt nicht nur die Pannen, sondern auch regelrechte Sabotageakte bei den Ermittlungen: zwielichtige Ermittler beim Verfassungsschutz, hochkriminelle rechtsradikale V-Männer, die mit dem für ihre »Dienste« erhaltenen Geld ihre Organisationen erst so richtig aufbauen konnten, die Verhinderung der Ermittlungen in der Naziszene (u.a. durch Hessens Landesvater Volker Bouffier) und die Vernichtung wichtiger Akten, den beschämenden Umgang mit den Angehörigen der Opfer (ganze Familien wurden unter Mordverdacht gestellt).

Moğuls realitätsgesättigtes Informationsknäuel ist geschickt verknotet, mal wechseln seine drei Sprecherstimmen rasch, als würden sie Informationen zusammentragen, dann gibt es wieder längere Erzählpassagen, oder einzelne Ereignisse (wie Zeugenbefragungen) werden szenisch nachgestellt. [...]

Inszenatorisch setzt Moğul auf Überforderung: Die multimobile jugendliche Einsatztruppe (sozusagen ein NSU-Gegentrio: Lilly Gropper, Dennis Laubenthal, Christoph Rinke in Hoodies und Sneakern) knallt uns den Text von der kleinen leeren Spielfläche des U2 aus um die Ohren, dass es nur so dröhnt. Sprecherpositionen werden rasant gewechselt, Ermittler, Täter, Opfer, Politiker, Zeuge, jeder ist jeder. Geschwind stellen sie als Soko-Team die zehn NSU-Morde nach, die Bilder der Ermordeten flackern dazu grobkörnig über eine Leinwand. Die Story des V-Mannes, der »zufälligerweise« am Tatort war, wird als Kasperltheater inszeniert, die unglaubliche Aktenvernichtung in freundlichem Kölsch zelebriert. Gropper erzählt als Märchentante von einer der größten Pannen der Polizeigeschichte, dem sogenannten »Heilbronner Phantom«, das man auch für den durch die NSU-Truppe begangenen Mord an einer Polizistin verantwortlich machen wollte. Immer wieder flattern Dokuschnipsel über die Leinwand, unter anderem schwadroniert hier Hartmut Roewer, der ehemalige Präsident des Verfassungsschutzes, der stets seine schützende Hand über die rechte Szene hielt.

Insgesamt sind die medialen Brechungen und ironischen Verfremdungen ein gekonnter Zug, sie wirken dem Betroffenheitsreflex entgegen und stellen zugleich die Unerhörtheit des Geschehens aus. Dann wird das Publikum allerdings doch noch zusammengefaltet: In einer nicht enden wollenden Aufzählung rechtsradikaler Morde steigert sich der zunächst noch spöttische Rinke (»Auch Deutsche unter den Opfern!«) dermaßen in Rage, dass er am Ende zusammenbricht. Auch der Zuschauerraum schnappt nach Luft: Diese Faktenfülle ist schlichtweg erdrückend.

Natalie Bloch, Theater Heute, März 2015

 

»Auch Deutsche unter den Opfern« thematisiert in rasant inszenierten Szenen Untersuchungsfehler und Pannen von Polizei und Verfassungsschutz. Der Regisseur hat den laufenden Prozess in München besucht, mit Rechtsanwälten, Journalisten und Prozessbeobachtern gesprochen und daraus ein dichtes, mit Fakten angefülltes Stück geschrieben, mit dem Tenor: Hier wurde absichtlich in die falsche Richtung ermittelt.

Die verbissene Haltung, die Täter im türkisch-kurdischen Mafia-Milieu zu suchen, gar Angehörige der Opfer zu verdächtigen, um ja nicht in die rechte Ecke schauen zu müssen, hat etwas Absurdes. Entsprechend konfrontiert Tuğsal Moğul sein Publikum auf Kerstin Bayers karger Bühne nicht nur mit grausigen Details, sondern überspitzt Szenen auch ins märchenhaft Satirische, was dem Stück eine mitunter befreiende Komik verleiht. Dass die bitterböse Ironie dabei stets im Vordergrund steht, ist auch das Verdienst der Schauspieler, Lilly Gropper, Dennis Laubenthal und Christoph Rinke, die im fliegenden Wechsel Angehörige, Zeugen, Angeklagte oder Ermittler darstellen, meist jedoch als Fragende auf der Bühne stehen.

Großartig ist Rinke, wenn er im altväterlichen Ton einen rechtsradikalen V-Mann-Führer des Verfassungsschutzes demaskiert (»Klein-Adolf genannt«) oder, über Akten verzweifelnd, die grausigsten Gewalttaten von Neonazis ins Publikum brüllt (»Auch Deutsche unter den Opfern!«). Schockierend wirken Momente, die den beklemmenden Eindruck hinterlassen, dass die rechtsextreme Szene in Deutschland weitaus größer ist, als der zähe NSU-Prozess vermittelt. An die Bühnenwand projizierte Passanten-Interviews (Video: Maximilian Krug) machen Ängste vor der eigenen Haustür spürbar, bevor die männlichen Figuren in anrührender Folklore (Choreografie: Erik Constantin) am Ende der Opfer gedenken. Ein aufwühlendes, mutiges Stück, das lange nachwirkt.

Isabell Steinböck, Westfälische Nachrichten, 19. Januar 2015

Presse

Am beeindruckendsten aber ist »Auch Deutsche unter den Opfern« von Tugsal Mogul, entstanden am Theater Münster. Der Theatermacher unternimmt mit Lilly Gropper, Dennis Laubenthal und Christoph Rinke einen 90-minütigen Gewaltritt durch die Faktenflut, vor allem aber die haarsträubenden Ungereimtheiten des NSU-Komplexes, die einen am Rechtsstaat zweifeln lassen. Seit Fausto Paravidinos »Genua 01« hat es kein Dokumentarstück von so wütender Dringlichkeit gegeben. Eine echte Entdeckung!

Patrick Wildermann, Der Tagesspiegel, 29. Juni 2015

 

Die möglicherweise komprimierteste Recherchearbeit über den NSU-Fall hat nun Tuğsal Moğul am Theater Münster unternommen. Was er hier an Begebenheiten und Fakten zusammengetragen hat, zieht einem wahrlich die Schuhe aus, denn es zeigt nicht nur die Pannen, sondern auch regelrechte Sabotageakte bei den Ermittlungen: zwielichtige Ermittler beim Verfassungsschutz, hochkriminelle rechtsradikale V-Männer, die mit dem für ihre »Dienste« erhaltenen Geld ihre Organisationen erst so richtig aufbauen konnten, die Verhinderung der Ermittlungen in der Naziszene (u.a. durch Hessens Landesvater Volker Bouffier) und die Vernichtung wichtiger Akten, den beschämenden Umgang mit den Angehörigen der Opfer (ganze Familien wurden unter Mordverdacht gestellt).

Moğuls realitätsgesättigtes Informationsknäuel ist geschickt verknotet, mal wechseln seine drei Sprecherstimmen rasch, als würden sie Informationen zusammentragen, dann gibt es wieder längere Erzählpassagen, oder einzelne Ereignisse (wie Zeugenbefragungen) werden szenisch nachgestellt. [...]

Inszenatorisch setzt Moğul auf Überforderung: Die multimobile jugendliche Einsatztruppe (sozusagen ein NSU-Gegentrio: Lilly Gropper, Dennis Laubenthal, Christoph Rinke in Hoodies und Sneakern) knallt uns den Text von der kleinen leeren Spielfläche des U2 aus um die Ohren, dass es nur so dröhnt. Sprecherpositionen werden rasant gewechselt, Ermittler, Täter, Opfer, Politiker, Zeuge, jeder ist jeder. Geschwind stellen sie als Soko-Team die zehn NSU-Morde nach, die Bilder der Ermordeten flackern dazu grobkörnig über eine Leinwand. Die Story des V-Mannes, der »zufälligerweise« am Tatort war, wird als Kasperltheater inszeniert, die unglaubliche Aktenvernichtung in freundlichem Kölsch zelebriert. Gropper erzählt als Märchentante von einer der größten Pannen der Polizeigeschichte, dem sogenannten »Heilbronner Phantom«, das man auch für den durch die NSU-Truppe begangenen Mord an einer Polizistin verantwortlich machen wollte. Immer wieder flattern Dokuschnipsel über die Leinwand, unter anderem schwadroniert hier Hartmut Roewer, der ehemalige Präsident des Verfassungsschutzes, der stets seine schützende Hand über die rechte Szene hielt.

Insgesamt sind die medialen Brechungen und ironischen Verfremdungen ein gekonnter Zug, sie wirken dem Betroffenheitsreflex entgegen und stellen zugleich die Unerhörtheit des Geschehens aus. Dann wird das Publikum allerdings doch noch zusammengefaltet: In einer nicht enden wollenden Aufzählung rechtsradikaler Morde steigert sich der zunächst noch spöttische Rinke (»Auch Deutsche unter den Opfern!«) dermaßen in Rage, dass er am Ende zusammenbricht. Auch der Zuschauerraum schnappt nach Luft: Diese Faktenfülle ist schlichtweg erdrückend.

Natalie Bloch, Theater Heute, März 2015

 

»Auch Deutsche unter den Opfern« thematisiert in rasant inszenierten Szenen Untersuchungsfehler und Pannen von Polizei und Verfassungsschutz. Der Regisseur hat den laufenden Prozess in München besucht, mit Rechtsanwälten, Journalisten und Prozessbeobachtern gesprochen und daraus ein dichtes, mit Fakten angefülltes Stück geschrieben, mit dem Tenor: Hier wurde absichtlich in die falsche Richtung ermittelt.

Die verbissene Haltung, die Täter im türkisch-kurdischen Mafia-Milieu zu suchen, gar Angehörige der Opfer zu verdächtigen, um ja nicht in die rechte Ecke schauen zu müssen, hat etwas Absurdes. Entsprechend konfrontiert Tuğsal Moğul sein Publikum auf Kerstin Bayers karger Bühne nicht nur mit grausigen Details, sondern überspitzt Szenen auch ins märchenhaft Satirische, was dem Stück eine mitunter befreiende Komik verleiht. Dass die bitterböse Ironie dabei stets im Vordergrund steht, ist auch das Verdienst der Schauspieler, Lilly Gropper, Dennis Laubenthal und Christoph Rinke, die im fliegenden Wechsel Angehörige, Zeugen, Angeklagte oder Ermittler darstellen, meist jedoch als Fragende auf der Bühne stehen.

Großartig ist Rinke, wenn er im altväterlichen Ton einen rechtsradikalen V-Mann-Führer des Verfassungsschutzes demaskiert (»Klein-Adolf genannt«) oder, über Akten verzweifelnd, die grausigsten Gewalttaten von Neonazis ins Publikum brüllt (»Auch Deutsche unter den Opfern!«). Schockierend wirken Momente, die den beklemmenden Eindruck hinterlassen, dass die rechtsextreme Szene in Deutschland weitaus größer ist, als der zähe NSU-Prozess vermittelt. An die Bühnenwand projizierte Passanten-Interviews (Video: Maximilian Krug) machen Ängste vor der eigenen Haustür spürbar, bevor die männlichen Figuren in anrührender Folklore (Choreografie: Erik Constantin) am Ende der Opfer gedenken. Ein aufwühlendes, mutiges Stück, das lange nachwirkt.

Isabell Steinböck, Westfälische Nachrichten, 19. Januar 2015


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So, 30. April 2017
19.00 Uhr · U2 · Preise G

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